ElektronikkonzernIt was a Sony

Der japanische Elektronikkonzern stand für das Lebensgefühl einer Generation. Vorbei von 

In einem Warenhaus in Tokyo betrachtet ein Kunde Produkte von Sony.

In einem Warenhaus in Tokyo betrachtet ein Kunde Produkte von Sony.  |  © Yuriko Nakao/Reuters

Sony war mal eine Weltmarke. Eine Art Apple der achtziger und neunziger Jahre, beliebt und begehrt. Lang ist’s her. Heute ist der japanische Elektronikkonzern eine Ruine, die angesichts ihres Zustands die Frage rechtfertigt, ob der Wiederaufbau noch lohnt oder ob man lieber gleich die Denkmalschützer ranlassen sollte.

Der erst vor Kurzem ernannte Konzernchef Kazuo Hirai hat sich, keine zwei Wochen im Amt, für die erste Variante entschieden – den Wiederaufbau von Sony. Seine Entscheidung verdient Respekt. Hirai ist ein mutiger Mann.

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Vielleicht treibt den Manager aber auch nur der Mut der Verzweiflung an. Am vergangenen Montag verkündete der Konzern wieder einmal Verluste, die mit fast fünf Milliarden Euro überdies doppelt so hoch ausfielen wie erwartet. Sonys große Konkurrenten Apple und Samsung melden dagegen einen Rekordgewinn nach dem anderen.

»Schmerzhafte Einschnitte« kündigte Hirai an, und wenn man Spekulationen in den Medien glauben darf, gehört dazu auch, dass der Konzern 10.000 seiner knapp 170.000 Arbeitsplätze abbauen will. Dabei ist die Zahl der Mitarbeiter gar nicht das Hauptproblem von Sony. Es ist die Marke, es sind der Wandel der Zeit und der Konflikt zweier Generationen.

Da stehlen Hacker die Daten von Millionen Kunden beim Netzwerk um Sonys Spielekonsole Playstation. Das signalisiert: Sony ist unsicher.

Da findet man innovative Fernseher heute bei Samsung. Klingt nach: Sony ist rückständig.

Da übernimmt Sony das seit Langem gemeinsam mit Ericsson betriebene Handy-Geschäft komplett und will mit fünf Jahren Verspätung im Alleingang gegen Riesen wie Apple mit seinem iPhone antreten. Kann nur heißen: Sony ist verrückt.

Und wenn auf der deutschen Firmenseite im Internet heute der Satz steht: »Mehr als einmal ist es Sony gelungen, durch Innovationen, Kultur und Stil das Lebensgefühl einer ganzen Gesellschaft zu prägen«, dann klingt das wie die Inschrift einer Bronzeplakette im Technikmuseum unter der Vitrine mit dem Walkman. Für die Jüngeren: Das war ein tragbares Abspielgerät für Kassetten, mit dem man unterwegs Musik hören konnte. Großes Statussymbol damals. It was a Sony!

Damals und heute. Letztlich beschreiben diese beiden Worte die Gründe für den Niedergang von Sony am besten. In ihnen liegt so etwas wie eine übergeordnete Wahrheit. Denn was den japanischen Elektronikkonzern zu Fall gebracht hat, dürfte eines Tages auch Apple zu schaffen machen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Produktzyklen in der Unterhaltungselektronik beschleunigt. Größere Innovationen in kürzeren Abständen – da ist es nur eine Frage der Zeit, bis andere gute Ideen haben. Als junges, wildes Unternehmen zog Sony in den Siebzigern die kreativen Köpfe an, die eine Alternative zu anderen japanischen Firmen mit ihren starren Hierarchien suchten. Heute gehen solche Leute ins Silicon Valley.

Vor allem aber ändert sich die Kundschaft. Unterhaltungselektronik ist heute ein Modeartikel, fast schon Saisonware. Vorbei die Zeit, in der ein Videorekorder eine Anschaffung für mehrere Jahre war und die Marke schon deswegen Haltbarkeit ausstrahlen musste. Elektrozeug ist billig wie nie und weitgehend austauschbar. Marken müssen sich daher vor allem über Design unterscheiden, sie müssen versuchen, einem diffusen Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen.

Im Lebensgefühl aber hat sich jede Generation schon immer von der vorangegangenen abgegrenzt. Die jüngere distanziert sich von der älteren, empfindet ihr Leben als anders und drückt es entsprechend aus – unter anderem in der Wahl ihrer Lieblingsprodukte. Wer als Hersteller vor allem aufs Lebensgefühl setzt, kann damit über eine Generation sehr erfolgreich sein. Doch ausgerechnet dann birgt dieser Erfolg den Keim des Niedergangs.

Sony war die Marke der heutigen Väter. Apple ist die Marke ihrer Kinder. Und die Enkel dürften ihr Lebensgefühl morgen mit einer anderen Marke verbinden, an die jetzt noch niemand denkt.

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Leserkommentare
  1. "Sony war die Marke der heutigen Väter. Apple ist die Marke ihrer Kinder. Und die Enkel dürften ihr Lebensgefühl morgen mit einer anderen Marke verbinden"

    hoffen wir, dass die marke der enkel wieder sony sein wird.

  2. Sony ist für mich die letzte Marke die Windows Laptops baut. Alles andere ist in meinen Augen Noname.

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    LG, Acer, Asus, HP, Dell, Toshiba, Fujitsu Siemens.....
    Das sind alles Nonamehersteller von Windowslaptops?Wenn sie meinen...

    liebe Grüße
    Ipadnutzer

    • eras
    • 12. April 2012 14:41 Uhr

    "...für mich die letzte Marke die Windows Laptops baut."

    Sony ist die letzte Marke, allerdings. Die letzte, die ich im Windows-Laptopbereich kaufen würde. Grundsätzlich überteuert, in Sachen Qualität Lichtjahre hinter Lenovo, HP und Co zurückgefallen und in Sachen (insbesondere Software-) Support einfach unterirdisch.

    Hinzu kam in der Vergangenheit die ständige Verweigerungshaltung in Sachen technischer Standards. Man erinnere sich nur mal an die Episode "Memory Stick". Überteuert und überflüssig, aber Sony versuchte trotzdem, den mit Macht durchzudrücken...

    Inzwischen ist ein Trend zur Besserung sichtbar. Aber die Firma hängt immer noch zurück. So hat es Sony noch immer nicht fertig gebracht, ein Ultrabook auf den Markt zu bringen. Asus und Samsung sind da mittlerweile schon bei der zweiten Generation...

    • bugme
    • 12. April 2012 13:08 Uhr

    Ähnliche Artikel gab es auch vor ein paar Jahren über Apple, als sie einen Flop nach dem anderten landeten (z.B. Newton).

    Ich bin froh, dass Herr Rohwetter nicht entscheider in einem großkonzern ist. Die logik klingt nach einem typischen Juristen oder BWLer, nur kommen aus dieser Richtung selten innovative Ideen, die einen Konzern beflügeln.
    Beispiel gefällig? "im Alleingang gegen Riesen wie Apple mit seinem iPhone antreten. Kann nur heißen: Sony ist verrückt."
    Mit diesem Gedanken hätte sich auch Apple nie auf den Handymarkt (war damals dominiert von Nokia) oder auf den mp3-Player Markt trauen dürfen.

    Was Sony aus meiner Sicht braucht, ist ein visionär mit technischem Grundverständniss - um abschätzen zu können, welche Produkte mit welchem Aufwand Umsetzbar sind. Idealer Weise sollte er noch über etwas Menschenerfahrung verfügen (evtl. sogar Produktversuche durchgeführt haben). Dann kann auch Sony wieder die Marke der Generation werden.

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    Auch Nintendo war ja quasi weg. Eine Kriese muss nicht das endgülige Aus sein. Manchmal gehts gut (Nintendo), manchmal nicht (Sega)

    ganz ihrer meinung. allerdings spricht der autor nicht die sprache eines BWLers, sondern eher die eines der zahl- und namenlosen apple-produktfaschisten, die nichts ausser ihrem brand gelten lassen. allerdings zeigt bereits der erfolg des neuen samsung galaxy, wie schnell ein eroberter markt wieder wegbrechen kann. mit einem guten tablet ist dann sony plötzlich wieder da. und cool sind sie ohnehin noch.

    Anm.: Bitte bemühen Sie sich um eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/ag

  3. LG, Acer, Asus, HP, Dell, Toshiba, Fujitsu Siemens.....
    Das sind alles Nonamehersteller von Windowslaptops?Wenn sie meinen...

    liebe Grüße
    Ipadnutzer

    Antwort auf "Letzte PC-Marke"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und ein Fujitsu Siemens hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Seit dem die IBMs nicht mehr IBM heißen, ist Sony die einzige Marke für mich.

    Aber Noname ist ja nicht automatisch schlecht. Eben nur Noname.

  4. Sony hat hauptsächlich mit Währungsrisiken zu kämpfen, die von einem starken Yen herrühren, sodaß gerade im Bereich consumer-electronics die internationalen Preise im Vergleich zur US/Euro-Konkurrenz zu hoch sind. Bevor man als Journalist also solche negativ-PR für einen Konzern anrührt, sollte man sich informieren und sich nicht auf ein "Lebensgefühl" herrausreden, nur weil man die wirtschaftlichen Gründe nicht nachvollziehen kann.

    Eine Leserempfehlung
  5. .. was warst du doch mal für eine geile Firma.
    Unvergessen die Trinitron Fernseher. Gutes Bild, guter Ton und sehr langlebig.
    Unvergessen der Walkman (auch wenn du ihn nicht erfunden hast), innovativ, robust und der erste mit Quartz geregeltem Antrieb schaffte das jaulen der Kassetten ab.
    Unvergessen die HiFi Geräte der ES Serie. Optisch meist Leckerbissen, technisch über fast jeden Zweifel erhaben und gebaut fast für die Ewigkeit.
    Für den DAT Recorder liebe ich dich noch heute.
    Warum nur hast du dich bei der MD (Minididsc für die Unwissenden :) ) so selten bescheuert angestellt?
    Du hast das geilste Tape aller Zeiten such eine selten dämliche Geschäftspolitik selber ins Abseits katapultiert und dir damit kräftig ein Bein gestellt.
    Die MP3 Player die du dann versucht hast auf den Markt zu bringen erweckten in mir den Verdacht das du das Rezept wohl hattest, aber leider hast du das kochen verlernt.
    Ach Sony...........
    Gruß

  6. Und ein Fujitsu Siemens hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Seit dem die IBMs nicht mehr IBM heißen, ist Sony die einzige Marke für mich.

    Aber Noname ist ja nicht automatisch schlecht. Eben nur Noname.

    Antwort auf "Noname?"
  7. Auch Nintendo war ja quasi weg. Eine Kriese muss nicht das endgülige Aus sein. Manchmal gehts gut (Nintendo), manchmal nicht (Sega)

    Antwort auf "Zu früher Abgesang"

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  • Schlagworte Sony | Steve Jobs | Samsung | Apple | Ericsson | Digitaltechnik
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