DIE ZEIT: Herr El Sehity, in der Werbung der Banken nascht Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst, schreien Männer wegen grauer Haare, Models reden Derivate-Kauderwelsch. Halten uns Banken und Werber für blöd?

Tarek el Sehity: Sagen wir es so: Letztlich sind das sehr traurige Beispiele dafür, dass die Banken es nicht schaffen, das völlig veränderte Bankenbild ihrer Kunden zu erreichen.

ZEIT: Was meinen Sie mit verändertem Bankenbild?

El Sehity: Viele Kunden sind bitterböse auf die Banken. Diese machen dubiose Geschäfte, gefährden damit ganze Volkswirtschaften, der Steuerzahler muss zur Rettung einspringen. Die Kunden haben inzwischen verstanden, dass Finanzhochseilakte und absurde Renditeversprechen ein Übel sind. Und dann zeigen sich Banken mit einem Heile-Welt-Spot. Damit ist dem Bankenbashing nicht zu begegnen.

ZEIT: Wie soll Werbung das leisten?

El Sehity: Indem sie die Realität anspricht und echte Information bietet. Nichtssagende weltfremde Werbespots kommunizieren weniger heile Visionen als vielmehr eine Arroganz des Mächtigen. Nach dem Motto: Das sagen wir euch, und mehr braucht ihr auch nicht zu wissen. Wenn eine Bank zum Beispiel Finanzbegriffe richtig klar machen würde, sagen würde: Unsere Kreditpolitik ist folgende – das wäre neu.

ZEIT: Wie sieht Werbung stattdessen aus?

El Sehity: Da gibt es Brokerbanken, die einem eine gnadenlose technische Präzision vorführen wollen. In Sprache und Inhalt kommt dort das Unmenschliche durch. Die haben die aktuellen Ereignisse nicht einmal ansatzweise reflektiert und sprechen eine Klientel an, die das auch nicht getan hat. Kein gutes Zeichen, denn wir stehen nach der Pleite von Lehman Brothers vor einer völlig veränderten Finanzlandkarte.

ZEIT: Aber führt uns durch diese veränderte Landschaft nicht eine Bank, die ihrem Kunden zum Beispiel sagt: Alles sehr kompliziert, aber ich regele das für dich?

El Sehity: Nein. Das ginge höchstens, wenn es keinen Grund für Misstrauen gäbe. Wir stecken mittlerweile in einer globalen Finanzkrise, das allgemeine Vertrauen in die Finanzexperten ist schwer erschüttert. Dann noch nach altem Muster in einem paternalistischen Gestus auf die eigene Expertise zu verweisen ist provokativ. In diesen Werbestrategien zeigt sich der Wunsch der Banken, ihre verlorene Autorität zurückzugewinnen. Doch damit sieht es heute einfach schlecht aus. Gerade Ökonomen konnten und können mit ihren Modellen das Geschehen am Finanzmarkt doch kaum erklären.