HochschulpolitikWerbung, die lügt

Mit Imagekampagnen hat der Osten Studenten angelockt. Nun enttäuscht er sie mit schlechten Bedingungen – und vergibt vielleicht seine größte Chance.

An einem Freitag Ende März beschloss Christoph Fasbender, den Semesterbeginn abzusagen. Fasbender, 45, ist Literaturwissenschaftler und Dekan der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz. »Wenn ich freitags nicht weiß, ob meine Leute am Montag anfangen können, kann ich nicht verantworten, dass das Semester beginnt«, sagt er. Die Verträge von 20 »unverzichtbaren« Mitarbeitern waren – drei Tage vor Ende der Ferienzeit – noch immer nicht unterschrieben worden. Fasbender hielt das für eine »Riesensauerei«.

Das Problem mit den Verträgen kommt daher, dass die Staatsregierung jüngst eine ganz eigene Form des Einstellungsstopps beschlossen hat: Jede Vertragsverlängerung, Entfristung oder Neueinstellung muss nun vom Ministerpräsidenten oder seinem Stellvertreter genehmigt werden. »Dass man versucht, Stellen intern zu besetzen, ist ja sinnvoll«, sagt Fasbender. »Aber zu glauben, aus einem Verwaltungsangestellten könne ein wissenschaftlicher Mitarbeiter werden, wenn man im Ministerium nur lange genug darauf hofft, ist absurd.« Noch Tage später bringt den Professor »diese Kabinettsposse« in Rage; er ärgert sich maßlos darüber, wie fern man in den Ministerien der Uni-Welt zu sein scheint. Auch Fasbenders Chef, der neu gewählte Chemnitzer Rektor Arnold van Zyl, ist »beunruhigt« darüber, wie stark die Landesregierung mit ihrem Personalcontrolling in die Autonomie der Hochschulen eingreife.

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Eine Fakultät kündigt an, die Ferien zu verlängern, weil das Personal fehlt. Das hat es in Sachsen, dem Freistaat, der sich selbst doch stolz zum »Forschungsland« erklärt hat, noch nicht gegeben. Seit Jahren betont man im strukturschwachen Osten den Stellenwert von Bildung und Forschung. Gerade erst mahnt eine Studie des Bundesinnenministeriums, der Osten müsse dringend seine »Attraktivität als Standort für Humankapital« verbessern. Doch in Sachsen ist vor wenigen Wochen im Streit mit dem Finanzminister um die Personalausstattung der Kultusminister zurückgetreten. Seitdem kreisen viele Debatten um eine Frage: Wie viel Sparen kann das Land sich leisten? Die Wissenschaftspolitik ist die nächste Front, an der Finanzminister Georg Unland und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU) heftige Auseinandersetzungen bevorstehen – und Fasbenders Verzweiflungstat gilt vielen an den Unis als Beweis: Sachsens Sparpolitik bedroht die Substanz der Hochschulen. Die Wissenschaft wird dem Sparplan geopfert.

Minister Unland will die Zahl der Landesbediensteten bis zum Jahr 2020 um etwa 15.000 auf 70.000 reduzieren. Allein tausend Stellen sollen die Hochschulen bei sich streichen. Obwohl diese aus allen Nähten platzen, weil so viele Studenten eingeschrieben sind wie nie zuvor.

Der Ansturm auf die Hochschulen wird noch viele Jahre anhalten

Dabei sind die Studentenmassen eigentlich Beleg für einen großen Erfolg: Seit Jahren sollen Kampagnen wie »Pack dein Studium« oder »Studieren in Fernost« Abiturienten aus den alten Bundesländern in den »wilden« Osten locken. Beworben werden paradiesische Betreuungsverhältnisse, bestens ausgestattete Hörsäle, Bibliotheken und Labors. Weil es dies alles ohne Studiengebühren geben soll und die Lebenshaltungskosten niedrig sind, lassen sich viele überzeugen; sie gehen nach Sachsen, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern – und fühlen sich vor Ort ganz unangenehm an daheim erinnert: Vollends überlaufene Studiengänge nicht nur in den Geistes- und Sozialwissenschaften strafen die Werbung Lügen. Zugezogene Weststudenten schimpfen: Ihr habt uns gelockt mit Versprechungen und erfüllt viele davon nicht. Und nun wollt ihr noch weiter abbauen?

Die Imagekampagnen für den Campus Ost seien inzwischen wohl einfach zu erfolgreich, sagt der Wittenberger Hochschulforscher Peer Pasternack. Die »massiven Überlaufeffekte« der Westdeutschen führten dazu, »dass das Versprechen auf freie Studienplätze und beste Studienbedingungen, das einmal formuliert wurde, oft nicht mehr eingelöst werden kann«. Es sei zwar verständlich, wenn die Einrichtungen aus Angst vor Kürzungen um jeden Preis beweisen wollten, wie leistungsfähig sie seien. Langfristig sei es aber die falsche Strategie, die großen Erwartungen zu enttäuschen, sagt Pasternack: »Die beste Werbung sind ehemalige Studenten. Wenn die in einigen Jahren ihren Kindern empfehlen, auch im Osten zu studieren, weil sie es dort so toll fanden, ist das entscheidend.«

Doch um ihren Studierenden solche Erinnerungen zu bescheren, fehlt den meisten ostdeutschen Unis das Geld. Jahrelang wurden ihnen leere Hörsäle vorhergesagt: Der Geburtenknick nach der Wende werde zum Einbruch der Studienanfängerzahlen führen. Doch inzwischen hat die Kultusministerkonferenz eingestanden, was die Uni-Leitungen seit Langem predigen: dass man sich bei den Zahlen von 2009 massiv vertan hat. Bis zum Jahr 2015 werden etwa 749.000 Studienanfänger mehr als vorhergesagt an die Hochschulen strömen; weil immer mehr Schüler Abitur machen und immer mehr Abiturienten studieren wollen. Kurzum: All das, was die Politik jahrzehntelang angestrebt hat, wird Realität. Dumm nur, dass man daran offenbar in einigen Ministerialbüros selbst nicht geglaubt hat – und sich auch jetzt noch schwer damit tut, die Wirklichkeit zu akzeptieren.

Allein in Sachsen starteten im vergangenen Jahr rund 21.000 Anfänger ins Studium – und nicht wie prognostiziert 15.100. Auch die Hochschulen Sachsen-Anhalts und Thüringens immatrikulieren Tausende Studenten mehr als vorhergesagt. Für Holger Mann, SPD-Bildungspolitiker im Sächsischen Landtag, »ist absehbar, dass dieser Ansturm noch mindestens zehn Jahre anhalten wird« – falls die Weichen richtig gestellt würden, sogar länger: Genauso wichtig wie Werbekampagnen sei es, sich ernsthaft darum zu bemühen, mehr Frauen und Ausländer an die Hochschulen zu holen, »das hat genau die langfristigen Effekte, die wir wollen«, sagt Mann. Angesichts dessen an den beschlossenen Stellenkürzungen festzuhalten sei »fernab jeglicher Realität«.

Doch der sächsischen Wissenschaftsministerin geht es wie ihrem ehemaligen Kabinettskollegen aus dem Schulressort. Ihre Zahlen kollidieren mit dem obersten Ziel der Staatsregierung, den Haushalt zu konsolidieren. Dennoch gelte es »mit Blick auf den Fachkräftebedarf der nächsten Jahre, die Chancen, Studierende zu gewinnen, weiter zu nutzen und sie nicht durch Sparen im Hochschulbereich zu verbauen«, sagt Ministerin Sabine von Schorlemer. Man kann das durchaus als Spitze gegen Unland verstehen, der als ehemaliger Rektor der TU Freiberg ahnen müsste, dass die Hochschulen nicht weiter sparen können, ohne ihre Qualität aufs Spiel zu setzen.

Der Osten könnte die Universitäten zu Motoren seiner Entwicklung machen

Nicht wenige fühlen sich von Unland in die Irre geführt. Dieser argumentiert, neben der demografischen Entwicklung mache das Auslaufen des Solidarpakts II Kürzungen bei den Hochschulen nötig. Das sei schlicht falsch, entgegnet der Leipziger Prorektor Thomas Lenk. Zwar werde Sachsen künftig insgesamt weniger Geld bekommen. »Aber der Soli war nie für Bildung und Forschung vorgesehen, sondern zur Deckung von Infrastrukturlücken und als Ausgleich für die unterproportionale Finanzkraft der ostdeutschen Kommunen.« Nach 20 Jahren könne man doch die Investitionsquote auf ein Normalmaß zurückfahren, sagt Lenk. Stellenstreichungen im großen Stil seien dann nicht nötig – wenn aber am Personal gekürzt werde, sei »Holland in Not«.

Ohne Geld für Spitzenforscher und Lehrkräfte reißt der Osten nicht nur das gute Image, das er sich mit Kampagnen mühsam aufgebaut hat, wieder ein. Dann verspielt er auch seine größte Chance: Hochschulen zu dem zu machen, was Bildungsforscher Pasternack »zentrale Schaltstellen der Regionalentwicklung« nennt. Gerade dort, wo die Wirtschaft schwach ist und es kaum Industrie gibt, sind Hochschulen Motor des Wirtschaftswachstums, weil sie Unternehmen anziehen und junge, gut ausgebildete Menschen an die Region binden. Der Osten muss deshalb noch mehr als andere Regionen auf die sogenannte Bildungsrendite setzen: die Tatsache, dass Hochqualifizierte über ihre Steuern dem Staat ein Vielfaches ihrer Ausbildungskosten zurückerstatten. Deshalb will SPD-Politiker Mann erreichen, dass die Regierung endlich die zentrale Bedeutung der Hochschulen versteht. Die seien nämlich mitnichten der demografischen Entwicklung hilflos ausgeliefert: Mit einer vernünftigen Ausstattung könnten sie entscheidend dazu beitragen, Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Dafür aber müssten die Landesregierungen die Kosten für ihre Hochschulen nicht länger als finanzielle Bürde, sondern als sinnvolle Investitionen betrachten. Arnold van Zyl, der Chemnitzer Rektor, will für dieses Umdenken kämpfen. Die Hochschulen seien »das intellektuelle Herz des Freistaates«, ihr Pulsschlag bestimme nicht nur das wissenschaftliche Leben, sondern gebe auch wichtige Impulse für Wirtschaft, Kultur und andere Teile der Gesellschaft. Van Zyl hofft, dass man in den Ministerien künftig die richtigen Zahlen zur Kenntnis nimmt. Immerhin, so der gebürtige Südafrikaner, habe allein das südwestsächsische Gründernetzwerk Saxeed von 2009 bis 2011 an der TU Chemnitz 197 Gründungsprojekte betreut. In einer Unternehmensgründungsstudie der Ludwig-Maximilians-Universität München habe man sich damit um 28 Plätze auf Rang elf verbessern können.

Sollten Argumente wie diese keine Wirkung zeigen, bleibt den Professoren nur der Widerstand. Dass der wirkt, hat man in Chemnitz gerade gesehen: Nach Fasbenders Wutausbruch dauerte es nur wenige Stunden, bis die Verträge seiner Mitarbeiter unterzeichnet waren. Das Semester konnte doch noch pünktlich beginnen.

 
Leserkommentare
  1. Warum ist es für das im Artikel bearbeitete Thema relevant zu erwähnen, dass jemand, der an den besprochenen Prozessen beteiligt ist, gebürtiger Südafrikaner ist? Rassismus kann nur aufhören, wenn solche Informationen nicht mehr erwähnenswert sind und ihnen damit ihre Bedeutung genommen wird.

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    Angesichts des Namens wird es sich bei Herrn van Zeyl eher um einen Buren handeln. Somit paßt der Begriff "Rassismus" schon mal gar nicht. (jaja, ich weiß, die Bezeichnung "Rassen" für Menschengruppen unterschiedlicher Hautfarbe ist ohnehin nicht korrekt, wird aber so verwendet)

    Die Intention des Autoren war wohl schlicht 1. den ja doch nicht ganz uninteressanten Fakt, daß es jemanden aus Südafrika an eine Universität in Karl-Marx-Stadt verschlägt, irgendwo unterzubringen und 2. der journalistischen Gepflogenheit nachzukommen, zur größeren Abwechslung Menschen nach ihrer Herkunft zu bezeichnen.

    Regen Sie sich denn genauso auf, wenn wieder mal von M. Schumacher als "der Kerpener" gesprochen wird (obwohl er ja schon lange eigentlich "der Schweizer" heißen müßte)

    • sewenz
    • 19.04.2012 um 9:50 Uhr

    Wie schon von FreundHein angemerkt, scheint mir der Begriff "Rassismus" hier nicht so recht zu passen. Hier ein Bild des Rektors Prof. van Zyl:
    http://www.tu-chemnitz.de...

    Was vielleicht auch bedenkenswert erscheint: ist die reflexhafte Kategorisierung eines Afrikaners (hier genauer Südafrikaners) als schwarz -- ich unterstelle jetzt mal, dass Sie genau das getan haben und daher hier "Rassismus" witterten -- nicht selbst eine rassistische Stereotypisierung!?

    Außerdem: Ist es nicht vielleicht sogar eine Stereotypisierung zu Lasten der Weißen in Südafrika hier einen Schwarzen zu vermuten? Sind es möglicherweise reflexhaft vorgetragene Diskussionsbeiträge wie der Ihrige, die die Diskussion um Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung ideologisieren statt zu versachlichen?

    Und zu guter Letzt: hat hier wirklich jemand geglaubt, es gäbe einen schwarzen Rektor in Deutschland!? (All das unter der Annahme, dass Sie, lieber rstreifen, hier einen Schwarzen vor Augen hatten. Besonders interessant würde die weitere Diskussion, wenn Sie jetzt klarstellten, dass Sie an einen Weißen dachten... Allein um das Land ging es Ihnen ja wohl nicht, oder?)

    • jojoga
    • 22.08.2012 um 4:46 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke, die Redaktion/mk

    Angesichts des Namens wird es sich bei Herrn van Zeyl eher um einen Buren handeln. Somit paßt der Begriff "Rassismus" schon mal gar nicht. (jaja, ich weiß, die Bezeichnung "Rassen" für Menschengruppen unterschiedlicher Hautfarbe ist ohnehin nicht korrekt, wird aber so verwendet)

    Die Intention des Autoren war wohl schlicht 1. den ja doch nicht ganz uninteressanten Fakt, daß es jemanden aus Südafrika an eine Universität in Karl-Marx-Stadt verschlägt, irgendwo unterzubringen und 2. der journalistischen Gepflogenheit nachzukommen, zur größeren Abwechslung Menschen nach ihrer Herkunft zu bezeichnen.

    Regen Sie sich denn genauso auf, wenn wieder mal von M. Schumacher als "der Kerpener" gesprochen wird (obwohl er ja schon lange eigentlich "der Schweizer" heißen müßte)

    • sewenz
    • 19.04.2012 um 9:50 Uhr

    Wie schon von FreundHein angemerkt, scheint mir der Begriff "Rassismus" hier nicht so recht zu passen. Hier ein Bild des Rektors Prof. van Zyl:
    http://www.tu-chemnitz.de...

    Was vielleicht auch bedenkenswert erscheint: ist die reflexhafte Kategorisierung eines Afrikaners (hier genauer Südafrikaners) als schwarz -- ich unterstelle jetzt mal, dass Sie genau das getan haben und daher hier "Rassismus" witterten -- nicht selbst eine rassistische Stereotypisierung!?

    Außerdem: Ist es nicht vielleicht sogar eine Stereotypisierung zu Lasten der Weißen in Südafrika hier einen Schwarzen zu vermuten? Sind es möglicherweise reflexhaft vorgetragene Diskussionsbeiträge wie der Ihrige, die die Diskussion um Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung ideologisieren statt zu versachlichen?

    Und zu guter Letzt: hat hier wirklich jemand geglaubt, es gäbe einen schwarzen Rektor in Deutschland!? (All das unter der Annahme, dass Sie, lieber rstreifen, hier einen Schwarzen vor Augen hatten. Besonders interessant würde die weitere Diskussion, wenn Sie jetzt klarstellten, dass Sie an einen Weißen dachten... Allein um das Land ging es Ihnen ja wohl nicht, oder?)

    • jojoga
    • 22.08.2012 um 4:46 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke, die Redaktion/mk

    • ludna
    • 17.04.2012 um 20:12 Uhr

    nur die hohen Beamten in den Landesministerien (fast alle aus dem Westen) geht es noch gut.

    5 Leserempfehlungen
  2. Ich habe mich schon immer gewundert über die versprochenen fantastischen Studienbedingungen im Osten. Vor 10 Jahren war ich in Halle/Saale und habe kaum einen Dozenten persönlich gesprochen, einfach weil ich so gut wie nie in den Hörsaal am. Seminare bestanden aus 40 bis 50 Studierenden, die Bereichsbibliotheken in den Geisteswissenschaften waren nahezu einsturzgefährdet. Nach meinem Wechsel nach Bayern merkte ich erst einmal, dass an einer "Massenuni" auch persönliche Betreuung funktionieren kann. Da musste ich nie morgens um 5 vor der Uni stehen, um mich in prüfungsrelevante Seminare einschreiben zu können...

    Vielleicht betrifft diese gute Ausstattung ja kleine Provinzhochschulen. Die großen sind sieht jeher genauso voll wie die in den alten Bundesländern auch (oder sogar voller).

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    ...das ist nicht vergleichbar.

    ...das ist nicht vergleichbar.

    • hirmer
    • 17.04.2012 um 23:13 Uhr

    Man kann in jedem Beruf - in jedem, sage ich! - 10% Stellen durch Arbeitsverdichtung einsparen. - Wenn einem die Folgen egal sind. Jedenfalls freuen sich die Leute, die von dieser Arbeit profitieren, über die eingesparten Personalkosten. Man kann auch dem festen, durch nichts belegten Glauben anhängen, der Staat sei per se schädlich und deshalb anordnen, die Zahl der Staatsdiener zu reduzieren.

    Man kann auch die Ideologie vertreten, es sei sinnvoll, dass ein Bundesland deutlich über den eigenen Bedarf Studenten ausbildet.

    Was man dann aber auf keinen Fall darf, ist über die Sinnhaftigkeit seines Tuns nachzudenken ...

    5 Leserempfehlungen
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    • evel
    • 18.04.2012 um 10:49 Uhr

    Natürlich kann man in allen möglichen Bereichen Stellen streichen. Ob die "arbeitsverdichteten" Mitarbeiter dann besser arbeiten, ist eine andere Frage.
    Das Problem in Sachsen ist eher, dass dies nicht die erste Kürzungswelle ist, die über die Unis hinwegrollt, sondern nur eine weitere. Es wurde also schon vorher an allen Enden zusammengekürzt, und das, wie aus dem Artikel zu ersehen, trotz ständig steigender Studierendenzahlen. Anscheinend ist die Regierung der Meinung, dass eine Universität stets weiterhin funktioniert, egal wie viel man streicht, da sie auf die Verundenheit der Mitarbeiter mit ihrem jeweiligen Fach und ihre Bereitschaft, immer mehr zu leisten, setzt.
    Davon auszugehen, dass Universitäten ausschließlich (oder auch nur hauptsächlich) für den Bedarf des eigenen Bundeslandes ausbilden, geht übrigens an Realität und Konzeption des deutschen Hochschulsystem vorbei.

    • evel
    • 18.04.2012 um 10:49 Uhr

    Natürlich kann man in allen möglichen Bereichen Stellen streichen. Ob die "arbeitsverdichteten" Mitarbeiter dann besser arbeiten, ist eine andere Frage.
    Das Problem in Sachsen ist eher, dass dies nicht die erste Kürzungswelle ist, die über die Unis hinwegrollt, sondern nur eine weitere. Es wurde also schon vorher an allen Enden zusammengekürzt, und das, wie aus dem Artikel zu ersehen, trotz ständig steigender Studierendenzahlen. Anscheinend ist die Regierung der Meinung, dass eine Universität stets weiterhin funktioniert, egal wie viel man streicht, da sie auf die Verundenheit der Mitarbeiter mit ihrem jeweiligen Fach und ihre Bereitschaft, immer mehr zu leisten, setzt.
    Davon auszugehen, dass Universitäten ausschließlich (oder auch nur hauptsächlich) für den Bedarf des eigenen Bundeslandes ausbilden, geht übrigens an Realität und Konzeption des deutschen Hochschulsystem vorbei.

    • Chali
    • 18.04.2012 um 9:02 Uhr

    Besonders sparen tun wir uns Investitionen.

    Man fragt sich natürlich. ob es bei dem WiWis auch so aussieht ... den Hoheproestern des Neo-Liberalismus

    2 Leserempfehlungen
  3. Es ist fraglich, ob man die Wichtigkeit eines funktionierenden wissenschaftlichen Standort wirklich verkennt, da das Beispiel ist Jena, die über Jahre die Universität mit Gründerinitiativen u.ä. in die wirtschaftliche Entwicklung eingewoben haben und jetzt mit der wirtschaftsstärkste Standort im ganzen Osten ist, auch der Regierung in Sachsen bekannt sein dürfte.

    Was ich für wahrscheinlicher halte ist, das sie versuchen die "ungeliebten" Studiengänge in den Geistes-und Sozialwissenschaften klein zu halten. Denn das vorgehen erscheint logisch: In dem man den Universitäten die Pistole auf die Brust setzt, werden diese am ehesten die Studiengänge belasten, die den geringsten Anteil an den Drittmitteleinnahmen der Universität haben. Erfahrungsgemäß sind dies natürlich Germanistik, Philosophie usw. Dadurch können Tillich & co. aktiv in die Hochschulpolitik eingreifen und diese möglichst effektiv für das Land gestalten.

    Ich finde das dies ein ungeheurlicher Vorgang ist und es stimmt mich sehr traurig wie weit dieses Denken von Kosten/Nutzen und Humankapital schon gekommen ist. Unsere Zivilisation ist mehr als Funktionalität und Technikwissen, nämlich auch Kultur, Literatur und Künste. Ich empfinde diese Entwicklung zum diesem Denken von Humankapital (was ein scheußliches Wort) sehr deprimierend, vielleicht sogar noch deprimierender, dass diese Entwicklung offenbar nötig ist. Das sage ich als Student einer technikwissenschaftlichen Studienrichtung.

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  4. Ich finde es bedauerlich, dass die angeblichen Probleme der Ost-Universitäten, ich kann sie kaum überprüfen, auf Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen übertragen werden. Argumentiert wird im gesamten Artikel aber nur mit Negativbeispielen aus Sachsen. Die Universität Chemnitz ist nicht die Universität Greifswald und auch nicht die Uni Jena. Das suggeriert der Artikel aber leider.

    Ich studiere in Jena. Und obgleich mein Institut zu den kleinsten an der Uni gehört: Auch in größeren Bereichen wie Jura habe ich hier von meinen Kommilitonen nicht gehört, dass die Hörsääle hoffnungslos überlaufen seien.

    Kurzum: Die Ost-Unis mögen Probleme haben - aber die hat jede Universität. Und es ist leider kein guter Journalismus, wenn Sie mehrere Bundesländer rügen weil Sie in einem Bundesland schlechte Verhältnisse gefunden haben. Schreiben Sie entweder, dass Sie nur für Sachsen sprechen können, oder informieren Sie sich über die anderen Bundesländer und ziehen Sie auch von dort Fallbeispiele heran.

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  5. Es ist bedauerlich, dass die Vorlesungen und Seminare an der Philosophischen Fakultät überlaufen sind.
    Es gibt jedoch noch mehr Fachgebiete. Aus eigener Erfahrung an der TU weiß ich, dass man an den meisten anderen Fakultäten ganz in Ruhe studieren kann und selbst in der BWL einen Platz im Hörsaal und auch in den Übungen bekommt.
    Wir brauchen doch auch mehr Ingenieure, IT-ler, BWLer ... und nicht mehr Literaturwissenschaftler. Und in diesen Bereichen kann man im Osten wirklich gut studieren.

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    Wie sehr unsere Gesellschaft Ingenieure braucht, sieht man an deren Gehalt und Arbeitslosenzahlen.

    Nur mal so nebenbei: Es waren die Geisteswissenschaften, die unser gesamtes westliches Wertesystem begründet haben, allen voran natürlich Sokrates, Platon und Aristoteles. Und jetzt will man genau das abschaffen, um für die Wirtschaft möglichst gute Bedingungen zu schaffen. Hätte man das damals auch so gehandhabt, würden wir heute immer noch Felle tragen.

    Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Ignoranz gegenüber der eigenen Entstehungsgeschichte oder die Arroganz, mit der man sich als am Endpunkt der Entwicklung angekommen sieht.

    Dass die Bildung immer mehr an den Markt angepasst wird und einige dies auch noch befürworten bzw. diesen Prozess gut finden (siehe Kommentar 8.), führt dann zu irrsinnigen Diskussionen wie z.B. darüber, ob Philosophie an den Universitäten überhaupt noch angeboten werden soll.

    Wie sehr unsere Gesellschaft Ingenieure braucht, sieht man an deren Gehalt und Arbeitslosenzahlen.

    Nur mal so nebenbei: Es waren die Geisteswissenschaften, die unser gesamtes westliches Wertesystem begründet haben, allen voran natürlich Sokrates, Platon und Aristoteles. Und jetzt will man genau das abschaffen, um für die Wirtschaft möglichst gute Bedingungen zu schaffen. Hätte man das damals auch so gehandhabt, würden wir heute immer noch Felle tragen.

    Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Ignoranz gegenüber der eigenen Entstehungsgeschichte oder die Arroganz, mit der man sich als am Endpunkt der Entwicklung angekommen sieht.

    Dass die Bildung immer mehr an den Markt angepasst wird und einige dies auch noch befürworten bzw. diesen Prozess gut finden (siehe Kommentar 8.), führt dann zu irrsinnigen Diskussionen wie z.B. darüber, ob Philosophie an den Universitäten überhaupt noch angeboten werden soll.

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