TV-Rechte BundesligaDrei, zwei, eins – Tor!

Wie dem Chefstrategen der Fußball Liga mit der Auktion der Übertragungsrechte ein Meisterstück gelang. von Anne Kunze

Der Moment der Entscheidung: Der oberste Bundesliga-Manager Christian Seifert (links) und DFL-Präsident Reinhard Rauball

Der Moment der Entscheidung: Der oberste Bundesliga-Manager Christian Seifert (links) und DFL-Präsident Reinhard Rauball  |  © dpa

Als dieser Tage über die Zukunft des Fernsehens entschieden wurde, geschah das nicht irgendwo, sondern in einem »War Room«. Die Deutsche Fußball Liga ( DFL ) wurde belagert, von Emissären traktiert, von Spionen umschwärmt, weil sie die Übertragungsrechte am liebsten Sport der Deutschen versteigert hat: Wie, wann und wo soll die Bundesliga künftig zu sehen sein? Beim Internetkonzern Google? Oder erträgt man vier weitere Jahre die Sportschau in der ARD ?

Die Koordinaten des War Rooms – super geheim. Also erwartet man einen schalldichten Raum, sparsam beleuchtet, unpersönlich. Wo abhörsichere Telefone klingeln und Monitore das Weltgeschehen in Jetztzeit übertragen. Man kennt das ja aus Filmen.

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Für ein Treffen soll man sich am Montagmorgen am Frankfurter Hauptbahnhof bereithalten. Dann taucht die Eskorte auf, und es geht im Stechschritt zur Friedrich-Ebert-Anlage 40. Tatsächlich: Die Kommandozentrale liegt im Hessischen Hof.

Im Fünf-Sterne-Hotel angekommen, biegt man hinter dem Eingang rechts in den lichtdurchfluteten Empire Salon ab. Dort also liefen die Angebote für die Übertragungsrechte an der Fußball Bundesliga ein. Die Auktion endete bei nahezu 2,5 Milliarden Euro .

Der oberste Liga-Manager Christian Seifert , 42, hellblaue Krawatte, schwarzer Maßanzug, hat mit zwei Anwälten und drei DFL-Mitarbeitern über den Unterlagen gesessen. Sie haben im Empire Salon weder geschlafen noch sich tagsüber eingeschlossen. Weder Brote noch Thermoskanne haben sie sich mitgebracht. Zum Essen gingen sie hinaus. Nicht mal ihre Handys haben sie am Eingang abgegeben. Für einen War Room ging es ziemlich zivil zu.

Überhaupt ist Seifert sofort bemüht, den Eindruck zu vermeiden, das Wort War Room sei ernst gemeint. Das sei ein Scherz während der vergangenen Ausschreibung gewesen, den man halt wieder übernommen habe.

Was soll er sonst auch sagen? Mehrfach betont Seifert, er wolle die Ausschreibung nicht »bigger than life« machen; andererseits geht es nun mal um etwas, das für viele Menschen das größte im Leben ist: um Fußball . Milliarden wert. Mythenbehaftet.

Die Frage, wie und wo Fußball zu sehen sein wird, bestimmte stets über die Zukunft des Fernsehens insgesamt. Das war bereits 1954 so. Nach der damaligen Weltmeisterschaft bekamen die Deutschen erstmals eine Ahnung davon, warum sie überhaupt fernsehen sollten. Das Medium hatte seinen Durchbruch geschafft. Die Bundesliga trieb später die Verbreitung des Farbfernsehens voran, und die Weltmeisterschaft 2006 beförderte die Ausbreitung von hochauflösenden Bildern (HD). »Die nationale Vergabe der Medienrechte der populärsten Sportart kann massive Auswirkungen auf die Medienlandschaft und deren technologische Entwicklungen haben«, sagt Seifert. Ganz nüchtern betrachtet.

Doch gewonnen haben wieder die Alten. Noch ist die nächste Revolution ausgeblieben: Bundesligaspiele werden zuerst live beim Bezahlsender Sky zu sehen sein und danach im frei empfangbaren Fernsehen zweitverwertet, also in der Sportschau der ARD und dem Sportstudio des ZDF.

In der Auktion hatte es auch das Revolutionsszenario gegeben. Ihm zufolge wäre die Bundesliga außerhalb des Bezahlsenders Sky eben im Internet zu sehen gewesen, nicht in der ARD.

Für das Szenario Neue Medien gab es offenbar auch ein gutes Angebot von Google. So heißt es zumindest im Umfeld der Clubs. Doch der Liga-Vorstand habe vor zu viel Veränderung zurückgeschreckt. Man habe die Sponsoren nicht verprellen wollen. Bei der nächsten Rechtevergabe in vier Jahren aber, da sind sich die Clubkreise sicher, werde das Internet ganz anders zum Zuge kommen.

So wurde am Dienstagmittag verkündet: Die Sportschau bleibt, obwohl der durchschnittliche Bundesliga-Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Senders mit mehr als 60 Jahren den Werbenden oft etwas zu alt ist. Jüngere Fans werden Spielzusammenfassungen oft und wie bisher auf der Online-Plattform YouTube sehen, illegal und in schlechter Qualität, mit russischem oder englischem Kommentar.

Dass die großen Sender weitermachen, ließ sich die Bundesliga immerhin teurer denn je bezahlen. 628 Millionen Euro wird sie jedes Jahr einnehmen.

Seifert sagt: »Ich kann das Ergebnis nicht beeinflussen.« Dem entgegnen Rechteexperten und Wissenschaftler: Man kann eine Auktion so zuschneiden und Rechtepakete so bündeln, dass einige Szenarien wahrscheinlicher sind als andere.

Leserkommentare
  1. "Ob eine Auktion endet wie gewünscht, hängt also allgemein gesprochen davon ab, ob...."

    mindestens 2 Bieter richtig viel Geld in die Hand nehmen wollen.

    Ohne die Telekom wäre es nix geworden mit diesem Auktionsergebnis. Da hat die DFL richtig Schwein gehabt, daß der Obermann so geil auf Fussballrechte war.

    Man darf gespannt sein, ob Sky jetzt die Preise für ihre Abos stabil hält.

    Es soll ja viele Sky-Kunden geben, die bereits über 30 EUR für BL/CL im Monat bezahlen, statt eine Kündigung zum nächsten Termin zu schreiben und dann darauf zu warten, bis die Sky-Telefonistin mit mehreren Anrufen alles nur erdenklich unternimmt, um den Kunden von dieser Entscheidung abzubringen. Am Ende akzeptiert sie immer einen ermäßigten Betrag. :-)))))

  2. ... anzuschauen.

    ich habe keinen Vertrag mit DFL, UEFA oder FIFA unterzeichnet. Wenn ein Brite oder Grieche eine Sequenz auf Youtube online stellt, ist das entweder sein oder das Problem von Youtube.

    Nur weil es den Interessen von gewissen Konzernen zuwiderläuft, ist es noch lange nicht illegal.

    Wenn ich auf Youtube etwas anschaue ist es nicht illegal, außer der Konsum ist schon von Gesetzes wegen illegal (z.B. Kinderpornographie).

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    • 15thMD
    • 18. April 2012 14:33 Uhr

    Es ist illegal. Vielleicht nicht nach Ihrem Rechtsempfinden und auch nicht nach meinem. Aber es ist illegal.

  3. 3. na ja

    was war daran jetzt nun gigantisch toll?

    solange am bieterverfahren bieter gegeneinader teilnehmen,weil das interesse da ist, gibt es auch ein ergebnis, dass das interesse widerspiegelt.

    wenn dann noch einer dabei ist, der nicht rechnen brauch, weil er aus gebühren finanziert wird, na dann ist doch alles klar.

    was ist da jetzt die besondere leistung des auktionators?

    also wenn er so was bei frauenfussball hinkriegt, ok, da hat er know how, was herrausragt.

    aber doch bitte nicht bei dem selbstläufer so eine lobhudelei ...

  4. bleibt abzuwarten, ob Sky das stemmen kann. Wenn die die Preise für die Abos erhöhen müssen und dann die Leute wegbrechen.. Hr. Kirch hats vergemacht liebe Fussballliga..

  5. Wie so die Sportschau so madig machen? Abgesehen von Moderatoren - besonders Beckmann- ist die Sportschau doch ganz brauchbar.

    Auch stimmt das mit den Online Streams so nicht. Wenn man weiß wie, kann man fast jedes Spiel im flüssigen 720p Stream sehen UND man wird nicht von den Janusköpfen wie Marcel Reif oder schlimmer von Thun und Taxis belästigt. 1000x lieber schreiendes Arabisch oder glucksendes Asiatisch als diese 2 Kasper.

    Nichts gegen Sky im Allgemeinen, die Produktion ist 1A. Aber das man teure Bundles kaufen muss obwohl man einmal die Woche Buli und eventuell CL schaut ist, zm für mich, einfach Fehl am Platz.

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    "Aber das man teure Bundles kaufen muss obwohl man einmal die Woche Buli und eventuell CL schaut ist, zm für mich, einfach Fehl am Platz."

    Richtig. Ich versteh es bis heute nicht, warum Sky nicht ein gutes Fußball-Paket ohne anderen Schnickschnack anbietet.

  6. 6. Sky...

    "Aber das man teure Bundles kaufen muss obwohl man einmal die Woche Buli und eventuell CL schaut ist, zm für mich, einfach Fehl am Platz."

    Richtig. Ich versteh es bis heute nicht, warum Sky nicht ein gutes Fußball-Paket ohne anderen Schnickschnack anbietet.

    Antwort auf "Weiter 4 Jahre..."
    • 15thMD
    • 18. April 2012 14:33 Uhr

    Es ist illegal. Vielleicht nicht nach Ihrem Rechtsempfinden und auch nicht nach meinem. Aber es ist illegal.

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    Verwenden Sie niemals diesen Link:

    http://livetv.ru/de/

    so stimmt das nicht.
    die bundesligarechte werden auch ins ausland verkauft und dort gibt es dann legale anbieter die spiele live ins internet stellen, zum beispiel die chinesen.

    da darfst du beruhigt zuschauen ...

    und damit ist für den konsumenten völlig unklar, was legal oder was illegal ist.

  7. Vielleicht mag es für die DFL ein finanzielles Glanzstück, aber bestimmt kein innovatives. Noch immer geht es darum Kunden auf Dauer an sich zu binden und sie in langen Verträgen zu halten. Das passt nicht in eine Zeit des stetigen Wandels. Für den Individualnutzer bleibt es eine Bankrotterklärung. Er muss alles einkaufen, auch wenn er nur wenig konsumieren möchte. Lösungen für diesen Teil hat weder die DFL, noch Sky oder die öffentlich-rechtlichen anzubieten. Der Kunde, wenn er überhaupt einer werden möchte, muss alles das nehmen, was ihm vorgesetzt wird.

    Wenn mich an einem Spieltag nur ein ganz bestimmtes Spiel interessiert, oder ich nur die eine Sportübertragung sehen möchte, und der Rest mich aus zeitlichen, oder privaten Gründen nicht interessiert, muss ich trotzdem alles einkaufen, was mit Sky, und demnächst der Axel-Springer-Verlag vorsetzt. Das man damit nur einen kleinen Kreis von Kunden erreicht, damit hatte Premiere und hat Sky bis heute zu kämpfen. Die gewünschten Abozahlen blieben aus. Es wird mehr Programm am Kunden vorbei gemacht.

    Wieso soll es nicht eine Prepaidkarte für Fussballübertragungen geben? Die technische Umsetzung dürfte doch nicht allzu schwer sein. Und das Spiel brauch auch nur über das Internet abrufbar sein. Innovation fehlt auch hier. Stattdessen bleibt alles beim alten. Und das ist für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft niemals gut.

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