Chinas "Großer Sprung"Maos blutige Ernte

Mit dem "Großen Sprung" wollte China von 1957 bis 1962 den Westen überholen – doch das Riesenreich versank in einem mörderischen Chaos von Wolfgang Zank

Mitarbeiter des Pekinger Shin Chiao Hotel bauen im Oktober 1958 einen rudimentären Stahlofen während der Zeit des "Großen Sprungs".

Mitarbeiter des Pekinger Shin Chiao Hotel bauen im Oktober 1958 einen rudimentären Stahlofen während der Zeit des "Großen Sprungs".  |  © Jacquet-Francillon/AFP/Getty Images

Acht Jahre war es her, dass Mao Zedong auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik ausgerufen hatte. Vom Herbst 1957 an wollte er nun das weitgehend noch bäuerliche Riesenreich mit aller Gewalt industrialisieren. China setzte an zum »Großen Sprung nach vorn«. Doch als das Unternehmen vor fünfzig Jahren zu Ende ging, war es auf die schrecklichste Weise gescheitert.

Nach neuen Archivrecherchen und Berechnungen – wie sie zum Beispiel der niederländisch-britische Historiker Frank Dikötter 2010 in seinem Buch Mao’s Great Famine (»Maos Große Hungersnot«) vorgelegt hat – kostete der Große Sprung mindestens 45 Millionen Menschen das Leben. Die meisten Opfer verhungerten. Hinzu kommen mindestens 2,5 Millionen Menschen, die direkt ermordet wurden. Auch die materiellen Schäden waren enorm: Bis zu 40 Prozent des gesamten chinesischen Wohnraums wurden vernichtet.

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Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen, die zu den ungeheuerlichsten Desastern und Verbrechen des 20. Jahrhunderts zählt?

Einer der Gründe war das aberwitzige Tempo, das Mao vorgab. Im November 1957 verkündete der Große Vorsitzende der Kommunistischen Partei, China werde binnen 15 Jahren Großbritannien überholen. Die Fristen wurden in den folgenden Monaten laufend verkürzt. Es ging nicht um eine planvolle Entwicklung, sondern um einen einzigen gewaltigen – und gewalttätigen – Schub.

Vom »Großen Sprung« sprach Mao erstmals mit Blick auf die pharaonischen Staudamm- und Bewässerungsprojekte, für die Millionen Bauern zwangsmobilisiert wurden. »Drei Jahre harte Arbeit und Entbehrungen, dann tausend Jahre Wohlstand«, tönte die Propaganda. Planung, Mobilisierung, Bau, alles sollte zugleich passieren. Kaum jemand wagte, Einspruch zu erheben. In den Monaten zuvor hatte Mao jeden, der sich skeptisch zeigte, aus der Parteiführung entfernt.

Paradeprojekt war ein riesiger Staudamm an den Gräbern der Ming-Dynastie bei Peking. Mao grub mit – für eine halbe Stunde. Es sollte dem Bau nicht zum Segen gereichen. Er misslang völlig. Der Boden war nicht fest genug, das Wasser versickerte immerzu. Nach Jahren vergeblicher Experimente wurde das Unternehmen schließlich aufgegeben. Ein ähnliches Schicksal erlitt das Vorhaben, den Tao He, einen Nebenfluss des Gelben Flusses, in der Provinz Gansu »auf die Berge zu heben«. Im Sommer 1961 wurde die Arbeit eingestellt. Bis zu 160.000 Menschen hatten zeitweise hier geschuftet, unter oft unmenschlichen Bedingungen. 2.400 Arbeiter starben infolge der Strapazen.

Das, was fertig wurde, hielt oft nicht sehr lange. Viele Dämme und Kanäle brachen oder verfielen unmittelbar nach ihrer Fertigstellung. Andere entwickelten sich zu wahren Zeitbomben. So zerbarsten noch 1975 zwei große Dämme in Henan; 230.000 Menschen ertranken. Und selbst da, wo die Bauten ihren Zweck erfüllten, scheinen sie kaum Nutzen gebracht zu haben. In Henan jedenfalls waren 1961 etwas weniger als eine Million Hektar bewässert, zu Beginn des Großen Sprungs 1957 waren es noch zwei Millionen gewesen. In Hunan stieg die bewässerte Fläche um gerade einmal ein Prozent.

Leserkommentare
  1. Ich kann nicht verstehen, wie nach solchen Erfahrungen es z.B. an der Spitze der Linkspartei immer noch Leute gibt, die neue Wege zum Kommunismus suchen. Wenn eine Theorie in der Praxis nicht funktioniert, statt zu paradisischen Zuständen, immer nur zu Unfreiheit und Tod führt, dann ist die Theorie falsch.

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    • Suryo
    • 24. April 2012 11:34 Uhr

    Oh je, fangen Sie bloß nicht an. Ich hab's neulich versucht....Sie werden nun nur zu hören bekommen, daß es noch nie realen Sozialismus und Kommunismus gab und daß das alles also auch nichts damit zu tun hat. Einwände, daß alle Greuel Stalins, Maos oder Pol Pots aber doch nun mal im Namen dieser Ideologien erfolgten, werden ignoriert, und die -ernstgemeinte- Frage, wie oft der Versuch denn noch scheitern dürfte, damit auch ein Kommunist davon überzeugt würde, daß das alles tatsächlich nicht so richtig funktioniert, wird meistens mit irgendetwas wie "Kapitalismus ist doch viel schlimmer, denken Sie nur an Hartz IV" oder so beantwortet...

    • _bla_
    • 24. April 2012 11:53 Uhr

    Viele werden jetzt sicher einwenden, dass man Fehler wie das "dichte Bepflanzen" ja nicht wiederholen will, übersehen dabei aber das eigentliche Entscheidende:

    Menschen machen Fehler. Das Problem des Kommunismus liegt nicht darin, Fehler zu machen, sondern keinen effektiven Weg zur Fehlerkorrektur aufzuweisen. Dazu kommt die extrem fehleranfällige Revolutionsidee. Man misstraut Veränderungen in kleinen Schritten und will stattdessen den großen Gesellschaftsumbau. Dabei sind Gesellschaften so komplex, dass sich schon die Folgen kleiner Änderungen nicht zuverlässig voraussagen lassen. Die Folgen großer Umbaumaßnahmen vorauszusagen ist da völlig unmöglich.

    ...war das Problem, sondern die Diktatur, noch zudem die von einem skrupellosen Dummkopf.

    Stehen wir doch selber gerade vor einem gescheiterten *Elite*-Projekt namens Euro. Und na ja, die historischen Projekte ala "Raum im Osten", die uns ein nicht kommunistisch veranlagter Diktator gebracht haben, haben Opfer im ähnlichen Umfang nach sich gezogen.

    Kommunismus kann nicht funktionieren, davon bin ich überzeugt, weil er sich demokratisch nicht durchsetzen lässt und daher immer diktatorischen Charakter hat, was nie lange gut geht.

    Aber ein Ausarten wie unter Stalin, Mao und PolPot ist deshalb trotzdem nicht zwingend. Und die Linkspartei strebt meines Wissens "demokratischen Sozialismus" an, der vollkommen anders definiert wird. Auch wenn ich die Wortwahl ungünstig finde.

    ... Unterdrückung und Ausbeutung in kapitalitischen Ländern alle aufgrund anderer Umstände draufgehen, die nie nicht das geringste mit dem herrschenden Gesellschaftssystem zu tun haben.

    Ganz im Gegensatz zu den sozialistischen Herrschaftsexperimenten in totalitärer Ausführung, in denen nur die kommunistische Ur-Idee, einer Gleichheit der Individuen und einer Abkehr vom unbegrenzten Privateigentum, für alle Todesfälle, Tragödien und Katastrophen allein verantwortlich ist...

    Ich kann nicht verstehen, wie man jedesmal wenn das Wort Kommunismus fällt, irgentwelche kruden Vergleiche mit den Linken rauskramen kann. Den demokratischen Sozialismus den die Linke fordert kann man nichtmal ansatzweise mit dem Kommunismus unter Mao vergleichen.

    Vorallem deshalb, weil diese Art Kommunismus geprägt war von völlig überdimensionierten Prestigeprojekten. Gerade die Linke ist es aber, die Prestigeprojekte ablehnt und fordert Geld für das Nötige auszugeben.

    Dieser Vergleich ist stupides Schubladendenken. Er zeugt vom Mangel an diffenziertem Denken und ist stark ideologisch geprägt.

    • L.Tr.
    • 24. April 2012 16:15 Uhr

    durchaus viele Linke (man sollte die Partei "Die Linke" nicht mit der Gesamtheit verwechseln), die sich mit dem eigenen Erbe kritisch auseinandersetzen und auch die Verantwortung anerkennen. Das ist aber kein Grund, die Idee an sich aufzugeben. Die Fehler muss man anerkennen in ihrer Monstrositaet und auch den nicht den Fehler machen sowas dann eben auf Stalin, Mao oder wen auch immer zu reduzieren. Trotzdem bleibe ich Sozialist. Ueberhaupt koennen Liberale der Linken gegenueber nur so ueberheblich auftreten weil sie offensichtlich die Geschichte ihrer eigenen Ideologie nicht kennen, ignorieren oder, was am schlimmsten waere, bewusst verheimlichen. In beiden Faellen gilt: Historische Wahrheitsfindung MUSS vor ideologischer Zugehoerigkeit stehen. Wer sich mal mit der Geschichte von Indien unter England und Aehnlichem auseinandersetzt fuer den sind die kommunistischen Verbrechen dann vielleicht nicht mehr so einzigartig. Aber auch Liberale trennen gerne mal Ideologie und Ausfuehrung, da stehen Sozialisten nicht alleine da. Im Endeffekt bin ich der Meinung, dass man mal mit diesem Ideologienstreit aufhoeren und nach einer moeglichst menschlichen Loesung fuer die Probleme der Welt suchen sollte.

    Der geplante große Sprung, der heißt in Deutschland "Transformation" und der wird von staatlichen Würdenträgern der Klimakirche konzipert. Für den "Klima-Endsieg" werden noch viele Menschen hier ihr Leben lassen.

    • th
    • 24. April 2012 18:44 Uhr

    "Dieses System hätte man erst einmal im Tierversuch ausprobieren müssen!"

    • Varech
    • 25. April 2012 5:03 Uhr

    Auch andere Sekten-Regime führten "richtig" in die Katastrophe.

  2. .. der Große Sprung kostete mindestens 45 Millionen Menschen das Leben
    mindestens 2,5 Millionen Menschen sind direkt ermordet wurden ...
    40 Prozent des gesamten chinesischen Wohnraums wurden vernichtet ...
    1962 wurden die Vorgaben des Großen Sprungs zurückgenommen
    Doch nur vier Jahre später, 1966, entfesselte er (Mao) die nächste Kampagne: die Kulturrevolution, eine weitere, letzte Orgie der Zerstörung ..

    Trotz diesen Massenmordes wird es Leute geben, die den Sozialismus weiterhin die Treue halten, Idee und Ausführung fein säuberlich zu trennen versuchen.

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    ...ist viel zu vage definiert, noch weniger klar als Kommunismus, siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus

    Zitat:
    "Der Begriff war nie eindeutig definiert und umfasst die breite Palette von Anarchismus über Parlamentarismus und Demokratie akzeptierenden sozialdemokratischen, nur reformerischen Bewegungen bis zu revolutionär entstandenen, kommunistischen, autoritären oder totalitären Systemen (siehe dazu auch: Realsozialismus) in vielen Varianten."

    Das hat er übrigens gleich mit "Kapitalismus", man sollte also besser nochmal nachfragen, wenn jemand solche Begriffe benutzt.

    • Suryo
    • 24. April 2012 11:34 Uhr

    Oh je, fangen Sie bloß nicht an. Ich hab's neulich versucht....Sie werden nun nur zu hören bekommen, daß es noch nie realen Sozialismus und Kommunismus gab und daß das alles also auch nichts damit zu tun hat. Einwände, daß alle Greuel Stalins, Maos oder Pol Pots aber doch nun mal im Namen dieser Ideologien erfolgten, werden ignoriert, und die -ernstgemeinte- Frage, wie oft der Versuch denn noch scheitern dürfte, damit auch ein Kommunist davon überzeugt würde, daß das alles tatsächlich nicht so richtig funktioniert, wird meistens mit irgendetwas wie "Kapitalismus ist doch viel schlimmer, denken Sie nur an Hartz IV" oder so beantwortet...

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    • vadeho
    • 25. April 2012 12:45 Uhr

    Ich möchte klar sagen: Mao, Stalin, Pol Pot und Hitler u.a. Diktatoren waren auf die ein oder andere Art und Weise krank oder soziopathisch. Manche von Ihnen hatten Wahnvorstellungen. Gepaart mit hoher Intelligenz und einem Charisma sowie kulturellen und menschlichen ressouren, um sich an die Macht zu bringen und dort zu halten. Daran herrscht kein Zweifel. Es ist in den großen Biografien verfasst. Diese Menschen und Ihre Gefolgschaft haben Ihr eigenen Wünsche und Ansichten vom „guten Leben“ ausgelebt mit allen bekannten schrecklichen Konsequenzen. Diese Menschen haben eine schwere Last zu tragen, aber nicht ein System, welches durch Sie persönlich, ganz persönlich und ihre Schergen pervertiert wurde. Welches Ihnen nur als Rechtfertigung, als ideeller Rückhalt und nicht zuletzt auch als diskursives Kapital diente.

    Das nächste Thema liegt mir besonders am Herzen, weil die wenigsten Menschen wirklich in der Lage zu sein scheinen, etwas zu differenzieren.

    Nun zur Gleichsetzung von Rasse und Klasse: Ich rufe nicht zur Gewalt auf und rechtfertige nichts damit, aber diesen Unterschied kann man leicht erkennen. Eine „Rasse“ hat man qua Geburt, man kann nichts daran ändern, genau wie man den einen Vater hat. Und man hat keinerlei Verantwortung und Einfluss darauf, der Rassenhass ist also maximal ungerechtfertigt.

    • vadeho
    • 25. April 2012 12:47 Uhr

    Beim „Klassenhass“ verhält es sich anders: Hier geht es um Produktionsmittel und Ressourcen, und die sind unabhängig von einer Person etwas Äußerliches. Die Person kann Sie ablegen, verbrennen, verschenken oder nie erwerben. Und selbst wenn Sie diese Mittel erwirbt, bleibt Ihr überlassen, wie sie zum Einsatz kommen. Insofern ist der Besitzer der Güter dafür verantwortlich, was mit diesen passiert, durch ihn direkt oder mit seinem Auftrag bzw. auch in stillschweigender Duldung. Akkumuliert Einer Eigentum und schadet direkt and3ren, macht er Sie unmündig oder erpresst er Sie, macht er Sie durch seine Arbeit abhängig und krank, ist er schuldig. Setzt er Leute auf die Straße, ist er verantwortlich. Liefert er Waffen oder unterstützt Kriegsparteien, ist er verantwortlich. Lebt er iN Saus und Braus, und um ihn herum hungern die einfachen Leute, weil er das Getreide überteuert anbietet, künstlich zurückhält oder des Gewinnes wegen ins Ausland exportiert, ist er verantwortlich. Und all das sind Taten, die Ungleichheit an Einfluss und Lebenschancen nach sich ziehen. Die Menschen, und zwar viele Menschen, ohnmächtig machen können und dies häufig taten. Und eine Lösung ist möglich: Eine andere Verteilung der Ressourcen und Güter.

    • vadeho
    • 25. April 2012 12:47 Uhr

    Und genau das ist der Unterschied, weswegen ein Klassenkampf etwa sehr natürliches und nachvollziehbares ist, wenn Ungerechtigkeiten zu groß sind. Es geht um berechtigte Ansprüche von Menschen. Und wo das so ist, haben die Herrschenden eine soziale Verantwortung, die aus einer ethischen Verantwortung erwächst. Kommen Sie dieser nicht nach, gibt es Blut. Und ist dies systematisch angelegt und mit philosophischer Begründung unterlegt, sprechen diejenigen, die auf der Seite der herrschenden Klasse (übrigens hier mal Mill lesen, der nun wahrlich kein Sozialist ist), die ohnehin über das mehr an kulturellem und sozialem Kapital verfügt, von einer Ideologie. Und verschleiern damit ihre eigene Verantwortung. Wer von Universalismus redet, muss Ihn auch praktizieren. Das tun die Eliten im Kapitalismus nicht. So viel in aller Kürze.

  3. Das größte Problem an diesen Exkommunistischen Versuchen ist doch deren Hinterlassenschaft. Egal, ob man nach China oder in die Ex Sowjetunion oder ganz simpel in unseren eigenen Osten schaut: Was die Kommunisten hinterlassen ist ein Mangel an Demokratiefähigkeit.[...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

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    Die größte Hinterlassenschaft ist nicht ein diffuser Mangel an Demokratiefähigkeit, was für eine Chuzpe, sondern die völlige Zerstörung bürgerlichen Werte, Normen und Strukturen. Einhergehend mit der völligen Zerstörung der Infrastruktur, der Umwelt und den Lebensbedingungen. Wer sich nur kurz daran erinnert wie es real vor 20-30 Jahren in den sogenannten Ostblockstaaten ausgesehen hat bekommt noch heute das kalte Grauen.

    Was Ihre unterstellte Hingabe zu neofaschistischen Strukturen betrifft, so ist deren Entstehung unmittelbar zu fortschreitenden rhetorischen Verstärkung damaliger offizieller Stellen bezgl. derer antifaschistischer Grundhaltung zu suchen. Eine unaufhörliche Spirale von Gegenentwurf und Vorwürfen, die am Ende deutlich herauskristallisierten, das Sozialisten und Nationalsozialisten NICHT wesensfremd sind. Insofern war die Hingabe zu neofaschistischen Strukturen eine Folge auf gegenteilige offizielle Beschwörungswellen im 24h Rhythmus.

    ...im Ggs. gerade im Osten, wünschte man sich mehr Mitbestimmung.

    Mittlerweile ist Resignation eingekehrt, denn die einzigen die sich eklatant demokratieunfähig zeigen, sind die Parteien.

    Dass nach mehreren korrupten Regierungen in Russland sich die Leute nach einem stabilen durchgreifenden Führer sehnen, ist leider ein allzu verständlicher Reflex. Was glaubst du, warum ich seit Jahren für direkte Demokratie kämpfe? Die Leute müssen lernen, dass repräsentative Systeme eben nicht der Wahrheit letzter Schluss sind. Wir müssen verhindern, dass in der Not immer wieder die primitivsten Reflexe greifen, wir müssen aus der Geschichte endlich lernen.

    Ach und ja, ich bin übrigens auch aus dem Osten.

    Die mangelnde Demokratiefähigkeit ist allerdings weniger eine Folge des kommunistischen/sozialistischen Systems. Gerade die Beispiele Russland/SU und China waren vorher ebenso absolutistisch geführte Staaten; Demokratiefähigkeit wurde weder unter den Zaren noch unter den Kaisern gefördert und geschätzt.

  4. Nun, und heute noch tragen Jugendliche den roten Stern
    auf Mützen - 1 Mai, kommt ja. Und die Studentenbewegung in den 60zigern, nahm diesen Mann zum Vorbild, diese Leute sitzen heute noch in der Regierung, haben sie jemals öffentlich abgeschworen? - Ich glaube nicht, wurden einfach so rehabilitiert, obwohl ja ständig diskussionen über
    Radikalismus in den Medien kursiert, und deren Bekämpfung,
    na ja, rechts halt. Einsicht bei den Roten? - Fehlanzeige.
    Ganz schön verlogen? - Vielleicht... besonders wenn man sich
    zum Wächter von allen aufschwingt?

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    • Afa81
    • 24. April 2012 13:35 Uhr

    ...ich glaube zwar absolut nicht an ihre Ideologie. Auch glaube ich nicht an "die Revolution" mit der man im Fingerschnipp, zusammen mit den solidarischen Kumpels, mal eben die Welt in Ordnung bringt. Und ich bin auch nicht scharf auf eine Gesellschaft, in der sich alle immer ganz schrecklich lieb haben...

    Aber ich mag Leute, die Träume haben. Eigentlich sind wir doch alle irgendwo "Kommunisten" - wir wollen doch alle eine bessere Welt. Nur hat eben jeder seine eigene Vorstellung von den Wegen dort hin.

    Bei den Kiddies mit dem roten Stern a.d. Mütze - das hat doch nichts mit Kommunismus zutun. Es ist nur so viel einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich selbst in ein besseres Licht zu stellen, indem man andere in ein schlechtes stellt. Wasser bei 20°C ist am Südpol warm und in der Wüste kalt - so einfach ist das :-) Irgendwann werden auch diese Leute von der Realität eingeholt und werden dann diese Mütze möglichst über Nacht verschwinden lassen...

    • _bla_
    • 24. April 2012 11:53 Uhr

    Viele werden jetzt sicher einwenden, dass man Fehler wie das "dichte Bepflanzen" ja nicht wiederholen will, übersehen dabei aber das eigentliche Entscheidende:

    Menschen machen Fehler. Das Problem des Kommunismus liegt nicht darin, Fehler zu machen, sondern keinen effektiven Weg zur Fehlerkorrektur aufzuweisen. Dazu kommt die extrem fehleranfällige Revolutionsidee. Man misstraut Veränderungen in kleinen Schritten und will stattdessen den großen Gesellschaftsumbau. Dabei sind Gesellschaften so komplex, dass sich schon die Folgen kleiner Änderungen nicht zuverlässig voraussagen lassen. Die Folgen großer Umbaumaßnahmen vorauszusagen ist da völlig unmöglich.

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    Das war doch Stalins Lehre, der DiaMat, das sich Evolution auch in Sprüngen vollziehen kann.
    Aber erinnert dies nicht an unsere Politiker und den EURO, an dem man festhält und festhält und festhält weil man den Fehler seiner Geburt sich nicht eingestehen will ?

    Das ich nicht lache. Fehlerkorrektur bedeutet letztendlich Gulag. IMMER.

    Wer Umbaumaßnahmen jeglicher Couleur möchte, hat spätestens dann ein Problem, wenn man auf Hindernisse trifft. Gewalt war bislang der treueste Anhänger jeder Erneuerungsidee.

    Jeder -ismus erhöht sich selbsttätig und erniedrigt den Menschen. Eine SACHE wird demnach als höherwertiger, der Mensch als zweitranig empfunden. Es sind die immer gleichen Rituale, weswegen Menschen für angeblich besser Zeiten in der Zukunft leiden müssen.

    "Menschen machen Fehler. Das Problem des Kommunismus liegt [darin] keinen effektiven Weg zur Fehlerkorrektur aufzuweisen."

    Meine Zustimmung. In der Korrektur eigener Fehler ist eine freie Gesellschaft (Kapitalismus) wesentlich effizienter.

    Fehler wie Ressourcenverschwendung, Tierquälerei oder unwürdige Arbeitsverhältnisse müssen nicht erst universell als "Fehler" anerkannt sein, bis sie behoben werden.

    Beispiele dafür sind das breite Angebot nachhaltiger Produkte: Mir reicht Bio-Fleisch von Aldi andere meiden Ketten und leisten sich den Luxus teurer Reformhäuser. Wieder andere meinen ohne Mondphasen-Demeter-Obst nicht überleben zu können.

  5. Der Schrecken ist doch, dass dieser Massenmörder ( irgendwann wie viele vor ihm sicherlich der Grosse genannt ) immer noch von vielen verehrt wird.
    Als junger Student gab es maoistische Vereinigungen, obwohl die Massaker bekannt waren.
    Bitte nicht vergessen, dies war nicht der erste und der letzte Völkermord Mao´s, die genaue Zahl seiner Morde geht weit über 100 Millionen Menschen hinaus, eine annähernd genaue Zahl ist leider nicht bekannt.
    Man hat sich in China offiziell noch nicht zu den Massakern in Maos Namen bekannt, da ist man noch 50 Jahre hinter der ehemaligen Udssr hinterher.

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    • Afa81
    • 24. April 2012 13:42 Uhr

    ...die liegt neben der Toilette zum lesen, wenns mal länger dauert :-)

  6. Das war doch Stalins Lehre, der DiaMat, das sich Evolution auch in Sprüngen vollziehen kann.
    Aber erinnert dies nicht an unsere Politiker und den EURO, an dem man festhält und festhält und festhält weil man den Fehler seiner Geburt sich nicht eingestehen will ?

    Antwort auf "Fehlerkorrektur"
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    • _bla_
    • 24. April 2012 13:50 Uhr

    "Aber erinnert dies nicht an unsere Politiker und den EURO, an dem man festhält und festhält und festhält weil man den Fehler seiner Geburt sich nicht eingestehen will ?"

    Ich denke schon, Probleme mit der Fehlerkorrektur sind sicher nicht auf kommunistische Regime beschränkt, aber die Selbstkorrektur funktioniert in Demokratien trotz aller Probleme doch erheblich besser.
    Andererseits muss man aber sehen, dass eine übereilte Abschaffung des Euro jetzt potentiell der nächste große Fehler wäre. Genauso wie die Einführung des Euros eine riesige Umbaumaßnahme mit völlig unbekannten Folgen war, wäre auch die Abschaffung des Euro mit kaum abschätzbaren Folgen verbunden. Es ist insofern richtig, jetzt bei der Korrektur kleine Schritte zu machen, anstatt zu versuchen, den gemachten Fehler mit einem großen Schritt zu lösen.

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  • Schlagworte China | Mao Zedong | Hungersnot | Geschichte
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