Szene an der Börse in Peking © Getty Images

Ende Februar berichtete das Deutsche Weininstitut anlässlich der Fachmesse ProWein, dass die Deutschen am liebsten heimische Weine trinken. Von den rund 33 Litern, die ein jeder durchschnittlich pro Jahr schluckt, stammen 15 Liter aus deutschen Lagen, fünf aus Italien und viereinhalb aus Frankreich.

Mit der besseren Qualität kann das wohl kaum zusammenhängen. Wie mit dem Wein verhält es sich mit dem Sport: Menschen schätzen ihre eigene Mannschaft gewöhnlich als zu gut ein, was sich zum Beispiel am Wettverhalten ablesen lässt. Und so ähnlich agieren sie auch an der Börse: Anleger bevorzugen heimische Aktien – ein Phänomen, das die US-Wissenschaftler Kenneth French und James M. Poterba 1991 erstmals als sogenannten home bias beschrieben.

Wen die Heimatliebe beim Wein lediglich um den Genuss eines Brunello di Montalcino oder eines Burgunders aus Pommard bringt, den kostet dieses Verhalten auf dem Parkett bares Geld: Martin Weber von der Universität Mannheim hat ausgerechnet, dass Privatanleger so auf ein bis zwei Prozent Rendite im Jahr verzichten.

Dabei wollen Privatanleger mit ihrem Heimathang eigentlich auf Nummer sicher gehen, doch bewirken sie genau das Gegenteil: »Wer nur auf den Deutschen Aktienindex setzt, geht ein höheres Risiko ein, weil er dieses nicht global streut«, sagt Wissenschaftler Weber, der gemeinsam mit Dirk Schiereck die Schrift Bleibe im Lande und rentiere dich kläglich veröffentlicht hat. So ist der deutsche Leitindex in den vergangenen 36 Jahren mit durchschnittlich elf Prozent zwar ebenso stark gestiegen wie der Weltindex MSCI World, die Schwankungsbreite war allerdings um 15 Prozent höher – und damit das Risiko.

Wer sein Geld rund um den Globus verteilt, legt es also sicherer an. Bloß, wohin mit dem Geld? Wie die richtigen Informationen filtern und vor allem rechtzeitig bekommen? Das Gefühl, daheim besser informiert zu sein, ist schließlich der Hauptgrund für den Heimatdrang.

Der ist beileibe kein deutsches Phänomen, auch Amerikaner und Japaner suchen lieber vor der eigenen Haustür nach Rendite. Die Scheu deutscher Privatanleger misst das Frankfurter Investmenthaus Schroders seit vier Jahren in einer repräsentativen Umfrage. Im vergangenen Jahr investierten sieben von zehn Anlegern ihr Geld im Inland. Selbst aktienaffine Kunden der Discountbroker bewegen sich lieber auf dem heimischen Parkett – mehr als 50 Prozent ihrer Depots sind voll mit deutschen Aktien. Nur die wenigsten trauen sich der Schroders-Studie zufolge, in fernen Ländern wie den Bric-Staaten zu investieren, also in China (acht Prozent), Indien (sieben), Russland (vier) oder Brasilien (drei), obwohl diese vier Länder in den vergangenen fünf Jahren 37 Prozent des weltweiten Wachstums auf sich vereint haben, die alten Industrienationen dagegen nur 30 Prozent. »Die Privatanleger wissen schon, wo die Musik spielt, aber sie tanzen lieber zu Hause«, sagt Achim Küssner, Geschäftsführer von Schroders.

Ein Umstand, der sich auf die Vielfalt des Produktangebotes ausgewirkt hat: So sind an der Stuttgarter Börse mehr als 34.000 Zertifikate notiert, die sich auf den Deutschen Aktienindex beziehen, aber nur etwa 300 Produkte, die vom MSCI World abgeleitet sind. Und von den 185 Milliarden Euro, die die in Deutschland zugelassenen Investmentfonds anlegen, verbleibt laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) fast jeder vierte Euro im Land.