Er ist der erste Gedanke, wenn mal wieder was passiert im Netz
Demokratie bedeutet für jede Exekutive, mit Wahlergebnissen und Willensbekundungen umgehen zu müssen, die ihr nicht passen. Im Internet hat derjenige, der einst in der letzten Reihe saß und zu leise sprach, die Möglichkeit, wahrgenommen zu werden. Auch die Irren und Quengler. Diejenigen, die sich schon immer gemeldet haben, können sich noch öfter melden. Und: Diese Kommunikation stellt die Existenz einer absoluten Wahrheit per se infrage. Es gibt kein Richtig, kein Falsch, es gibt nur den ewigen Diskurs. Dass mit diesem Wandel noch keiner umgehen kann, zeigen regelmäßige Fettnäpfchen, die dann wiederum dem Netz und seinen Mechanismen insgesamt als Schuld zugesprochen werden.
Unser Fehlverhalten wird jetzt auf harte Weise öffentlich vorgeführt. Auch generelle Dummheit und so weiter. Im Übrigen bestellt sich Sascha Lobo hier den zweiten Milchkaffee. Da er praktisch keine Mimik zeigt, selten unsicher spricht und im Grunde ringsherum nichts passiert, verstärkt sich nur der Eindruck eines großen Bildschirms, auf dem Text abläuft, der auch gierig mitgelesen wird. Sascha Lobo umschreibt die allgemeine Schlampigkeit so: »Dass die Leute nur die ersten zehn Suchergebnisse von Google lesen, ist nicht das Problem von Google.«
Die scheinbar einfache Art der Erklärung, die Sascha Lobo mit einem solchen Google-Satz beispielsweise parat hat, lässt regelmäßig die Kommentarzirkel beben. Das Feuer seiner Gegner bringt ihm Hunderte Klicks und Kommentare ein. Eine zusätzliche Spezies ist entstanden. Die des Anti-Fans. Und der ist überall. Auch hier. »Sie beschäftigen sich mit mir mehr als ich selbst«, sagt Sascha Lobo vielleicht mit einer etwas zu selbstherrlichen Zufriedenheit. Aber der Anti-Fan ist empfindlich. Auch auf Facebook. »Als ich meinen Beziehungsstatus in ›verlobt‹ änderte, passierte etwas Merkwürdiges: Innerhalb von einer guten Stunde verlor ich etwa einhundert Friends«, sagt Lobo. Was drückt das aus? Liebesentzug? Die ungewollte Vermenschlichung des Experten?
Und da seien auch die Trolle, es ist mit ihnen aber wie in der Schule, es bereitet ihnen nur Spaß zu stören. Einmal klingelten sie bei Lobo in der Nacht Sturm. Es hörte gar nicht auf. Sie nervten wie eine Rotte Irrer. Lobo nahm eine Kamera und stieg die Stufen hinab, öffnete die Tür und fotografierte von links nach rechts die Klingeltrolle einzeln ab, kündigte die Veröffentlichung auf seinem Blog an und ging wieder schlafen. Bumm. Plötzlich ist der anonyme Quengler namens »Troll« real, real fotografiert, zum Anfassen und als Dokumentation der Ereignisse wieder ins Netz gespeist. Erstmals tritt der Troll als Gegenstand auf.
Und was fängt man nun mit den Störern an? »Nichts. Sie sind die Destruenten, sie sind die, die den Kadaver wegräumen. Aasfresser.«
Niemand zieht so viel Abwehr und Ekel auf sich wie Sascha Lobo. Gleichzeitig ist er der erste Gedanke, wenn mal wieder was passiert ist in der Internetwelt. »Das ist komisch, in 99 Prozent aller Fälle, in denen ein Journalist etwas nicht versteht, ruft er mich an.« Ja, das ist komisch. So wie man als Erstes Alice Schwarzer anruft, wenn es um Feminismus geht.
Die erste Generation digitaler Eingeborener stöhnt schon in der Schule über ihre tranigen Informatiklehrer, hacken kann jeder die Computersysteme oder die iPhones der Biologielehrerin. Was früher ein Nerd war, ist längst Durchschnitt. Vielleicht wird man später einmal dieses über die Zeit sagen: Es war eine eigenartige Übergangszeit, damals konnte man noch Kinofilme im Netz sehen, ohne zu bezahlen, waren das goldene Zeiten, in der ein Punk alles noch mal für Doofe erklären musste. Schön war’s doch. Sascha Lobo ist vielleicht irgendwann einmal das Symbol für diese Zeit des Übergangs. Eine Zeit, in der sich alles verändert. Von diesem Wesen mit dem roten Kamm geht auch etwas Dinosaurierhaftes aus.









...mit solchen Artikeln erweist man jedwedem Protagonisten des "Web 2.0" einen Bärendienst, weil die Community auf nichts allergischer reagiert, als auf die Ansage, einer der ihren sei König / Trendsetter / Tonangeber etc. pp.
Selbst wenn das so sein sollte...
Ja, mit der "allergischen Reaktion" haben Sie recht. Aber ist es irgendwie nicht genau das, dieses ständige kleinliche Gequengel, Dagegensein und Selbstprofilieren von breiten Schichten der aktiven Nutzer, das die "Netzkultur" bisweilen so unerträglich macht? Das einen auch manchmal so ein wenig an basisdemokratischen Ideen zweifeln lässt? Sascha Lobo wird ja nicht einmal gehasst, weil er Sascha Lobo ist, also aufgrund seiner Aussagen und Ansichten, sondern eher, weil andere gerne selbst Sascha Lobo wären, und heimlich von einem Leben als Netzguru träumen.
Ja, mit der "allergischen Reaktion" haben Sie recht. Aber ist es irgendwie nicht genau das, dieses ständige kleinliche Gequengel, Dagegensein und Selbstprofilieren von breiten Schichten der aktiven Nutzer, das die "Netzkultur" bisweilen so unerträglich macht? Das einen auch manchmal so ein wenig an basisdemokratischen Ideen zweifeln lässt? Sascha Lobo wird ja nicht einmal gehasst, weil er Sascha Lobo ist, also aufgrund seiner Aussagen und Ansichten, sondern eher, weil andere gerne selbst Sascha Lobo wären, und heimlich von einem Leben als Netzguru träumen.
fein, wenn jemand wie Lobo seine Nische gefunden hat und sein Einkommen über diese sichert.
Mögen muss ich ihn nicht, ihm folgen auch nicht und seine ewig platten "Die Deutschen sind noch nicht so weit, aber das wird schon, wenn ich weiter erkläre"-Auftritte kann man ermüdend finden.
Er wird weiter auftreten, weil er medial verwertbar ist und damit sein Einkommen sichern. Einen Wert für das Netz über seine Werbefigur-Idee hinaus oder gar die Netzgemeinde hat er meiner Ansicht nach nicht.
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.
ich habe den Sinn einfach nicht verstanden.
bei mir ist er weder gefragt und noch gehasst. Null.
geht mir genauso. Ich versteh' den einfach nicht. Was ist seine Botschaft? Ohne die Frisur würde ihn vermutlich niemand beachten.
....womit verdient er sein Geld? Das habe ich mich schon immer gefragt.... schlauer bin ich auch nicht geworden.
bei mir ist er weder gefragt und noch gehasst. Null.
geht mir genauso. Ich versteh' den einfach nicht. Was ist seine Botschaft? Ohne die Frisur würde ihn vermutlich niemand beachten.
....womit verdient er sein Geld? Das habe ich mich schon immer gefragt.... schlauer bin ich auch nicht geworden.
bei mir ist er weder gefragt und noch gehasst. Null.
auf der re:publica wird er auch wieder laut reden.
bei SPON sind sehr begrüßenswert, da er einfach Phänomene rund ums Web 2.0, um die digitale Gesellschaft, wie auch immer man das nun nennen möchte, anspricht, die von niemandem sonst angesprochen werden. Zuweilen hält er damit der Netz-community sogar den Spiegel vor.
Bei Interesse: http://www.spiegel.de/the...
Dass er allerdings ein Selbstdarsteller ist, sehe ich weniger problematisch - er ist schlicht ein gewiefter Werber.
Zu Sascha Lobo kann man stehen wie man will. Was ich irgendwie bemerkenswert finde, ist wie sich die Massenmedien mal wieder selbst demontieren. Ich meine, sie sind doch mit dafür verantwortlich, dass so eine Sascha Lobo Monokultur im Netz entstanden ist. Man könnte sich ja auch mal auf die vielen spannenden Initiativen und Diskurse außerhalb des selbstreferentiellen Medien-Experten-BlaBla Zirkus konzentrieren.
Aber das würde am Ende vielleicht ja sogar mal richtige Recherche bedeuten anstatt sich irgendwo in Berlin auf nen Latte zu treffen.
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