Als dieser Tage über die Zukunft des Fernsehens entschieden wurde, geschah das nicht irgendwo, sondern in einem »War Room«. Die Deutsche Fußball Liga ( DFL ) wurde belagert, von Emissären traktiert, von Spionen umschwärmt, weil sie die Übertragungsrechte am liebsten Sport der Deutschen versteigert hat: Wie, wann und wo soll die Bundesliga künftig zu sehen sein? Beim Internetkonzern Google? Oder erträgt man vier weitere Jahre die Sportschau in der ARD ?

Die Koordinaten des War Rooms – super geheim. Also erwartet man einen schalldichten Raum, sparsam beleuchtet, unpersönlich. Wo abhörsichere Telefone klingeln und Monitore das Weltgeschehen in Jetztzeit übertragen. Man kennt das ja aus Filmen.

Für ein Treffen soll man sich am Montagmorgen am Frankfurter Hauptbahnhof bereithalten. Dann taucht die Eskorte auf, und es geht im Stechschritt zur Friedrich-Ebert-Anlage 40. Tatsächlich: Die Kommandozentrale liegt im Hessischen Hof.

Im Fünf-Sterne-Hotel angekommen, biegt man hinter dem Eingang rechts in den lichtdurchfluteten Empire Salon ab. Dort also liefen die Angebote für die Übertragungsrechte an der Fußball Bundesliga ein. Die Auktion endete bei nahezu 2,5 Milliarden Euro .

Der oberste Liga-Manager Christian Seifert , 42, hellblaue Krawatte, schwarzer Maßanzug, hat mit zwei Anwälten und drei DFL-Mitarbeitern über den Unterlagen gesessen. Sie haben im Empire Salon weder geschlafen noch sich tagsüber eingeschlossen. Weder Brote noch Thermoskanne haben sie sich mitgebracht. Zum Essen gingen sie hinaus. Nicht mal ihre Handys haben sie am Eingang abgegeben. Für einen War Room ging es ziemlich zivil zu.

Überhaupt ist Seifert sofort bemüht, den Eindruck zu vermeiden, das Wort War Room sei ernst gemeint. Das sei ein Scherz während der vergangenen Ausschreibung gewesen, den man halt wieder übernommen habe.

Was soll er sonst auch sagen? Mehrfach betont Seifert, er wolle die Ausschreibung nicht »bigger than life« machen; andererseits geht es nun mal um etwas, das für viele Menschen das größte im Leben ist: um Fußball . Milliarden wert. Mythenbehaftet.

Die Frage, wie und wo Fußball zu sehen sein wird, bestimmte stets über die Zukunft des Fernsehens insgesamt. Das war bereits 1954 so. Nach der damaligen Weltmeisterschaft bekamen die Deutschen erstmals eine Ahnung davon, warum sie überhaupt fernsehen sollten. Das Medium hatte seinen Durchbruch geschafft. Die Bundesliga trieb später die Verbreitung des Farbfernsehens voran, und die Weltmeisterschaft 2006 beförderte die Ausbreitung von hochauflösenden Bildern (HD). »Die nationale Vergabe der Medienrechte der populärsten Sportart kann massive Auswirkungen auf die Medienlandschaft und deren technologische Entwicklungen haben«, sagt Seifert. Ganz nüchtern betrachtet.

Doch gewonnen haben wieder die Alten. Noch ist die nächste Revolution ausgeblieben: Bundesligaspiele werden zuerst live beim Bezahlsender Sky zu sehen sein und danach im frei empfangbaren Fernsehen zweitverwertet, also in der Sportschau der ARD und dem Sportstudio des ZDF.

In der Auktion hatte es auch das Revolutionsszenario gegeben. Ihm zufolge wäre die Bundesliga außerhalb des Bezahlsenders Sky eben im Internet zu sehen gewesen, nicht in der ARD.

Für das Szenario Neue Medien gab es offenbar auch ein gutes Angebot von Google. So heißt es zumindest im Umfeld der Clubs. Doch der Liga-Vorstand habe vor zu viel Veränderung zurückgeschreckt. Man habe die Sponsoren nicht verprellen wollen. Bei der nächsten Rechtevergabe in vier Jahren aber, da sind sich die Clubkreise sicher, werde das Internet ganz anders zum Zuge kommen.

So wurde am Dienstagmittag verkündet: Die Sportschau bleibt, obwohl der durchschnittliche Bundesliga-Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Senders mit mehr als 60 Jahren den Werbenden oft etwas zu alt ist. Jüngere Fans werden Spielzusammenfassungen oft und wie bisher auf der Online-Plattform YouTube sehen, illegal und in schlechter Qualität, mit russischem oder englischem Kommentar.

Dass die großen Sender weitermachen, ließ sich die Bundesliga immerhin teurer denn je bezahlen. 628 Millionen Euro wird sie jedes Jahr einnehmen.

Seifert sagt: »Ich kann das Ergebnis nicht beeinflussen.« Dem entgegnen Rechteexperten und Wissenschaftler: Man kann eine Auktion so zuschneiden und Rechtepakete so bündeln, dass einige Szenarien wahrscheinlicher sind als andere.