Rund 200 Galerien aus 24 Ländern haben sich dieser Tage auf der Art Cologne (bis 22. April) versammelt, und auch 30 Mitglieder der NADA, der amerikanischen New Art Dealers Alliance, nehmen erstmals an der Kölner Traditionsmesse teil. Es gibt Performances, Preise werden verliehen, virtuelle Schaufenster gestaltet und auf Podiumsdiskussionen die naturgemäß immer gleichen Themen verhandelt – aber auch brandaktuelle, wie die »Regulierungswut der EU-Kommission«. In einer Debatte in der Lounge des Kunstmagazins Monopol wird sich der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) mit einem »klaren Nein« in Stellung bringen. Und wie könnte der Kunsthandel auch anders reagieren, wenn die Europäische Kommission verlangt, dass der ermäßigte Steuersatz von bislang 7 Prozent entfällt und auf die regulären 19 Prozent angehoben werden muss? Die Behörde beruft sich dabei auf EU-Norm und Steuergerechtigkeit und verweist sinngemäß darauf, dass die bisherige, stillschweigende Hinnahme der deutschen Praxis keinesfalls mit einer Sondergenehmigung zu verwechseln sei. Außerdem gäbe es derlei Reduzierungen in anderen Mitgliedsländern auch nicht.

Das stimmt so nicht ganz, und wenn es um Gerechtigkeit ginge, dann müsste Dänemark mit einem Mehrwertsteuersatz von 25 Prozent schon längst und dauerhaft auf den Barrikaden stehen. 1968, als die Mehrwertsteuer in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eingeführt wurde, hatte man lediglich für Nahrungsmittel und Agrarprodukte einen ermäßigten, ursprünglich halbierten, Steuersatz von 5 Prozent festgelegt. Der ermäßigte Satz blieb relativ stabil bei 7 Prozent. Allerdings gilt dieser nach EU-Richtlinie nur für den Verkauf durch den Künstler selbst – und das wird auch weiterhin so sein, denn hier greift das Urheberrecht. Von einer Erhöhung betroffen wäre allein der gewerbliche Handel, der ab einem jährlichen Umsatz von 24.000 Euro mehrwertsteuerpflichtig ist.

Die EU-Norm macht keinen Unterschied, ob mit Schnittblumen oder mit Kunst gehandelt wird. Das muss man absolut nicht gut finden. Ob das aber »ins Mark der Kulturnation« Deutschland ginge, wie Monika Grütters, die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag, befürchtet, das lässt sich dann doch bezweifeln. Im Fall einer Erhöhung müssten die Deutschen einfach schauen, wie die anderen EU-Länder damit fertig werden. Die wollen ja auch Kulturnationen sein.

Nach guter Juristenrhetorik sprechen nun die Kunstrechtspezialisten Peter Raue und Friedhelm Unverdorben in ihrem Appell gegen die neue Regelung von einem »Angriff der Europäischen Kommission auf die bildende Kunst«. Gut gebrüllt, Löwe! Und ein schöner Ansatz für Verhandlungen über eine Sondergenehmigung (die man im Übrigen schon eher hätte aufnehmen können). Der deutsche Kunsthandel hat nämlich durchaus ein paar feine Asse im Ärmel: das sogenannte Folgerecht und die Abgabe an die Künstlersozialkasse. Mit dem Folgerecht, das die Künstler oder deren Erben mit einem gewissen Prozentsatz an jedem Weiterverkauf ihres Kunstwerks beteiligt, und mit der Abgabenpflicht von 3,9 Prozent auf den Nettopreis an die Künstlersozialkasse können deutsche Galeristen und Auktionatoren auf ihre in anderen Staaten nicht üblichen finanziellen Verpflichtungen gegenüber Künstlern und der Kunst verweisen. Die kann man durchaus auch als Benachteiligung, die nicht nur im europäischen Raum zum Tragen kommt, ins Feld führen. »Deutschland ist im internationalen Vergleich ein relativ kleiner Kunstmarkt, der im Verhältnis zur Größe des Landes und seines Reichtums unterrepräsentiert ist. Daher sollte«, so Rupert Keim, Auktionator und geschäftsführender Gesellschafter des Münchner Auktionshauses Karl & Faber, »jeder weitere Schritt wohldurchdacht sein.« Wenn der deutsche Kunstmarkt etwas an Boden gutmachen wolle, dann sollten die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen dies fördern und nicht behindern, so Keim.

Bei Auktionen würde eine erhöhte Mehrwertsteuer auf Kunst bedeuten, dass die Bieter, eingedenk zu erwartender Abgaben, den Arm schon früher sinken lassen. In den Galerien würde die junge Kunst, die Kunst für Junge, zuallererst die Auswirkungen spüren. Hier zähle jeder Cent, weiß ein erfahrener Münchner Galerist. Bei hochpreisigen Kunstwerken fielen zwölf Prozent bei der Entscheidungsfindung nicht so sehr ins Gewicht. Vielleicht sollte man einfach mal berücksichtigen, dass die Mehrwertsteuer für den Händler, wenn alles gut geht, ein, wie es so schön heißt, »durchlaufender Posten« ist. Bei »Herstellern« und »Endverbrauchern«, ohne die es keinen Handel gäbe, eher nicht.