Mazda MX-5 HamakiOffene Therapie

Friederike Milbradt fährt den Mazda MX-5 Hamaki von Friederike Milbradt

Mazda MX-5 Hamaki

Mazda MX-5 Hamaki  |  © Hersteller

Ich würde mich als traumatisiert bezeichnen. Meine Mutter war lange Zeit eine Cabrio-Frau. Meine ganze Schulzeit über fuhr sie verschiedene offene Modelle von BMW oder Mercedes . Jeden Tag holte sie mich und meine Schwestern damit nach dem Unterricht ab – immer mit offenem Dach. Außer es regnete oder schneite.

Meine Klassenkameraden hatten keine Cabrio-Mütter. Das war ein Grund, warum ich Cabrios doof fand. Ich fühlte mich angeberisch, ausgestellt und angegafft darin. Der zweite Grund für meine Cabrio-Phobie: Auf der Rückbank kann es ziemlich frisch werden, besonders in meiner Heimat, dem norddeutschen Flachland unweit der Küste. Um dem Fahrtwind zu entkommen, duckte ich mich hinter die Vordersitze.

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Als ich älter war, wurde mir klar: Mein Vater war derjenige, der die Autos für meine Mutter aussuchte und kaufte. Und das meist mit einer gönnerhaften Geste. Er sah seine Frau gern in einem schicken Wagen. Sie fiel damit auf in der Kleinstadt. Ich fand das unmodern und unemanzipiert.

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Vorurteilsbelastet setze ich mich also ans Steuer des Mazda MX-5 Hamaki – und staune: Versunken in den tiefen Ledersitzen, macht sich ein Gefühl der Geborgenheit in mir breit. Das Dach öffnet sich per Knopfdruck. Ruck, zuck. Meine Mutter musste sich damals richtig anstrengen. Ich schalte die Sitzheizung an, fahre los – und staune schon wieder: Der Fahrtwind ist gerade einmal als ein Hauch von Nichts zu spüren. Mir ist wohlig warm, von allen Seiten.

Dann mache ich den Innenstadt-Test. An der Ampel wartende Passanten und neben mir haltende Autofahrer würdigen mich keines Blicks. Mir dämmert, dass die vermeintliche Aufmerksamkeit, die mir in den Cabrios meiner Mutter zuteil wurde, wohl nur Einbildung war.

Schließlich unternehmen mein Freund und ich einen Ausflug von Berlin nach Prag . Der MX-5 ist auf der Autobahn wahrlich kein Rennwagen. Muss er auch nicht sein. Ich fahre, mein Freund sitzt auf dem Beifahrersitz. Er hat dieses Cabrio weder ausgesucht noch bezahlt. Er interessiert sich nicht einmal für Autos.

Wir cruisen bei 20 Grad durch die allmählich hügeliger werdende tschechische Landschaft. Vögel zwitschern die Frühlingssonne an. Ihnen muss niemand etwas beweisen. Noch ehe wir ankommen, bin ich von meinem Trauma geheilt.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 93 kW (126 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
CO2-Emission: 167 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
Basispreis: 23.690 Euro

Friederike Milbradt ist Mitarbeiterin in der iPad-Redaktion des ZEITmagazins

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Leserkommentare
    • Lexy
    • 26. April 2012 11:29 Uhr
    1. Motor

    4 Zylinder mit 126PS und 7.1 Liter Verbrauch?

  1. So langsam hat es eine gewisse Komik, und damit meine ich nicht, dass ZEIT-Autotests immer zwanghaft keine Autotest sein müssen (gut, es gibt ja auch keinen Lesezwang und ich könnte mir ja auch eine Fachzeitschrift mit den immer gleichen bildhaften Vergleichen kaufen), sondern dass die ZEIT-Autotest-Tester immer irgendwie "gehemmt" sind. Für Frau Milbradt müsste ein 911 Cabrio ja der reinste Horror sein, und auch sonst hatte man in der Vergangenheit oft den Eindruck, die ZEIT-Tester mögen nicht mit Fahrzeugen, die mal kein langweiliger unauffälliger Golf sind, in Ihrem Kiez Ihre Freunde besuchen, da sonst alle sozialen Kontakte abzubrechen drohen...

    Leider gibt es gewohnt wenig Infos: Was zum Beispiel ist denn nun "Hamaki" an dem Fahrzeug? (die rudimentärste Frage) Ist der MX-5 noch immer so eine Plastikschleuder? 7 Litern waren realistisch?
    Da der MX-5 ja keine Rückbank hat, wie die Fahrzeuge der Mutter die der Vater patriarchisch ausgesucht hat, hilft dann wohl auch das Trauma zu besiegen.

    Eigentlich eignet sich ein Autotest doch wunderbar die Zeilen zu füllen, das Fahrzeug kommt auch noch vom Hersteller/Vertrieb... Jeder Praktikant reißt sich um eine Testfahrt..
    Aber ja, ich weiß, es gibt keinen Lesezwang, aber wenn man noch die Print-Ausgabe kauft, dann ist man schon etwas enttäuscht...

    @Lexy: Mein MINI verbrauchte bei 90 PS (und 4 Zyl.) in der Praxis gern weitaus mehr, das dürfte auch das Wichtigste sein: Sparsame Benziner entwickeln und auch einbauen.

    Eine Leserempfehlung
    • smojoe
    • 26. April 2012 16:49 Uhr

    daß ich kein Fahrradtrauma habe. Musste ich armer Junge doch immer 5 km mit dem Rad zur Schule fahren.

  2. guckste da, a bissel Aufgehuebscht
    http://www.mazda.de/Uploa...

    ja sparsame Motoren mit kernigem Sound gibt es das in einem Cabrio.
    Wo bleibt Ford, Opel, Fiat.Gut das Erdbeerkoerbchen soff auch aber da war nix orginal, der ging saugut, handlich und der Golf 1 hatte noch was. Selbst mit anderem Motor Fahrwerk Getriebe und Bremsen blieb es ein tolle Auto

  3. Das er glaubt ein Trauma haben zu muessen wegen einer Cabrio Fahrenden Mutter, oh weh. Ich bin nicht unemanzipiert, Autofahren sollte Spass machen sonst ist es nix, nur Frust. Segeln tu ich auch, naehen, kochen , stricken kann ich auch.....
    Aber er haette schreiben koennen das das ne limitierte Serie mit nettem Schnickschnack ist und sonst nix, das wenigsten, ansonsten sollte er mal zum Psychiater gehen. In dem Artikel steht fast nix zum Auto. Die letzten Versionen sehen einfach verquollen aus

  4. der MX-5 hätte mehr verdiend, als nur das Objekt eiber überwundenen Phobie. Dieses Auto enstand Mitte der 80er Jahre im Rahmen eines Kreativ-Projektes für junge Ingenieure, der sog. X-Group. unter Verwendung vieler preiswerter Serienteile sollte der Traum eben dieser Gruppe entstehen. Als Vorbilder hatte sich die Gruppe die englischen und italienischen Roadster der 60 Jahre genommen."Bringt alles zu diesen Autos in Erfahrung was ihr könnt , destilliert die typ. Vorzüge und vermeidet die Nachteile!" So lautete der auftrag des schon etwas älteren und erfahreneren Chef's bei MAZDA in Hiroshima. Zur gleichen Zeit perfektionierte Mazda den Wankel-Motor, den die Deutschen schon lange aufgegeben hatten. Nur das zum Spirit dieser Companie! In erstaunlich kurzer Zeit, war das kleine Cabrio nach 3 Zwischenentwürfen auf Basis von Designentwürfen aus Kalifornien und Japan im jahr 1989 fertig. Im jahr 1991 eroberte es den US-Amerikanischen Markt unter der Bezeichnung MIATA. Nach Deutschland kam die kleine Flunder erst 1991 und zwar in einfacher Ausstattung zu vergleichsweise deftigen Preisen.
    Ich besorgte mir in den USA einen MIATA um die Lieferfrist für einen Mercedes 300 SL abzukürzen (damals 4 Jahre). Den mazda habe ich meiner Ex geschenkt, der Mercedes wurde Scheidungsopfer1
    meine Tochter - ohne Phobie - kaufte sich ebenso einen MX5 und meine jetzige Frau ( auch ohne Phobie in Bezug auf die Ex und den MX5) fährt die neuste Ausgabe. Das Ding ist genial und zuverlässig! Kauri

  5. natürlich

  6. So isses. Meiner (NBD) hat bald 180.000 auf der Uhr und kaputt ging in rund 9 Jahren folgendes:

    1 Lichtmachine
    1 Kofferaumleuchte
    4 Abblendleuchten

    Und wenn man sich als Ausstellungsobjekt betrachtet werden will, muss man bei Minustemperaturen durch die Stadt fahren: Dach offen und Fenster runter!

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  • Serie Autotest
  • Schlagworte BMW | Mercedes | Mazda | Auto | Autobahn | Autofahrer
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