Ich wurde in Großbritannien geboren und bin Brite durch und durch, aber ich habe eine starke Verbindung zum Heimatland meiner Eltern. Meine Familie stammt aus einem Dorf in der Nähe von Kampala in Uganda . Meine Großmutter lebt heute noch dort, in den Ferien haben mein Bruder und ich sie oft besucht. In Uganda empfinde ich ein Grundgefühl von Freiheit. Vielleicht, weil es dort, anders als in London , jede Menge Platz gibt. Und es ist unglaublich grün.

Mein Traum ist es, dort ein Festival zu veranstalten, mit den großartigsten Musikern aus aller Welt. Ein afrikanisches Woodstock ! Ich sehe es vor mir: ein Gelände am Ufer des Viktoriasees, wie ein weitläufiger Garten. Die Zuschauer schlagen schon ein paar Tage vor Beginn ihre Zelte auf, damit sie Zeit haben, sich an das Klima zu gewöhnen. Es gibt natürlich das beste Essen, nicht die übliche Festival-Kost aus Bier und Burgern, sondern alles soll frisch und regional sein. Bananen und Ananas schmecken fantastisch, die Mangos kommen direkt vom Baum.

Am Freitagabend spielt Stevie Wonder , am Samstag Prince , am Sonntag treten die Rolling Stones auf. Außerdem kommen coole Bands wie The Black Keys oder Florence + the Machine . Ein vergessener Held wie Shuggie Otis spielt Inspiration/Information, sein bestes Album, in voller Länge. Das wäre gegen sechs Uhr abends zum Sonnenuntergang, Stevie Wonder kommt spontan zu ihm auf die Bühne und setzt sich an die Keyboards. Alle jammen miteinander, Joni Mitchell steigt bei Prince ein, Bob Dylan spielt mit Neil Young . Vielleicht ermutigt das Festival junge Menschen in Uganda, ebenfalls Instrumente in die Hand zu nehmen.

Meine Eltern wanderten während der Zeit von Idi Amin aus. Sie flohen aber nicht, um ihr Leben zu retten, sondern um bessere Chancen zu haben. Ich bin in Muswell Hill aufgewachsen, einer bürgerlichen Gegend im Norden Londons. Ungefähr das Gegenteil von Uganda. Meine Eltern legten Wert auf einen guten Schulabschluss, Universität, einen guten Job – eine typische Einstellung für Leute aus Uganda. Sie waren etwas besorgt, als ich mich entschied, Musiker zu werden, nachdem ich zu meinem zwölften Geburtstag eine Gitarre geschenkt bekommen hatte. Bald darauf spielte ich in einer Band. Auch wenn meine Musik heute anders klingt: Ich war und bin ein großer Fan von Jimi Hendrix . Seine Kreativität hat mich beeinflusst, und die Art, wie er Stimmungen, Farben und Bilder setzt.

Ich weiß nicht genau, warum ich Musik mag, die älter ist als ich. Schon als Teenager hatte ich das Gefühl, dass sie mehr in mir auslöst. Ich mag diese Unschuld, die Gelassenheit. Die Melodien scheinen so rein und klar, der Groove ist irgendwie menschlicher. Ich habe überhaupt nichts gegen neue Musik. Aber Sam Cooke, Marvin Gaye , Bob Dylan sangen über Themen, die die Leute bewegt haben, über den Krieg oder Leute, die zu Unrecht im Gefängnis saßen. So etwas gibt es heute nicht mehr. Jedenfalls wird das afrikanische Woodstock das beste Festival aller Zeiten. In vier oder fünf Jahren könnte es so weit sein. Vergesst nicht, eure Sonnencreme einzupacken!

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