Sparsame Autos : Es geht auch billiger

Mit anderen Autos könnten die Fahrer ihre Tankkosten senken
Der Fiat Punto mit Erdgasantrieb zählt zu den Autos mit den niedrigsten Kraftstoffkosten. © Hersteller

Ostern ist vorbei, aber die Klagen der Autofahrerlobby über die hohen Preise für Benzin und Diesel reißen nicht ab. Politiker, insbesondere aus dem Regierungslager, werden nicht müde, Entlastungen für die gebeutelten Pendler zu fordern. Die Pauschale für Fahrten zur Arbeit zu erhöhen oder die hohen Steuersätze auf Benzin und Diesel zu senken sind populäre Vorschläge. Das Veto des Finanzministers ist allemal gewiss. Doch kluge Autofahrer müssen sich nicht auf die Politik verlassen. Es gibt andere Möglichkeiten.

Angesichts der dauernden Veränderungen auf den Preisschildern von Aral , Shell , Esso & Co. in diesen Tagen mag es schwer sein, immer die günstigsten Tankstellen ausfindig zu machen , aber einen Ausweg haben Autofahrer im Prinzip schon lange: Sie können auf sparsame Autos ausweichen, die deutlich weniger Kraftstoffkosten verursachen als ihre bisherigen Fahrzeuge.

Und siehe da, schon für gut vier Euro kann man mit entsprechenden Modellen – wie dem mit Erdgas betriebenen Fiat Punto oder einem ebenfalls gasbetriebenen VW Passat TSI Eco Fuel – 100 Kilometer zurücklegen. Mit einem großen Geländewagen oder einer schweren Acht-Zylinder-Limousine kostet das leicht das Dreifache. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Car Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Der Direktor Ferdinand Dudenhöffer und sein Team haben unter allen derzeit in Deutschland käuflichen Neuwagenvarianten diejenigen herausgesucht, mit denen man auf 100 Kilometern am wenigsten für Kraftstoff ausgeben muss. Sie identifizierten die 20 nach den Kraftstoffkosten günstigsten Autos unter den mehr als 10.000 Modellen und Modellvarianten, welche die Kombination unterschiedlicher Motor- und Getriebevarianten zulassen. Nur Elektroautos blieben bei der Betrachtung außen vor.

Für die Berechnung zugrunde gelegt wurden in der Woche vor Ostern aktuelle Durchschnittspreise für einen Liter Benzin (1,68 Euro), Diesel (1,52 Euro), für ein Kilogramm Erdgas (0,99 Euro) oder das unter Hochdruck verflüssigte Autogas (0,80 Euro). Basis waren zudem der von den Herstellern ausgewiesene Durchschnittsverbrauch der Modelle für 100 Kilometer nach dem Europäischen Fahrzyklus .

Das Ergebnis ist eindeutig: Am preiswertesten tankt man mit Erdgas-Autos . Fiat Qubo und Fiat Punto, jeweils in der Ausführung Natural Power, führen die Liste an mit Kraftstoffkosten von 4,16 Euro je 100 Kilometer. Es folgen einige Dieselvarianten, danach einige mit Autogas betriebene Modelle, und erst auf Rang 18 kommt mit dem Toyota Yaris Hybrid der erste Benziner.

Gemeinhin liegen bei reinen Verbrauchshitlisten die (Benzin-)Hybridmodelle wie der Toyota Prius oder moderne Diesel wie der Smart CDI oder der Polo Blue Motion ganz vorne. Dass die verbrauchsgünstigsten Selbstzünder und die vergleichsweise sparsamen Hybride, die mit Verbrennungsmotor und Elektromotor angetrieben werden, im vorliegenden Kostenvergleich nicht weiter vorne landen, liegt am hohen Literpreis für Diesel und Benzin. Erdgas und Autogas werden vom deutschen Fiskus deutlich weniger besteuert als Benzin und Diesel, was man auch als Subvention werten kann. Zudem unterliegen die Preise für Erd- oder Flüssiggas deutlich geringeren Schwankungen als ihre aus Mineralöl destillierten Kraftstoffkonkurrenten.

Diese Unterschiede sind überhaupt nicht neu, haben aber die deutschen Autokäufer bislang kaum zu Fahrzeugen wechseln lassen, die mit alternativen Kraftstoffen betankt werden können. Seit Jahren fristen die mit Erd- oder Autogas betriebenen Modellvarianten ein Nischendasein, obwohl praktisch jeder größere Autohersteller mittlerweile einige davon im Angebot hat.

Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Auf ortsanssässige Handwerker oder Dienstleister...

...umsteigen, das Anfahrtspauschalenunwesen umgehen, öfter Telefondienst in Anspruch nehmen statt Dienstwagenfahrer, und sich eine Wohnung in Arbeitsplatznähe suchen oder umgekehrt. Mit dem Verzicht auf hochliegende Geländewagen würde man dagegen Sicherheitsdefizite riskieren, vor allem für Kleinwüchsige, einen Ausgleich könnte eine Benutzungspflicht von tiefliegenden Sportwagen für Hochgewachsene schaffen, eine Novellirung der StVo sollte dies berücksichtigen.

Armutszeugnis bei VW

Neulich in Berlin, Unter den Linden im "Automobil Forum" bei VW:

Antwort auf meine Frage an den Angestellten am Info-Tresen von VW, wann der VW Up in der Erdgas-Variante auf den Markt kommt: "Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Das können Sie dann aus der Presse erfahren."

Nebenan stand ein Golf "Blue-e-Motion". Auf dem Schild stand: "Dies ist ein Imitat der 25 Blue-e-Motion Testfahrzeuge..." Der Wagen war verschlossen und die Scheiben sind so stark getönt, dass vom Innenraum nichts zu sehen war.

An prominenter Stelle im Eingangsbereich Friedrichstraße stand aber ein polierter Bugatti Veyron, vor dem Fenster drängten sich die Touristen beim Knipsen mit allen verfügbaren Handys und Digitalkameras.

Soviel zum Thema Präsentation von innovativen, sparsamen oder alternativ angetriebenen Fahrzeugen bei deutschen Herstellern.

Steuersystem und Humanisierung der Gesellschaft

Das gegenwärtige Steuersystem muss so umgebaut werden, dass es humane Werte fördert. Wir brauchen dringend eine Öko- und Luxussteuer: beispielsweise sehr hohe Steuern für ökologisch nicht wünschenswertes Verhalten bzw. Produkte, keine oder sehr niedrige Steuern für ökologisch wünschenswertes Verhalten bzw. Produkte. Keine Steuern für Arbeit, bei denen Werte von gesellschaftlichem Nutzen geschaffen werden , hingegen sehr hohe Steuern z.B. für übermäßigen Besitz bzw. Verbrauch.
Auf diese Weise kann das Steuersystem einen sehr wichtigen Beitrag zur Humanisierung unserer Gesellschaft leisten.

Das wird viel zu wenig bedacht.

Ich habe meinen Durchschnittsverbrauch nie berechnet. Aber ich erschrecke mich immer, wenn ich mit Kollegen in einem Auto sitze, die sich vor der Fahrt noch über die hohen Spritpreise beschweren, um dann die einfachsten Regeln vorausschauenden Fahrens nicht einzuhalten.

Ich habe das vor 20 Jahren schon in der Fahrschule gelernt. Und einiges ist auch ziemlich logisch.

Spritsparen findet im Kopf statt.....

wie Sie mit ihrem Beispiel eindrucksvoll beweisen. Auch ich finde das dämliche Gemecker über - angeblich - nicht erreichbare NEFZ Verbrauchswerte ziemlich langweilig. Fast immer kommt es von Motorjournalisten oder Tante Trude. Beide haben oft KEINE AHNUNG davon, warum ein Motor läuft und ein Auto fährt. Das merkt man häufig in der miserabelen Argumentation über bzw. bei der Darstellung technischer Zusammenhänge. Dass der Betrieb einer Klimaanlage im Stadtverkehr locker 2-3 Liter Mehrverbrauch auf 100km ausmacht, verstehen beide nicht. Auf der Autobahn braucht das Auto doch viiiel weniger, obwohl man schneller fährt. In so einer komplizierten Welt muss der Autohersteller Schuld sein. Kann ja gar nicht anderes sein, oder?

Da haben Sie sicher recht.

Ich staune regelmäßig Bauklötze, wenn mal wieder ein Vertreter der Bleifuß-Indianer 200 Meter vor einer Ausfahrt das Gaspedal so richtig tief durchdrückt, um mich auf den letzten Drücker zu überholen, anschließend die Ausfahrt zu nehmen und auf dieser scharf zu bremsen.

Bremsscheiben macht effizienter heiß, indem man netwas Benzin darauf schüttet und dieses anzündet (Kinder, bitte nicht nachmachen!).

Was allerdings auch stimmt, ist dass die Autohersteller der Verbrauch ihrer Modelle nicht allzu sehr interessiert. Den Twingo, den ich fahre, könnte man noch ein deutliches Stück sparsamer bekommen, wenn man einige Änderungen an ihm vornehmen würde. Er hat z. B. keine untere Motorraumverkleidung, was sehr schlecht für den cW-Wert ist. Und der ist ohnehin nicht so ganz zeitgemäß.

Auch an der Getriebeabstufung wäre noch was zu machen, wenn nicht jeder stumpf auf irgendwelche Höchstgeschwindigkeiten schielen würde, die im täglichen Betrieb sowieso völlig uninteressant sind. Auch eine Start-Stop-Automatik wäre nicht schlecht, aber die läßt sich ja nachrüsten.

Werde ich eventuell demnächst mal machen, um zu sehen, ob das wirklich was bringt.

Verbrauch findet im Kopf statt.
Generell halte ich nichts davon, den Bürger ständig zu bevormunden. Egal, ob jemand sein Geld für Alkohol, Zigarretten oder ein bestimmtes Auto ausgibt.
Oder seiner Tochter ein Reitpferd kauft, das dann sein Methan in die Umwelt pforzt.
Ebenso entspricht ein Kleinwagen nicht immer den Bedürfnissen einer Familie mit 2 Kindern.
Aber innerhalb der Gruppe der "geeigneten" Autos gibt es oftmals deutliche Verbrauchsunterschiede.
Praxisverbräuche kann man gut auf Spritmonitor.de nachschauen. Auch, wie sich ein stärkerer oder schwächerer Motor auswirken.
Und hier finder Verbrauch zum 1. Mal im Kopf statt. Indem man einfach mal ausrechnet, was ein Modell mit 2 Liter Mehrverbrauch pro Jahr kostet und anschließend seine Auswahl überdenkt.
Danach rechnet man anhand der Praxisverbräuche seine möglichen Minimal/Maximalkosten (je nach angenommener Fahrweise) aus.
Diese erschreckende Differenz sollte dann ausreichen, um im Kopf den Schalter umzulegen und spritsparend zu fahren.
Beispielsweise kann man einen Kombi eines großen deutschen Herstellers problemlos mit 5,5L oder 8,0L Diesel auf 100km fahren.
Macht bei 1,45€/L und 20.000Km/Jahr einen Unterschied von 60€ pro Monat.
Noch krasser wird es, wenn man den Stundenlohn für spritsparendes Fahren ausrechnet.
Bezogen auf obiges Beispiel erkauft man bei der 1000Km Urlaubsfahrt 2 Std Zeitgewinn mit 25L Mehrverbrauch.
Macht ca. 18€ pro Stunde. Wieviele % der Bevölkerung haben einen Stundenlohn von 18€ netto?