Klein, aber ziemlich oho: Mini-Handtasche von Miu Miu, 1030 Euro © Peter Langer

Über kaum etwas lässt sich so schön spekulieren wie darüber, was sich an der Größe einer Handtasche ablesen lässt. Der Aufstieg der Handtasche zum zentralen Mode-Accessoire wurde bereits beschrieben. Ihr stetiges Wachstum führte dazu, dass Marc Jacobs einmal für Louis Vuitton eine Riesentasche über den Laufsteg schickte, die stark an die karierten Transporttaschen erinnerte, die auf Polenmärkten gebräuchlich sind. Da wusste man nicht so recht, ob Jacobs diesen Riesenbeutel satirisch befrachtet hatte oder ob er einfach nur den Frauen das geben wollte, was sie brauchten.

Danach sind die Taschen wieder kleiner geworden. Gefühlt jedenfalls, denn tatsächlich sind heute alle möglichen Größen erhältlich, was vielleicht damit zu tun hat, dass sich viele Frauen bei der Wahl ihrer Handtasche durchaus von ihren Bedürfnissen leiten lassen. Also etwa davon, wie viel sie mit sich herumschleppen. Oder ob sie mit einer Tasche eher tagsüber oder am Abend unterwegs sind. Eine Rolle mag auch spielen, dass kaum ein Accessoire in den vergangenen Jahren einen solchen Preisauftrieb erfahren hat wie die Handtasche. Mittlerweile sind Ladenpreise um die 5.000 Euro keine Seltenheit mehr. Soll heißen: Man kauft sich nicht unbedingt jede Saison eine neue.

Handtaschentrends haben also eine gewisse Beständigkeit. Gelegentlich kommt aber etwas Neues hinzu – wie aktuell die Mini-Handtasche. Auf den Schauen in Mailand und Paris , etwa bei Miu Miu und Dolce & Gabbana, sah man Taschen, für die »klein« als Beschreibung untertrieben wäre. Bei Prada hielten die Models Taschen in den Händen, in denen jeweils höchstens eine Kreditkarte und ein iPhone Platz finden. In eine der tote bags genannten Riesentaschen passen bestimmt 20 der neuen Taschenzwerge.

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Was sagt nun eine Minitasche über die Frau aus, die sie trägt? Eine Handtasche ist ja durchaus etwas Hinderliches. Man hat immer nur eine Hand frei und muss immer jemanden an der Seite haben, der einem das Glas, die Tür, die Zigarette oder eben die Tasche hält. Wenn man nun aber eine Tasche bei sich trägt, die eher die Erinnerung an eine Tasche ist, als dass sie einen wirklichen Zweck erfüllen würde, so begibt man sich in eine selbst gewählte Abhängigkeit. Gut möglich, dass sich darin wahre Unabhängigkeit ausdrückt.