Muslimische SportlerinnenSchwitzen mit Allah

Muslimische Sportlerinnen müssen zahlreiche Barrieren überwinden und treten dabei gegen Tradition, Religion und ihre Männer an.

Es ist ein kühler Morgen im Schlossgarten von Schönbrunn, als Zeliha Cicek durch den Nieselregen joggt. Sie trägt eine knielange Sportjacke, darunter eine Trainingshose. Andere Sportler grüßen sie mit einem Nicken. Laufsolidarität nennt das Zeliha, die für den Frauenlauf im Juni trainiert. Nur eine Spaziergängerin blickt ihr sichtlich verwundert hinterher, als sie in gleichmäßigem Tempo an ihr vorbeiläuft. Grund ist Zelihas grellrotes Kopftuch, der Hidschood: eine Mischung aus Hidschab (Schleier) und Hood (Kopfbedeckung).

Die australische Muslimin Aheda Zanetti hat jene Kopfbedeckung erfunden, mit der die 35-jährige Hobbyläuferin Cicek über den imperialen Kiesboden trabt. Zanetti war es auch, die vor neun Jahren den »Burkini« kreierte. Der Ganzkörperschwimmanzug für Musliminnen wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem Kassenschlager im sportbegeisterten Australien. Dank Zanettis Erfindungen ist es nun nicht mehr utopisch, dass muslimische Frauen öffentlich Sport betreiben. Spitzensport sogar: Der Hidschood hatte schon bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Premiere, als Rukaja al-Ghasra aus Bahrain damit ihren 200-Meter-Lauf herunterspulte und Platz sechs im Halbfinale über 200 Meter erreichte.

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Trotzdem hat diese kleine Revolution zwei entscheidende Schönheitsfehler: Erstens ist es die Revolution von nur einigen wenigen wie Zeliha; und zweitens findet diese Revolution meist nicht öffentlich statt. Denn wenn Burkini-Trägerinnen ins Wiener Theresienbad gehen, dann nur einmal die Woche, wenn sie unter sich bleiben können.

In Österreich lebt eine halbe Million Muslime, aber es gibt keine Spitzensportlerin unter ihnen. Erst im vergangenen Jahr konstatierte der damalige Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ahmet Hamidi, dass Sport für den weiblichen Organismus nicht gut sei. Auch wenn er seine Aussage später relativierte, bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Gläubige Musliminnen und Sport: auf den ersten Blick zwei Begriffe, die schwer zusammenpassen. Weil körperliches Training nicht in das Bild einer Frau passt, die abhängig zu sein hat von ihrem Mann, ihren Kindern, dem Urteil ihrer Umgebung. Einer Frau, die nicht über ihren Körper bestimmen kann, weil das die Männer für sie übernehmen; die Männer, die im Sport eine dubiose, sexualisierte Gefahr sehen, die nur sie erahnen könnten. Und die Frauen selbst ringen mit Schamgefühlen.

Melis ist eine von ihnen. In ihrer Kleidung sieht die zweifache Mutter, die anonym bleiben will, älter aus, als sie in Wahrheit ist. Sie trägt einen schnurgerade nach unten hängenden Mantel und ein Kopftuch, das neben dem Haar auch die Stirn und den Nacken verhüllt. Erst wenn sie im Fitnessstudio ist, schält sie sich aus ihrer ausladenden Kluft und schlüpft in enge Leggins. Jeden zweiten Tag kommt sie ins Frauenfitnesscenter Mrs. Sporty in Wien-Favoriten. Dann trainiert sie eine halbe Stunde lang und steppt, macht Liegestütze oder Sit-ups. Abgesehen vom Turnen hat die konservative Muslimin aus Wien kaum Freizeitbeschäftigungen. Weder geht sie Kaffee trinken, noch mit Freundinnen bummeln. Hobbys habe sie auch keine, »außer kochen«, scherzt Melis. Trotzdem sieht sie sich selbst in einer glücklichen Lage. Denn im Gegensatz zu manchen Bekannten sei es für ihren Mann kein Problem, dass sie Sport betreibe: »Ich habe einen guten Mann.«

Frauen müssen lange verhandeln, ehe sie ins Fitnesscenter dürfen

Und trotzdem hat sie Angst davor, von fremden Männern in intimen Situationen gesehen zu werden. Das geht so weit, dass sie sich unauffällig hinter der Wand versteckt, sobald die Tür des Fitnesscenters aufgeht. Gemischtes Turnen mit Männern zu Technomusik kommt für Melis nicht infrage. Sie hat das Studio erst nach ärztlichem Ratschlag aufgesucht. Seit zwei Jahren ist sie in Frühpension, weil ihr Körper der anstrengenden Arbeit in einem Imbiss nicht mehr standhalten konnte. Der Arzt riet zu Sport gegen die Bandscheibenprobleme. Seitdem sie hüpft und strampelt, braucht sie weniger Medikamente und fühlt sich wohler. Und ein paar Kilos wurde Melis nebenbei auch noch los.

So viel Freiheit sei selten, erzählen Mitarbeiter des Studios hinter vorgehaltener Hand. Die meisten Frauen müssten lange mit ihren Männern verhandeln, bis sie herkommen dürften. Oder das Gegenteil sei der Fall – und die Frauen werden von ihren Männern zum Work-out gedrängt. »Oft kommen Eheleute«, erzählt eine Trainerin des Fitnesscenters: »Der Mann sagt dann: ›Meine Frau soll so aussehen wie die Frauen auf den Modeplakaten.‹«

Leserkommentare
    • malera
    • 22.04.2012 um 10:37 Uhr

    Wir, die gewohnt sind, selbst für unser Dasein, eben den widriger Umständen und Zwängen zum Trotz und diesen trotzend(ändern/gestalten), eigenverantwortlich zu sein, wir kämen nie auf die Idee, den Umständen unsere Mündigkeit komplett aufzugeben, sondern im Gegenteil: Selbst wer unverschuldet, etwa der Gier der 'Ackermänner' wegen, arbeitlos geworden ist, soll sich nicht 'bequem' auf sozialstaatliche Absicherungen ausruhen dürfen, sondern soll etwa auch mit Umschulungsmaßnahmen und pi pa po dazu gebracht, die nötige 'dynamische' Flexibilität' samt Softskills etc. aufweisen, um den nächsten ('Ackermann')-Job erledigen zu können.

    Man glaubt, umso penetranter gejammert wird, desto schlimmer muss es sein. Und vergessen, dass Jammern auch ein Zeichen einer Passivität, Unmündigkeit sein kann, welche die mangelhafte totale Umsorgtheit und Verwöhnung beklagt, einklagt - und typisch für Verwöhnte - die Arbeit der anderen weder erkennen, anerkennen, noch achten, sondern verachten, und glauben berechtigt zu sein, auf Grund einer irgendwie gearteten höheren Seinsstellung (Frau), den Arbeiten auch noch die eigene aufbürden zu dürfen.

    Man kann Verwöhnungsjammerlichkeiten deutlich am Grad am Versuch fremder Inpflichtnahme anstelle der Eigenverpflichtung erkennen: Total-entmündigenden Umweltzwänge puls -ganz wichtig - einen ausgemachten konkreten(!) schuldigen, Arbeiter- 'Trottel'.
    Der muss dafür sehr klar-konkret sein, damit dem bloß nicht die selbe/höhere Umweltbelastung zuerkannt wird.

    3 Leserempfehlungen
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    • malera
    • 22.04.2012 um 10:54 Uhr

    Da also künstlich und sehr pragmatisch aus den allgemeinen schwer zu lenkenden Wirtschaftszwängen ein direkter und klar-konkreter Schuldiger, 'der' Ackermann, ausgemacht wird, kann man gleich aus einem Ackermann, aller Ackermänner mit derselben Schuld beladen, und ebenso alle A...Männer - die dann - dank göttlichem Wandlungszauber - alle, nun aber weil Männer (und nicht mehr, weil eine sehr spezielle-partikuläre Gestaltungsverantwortung der Funktion 'des' Ackermannes, welcher auch nur eine austauschabre Postenbestzung ist, bestand), nun also weil Mannsein mit Schuldigkeit so locker leicht verrutscht identifiziert wurde, ist es undenkbar geworden, dass all diese Männer unter den selben Wirtschaftsanforderungen leiden.

    Durch weiblich-mysthische Verwandlungskunst, sind nun alle Männer unmittelbar direkt Schuldige, die die Umstände zu verantworten haben -und ach ja, die armen Frauen, zu Hause, sind so unterjocht, dass jegliche Eigenverangwortung abhanden gekommen ist. So dumm werden diese Frauen dann hjngestellt, nur damit dieser mysthische Wandlungszauber wirken kann.

    Dabei braucht es gar keiner Erwähnung mehr, dass zu solchen 'Argumenten' nur westliche Frauen 'fähig' sind, und mehr über sich verraten, als über die Umstände, die sie selbst nicht kennen, aber dort, ganz anders als von ihnen geträumt, real sind.

    Deswegen die Frage nach der Realität:
    Wer bietet den Männer Unterstützung, dass sie ein Leben außerhalb der Familienumsorgung selbstverwirklichen können?

    • malera
    • 22.04.2012 um 10:54 Uhr

    Da also künstlich und sehr pragmatisch aus den allgemeinen schwer zu lenkenden Wirtschaftszwängen ein direkter und klar-konkreter Schuldiger, 'der' Ackermann, ausgemacht wird, kann man gleich aus einem Ackermann, aller Ackermänner mit derselben Schuld beladen, und ebenso alle A...Männer - die dann - dank göttlichem Wandlungszauber - alle, nun aber weil Männer (und nicht mehr, weil eine sehr spezielle-partikuläre Gestaltungsverantwortung der Funktion 'des' Ackermannes, welcher auch nur eine austauschabre Postenbestzung ist, bestand), nun also weil Mannsein mit Schuldigkeit so locker leicht verrutscht identifiziert wurde, ist es undenkbar geworden, dass all diese Männer unter den selben Wirtschaftsanforderungen leiden.

    Durch weiblich-mysthische Verwandlungskunst, sind nun alle Männer unmittelbar direkt Schuldige, die die Umstände zu verantworten haben -und ach ja, die armen Frauen, zu Hause, sind so unterjocht, dass jegliche Eigenverangwortung abhanden gekommen ist. So dumm werden diese Frauen dann hjngestellt, nur damit dieser mysthische Wandlungszauber wirken kann.

    Dabei braucht es gar keiner Erwähnung mehr, dass zu solchen 'Argumenten' nur westliche Frauen 'fähig' sind, und mehr über sich verraten, als über die Umstände, die sie selbst nicht kennen, aber dort, ganz anders als von ihnen geträumt, real sind.

    Deswegen die Frage nach der Realität:
    Wer bietet den Männer Unterstützung, dass sie ein Leben außerhalb der Familienumsorgung selbstverwirklichen können?

    • malera
    • 22.04.2012 um 10:54 Uhr

    Da also künstlich und sehr pragmatisch aus den allgemeinen schwer zu lenkenden Wirtschaftszwängen ein direkter und klar-konkreter Schuldiger, 'der' Ackermann, ausgemacht wird, kann man gleich aus einem Ackermann, aller Ackermänner mit derselben Schuld beladen, und ebenso alle A...Männer - die dann - dank göttlichem Wandlungszauber - alle, nun aber weil Männer (und nicht mehr, weil eine sehr spezielle-partikuläre Gestaltungsverantwortung der Funktion 'des' Ackermannes, welcher auch nur eine austauschabre Postenbestzung ist, bestand), nun also weil Mannsein mit Schuldigkeit so locker leicht verrutscht identifiziert wurde, ist es undenkbar geworden, dass all diese Männer unter den selben Wirtschaftsanforderungen leiden.

    Durch weiblich-mysthische Verwandlungskunst, sind nun alle Männer unmittelbar direkt Schuldige, die die Umstände zu verantworten haben -und ach ja, die armen Frauen, zu Hause, sind so unterjocht, dass jegliche Eigenverangwortung abhanden gekommen ist. So dumm werden diese Frauen dann hjngestellt, nur damit dieser mysthische Wandlungszauber wirken kann.

    Dabei braucht es gar keiner Erwähnung mehr, dass zu solchen 'Argumenten' nur westliche Frauen 'fähig' sind, und mehr über sich verraten, als über die Umstände, die sie selbst nicht kennen, aber dort, ganz anders als von ihnen geträumt, real sind.

    Deswegen die Frage nach der Realität:
    Wer bietet den Männer Unterstützung, dass sie ein Leben außerhalb der Familienumsorgung selbstverwirklichen können?

  1. In dem Artikel geht es um muslimische Frauen, deshalb habe ich mich in meinem Beitrag auf Frauen bezogen. Auch habe ich nicht den Männern die Schuld daran gegeben. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, auch Männer sind Opfer von Unterdrückung.

    Sie schreiben:
    "Es zeugt noch von einem vormaligen verwöhnten Nabelschnur-Versorgungs-Denken, dass auch hier wieder der Mann nicht für die Existenz gesorgt hat, auf die Frau glaubt, ohne gestalterische Eigenleistung/Engagement, Anspruch erheben zu können."

    Auf die Frauen in obigem Artikel trifft dies aber nicht zu. Sie versuchen ja gerade -in sehr kleinen Schritten - ihre für sie nicht befriedigende Situation zu ändern.

    Jeder Mensch ist auch geprägt durch seinen Kulturkreis. In diesem sind Männer wie Frauen gleichermaßen gefangen. Einseitige Schuldzuweisungen bringen niemanden weiter.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Arbeit - Verwöhnung"
    • dacapo
    • 22.04.2012 um 14:37 Uhr

    Der Islam als Religion wird übermassen überbewertet, denke ich, auch wenn meine Familie muslimisch ist. Wenn Musliminnen Probleme damit haben, Sport treiben zu können oder zu dürfen, dann müssen sie damit zurecht kommen. Im Artikel ist ja treffend beschrieben, dass oft in den Heimatländern dieser Muslime die Menschen für vieles offen sind, aber in ihren neuen Heimaten oder Gastländern leben sie in "vergangenen Zeiten", konservieren sie alte Sitten. Dafür soll dann die Gesamtgesellschaft Verständnis aufbringen. Warum das so und warum das überhaupt? Religion soll auch für Muslime eine Privatangelegenheit sein. Und was jemand privat macht, sollte jedem selbst überlassen sein. Wenn eine Frau meint, nicht Sport treiben zu können (zu dürfen), dann soll man das respektieren. Wenn eine Frau meint, dass ihr Mann gut ist, weil er ihr den Sport gönnt, solange es unter Frauen geschieht, dann ist das so, das ist ihr Problem und das des Mannes sowieso. Denn der Mann ist das Übel, nicht die Religion. Bei den Muslimen ist es ja leider weit verbreitet, dass die Frauen die Wächterfunktionen für die Männer übernehmen. Das ist dann das Problem der Frauen, damit müssen sie klarkommen.
    Das sogenannte "Nacktsein" ist ja oft genug weniger anstößig als "Angezogenheit", wenn durch lange Röcke oder lange Kleider die Trottoires gefegt werden. Aber das alles ist ja auch Geschmackssache.

    Wie mauch iimmer, muslimische Befindlichkeiten werden einfach zu "breit getreten", überstrapaziert.

    3 Leserempfehlungen
  2. Sie vergessen, dass Sie sich dann der Schwiegermutter unterwerfen müssten. Wenn Sie ein muslimisches Mädchen heiraten würden, dann heiraten Sie die ganze Familie mit und Sie wären keineswegs der "Herr", sondern nur ein weiteres Familienmitglied, dass sich dem "Patriarchen" und der "Patriarchin" unterwerfen müsste.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Mehr Islam wagen"
  3. in Ländern in Äquatornähe ist solch ein Sonnenschutz nicht zu verachten. Ganz in weiß wäre es allerdings noch besser, um vor einer Überhitzung zu schützen.
    Aber jetzt ist mir auch klar geworden, weshalb bei den Schwimmsportarten nur wenige bekennende Muslimas teilnehmen.
    Es wäre hier seitens der Sportkleidungshersteller dringend Abhilfe zu schaffen. Bei richtiger Anwendung der Grundlagenforschung aus dem Tierreich könnten sogar Vorteile bei einem Ganzkörper-Schwimmanzug zu erwarten sein (Fischschuppenoberfläche oder ähnliches). Das Kopftuch könnte in eine Bademütze integriert werden.

    • fennek
    • 23.04.2012 um 18:53 Uhr

    Ich freue mich schon auf

    "Schwitzen mit Gott",
    "Schwitzen mit Jahwe",
    und für Atheisten: "Alleine Schwitzen".

    Danach darf dann Frau Bäuerlein ran und übernimmt die Reihe mit verschiedenen Episoden unter dem Titel:

    "Schwitzen abseits monotheistischer Religionen"

    ...

    Hilfe, wie weit soll denn die kuriose Betrachtung "des anderen" in der Zeit noch gehen? Toilettenbräuche? Unterhosenmode? BHs? Strumpfhosen?

    Da wird's wohl besser Zeit für Spartenmagazine.

    Eine Leserempfehlung
    • Elite7
    • 25.04.2012 um 21:00 Uhr

    dann werden Sie schon merken, was ich meine. Es ist und bleibte ein totalitäres System. Ob ich nun Teil davon bin oder nicht. Und die meisten Katholiken sind es nur auf dem Papier. Ein Strenggläubiger, der richtet sich auch danach.

    Antwort auf "Der Unterschied ist:"

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