Neue DVD: "The One and Only"
Was Marilyn Monroe bis heute einzigartig macht – eine kleine DVD-Umschau.
© Davis/Express/Getty Images

Marilyn Monroe umgeben von Männern (rechts: ihr dritter Ehemann Arthur Miller) in London im Oktober 1956
Das Interessante und Unwiederholbare an den Hollywood-Stars der fünfziger und sechziger Jahre ist, dass es sich um Mythen der Transition, um – modisch gesprochen – Bilder der Diskurswechsel handelt. Der Diskurswechsel der Rolle »Jugend«: James Dean. Der Diskurswechsel »Mann«: Marlon Brando. Der Diskurswechsel »Frau«: Marilyn Monroe. Im Kino wurden Bilder erzeugt, die vor allem dazu dienten, andere Bilder zu zersetzen. Man konnte zusehen, wie sich das Bild »Marilyn Monroe« auf der Leinwand bildete, um rechts und links andere Bilder zerfallen zu lassen. Männliche wie weibliche. Und dann begann es, selber zu zerfallen.
Die Zersetzungsarbeit beginnt 1950: Marilyn Monroe spielte in einem ihrer ersten Filme, in denen sie mehr als Beiwerk ist, in Joseph L. Mankiewicz’ Alles über Eva, ein Kino-Starlet, dem geraten wird, sein Glück doch lieber beim Fernsehen zu versuchen. Dann wird sie, in Versuchung auf 809 und Niagara, als Wahnsinnige und Mörderin ausprobiert. Man wusste damals noch nicht, ob man am Bild der guten oder der bösen neuen Frau arbeitete. Der Ausweg war die Komödie.
Hier eroberte Marilyn Monroe das Zentrum des Bildes. Und hier löste sich das moralische Dilemma in pure Performance auf. Denn Marilyn Monroe spielte nun meistens eine Frau, die sich selber spielt. Sängerinnen, Saloongirls, Selbstdarstellerinnen auf der Suche nach dem reichen Mann, die unschuldige Sexbombe; so entstand die Spannung zwischen dem Abbild und dem Abgebildeten. Es ist die Frau, deren Bild in doppeltem Sinne etwas anderes meint als sie selbst. Während die Männer rings um sie auf entweder komische oder dramatische Art verrückt werden.
Natürlich ist das eine Frage der kinematografischen List. Noch bis in die sechziger Jahre hinein darf Marilyn Monroe auf der Leinwand, was anderen Schauspielerinnen unmöglich ist. Das heißt nicht nur sexy sein, zweideutige Reden führen, Schranken der Klassen und der Sitten überspringen, die Nähe suchen, wo die Konkurrentinnen das Weite suchen, unter welchem Vorwand auch immer. Es heißt auch die Arbeit am eigenen Bild. Die Frau in den etwas warmherzigeren Filmen mit Marilyn Monroe mag gelegentlich mit dem Bild, das sie abgeben soll, unglücklich sein. Der Fluchtpunkt indes ist kein Abschminken und Bravwerden. Man muss sie beide nehmen, die Frau und das Bild, das ist neu.
Die Spannung zwischen dem Bild und dem Wesen, die auf der Leinwand vor allem in den großen Komödien so wunderbar funktioniert (Monkey Business, Blondinen bevorzugt, Wie angelt man sich einen Millionär? oder Das verflixte siebte Jahr), wird, dramatisch genug, auch in die magische Biografie von Marilyn Monroe eingeschrieben. Die unglücklich liebende, die empfindsame und tapfere, die nach gesellschaftlicher und schauspielerischer Anerkennung strebende Frau im Körper eines naiven, pure Oberfläche generierenden, fetischhaft zurechtgemachten und dem Männerblick unterworfenen Sexsymbols. Schwer zu sagen, ob Marilyn Monroe selbst auf diesen Mythos hereingefallen ist.
Etwas an Marilyn ist immer »weggetreten«
Auf der Leinwand war er jedenfalls nicht nur das Ergebnis einer autobiografischen Verdichtung und einer »Aura«, die jemand nun einmal hat oder nicht, sondern auch eine Frage mehr oder weniger bewusster schauspielerischer Technik. Michelle Williams, die Marilyn Monroe in dem gerade ins Kino gekommenen Film My Week with Marilyn ganz im Sinne des Mythos darstellt, erklärt: »Sie war ein unschuldiges Kind im Körper einer sinnlichen Frau.« Und: »Ihr Blick war der eines neugeborenen Babys, das die Welt entdeckt.«






verstehe ich auch nach zweimaliger Lektüre des Artikels nicht, was mit dem "Zersetzen", das Marilyn Monroe angeblich vollzieht, gemeint ist.
Ist er eventuell doch nur eine Ansammlung verschwurbelter Sprache, der mit der Kurzzusammenfassung, Monroe "zerstöre das Bild des Mannes", ein modischer Anstrich verpasst wurde?
dann geht es also nicht nur mir so!
hat sie u.a. als himmlisch unordentlich beschrieben, wie einen Eisbecher mit Früchten. Und er hatte sie als Holly Golightly vorgesehen. Meine Mutter sagte "so eine schöne Frau". "Manche mögen's heiss" hätte wohl mit keiner anderen weiblichen Hauptdarstellerin so funtkioniert.
Sie war wohl etwas besonderes, denn nur mit "Haare blond färben" bleibt man nicht in Erinnerung.
Ich war noch nicht geboren, als sie gestorben ist, und trotzdem ist da noch irgendetwas, auf das man reagiert und das man behält.
Um aus einem anderen amerikanischen Film zu zitieren: Call it magic.
Marilyn Monroe ist ein Mythos, den es nicht wirklich gibt. Es wird so viel über sie geschrieben und dabei war es vermutlich nur eine ganz normale Person, die das Glück hatte beim Film zu landen. Ich bin sicher, heute würde sie in jedem Casting durchfallen.
Natürlich ist die Monroe ein Mythos. Jeder Hollywoodstar, besonders der vergangenen Ären, ist ein Mythos - das ist Naturgesetz dort. Und es hat keine Relevanz, ob die Monroe heute bei Castings durchfallen würde, einfach, weil sie den damaligen Zeitgeist sehr entsprach und perfekt in die Zeit passte. Als Typus der Wasserstoffblondine ist sie selbst nicht zeitlos (ihre Haare sind sehr wohl ein Identitätskriterum im Film), aber einige Filme, in denen sie mitgespielt hat, sind es. Sie ist zudem einer Zeit verhaftet, mit der Leute Stil und Klasse verbinden - daher immer noch beliebt.
Ich finde das mal wieder einfach frustrierend dass Frauen nur mit so einem billigen Auftritt anscheinend Eindruck hinterlassen. Stimmt Frauen, die intelligent sind und Ihren Busen nicht aus der Bluse raushängen lassen oder ihren Rock lüften, warum sollte man solche bewundern? Frauen wie sie die mit ihren Reizen auf sich aufmerksam machen sind in meinen Augen einfach nur armselig und billig!
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