Mazda MX-5 Hamaki © Hersteller

Ich würde mich als traumatisiert bezeichnen. Meine Mutter war lange Zeit eine Cabrio-Frau. Meine ganze Schulzeit über fuhr sie verschiedene offene Modelle von BMW oder Mercedes . Jeden Tag holte sie mich und meine Schwestern damit nach dem Unterricht ab – immer mit offenem Dach. Außer es regnete oder schneite.

Meine Klassenkameraden hatten keine Cabrio-Mütter. Das war ein Grund, warum ich Cabrios doof fand. Ich fühlte mich angeberisch, ausgestellt und angegafft darin. Der zweite Grund für meine Cabrio-Phobie: Auf der Rückbank kann es ziemlich frisch werden, besonders in meiner Heimat, dem norddeutschen Flachland unweit der Küste. Um dem Fahrtwind zu entkommen, duckte ich mich hinter die Vordersitze.

Als ich älter war, wurde mir klar: Mein Vater war derjenige, der die Autos für meine Mutter aussuchte und kaufte. Und das meist mit einer gönnerhaften Geste. Er sah seine Frau gern in einem schicken Wagen. Sie fiel damit auf in der Kleinstadt. Ich fand das unmodern und unemanzipiert.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Vorurteilsbelastet setze ich mich also ans Steuer des Mazda MX-5 Hamaki – und staune: Versunken in den tiefen Ledersitzen, macht sich ein Gefühl der Geborgenheit in mir breit. Das Dach öffnet sich per Knopfdruck. Ruck, zuck. Meine Mutter musste sich damals richtig anstrengen. Ich schalte die Sitzheizung an, fahre los – und staune schon wieder: Der Fahrtwind ist gerade einmal als ein Hauch von Nichts zu spüren. Mir ist wohlig warm, von allen Seiten.

Dann mache ich den Innenstadt-Test. An der Ampel wartende Passanten und neben mir haltende Autofahrer würdigen mich keines Blicks. Mir dämmert, dass die vermeintliche Aufmerksamkeit, die mir in den Cabrios meiner Mutter zuteil wurde, wohl nur Einbildung war.

Schließlich unternehmen mein Freund und ich einen Ausflug von Berlin nach Prag . Der MX-5 ist auf der Autobahn wahrlich kein Rennwagen. Muss er auch nicht sein. Ich fahre, mein Freund sitzt auf dem Beifahrersitz. Er hat dieses Cabrio weder ausgesucht noch bezahlt. Er interessiert sich nicht einmal für Autos.

Wir cruisen bei 20 Grad durch die allmählich hügeliger werdende tschechische Landschaft. Vögel zwitschern die Frühlingssonne an. Ihnen muss niemand etwas beweisen. Noch ehe wir ankommen, bin ich von meinem Trauma geheilt.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 93 kW (126 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
CO2-Emission: 167 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
Basispreis: 23.690 Euro

Friederike Milbradt ist Mitarbeiterin in der iPad-Redaktion des ZEITmagazins