EmpfehlungsschreibenDas Zitat... und Ihr Gewinn

Plutarch sagt: Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man Freunde nötig hat. von 

Noch immer stehen die Firmen vor jeder Bewerbung wie vor einer Blackbox und rätseln: Was hat der Mensch hinter den wohlklingenden Unterlagen wohl zu bieten? Signalisiert seine Bewerbung ein besonderes Talent für die ausgeschriebene Stelle – oder doch nur für Hochstapelei? In Jobs, bei denen Überzeugungstäter gefragt sind, stellen sich diese Fragen umso dringender. Fehlgriffe sind teuer, sie kosten Nerven, Geld und schlimmstenfalls das gute Image.

Clevere Bewerber fragen sich: Wie gelingt es mir, einem potenziellen Arbeitgeber zu vermitteln, dass ich perfekt zu der Philosophie einer Organisation und zu der ausgeschriebenen Aufgabe passe? Es gilt dasselbe wie vor Gericht: Nur wer Zeugen hat, wirkt glaubwürdig. Reicht also ein gutes Arbeitszeugnis? Nein, erstklassige Zeugnisse sind oft erstklassige Heuchelei. Deutlich wirkungsvoller ist die persönliche Referenz, wie sie im englischen Sprachraum üblich, bei uns aber immer noch selten ist.

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Bitten Sie Professoren, Vorgesetzte oder wichtige Kunden, die diskret und Ihnen verbunden sind, ein paar Sätze über Ihre Qualitäten zu schreiben, Motto: »Ich habe ihn erlebt als...«, »Daher kann ich sie empfehlen für...«. Referenzen sind, anders als Zeugnisse, freiwillig. Niemand muss sie schreiben. Wer es dennoch tut, wer die Stärken eines Menschen lobt, ihn für eine Aufgabe empfiehlt und sich anbietet, auch telefonisch Auskunft zu geben, tut es offenbar aus voller Überzeugung.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Eine solche Empfehlung wiegt schwerer als zehn gute Zeugnisse. Erst recht, wenn Ihr Referenzgeber als Autorität in einer Branche gilt und nicht nur ein Kumpel aus dem Betriebssport ist, der auf derselben Hierarchieebene wie Sie gearbeitet hat. Ein potenzieller Arbeitgeber schöpft durch die Referenz Vertrauen – zumal Sie vielleicht der einzige Bewerber sind, der Fürsprecher ins Feld führt.

Werden die Referenzgeber tatsächlich angerufen? Selten. Allein die Tatsache, dass sie ihren guten Namen zur Verfügung stellen, ist Beweis genug. Referenzen sorgen für Vorurteile der positiven Art und oft für eine Nasenlänge Vorsprung gegenüber anderen Bewerbern.

Wohl dem, der klug genug ist, sich um Referenzgeber zu bemühen – und angesehen genug, welche zu finden. Denn bitter wäre es – frei nach Plutarch –, erst in dem Moment, in dem man Referenzgeber braucht, festzustellen: Ich habe keine!

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Leserkommentare
  1. "Und mit einer Gegenfrage kontern, warum diesen Zeugnissen und den Zeugnisausstellern mißtraut wird und warum man diese Zeugnisse entwerten will."
    Antwort: Weil lt. Gesetz in einem Zeugnis nur Positives stehen darf. Daher die "Zufriedenheit" (= ist blöd), die "volle Zufriedenheit" (= Durchschnitt, hat sich aber bemüht) und das grammetikalische Ungeheuer der "vollsten Zufriedenheit" (= wir waren echt mit ihm zufrieden)
    Eine Referenz ist auch nichts Besseres als ein Zeugnis, da niemand weiß, welchen Umständen und Verbindungen der Bewerber diese Referenz verdankt. Was wäre Maischbergers Referenz im Fall Wulff wert gewesen?

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    (1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.
    (2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.
    (3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.
    http://de.wikipedia.org/w... http://www.gesetze-im-int...

    Soviel muss man heute wissen. Weitere Auskünfte sollte man sich bei einem wirklichen Fachmann für bürgerliches Recht holen.

    Genau der von Ihnen beschrieben Verachtung gegenüber unsere Gesetzen und unserer Sozialordnung muss man entschieden entgegentreten.

    Die aus dem Anglo-Amerikanischen kommenden und empfohlenen schwächeren persönlichen Referenzen gegenüber unsere guten Zeugnissen sind ein Rückschritt in eine feudale Zeit, aus der sie stammen. Sie öffnen der Willkür Tür und Tor. Allein deshalb muss man diesen Tendenzen entgegentreten. Und aus eigenem Interesse, die tatsächlich erbrachten Leistungen bezeugt zu bekommen.

    • Zack34
    • 22. April 2012 17:12 Uhr
    2 Leserempfehlungen
  2. So einen unglaublichen Unsinn habe ich noch nie gelesen. Persönliche Referenzen? Wo gibt es denn im Arbeitsleben glaubwürdige Referenzen? Solche bekommen nur Leute mit Vitamin A ohne Bezug zu ihrer tatsächlichen Leistung. Warum sollte jemand in einer solchen Referenz den Mitarbeiter als Überflieger darstellen, wenn dies nicht schon durch sein Zeugnis abgebildet wird. Hintergrund ist natürlich, dass Leute mit gutem Zeugnis mit Abstammung von Arbeitern rausgedrängt werden sollen durch Leute, die schlechte Schulzeugnisse haben, aber von großen Leuten abstammen. Nichts anderes steckt hinter dieser Sache. Wer bekommt schon eine gute Referenz. Der Mitarbeiter, der die Firma wechselt muss mit einer schlechten Bewertung rechnen, weil er wechselt, auch wenn ihn der Arbeitgeber gut findet.
    Daher unglaublicher Unsinn.

    Eine Leserempfehlung
  3. Empfehlungsschreiben sind aus zweierlei Gründen nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind:

    1. Sind sie oftmals viel zu einfach zu bekommen. Ich habe es schon oft erlebt, dass es im akademischen Feld beispielsweise ausreicht, bei einer Hausarbeit einfach drei Seiten mehr zu schreiben als der Rest und schon bekommt man das Empfehlungsschreiben, in dem dann sowas steht wie "Ich habe ihn als sehr engagiert erlebt..."

    2. Werden, wie auch schon angesprochen, häufig nicht die mit dem Schreiben belohnt, die tatsächlich die beste Arbeit geleistet haben, sondern die, die dem Empfehlungsschreibenden am tiefsten in den Allerwertesten gekrochen sind und auch sonst vor Allem durch ihre Umgänglichkeit aufgefallen sind.

    Ein Empfehlungsschreiben signalisiert den zukünftigen Arbeitgeber also vor Allem, wie sehr er sich darauf verlassen kann, es mit einem opportunistischen/fügsamen Arbeitnehmer zu tun zu bekommen. Sie sind damit mitnichten die bessere Alternative zum Arbeitszeugnis - jedenfalls, wenn es um die Einschätzung von Qualifikation/Fähigkeit geht. Zeugnisse bilden zwar auch selten die reine Wahrheit ab, aber sie sind in meinen Augen letztlich immer noch verlässlicher als diese unsäglichen Vitamin-B-Schreiben.

    3 Leserempfehlungen
  4. (1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.
    (2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.
    (3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.
    http://de.wikipedia.org/w... http://www.gesetze-im-int...

    Soviel muss man heute wissen. Weitere Auskünfte sollte man sich bei einem wirklichen Fachmann für bürgerliches Recht holen.

    Genau der von Ihnen beschrieben Verachtung gegenüber unsere Gesetzen und unserer Sozialordnung muss man entschieden entgegentreten.

    Die aus dem Anglo-Amerikanischen kommenden und empfohlenen schwächeren persönlichen Referenzen gegenüber unsere guten Zeugnissen sind ein Rückschritt in eine feudale Zeit, aus der sie stammen. Sie öffnen der Willkür Tür und Tor. Allein deshalb muss man diesen Tendenzen entgegentreten. Und aus eigenem Interesse, die tatsächlich erbrachten Leistungen bezeugt zu bekommen.

    2 Leserempfehlungen
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    "Der Bundesgerichtshof stellte in einem richtungsweisenden Urteil vom 26. November 1963 klar: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Arbeitszugnis, das sein berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert. "Wohlwollend" bedeutet aber nicht, dass das Zeugnis einer guten Note entsprechen soll. Es muss vielmehr mit verständigem Wohlwollen verfasst und darf nebensächliche Schwächen oder Probleme eines Arbeitnehmers im Zeugnis nicht überbewerten."

    Sie haben leider meinen Kommentar anders verstanden, als er gemeint war. Mir ist im Grunde genommen ein deutsches Zeugnis noch lieber als eine amerikanische (französische oder italienische) Referenz, da letztere auch telefonisch eingeholt werden kann und deshalb rechtlich unverbindlich ist.
    Ich verstehe Ihre interessante "Feststellung" nicht, dass ich das Recht missachte. Es ist - ob es Ihnen passt oder nicht - gängige Praxis in Deutschland, Zeugnisse so zu formulieren, dass diese keine Abwertende Bewertung des Arbeitnehmers enthalten. Sonst drohen Regresszahlungen. Wenn sich jemand darüber kundig machen sollte, der bin nicht ich. Zeugnisse lassen sich erzwingen und Referenzen lassen sich kaufen. Warum sollte jemand auf so ein Falschgeld überhaupt achten? Ist es nicht besser, z.B. den Bewerber einer fachbezogenen Prüfung zu unterziehen?

  5. "Der Bundesgerichtshof stellte in einem richtungsweisenden Urteil vom 26. November 1963 klar: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Arbeitszugnis, das sein berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert. "Wohlwollend" bedeutet aber nicht, dass das Zeugnis einer guten Note entsprechen soll. Es muss vielmehr mit verständigem Wohlwollen verfasst und darf nebensächliche Schwächen oder Probleme eines Arbeitnehmers im Zeugnis nicht überbewerten."

  6. Sie haben leider meinen Kommentar anders verstanden, als er gemeint war. Mir ist im Grunde genommen ein deutsches Zeugnis noch lieber als eine amerikanische (französische oder italienische) Referenz, da letztere auch telefonisch eingeholt werden kann und deshalb rechtlich unverbindlich ist.
    Ich verstehe Ihre interessante "Feststellung" nicht, dass ich das Recht missachte. Es ist - ob es Ihnen passt oder nicht - gängige Praxis in Deutschland, Zeugnisse so zu formulieren, dass diese keine Abwertende Bewertung des Arbeitnehmers enthalten. Sonst drohen Regresszahlungen. Wenn sich jemand darüber kundig machen sollte, der bin nicht ich. Zeugnisse lassen sich erzwingen und Referenzen lassen sich kaufen. Warum sollte jemand auf so ein Falschgeld überhaupt achten? Ist es nicht besser, z.B. den Bewerber einer fachbezogenen Prüfung zu unterziehen?

    • WWBC
    • 23. April 2012 9:52 Uhr

    Das was Herr Wehrle hier als Empfehlung gibt, stellt in Deutschland Gültiges in Frage und führt den Leser zu waghalsigen Strategien. Was ist das Motiv, außer vielleicht dem unbändigen Drang dauend etwas Neues und Einzigartiges zu produzieren? - Vielleicht redet der Autor mehr über sich selbst, als dass er die Situation seiner Leser und Klienten vor Augen hat. Wenn man zu dem Herrn recherchiert, dann fällt auf, das die Belege zu einer eigenen Vita mehr als mager sind. Sich als "Journalist" zu bezeichnen, sagt noch nichts über den Ausbildungshintergrund, denn Journalist darf sich jeder nennen, der ( nach Kommunikationswissenschaftler Prof. Kepplinger) "eine Schreibmaschine bedienen kann". Die weiteren Berufsstationen sind ebnfalls nicht eindeutig und konkret benannt. Es könnte also hier der Fall eines Kandidaten vorliegen, der kaum (Arbeits-)Zeugnisse vorlegen kann und daher als einziges Mittel der Berufsdokumentation auf wohlwollende Aussagen Dritter angewiesen ist.
    Wenn dem so sein sollte, dann wäre es zusätzlich mehr als fahrlässig, diese Notlösung als generelle und sinnhaftige Strategie zu empfehelen - gerade in Deutschkland, wo eine ausgefeilte Zeugniskultur existiert und jededs Jahr eine Vielzahl von Arbeitsgerichtsprozessen geführt werden.
    Für noch bedenklicher halte ich, dass die "Zeit", die sicher gerne als Leitmedium deutscher Geisteselite sieht, derartiges Treiben unterstützt.

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    ...seine Bücher/Dienstleistungen verkaufen. Dann muss man eben immer mit etwas Neuem kommen, um sich in der Presse zu plazieren. Auf mich wirken Bewerbungen nach dem Motto "ich kenne Professor soundso" eher unseriös. Deshalb würde ich in deutschland eher davon absehen, es sei denn, es wir danach gefragt. Allenfalls als Berufsanfänger, wenn man wenige Zeugnisse hat, kann es aber eine Möglichkeit sein, den CV etwas aufzupeppen.

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  • Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
  • Schlagworte Beruf | Karriere | Arbeitszeugnis | Bewerbung
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