Der iranische Unterhändler Saeed Dschalili bei Verhandlungen in Istanbul © BULENT KILIC/AFP/Getty Images

Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, bisher ein Synonym für das Scheitern, endeten am vergangenen Wochenende in Istanbul erstmals mit etwas Hoffnung. Frankreich, Großbritannien und Deutschland, die USA, Russland, China und der Atom-Aspirant Iran erweckten den Eindruck, als könnten sie sich doch einigen. Deutet sich plötzlich ein Ausgleich an, der Israel und dem Westen die Zweifel an dem iranischen Vorhaben nehmen könnte? Wie genau könnte ein Kompromiss im Nuklearstreit aussehen?

Was den Westen und den Iran vor allem trennt, ist das himmelhohe Misstrauen. Amerikaner und Europäer glauben Teheran nicht, dass es seine Uranzentrifugen nur für Energie und medizinische Zwecke drehen lässt. Sie befürchten, dass eine nukleare Bombe das Ziel ist. Der Iran glaubt, der Westen wolle erst das Atomprogramm stoppen und dann das iranische Regime zu Fall bringen. An diesen gegenseitigen Verdächtigungen scheiterte bisher jede Annäherung.

Das Misstrauen könnte durchbrochen werden, wenn das in Istanbul besprochene Verfahren funktioniert: kleine Kompromisse gegen kleine Zugeständnisse, Schritt für Schritt. Der Iran müsste aufhören, sein Uran auf 20 Prozent anzureichern – mehr wäre für die zivile Nutzung auch nicht nötig. Im Gegenzug könnten die ersten Sanktionen aufgehoben werden. Inspektoren der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) müssten das jederzeit unangemeldet überprüfen können. In einem nächsten Schritt müsste Teheran zusagen, sein hochangereichertes Uran im Ausland zu lagern. Weitere Sanktionen würden fallen. Der Iran würde am Ende sein Atomprogramm unter die Aufsicht der IAEA stellen. Wenn Teheran nachprüfbar auf die Bombe und Massenvernichtungswaffen verzichtete, würde der Westen wiederum garantieren, dass der Iran nicht von der Nato oder einem Bündnispartner wie Israel angegriffen würde. Sicherheit gegen Sicherheit.

Gegen diese noch sehr ferne Möglichkeit machen nach Istanbul jetzt schon einige Hardliner Stimmung. Konservative Thinktanks in Washington fordern, den Nuklear-Deal einfach zu vergessen und stattdessen auf den Fall des Regimes hinzuarbeiten. Das sei das Beste für die Menschenrechte im Iran und für Israel. Vielleicht. Nur war es leider genau diese Forderung, die das Atomprogramm in den letzten Jahren erheblich beschleunigt hat.

Die jüngste Konferenz brachte zwar wenig Greifbares und gar nichts Umsetzbares. Über die schwierigen Details des Atomprogramms wurde gar nicht gesprochen. Über das Ende der verschärften, »verkrüppelnden« (Hillary Clinton) Sanktionen wollte der Westen nicht reden, über das Ende der Urananreicherung bei 20 Prozent vermieden die Iraner jedes Wort. Das Besondere an diesem Treffen war jedoch, dass sich der Westen, Russland, China und der Iran darin einig waren, weiterhin miteinander zu reden. »Konstruktiv« hieß das abgedroschene, aber hier ausnahmsweise wohl zutreffende Wort. Der iranische Außenminister sprach sogar von einem »Wendepunkt im Verhältnis zum Westen«.

Iraner und westliche Diplomaten sind sich einig, dass der Bürgerkrieg in Syrien die Gefahren einer Nichteinigung verschärft. Dort kämpfen iranische Milizen aufseiten des Regimes, während der Westen vorsichtig die Opposition unterstützt. Käme es zu einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen, stünde der Mittlere Osten schnell in Flammen. Das will keine der beteiligten Seiten. Am 23. Mai wird in Bagdad die nächste Runde zu den Atomverhandlungen folgen. Dort wollen die westlichen Staaten konkrete Forderungen stellen. Der Iran soll dann erklären, wie viel und welchen Preis er fordert, um von seinem bisherigen Programm abzuweichen.