Was soll Paisley eigentlich darstellen? Man muss lange suchen, bis man etwas findet, was so aussieht: etwa der Anblick, den ein Tropfen Heuaufguss bietet, wenn man ihn unter ein Mikroskop legt. Die Pantoffeltierchen, die man dann sieht, haben tatsächlich etwas Paisleyhaftes an sich.

Paisley ist eines der ältesten Muster in der Mode. Es lässt sich bis nach Persien um 1500 zurückverfolgen. Im 17. Jahrhundert kam Paisley durch die britische Aktiengesellschaft East Indian Company nach Europa . In Frankreich gab es in einigen Regionen bereits 1746 eine Textildruck-Industrie, die ausschließlich Paisleymuster herstellte. Im 19. Jahrhundert wuchs die Paisley-Produktion immer weiter, vor allem in der schottischen Stadt Paisley, wovon der moderne Name des Musters abgeleitet ist. Auch Queen Victoria liebte es und löste im 19. Jahrhundert eine wahre Paisley-Begeisterung aus.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzte abermals ein Boom ein. Kein Wunder, waren doch die Hippies von der indischen Kultur begeistert – und somit auch von diesem psychedelisch anmutenden Muster. Einer der Vorreiter war Gimmo Etro. 1968 kehrte er aus Indien zurück, im Gepäck hatte er antike Stoffe und den Plan, ein eigenes Label zu gründen. Von Anfang an war das Paisleymuster sein Markenzeichen. Er brachte sogar einen Duft mit dem Namen Paisley auf den Markt. John Lennon ließ seinen Rolls-Royce mit dem Ornament bemalen, Prince veröffentlichte 1985 einen Song namens Paisley Park.

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Dann, in den neunziger Jahren, bekam das Paisleymuster ein eher konservatives Image. Es war vor allem auf den Krawatten älterer Herren zu sehen. Das hätte sein Ende sein können. Doch im vergangenen Jahr wurde es von Raf Simons für Jil Sander neu entdeckt. Und auch bei Stella McCartney , Haider Ackermann und Balmain wird das Paisleymuster neu interpretiert. Warum? Vielleicht, weil niemand weiß, was es bedeuten soll. Es kann alles sein: traditionell, psychedelisch, orientalisch oder konservativ. Jeder kann darin eine andere Geschichte lesen.

In Indien assoziiert man mit der Form übrigens eine Mango, eine Art stilisierten Blumenstrauß, einen Zypressenbaum oder die Knospe der Dattelpalme. Pantoffeltierchen können es aber auch sein.