Es klang nach einer guten Nachricht, es klang nach Gerechtigkeit. Der russische Waffenhändler Viktor Bout, genannt der »Händler des Todes«, muss für 25 Jahre hinter Gitter. Ein New Yorker Richter sprach am vergangenen Donnerstag sein Urteil und beendete den spektakulären Prozess um eine besonders zwielichtige Gestalt des internationalen Waffenhandels.

Doch das New Yorker Urteil enthüllt auch noch etwas anderes: eine abgrundtiefe Heuchelei. Denn gefährliche Waffenhändler wie Bout werden nur hin und wieder hinter Gitter gesetzt – nämlich dann, wenn sie nicht mehr nützlich sind. Bis dahin werden sie von vielen Regierungen auf der Welt benutzt, umsorgt und beschützt.

Internationale Waffengeschäfte spannen heute einen weiten Bogen von den formellen Geschäften, die direkt zwischen zwei Regierungen abgewickelt werden, über die grauen Märkte bis zum Schwarzmarkt. Es wäre leicht, zu sagen: Das formelle Geschäft ist legal und ethisch in Ordnung, und die Grau- und Schwarzmärkte sind es nicht. In der Praxis aber sind die Grenzen ständig im Fluss. Formelle Geschäfte und Schwarzmarktdeals sind eng miteinander verwoben, ja sie bedingen einander sogar.

Das beginnt damit, dass in Waffengeschäften Bestechung und Korruption an der Tagesordnung sind. Eine sehr gründliche Studie von Transparency International kam vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass auf den Waffenhandel 40 Prozent aller krummen Deals im Welthandel entfallen.

Tatsächlich habe ich in meiner jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema nur sehr wenige Waffendeals kennengelernt, die nicht auch in irgendeiner Form mit illegalen Vorgängen verbunden waren, häufig abgewickelt durch Mittelsleute, Agenten oder Händler wie Bout.

Der Russe Viktor Bout hat ein Vermögen verdient, indem er »Transport- und Logistikdienste« rings um den Waffenhandel anbot. Das ist ein Euphemismus, wie man ihn in diesen Kreisen gern benutzt. Bout wirkte in Konfliktgebieten in aller Welt im Auftrag von Regierungen, den Vereinten Nationen, großen börsennotierten Konzernen und einer Vielzahl verdeckt arbeitender Institutionen. Er beschaffte Waffen samt Transportflugzeugen aus alten sowjetischen Lagerbeständen.

Zu seinen Kunden zählten aber auch der liberianische Diktator Charles Taylor, die afghanische Nordallianz und später die Taliban, eine Reihe von Akteuren auf dem Balkan, die Regierung von Angola und ebenso deren Erzfeind, die Unita-Rebellenbewegung, und außerdem alle Seiten in dem Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo. Mit seinen Geschäften hat er indirekt zum Tod von Hunderttausenden Menschen beigetragen.

Und dann wiederum stand 2003 das amerikanische Militär, kurz nach seiner Invasion in den Irak, vor großen Problemen: Es war schwer, Nachschub nach Bagdad zu bekommen, weil die Flugzeuge unter Beschuss gerieten und Landungen gefährlich waren. Die USA und ihre militärischen Zulieferer wandten sich also an eine Reihe von Luftfrachtunternehmern – und eines der am nachhaltigsten genutzten war Irbis Air, eine Fluggesellschaft im Besitz von Bout.

Allein zwischen 2003 und 2004 flog Irbis Air den Aufzeichnungen der Flughäfen zufolge etwa 90-mal Bagdad an und außerdem andere irakische Flughäfen, man transportierte dabei alles Mögliche von Stiefeln bis zu Munition. Zu den Kunden gehörten das United States Air Mobility Command und eine Reihe großer angesehener Firmen, darunter KBR.