Nicolas BerggruenDas Phantom

Der Milliardär Nicolas Berggruen hat Karstadt gekauft, er sammelt Kunst und will die Welt verbessern. Ein Gespräch mit einem, der kaum zu fassen ist

ZEITmagazin: Herr Berggruen, wir befinden uns in Brüssel, in einem Land, das gerade ein Jahr lang keine Regierung hatte. Einem Mann wie Ihnen, der als politisch links gilt, könnte das gefallen.

Nicolas Berggruen: Das gefällt mir überhaupt nicht. Menschen sind soziale Wesen, wir haben uns entwickelt, Fortschritte gemacht, weil wir Institutionen haben und einen Gesellschaftsvertrag zwischen den Generationen. Eine Weile mag das vielleicht gut gehen – aber auf Dauer kommt ein Gemeinwesen nicht ohne politische Führung aus, ohne eine gute Regierung.

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ZEITmagazin: Woran erkennt man eine gute Regierung?

Berggruen: An guten Ergebnissen. Für mich heißt das, dem Durchschnittsbürger muss es gut gehen, nicht nur einem Teil der Gesellschaft.

Nicolas Berggruen

50, wurde in Paris geboren. Sein Vater war der Kunstsammler Heinz Berggruen, seine Mutter ist die Schauspielerin Bettina Moissi. 1984 gründete er seine erste Investmentfirma, 2011 schätzte Forbes sein Vermögen auf 2,3 Milliarden Dollar. Er ist unverheiratet.

ZEITmagazin: Derzeit erleben wir in der Finanzwelt große Krisen. Gregor Gysi, Mitglied der Linkspartei, hat schon 1989 gesagt, der Kapitalismus habe nicht gewonnen, er sei lediglich übrig geblieben. Hat er recht gehabt?

Berggruen: Nein. Kapitalismus ist nur ein Mechanismus. Im Kapitalismus wird vieles von den Märkten entschieden. Wenn man die Märkte unreguliert agieren lässt, sind Exzesse die Folge. Diese erleben wir in den letzten zwei Jahren. Extremkapitalismus ist gefährlich. Das führt wieder zu der Einsicht, dass wir Regierungen brauchen, die ihrer Verantwortung gerecht werden, die klare Regeln setzen.

ZEITmagazin: Offensichtlich können sie das nicht mehr in hinreichendem Maße, die Institutionen greifen ins Leere. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sagt, die Märkte seien Monster. Ein Monster ist etwas, das man nicht zügeln kann.

Berggruen: Man muss auch den notwendigen politischen Willen besitzen. In Demokratien haben die Institutionen oft nur wenig Kraft, weil die Politiker zu kurzfristig agieren. Sie denken an die nächsten Wahlen. Ein anderes Problem liegt darin, dass Länder wie China, aber auch Indonesien, Brasilien und die Türkei zu ernsthaften Konkurrenten des Westens geworden sind. Sie können viel Arbeitskraft zu niedrigen Preisen anbieten, während es im Westen genau umgekehrt ist. Wir stehen vor einer Entscheidung: Wollen wir weniger arbeiten, nicht mehr so viel investieren? Die Folge wäre, dass die nächste Generation deutliche Einbußen an Lebensqualität hinnehmen müsste. Oder sind wir bereit, Zugeständnisse zu machen? Erstens: wieder mehr zu investieren in Bildung und Infrastruktur und dabei auch längerfristig zu planen. Und: Wir müssen länger und härter arbeiten. Wir müssen die Frage beantworten: Sind wir bereit, Opfer zu bringen?

ZEITmagazin: Sie meinen, Länder wie China und Brasilien können besser planen, weil sie nicht dem Druck der Wähler ausgesetzt sind?

Berggruen: So ist es.

ZEITmagazin: Die Frage ist also, wie man etwas durchsetzen kann in der Politik. Was ist da wichtiger, Mut oder Ehrlichkeit?

Berggruen: Beides ist wichtig, aber Ehrlichkeit birgt ein großes Risiko. Gerhard Schröder zum Beispiel...

ZEITmagazin: ...mit dem Sie befreundet sind und der in Ihrem Thinktank mitwirkt...

Berggruen: ...war mit seiner Agenda 2010 ehrlich und ist dann abgewählt worden. Das ist ein politisches Dilemma.

Leserkommentare
    • tilllt
    • 13.04.2012 um 14:55 Uhr

    @CorporateRaider

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumsrücknahme

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    Wachstum und Verzinsung von Kapital sind zwei unterschiedliche Dinge... Auch in einem Szenario ohne Wachstum kann und muss Kapital verzinst werden, da ansonsten nicht mehr investiert, sondern konsumiert wird - mit allen negativen Folgen... ;-)

    Wachstum und Verzinsung von Kapital sind zwei unterschiedliche Dinge... Auch in einem Szenario ohne Wachstum kann und muss Kapital verzinst werden, da ansonsten nicht mehr investiert, sondern konsumiert wird - mit allen negativen Folgen... ;-)

  1. das stimmt wohl. Die Mitarbeiter von Karstadt sind ihm sicherlich egal. Vermutlich kennt er nicht einen Namen von einem leitenden Angestellten dort. Aber ... und jetzt kommt ein dickes aber ... schlimmer als Thomas Middelhoff ist niemand. Ich bin sicher, dieser Konzern wäre zu retten gewesen, wenn man nicht das Tafelsilber sich und seinen Freunden zugeschoben hätte. Und was besonders frustrierend ist, er ist damit durchgekommen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "kritisch bleiben"
  2. Wachstum und Verzinsung von Kapital sind zwei unterschiedliche Dinge... Auch in einem Szenario ohne Wachstum kann und muss Kapital verzinst werden, da ansonsten nicht mehr investiert, sondern konsumiert wird - mit allen negativen Folgen... ;-)

    Antwort auf "Re: Rendite"
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    • tilllt
    • 13.04.2012 um 16:08 Uhr

    Wachstum und Rendite ist nicht das gleiche, ja. Aber wo steht, dass Rendite vor unternehmenserhaltenden Investitionen bemessen wird?

    N. Berggrün hat Karstadt (genau wie seine anderen Investitionen) sicherlich nicht mit der Erwartung gekauft, ihren Wert zu erhalten ohne nach seinem Einwirken einen Gewinn abzuschöpfen. Auf der anderen Seite ist es das, was die Angestellten interessiert: Stabilität, nicht Expansion.

    Nach allem was man über Herrn Berggrün lesen kann, ist er sowohl an Gewinn als auch Wachstum seiner Unternehmensgruppe interessiert.

    • tilllt
    • 13.04.2012 um 16:08 Uhr

    Wachstum und Rendite ist nicht das gleiche, ja. Aber wo steht, dass Rendite vor unternehmenserhaltenden Investitionen bemessen wird?

    N. Berggrün hat Karstadt (genau wie seine anderen Investitionen) sicherlich nicht mit der Erwartung gekauft, ihren Wert zu erhalten ohne nach seinem Einwirken einen Gewinn abzuschöpfen. Auf der anderen Seite ist es das, was die Angestellten interessiert: Stabilität, nicht Expansion.

    Nach allem was man über Herrn Berggrün lesen kann, ist er sowohl an Gewinn als auch Wachstum seiner Unternehmensgruppe interessiert.

  3. 20. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen, Polemik und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

  4. Dieses Interview ist eine einzige Provokation.

    • tilllt
    • 13.04.2012 um 16:08 Uhr

    Wachstum und Rendite ist nicht das gleiche, ja. Aber wo steht, dass Rendite vor unternehmenserhaltenden Investitionen bemessen wird?

    N. Berggrün hat Karstadt (genau wie seine anderen Investitionen) sicherlich nicht mit der Erwartung gekauft, ihren Wert zu erhalten ohne nach seinem Einwirken einen Gewinn abzuschöpfen. Auf der anderen Seite ist es das, was die Angestellten interessiert: Stabilität, nicht Expansion.

    Nach allem was man über Herrn Berggrün lesen kann, ist er sowohl an Gewinn als auch Wachstum seiner Unternehmensgruppe interessiert.

    Antwort auf "Apfel und Birnen"
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    für eine Investition einen Gewinn zu erwarten. Die Angestellten sollten einen Arbeitsplatz erwarten. Mir ist nicht bewusst, dass einem Angestellten Stabilität versprochen wird wenn er einen Job antritt. In meinem Arbeitsvertrag steht zumindest nichts von Stabilität.......

    Gewinn ohne Wachstum ist zwar möglich und oft auch wünschenswert doch nach wie vor sehr schwer zu realisieren. Warum sie es ausgerechnet von einem Investor erwarten ist mir nicht klar.

    für eine Investition einen Gewinn zu erwarten. Die Angestellten sollten einen Arbeitsplatz erwarten. Mir ist nicht bewusst, dass einem Angestellten Stabilität versprochen wird wenn er einen Job antritt. In meinem Arbeitsvertrag steht zumindest nichts von Stabilität.......

    Gewinn ohne Wachstum ist zwar möglich und oft auch wünschenswert doch nach wie vor sehr schwer zu realisieren. Warum sie es ausgerechnet von einem Investor erwarten ist mir nicht klar.

  5. für eine Investition einen Gewinn zu erwarten. Die Angestellten sollten einen Arbeitsplatz erwarten. Mir ist nicht bewusst, dass einem Angestellten Stabilität versprochen wird wenn er einen Job antritt. In meinem Arbeitsvertrag steht zumindest nichts von Stabilität.......

    Gewinn ohne Wachstum ist zwar möglich und oft auch wünschenswert doch nach wie vor sehr schwer zu realisieren. Warum sie es ausgerechnet von einem Investor erwarten ist mir nicht klar.

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    Lesen Sie die Kommentare eigentlich. Wenn ja dann ueberlesen Sie haeufig das Herr berggruen anscheinend nur den obligatorischen Euro bezahlt hat und der steuerzahler schon das mindestens 100000 fache. Wenn Sie zu Ihrem Wort stehen hat also der Steuerzahler das 100000fache von dem verdient was herr berggruen hier macht, oder?

    Lesen Sie die Kommentare eigentlich. Wenn ja dann ueberlesen Sie haeufig das Herr berggruen anscheinend nur den obligatorischen Euro bezahlt hat und der steuerzahler schon das mindestens 100000 fache. Wenn Sie zu Ihrem Wort stehen hat also der Steuerzahler das 100000fache von dem verdient was herr berggruen hier macht, oder?

    • tilllt
    • 13.04.2012 um 16:43 Uhr

    Wahrscheinlich haben sie den Link zur Wikipedia-Seite bzw. deren Inhalt übersehen. Es ging nicht um die Redlichkeit oder Moral von Gewinnen und Wachstum sondern um ein Umdenken in der Wirtschaftstheorie, von dem N. Berggrün bestimmt schonmal gehört hat. Dabei geht es darum das Paradigma des Wachstums in der Wirtschaft zu diskutieren.

    Ein paar Stichworte zum Nachschlagen:
    Post-autistische Ökonomie
    post growth ecomony
    décroissance
    Wachstumsparadigma

    Einem, dem Weltverbesserungstendenzen nachgesagt werden wie dem Berggrün, sollte sich damit vielleicht schonmal beschäftigt haben, denn die Wirtschaft ist ja nunmal sein Spielfeld.

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    hat er das auch schon mal getan. Ich weiss es nicht. Woher wissen Sie, dass er es nicht getan hat ?
    Möglicherweise hat er dazu seine eigene Meinung. Die Tatsache, dass es diese Theorien und Gedanken gibt sind nicht verpflichtend sie umzusetzen. Jeder der in der Wirtschaft oder Industrie tätig ist weiss wie schwierig dies ist.

    hat er das auch schon mal getan. Ich weiss es nicht. Woher wissen Sie, dass er es nicht getan hat ?
    Möglicherweise hat er dazu seine eigene Meinung. Die Tatsache, dass es diese Theorien und Gedanken gibt sind nicht verpflichtend sie umzusetzen. Jeder der in der Wirtschaft oder Industrie tätig ist weiss wie schwierig dies ist.

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