Eliten sind am liebsten unter sich
Herkunft und Lebenschancen sind eng verknüpft. Das gilt nicht nur am unteren Ende der gesellschaftlichen Pyramide, sondern noch stärker an ihrer Spitze, in der Oberschicht. Dass die Ostdeutschen »oben« unterrepräsentiert sind, ist deshalb kein Kollektivschicksal einer ethnischen Minderheit (die Ostdeutschen sind keine Basken oder Waliser), sondern geht darauf zurück, dass sich die Eliten selbst abschotten und am liebsten unter ihresgleichen sind. Der Elitenforscher Michael Hartmann weist darauf hin, wie undurchlässig unsere obere Führungsschicht ist. Der richtige Habitus, hilfreiche Netzwerke, der gemeinsame Herkunftsstall sind für Spitzenkarrieren immer noch ein wichtiges Eintrittsticket – und die Westdeutschen haben da einen schwer einholbaren Vorsprung. Man stellt lieber jemanden ein, der aus ähnlichen Verhältnissen kommt wie man selbst. Bildung mögen die Ostdeutschen erlangen können, im Hinblick auf Vermögen, Wohlstand und Vitamin B klafft eine große Lücke. Das Geldvermögen ostdeutscher Haushalte ist kaum halb so groß wie das westdeutscher Haushalte, ihr Anteil am Produktivvermögen äußerst gering. Dies gilt selbst in Ostdeutschland, da infolge der Privatisierung fast das gesamte Eigentum in westdeutsche und ausländische Hände ging. Eines kommt erschwerend hinzu: Aufstieg braucht Gelegenheiten. Das Geld, die erfolgreichen Unternehmen, die tollen Chancen, die jungen Menschen als Leiter nach ganz oben dienen können, finden sich eben eher in den wirtschaftsstarken Regionen Baden-Württembergs als im Landkreis Uecker-Randow an der polnischen Grenze.
Was folgt daraus? Eine Quote für die Ossis? Das wäre wohl kein wirklich gutes Gegenmittel, zumal diese auch bei Frauen oder Migranten hochumstritten ist. Sie würde dazu führen, dass Ostdeutsche ihr Wir-Gefühl womöglich zum wichtigsten Fixpunkt machen und sich abgrenzen. Dafür stehen bereits Teile der Partei Die Linke und die Super-Illu. Beide bedienen nach wie vor spezifisch ostdeutsche Themen und sprechen Ostdeutsche direkt an. Eine Ossi-Quote würde einer guten Integration zuwiderlaufen.Das Problem ist genereller Art. Es zeigt, wie ungleich die Chancen in unserer Gesellschaft verteilt sind und wie schwierig der Aufstieg für bestimmte Gruppen ist. Vielleicht können wir ja etwas aus der Wahl von Bundespräsident Gauck lernen: offener zu sein gegenüber Menschen mit brüchigen Biografien und anderen Erfahrungen. Weniger mit der Schablone heranzugehen. Dazu braucht es eine größere Bereitschaft von Institutionen, den Wert unterschiedlicher Lebenswege zu erkennen und ein Mehr an Chancen jenseits des Mainstreams zu ermöglichen. Wenn die Wahl von Joachim Gauck auch solche Signale setzte, wäre schon viel erreicht.





zumindest haben sich die westdeutschen Eliten mittels der Treuhand im Osten ordentlich bereichert. Da konnte ja für die Ossis nichts zum Aufsteigen übrig bleiben.
"Der deutsche Goldrausch", Autor Dirk Laabs
Die Sieger schreiben doch immer die Geschichte...
.....wohl alles nur eine Frage der Zeit.
gibt es aber in D. seit 1918 nicht mehr.
"Menschen mit Integrität hingegen und mit Würde sind im ökonomischen Sinne nicht erfolgreich."
Integritaet und Wuerde auf der einen Seite und Erfolg im oekonomischen Sinne haben einfach relativ wenig miteinander zu tun. Oder wollen Sie etwa behaupten, dass nur "Zukurzgekommene" integre Menschen sein koennen? Das waere natuerlich kompletter Unsinn, der sich empirisch auch einfach widerlegen liesse.
"Der Überbau und die Beschaffenheit der soziokulturellen Verhältnisse der BRD verhindern, dass es in Deutschland jemals integre Eliten geben kann."
Sie scheinen einen sehr eingeschraenkten Elitebegriff zu haben. Wenn man natuerlich den Elitebegriff "passend" eingrenzt, kann man jede noch so steile These "beweisen".
Im uebrigen scheint mir bei nuechterner Betrachtung der Ueberbau und die Beschaffenheit der soziokulturellen Verhaeltnisse der BRD nicht gar so schlecht, wie Sie es offenbar annehmen. Oder denken Sie etwa, dass Millionen Ostdeutsche zu DDR-Zeiten nur deshalb ausreisen wollten, weil es in Westdeutschland Bananen gab? Das wuerde allerdings dann mehr ueber den Ueberbau und die Beschaffenheit der soziokulturellen Verhaeltnisse der DDR als die der BRD aussagen.
Gut gesagt. Und Ihrer Hoffnung, dass Ost und West in Deutschland mal nur die Himmelsrichtungen bezeichnet, schliesse ich mich an.
Gut gesagt. Und Ihrer Hoffnung, dass Ost und West in Deutschland mal nur die Himmelsrichtungen bezeichnet, schliesse ich mich an.
.....solch einen Mist gelesen. Wirklich.
Wenn das nicht ironisch gemeint war, können Sie mir
nur leid tun.
Vielen Dank fuer Ihren humoristischen Beitrag! Am 1. April waere er noch passender gewesen!
Ganz im Vertrauen: es gab im Osten tatsaechlich eine Oberschicht. Und es gibt dort jetzt auch reichlich Golfplaetze. Die meisten Spitzenunis befinden sich heute im Osten, die Studienbedingungen dort sind vielfach wesentlich besser als im Westen. Und ich gehe jede Wette ein, dass in fuenf oder zehn Jahren, wenn die juengere Generation im Osten, die keine DDR-Sozialisation mehr durchlaufen hat, kein Autor mehr auch nur einen Hund hinter dem Ofen mehr hervorlocken kann mit so einem Artikelthema, weil es sich dann naemlich von selbst erledigt haben wird.
Gut gesagt. Und Ihrer Hoffnung, dass Ost und West in Deutschland mal nur die Himmelsrichtungen bezeichnet, schliesse ich mich an.
... und das ist, trotz Merkel und Gauck, auch ok so. Eine Chancengleichheit zwischen Ost und West gibt es auch heute nicht, leider leider. Aber das ist historisch gewachsen und niemand kann die Vergangenheit ändern. Viele können sie nicht einmal verstehen. Marshall-Plan im Westen, Reparationen an die Russen im Osten - die Ungerechtigkeiten der Nachkriegszeit schlagen auch 22 Jahre nach der Wiedervereinigung durch. Die Herkunft entscheidet in Deutschland heute mehr denn je - nicht nur über die Bildung, sondern mehr noch über den Zugang zur Macht! Seilschaften gibt es eben nicht nur im Osten... ach Entschuldigung: Netzwerke und solidarische Gemeinschaften. (Bestes Beispiel sind etwa die GRÜNEN, die tatsächlich immer noch das "Bündnis 90" im Namen tragen, haha!) Und in zwanzig Jahren werden die einen erben (und glauben, sie hätten es sich ganz allein verdient), für die anderen reicht dann nicht einmal die Sozialkasse... Danke für diesen Artikel!!
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