Moderator Fritz Egner: "Ich moderiere jetzt zu Hause"
Der Moderator Fritz Egner über seinen Abschied vom Fernsehen und seinen Rückzug in die Familie
© Hannes Magerstaedt/Getty Images

Fritz Egner
ZEITmagazin: Herr Egner, Sie haben schon hinter sich, was Harald Schmidt jetzt bevorsteht – und demnächst vielleicht auch Ihrem alten Freund Thomas Gottschalk: den Rückzug aus dem Fernsehen. Wie war das?
Fritz Egner: Für mich war der letzte Tag, an dem ich Fernsehen gemacht habe, eine Befreiung. Nie wieder Quotendruck. Es gab bei jeder Sendung minütliche Auswertungen der Zuschauerzahlen, und die bekam der Moderator auch mitgeteilt. Das ging schon an die Nerven. Die Leute denken, das Verschwinden von der Bildfläche sei der soziale Tod. Aber das kann auch genau umgekehrt sein. In meinem Fall war es ein soziales Erwachen.
ZEITmagazin: Sat.1 hat Sie 2005 mit der Begründung vor die Tür gesetzt, Sie seien nicht lustig genug. Hat Sie das verletzt?
Egner: Ich wusste ein Jahr vorher, dass ich als Moderator der Sendung Die witzigsten Werbespots der Welt abgesetzt werden würde. Wir haben gemeinsam entschieden, noch eine Staffel zu machen und dass sie sich dann jemand Neuen suchen. Die haben mir erzählt, dass sie es mit einem Comedian probieren wollen, um einen neuen Dreh reinzukriegen. Den habe ich nicht beneidet. Ich konnte ja mein Gerede selbst nicht mehr hören nach so vielen Jahren.
62, geboren in München, war 20 Jahre lang Fernsehmoderator. Bekannt wurde er mit den Unterhaltungssendungen Dingsda in der ARD und Versteckte Kamera im ZDF. Seine letzte Sendung war Die witzigsten Werbespots der Welt auf Sat.1. Egner ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt bei München. Er moderiert noch eine Musiksendung im Bayerischen Rundfunk
ZEITmagazin: Sie vermissen also nichts?
Egner: Ich vermisse den Gehaltsscheck. Aber bekannt zu sein ist mir nicht wichtig. Ich bin in jeden neuen Job hineingerutscht. Hab immer gedacht, das machst du eine Weile, dann merken sie, dass du es nicht kannst. Aber es ging immer weiter.
ZEITmagazin: Harald Schmidt hat die Absetzung seiner Late-Night-Show nur lapidar mit »Schade« kommentiert. Glauben Sie ihm, dass er es wirklich so locker nimmt?
Egner: Ich nehme an, dem Harald ist das völlig wurscht. Na ja, gut, vielleicht nicht völlig, aber ich glaube, der sieht das recht entspannt. Der hat da keine Trennungsschmerzen. Und der Thomas hat übrigens auch nicht so viel Angst vor dem Ende, wie man denkt. Wer glaubt, dass ihn das fertigmacht, der überschätzt seinen Geltungsdrang. Wir sind schon ewig befreundet, waren gerade neulich noch in Berlin zusammen mittagessen, und er ist ausgesprochen gelassen, was die Quoten seiner Sendung »Gottschalk Live« angeht.
ZEITmagazin: Sie haben beide in den siebziger Jahren Ihre Karriere als Radiomoderator in München begonnen. Verbindet das?
Egner: Genau genommen war ich zunächst Tonstudiotechniker beim amerikanischen Truppensender AFN. Ich hatte zwar die Hoffnung, auch mal auf Sendung zu gehen, aber zunächst durfte ich nur die Wetter- und Verkehrsmeldungen verlesen. Ich habe jede Nacht im Sender geschlafen und gehofft, dass der Moderator, der die Morgensendung macht, irgendwann mal verschläft. Am Ostermontag 1977 war mein Tag dann gekommen. Der Kollege kam nicht, also bin ich ins Studio und dann auch auf Sendung gegangen.






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