FDPZwei gegen das Aus

Kühler Kopf und dicke Hose: Christian Lindner und Wolfgang Kubicki versuchen, eine neue FDP zu schaffen. Ohne Philipp Rösler von 

Christian Lindner neben Wolfgang Kubicki

Christian Lindner neben Wolfgang Kubicki  |  © Carsten Rehder/dpa

Auf dem langen Flug durch sein politisches Universum landet Wolfgang Kubicki an einem regnerischen Aprilmorgen auf noa4, gleich neben den Stadtwerken. Noa4 ist eine lokale Fernsehstation in Norderstedt bei Hamburg, die täglich 30 Minuten auf Sendung geht. Kubicki überbrückt die Wartezeit bis zum Interview mit Kubicki. »93 Prozent der Schleswig-Holsteiner kennen mich«, legt er los. »Für drei Prozent über Bundesdurchschnitt bin ich immer gut.« Den CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im nördlichsten Bundesland, Jost de Jager, nennt er einen »guten Mann mit der Ausstrahlung eines Oberamtsrats«. Und die Piraten? »Die werden es kaum schaffen, weil ihnen ein Gesicht fehlt.«

Auf die Strahlkraft kommt es an, auf den Spitzenmann kommt es an, auf mich. Die oberste Direktive im Universum Kubicki lautet: Zeig das!

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Auf noa4 erreicht Kubicki jetzt die jüngste Umfrage aus Schleswig-Holstein. Die Piraten von fünf auf elf Prozent hoch, die FDP festbetoniert bei vier, Bundesniveau, drei unter Kubicki, eins unter Existenzminimum. Aus dem Freigeist mit dem Riesenego purzeln plötzlich die Durchhalteparolen eines Apparatschiks: »Umfragen sind Umfragen, entschieden wird am 6. Mai.« Sich großreden, um groß rauszukommen – das könnte auch scheitern.

Christian Lindners neue Welt beginnt gleich hinter Karstadt Sport. Eben hat Lindner in der proppenvollen Stubengasse von Münster zum ersten Mal als Spitzenkandidat einen Straßenwahlkampf eröffnet, nun stürzt er sich in die Menge. Die Leute drängen zu ihm hin, zerren an ihm, Jungliberale wollen ein Foto, Jungs von Occupy Westfalen ein Interview, eine ältere Dame sagt, sie habe bisher immer CDU gewählt: »Jetzt bekommen Sie meine Stimme.«

Auf die Strahlkraft kommt es an, auf den Spitzenkandidaten kommt es an, auf mich. Die Leitidee in Lindners neuer Welt lautet: Verbirg das!

Fragen nach seiner Person, nach seinem Befinden beantwortet Lindner grundsätzlich mit Nordrhein-Westfalen. »Es geht am 13. Mai nicht um mich, sondern um eine Richtungsentscheidung für das Land«, »Wir kommen nicht mit Wahlplakaten mit kleinen Kindern oder Hundewelpen, wir kommen mit Argumenten«. Wer sich kleinredet, macht sich groß – das könnte sogar klappen.

Kubicki und Lindner sind die wichtigsten Politiker in der FDP. Mit den beiden Wahlen binnen sieben Tagen entscheidet sich in Kiel und Düsseldorf, ob der Niedergang der Liberalen doch noch gestoppt werden kann. Oder ob ihre Chaotisierung weiter voranschreitet. Beim FDP-Parteitag an diesem Wochenende in Karlsruhe sind daher alle Augen auf zwei grundverschiedene Politiker gerichtet, die nun auf ein Tandem gezwungen sind. Hier der 60-jährige Rechtsanwalt, der sich in großer wirtschaftlicher Unabhängigkeit schon mal die Freiheit nimmt, die Stimmung in der FDP mit der »Endphase der DDR« zu vergleichen, eine Versetzung seiner Parteifreundin Birgit Homburger als »Müllentsorgung« zu bezeichnen oder seinen Verbleib in Kiel damit zu begründen, in Berlin würde er »zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock«.

Leserkommentare
    • Kardeg
    • 21. April 2012 10:26 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    • mcbb
    • 21. April 2012 10:29 Uhr

    ...dann doch sicher erst mal jedes in Armut dahin lebende 7. Kind und im Ruhrgebiet sogar jedes 4. Kind. Jede Partei, die das Volk nicht vertritt, ist früher oder später zum scheitern verurteilt. Steuer-Geschenke an Hoteliers oder an Reiche bilden halt kein großes Wählerpotenzial. Und da die "Schere" zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, wird andere Parteien früher oder später ebenfalls diese Schicksal ereilen und das ist GUT SO!

  1. Und diesen Weg muss die FDP weiter bestreiten. Klare Kante zeigen, nicht ideologisch verbohrt, sondern mit klugem Augenmaß a la Lindner und Kubicki.

  2. ist ein ganz besonderer, wie man hier erkennen kann:

    http://www.zeit.de/politi...
    http://www.taz.de/!85988/

    Aber dieser Lobbyismus ist nicht erst ein Problem der 'Neuen' FDP, sondern hat in dieser Traditionspartei eine lange Tradition: http://www.youtube.com/wa...

    In Kurzform: http://www.ndr.de/fernseh...

    Genau wie die erschwindelten Doktortitel vom sympathischen Dauerschwätzer Chatzi, von der Dauerparlamentsschwänzerin Koch-Mehrin, vom ebenfalls ehemals in NRW wirkenden Djir-Sarai, von der Westerwelle-Vertrauten Mathiopoulos ist diese Partei ein einziger Fake!

    • Kometa
    • 21. April 2012 10:50 Uhr

    „Kühler Kopf und dicke Hose“
    Was heißt denn „dicke Hose“?
    Das heißt ja nicht, das da was [ach, was nur?] in die Hose geht?
    Es wir immer die Mitleidswähler geben, die mit ihrer verdruckten Zweitstimme ein Abfall-Kreuzchen für die FDP zeichnen.

  3. dann ist es Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Mit ihr als Vorsitzenden und Spitzenkandidatin könnte man die Partei sogar wählen

  4. Wer rettet Deutschland?

  5. Rößler war am anfang ohne zweifel fehl am platz gewesen unpassend, nicht kompetent und reif genug, ausserdem keine neue ideen.

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