Vor geraumer Zeit schickte mir der Altphilologe und Liebhaber alles geistig Schönen, Wolfram Seibt, der über die Jahre Sie und mich immer wieder in die Wunderwelt der Schachprobleme entführt(e), einen von ihm komponierten Achtzüger, dessen Motiv auf eine berühmte Partie des einstigen deutschen Weltmeisters Emanuel Lasker gegen Schiffers und ein Problem von A. Kusnezow zurückgeht.

Weiß zieht an und setzt im achten Zug matt. Der erste und der letzte (Matt-)Zug sind dabei Turmzüge, dazwischen schlägt der Springer sechs Purzelbäume, kreuz und quer und doch wohlgeordnet geometrisch, wodurch er den schwarzen König quasi ganz allein dem tödlichen Rencontre mit dem weißen Monarchen entgegentreibt. Faszinierend dabei die "Geräuschlosigkeit" des Abspiels ganz ohne Schachbieten bis zum finalen Matt und die "Echternacher Springprozession" (Seibt) des schwarzen Königs bei dem panischen Versuch, sich nicht in den Bannkreis des weißen abdrängen zu lassen. Widerwillig muss der schwarze Monarch dieses böse Spiel mitmachen, zweimal zuckt er zurück, aber letztlich vergebens, sein Trüpplein aus Läufer und Bauern kann nur ohnmächtig zuschauen.

Der leidenschaftliche Problemkomponist Vladimir Nabokov , der während seiner Berliner Zeit selber eine Schachecke betrieb, schreibt: "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Kampf bei Schachproblemen nicht eigentlich zwischen Weiß und Schwarz stattfindet, sondern zwischen dem Problemautor und dem hypothetischen Löser." Auf in den Kampf!

Lösung aus Nr. 15:

Nach welchem doppelten Figurenopfer setzte Weiß den schwarzen König matt? Auftakt des Opferreigens war 1.Txh5! gxh5, und nun das Springeropfer 2.Sf5! Wegen des Matts auf g7 musste Schwarz auch diesen Braten schlucken 2...exf5, doch nun 3.g6! hxg6 4.Dxg6+ Kh8 5.Dh6+ Kg8 6.Tg1+ nebst Matt