WiedereinstiegSo geht es leichter

Tipps für die Rückkehr in den Job – nach Elternzeit, Sabbatical oder Krankheit von Lisa Srikiow

Damit der Wiedereinstieg nach der Elternzeit oder auch nach dem Sabbatical gelingt, ist es wichtig, während der Pause Kontakt zu den Kollegen zu halten – auch wenn das, gerade während eines Sabbatjahres, nicht immer leichtfällt. »Wer eine persönliche Auszeit nimmt, sollte mit seinen Vorgesetzten vereinbaren, in welchen Abständen er sich meldet«, empfiehlt die Unternehmensberaterin Barbara Hess, die mit ihrer Firma Imanent auch beim Thema Sabbatical begleitet. »Etwa zwei, drei Wochen vor der Rückkehr kann es sinnvoll sein, im Büro vorbeizuschauen«, sagt Hess. So erinnere man die Kollegen an das Datum des Comebacks – denn dass diese bereits sehnsüchtig darauf warteten, sei die Ausnahme.

Tipps für die Elternzeit
  • Erziehungsurlaub steht jedem zu, dessen Kind jünger als drei Jahre alt ist. Maximal drei Jahre kann die Auszeit dauern – für jedes Kind. Eltern können die Zeit unter sich aufteilen.
  • Eltern haben in der Auszeit Anspruch auf Elterngeld. Der Staat ersetzt 67 Prozent des bisherigen Nettoerwerbseinkommens des erziehenden Elternteiles, der Höchstsatz liegt bei 1.800 Euro netto. Wird binnen 24 Monaten ein weiteres Kind geboren, gibt es einen Geschwisterbonus, in der Regel zehn Prozent des Elterngeldes. In der Regel haben Eltern Anspruch auf zwölf Monate Elterngeld, Alleinerziehende oder Paare, die sich die Elternzeit aufteilen, haben Anspruch auf 14 Monate.
Bedingungen und Steuern
  • Das Elterngeld selbst wird nicht versteuert, es wird aber zum Einkommen hinzugerechnet und bestimmt so die Höhe des individuellen Steuersatzes. Gutverdienende Eltern können die Länge der Auszeit also auch nach steuerlichen Erwägungen kalkulieren.
  • Die Elternzeit muss mindestens sieben Wochen vor ihrem Beginn beantragt werden. Der Arbeitnehmer muss seinem Arbeitgeber auch mitteilen, für welchen Zeitraum innerhalb von zwei Jahren die Elternzeit genommen wird. 
  • Eltern dürfen übrigens während der Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden in einem anderen Job arbeiten. Entsprechende Regelungen müssen aber mit dem Arbeitgeber besprochen werden.

Kontaktpflege ist auch für junge Eltern während der Babypause wichtig. Susanne Dreas berät in der Hamburger Koordinierungsstelle Worklife Mütter und Väter bei ihrem Wiedereinstieg. »Frauen sollten früh signalisieren, dass sie in ihren Job zurückwollen, und sich während der Elternzeit regelmäßig melden. Wer einen Schritt weitergehen will, kann an Meetings teilnehmen oder als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung einspringen«, rät Dreas den Frauen.

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»So bleibt man auch inhaltlich auf dem Laufenden.« Für junge Eltern ist der erfolgreiche Wiedereinstieg vor allem von einer guten Kinderbetreuung abhängig. Die Balance zwischen Job und Familie klappt umso besser, je flexibler die Arbeitszeiten, je besser das Betreuungsnetzwerk ist. Auch der Umgang mit den eigenen Erwartungen ist eine Herausforderung. Eltern müssen sich darauf einstellen, dass sich die Art, wie sie arbeiten, verändern wird. »Man kann nicht alles perfekt managen. Aber es gibt viele Angebote, die Eltern Unterstützung anbieten, zum Beispiel ehrenamtliche Leihgroßeltern«, sagt Susanne Dreas. Die Aufstiegschancen nach einer Auszeit seien für Mütter jedoch noch gering: »Es werden kaum Führungspositionen in Teilzeit angeboten.«

Tipps für Teilzeit
  • Es gibt einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Bedingung: Das Unternehmen muss mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen und der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate im Unternehmen sein. Wichtig: Das Gesetz sieht eine einvernehmliche Lösung vor. Ein juristisches Vorgehen gegen den Arbeitgeber ist ein schwerer Bruch des Vertrauensverhältnisses und kann das Ende der Karriere bedeuten.
  • Prüfern Sie informell, etwa im Intranet oder beim Betriebsrat, welche Regelungen im Unternehmen üblich sind. Wenn mehrere Kollegen bereits reduziert haben, erleichtert das die Argumentation.
  • Es ist möglich, die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren oder die Zahl der Arbeitstage.
Steuern

Geht die Reduktion der Arbeitszeit mit einem Einkommensverzicht einher, gilt es die Steuerklasse zu beachten. Sinkt das Einkommen mit der Arbeitszeit, sollte die Steuerersparnis optimal justiert sein. In Hintergrund kann ein Anwalt die entsprechenden Vereinbarungen checken. Gerade Führungskräfte müssen bei Boni, Dienstwagen und Co vorsichtig sein.

Fristen
  • Der Arbeitnehmer muss seinen Wunsch auf Verringerung der Arbeitszeit, den Umfang der Zeitreduzierung und die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit spätestens drei Monate vor Beginn der Teilzeitphase beantragen.
  • Der Arbeitgeber muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn die Genehmigung der Teilzeit schriftlich mitteilen.
  • Können sich beide Parteien nicht einigen und äußert sich der Arbeitgeber nicht innerhalb der Monatsfrist schriftlich, verringert sich die Arbeitszeit automatisch.

Ein Sabbatjahr hingegen kann honoriert werden. »Sich eine persönliche Auszeit zu nehmen erfordert Mut und Individualität«, sagt die Unternehmensberaterin Barbara Hess. »Ich erlebe oft, dass Menschen nach einem Sabbatical beruflich vorankommen – weil sie neue Motivation und Gelassenheit mitbringen.«

Manche Auszeitnehmer machen allerdings andere Erfahrungen: Entweder nehmen sie sich so viel vor, dass keine Zeit zum Reflektieren mehr bleibt. Oder aber sie merken nach ihrer Rückkehr, dass ihr Job sie nicht mehr erfüllt. Damit man solchen Situationen nicht unvorbereitet gegenübersteht, sollte man sich vor dem Sabbatjahr überlegen: Warum genau will ich mir eine Auszeit nehmen, worüber will ich mir klar werden, wie will ich meine Zeit nutzen?

Tipps fürs Sabbatical
  • Es gibt keinen Anspruch auf ein Sabbatical. Wichtig ist, dass Sie einen Grund für die Auszeit nennen können: Familie betreuen, ein Buch schreiben oder Weiterbildung akzeptieren Personaler, eine unbegründete Auszeit könnte bei einem Wechsel Probleme bringen.
  • Wenn es keine fixen Regelungen im Betrieb gibt, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen verhandeln. Das ist nicht unkritisch, etwa bei Boni oder Dienstwagenregelungen oder Zuständigkeiten. Im Hintergrund sollte bei Führungskräften ein Anwalt beraten.
Bedingungen und Steuern

Als Arbeitszeitmodell üblich ist etwa eine Regelung, nach der in der Zeit-Ansparphase ein Gehalt für 20 Stunden ausgezahlt wird, was in der Auszeitphase weiterläuft. Eine Alternative ist ein unbezahlter Langzeiturlaub. Bei der Auszeit und einer Absenkung des Einkommens immer die Steuerklasse beachten.

Wer wegen eines Burn-outs länger aussetzen muss, sollte bei seiner Rückkehr andere Vorbereitungen treffen. »Hier kommt es darauf an, dass der Patient keinen Rückfall erleidet«, sagt Gabriele Franke, die an der Hochschule Magdeburg-Stendal Rehabilitationspsychologie lehrt. Noch gibt es keine standardisierte Wiedereingliederung wie bei chronischen Krankheiten; allerdings bewährt sich das Hamburger Modell, bei dem die Betroffenen ihre Stundenzahl allmählich aufstocken. Benannt wurde es nach einer Hamburger Krankenkasse, die das System zuerst anbot. »Der Patient sollte sich auf zwei Ebenen vorbereiten. Er sollte sich fragen: Welche Situationen setzen mich unter Druck? Wie kann ich meine Woche strukturieren, Pausen integrieren?«, sagt Franke. Es sei wichtig, die Kollegen von Anfang an mit einzubeziehen und ihnen genau zu sagen, welche Aufgaben problematisch sind. Wer zum Beispiel stressige Kundengespräche meiden soll, kann mit seinen Kollegen vereinbaren, dass er ihnen stattdessen stärker im Hintergrund zuarbeitet.

Die zweite Ebene betrifft die Rahmenbedingungen. Gibt es eine Gesundheitsstelle in dem Unternehmen oder einen Betriebsrat, der Unterstützung bietet? »Der Patient muss nicht immer nur an sich arbeiten. Natürlich ist es wichtig, achtsam mit sich umzugehen. Manche Verbesserungen lassen sich aber auch von Unternehmensseite herbeiführen«, sagt Franke. Denn die Arbeitgeber sind zwar gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine betriebliche Eingliederung zu ermöglichen – für die praktische Umsetzung gibt es jedoch keine genauen Vorgaben. Von Vorteil ist, wenn sich die Vorgesetzten weiterbilden, um den richtigen Umgang mit ihren Mitarbeitern zu lernen. Denn Lob und soziale Anerkennung helfen nicht nur, einen Rückfall zu verhindern, wie Forscher der Universität Frankfurt bei einer Befragung von 900 Supervisoren herausgefunden haben, sondern auch, das generelle Risiko eines Burn-outs zu verringern. »Der beste Schutz vor dem Burn-out«, so die Wissenschaftler, »ist eine leistungsgerechte Belohnung.«

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Leserkommentare
  1. Wer diese Checkliste abarbeitet, wird feststellen, dass es sich aufgrund Arbeitsbedingungen und Bezahlung nicht mehr lohnt, zu arbeiten.

  2. Das ist wohl eher ein Phänomen aus dem angloamerikanischen Raum ! In welchem deutschen Arbeitnehmerparadies kann man seinem Vorgesetztenn mit so etwas kommen ?
    Mögliche Erwiderungen des Vorgesetzten :

    "Reicht ihnen ihr Jahresurlaub nicht mehr ?"
    "Tja, dann wollen wir mal Ersatz für sie suchen!"
    "Da werden sich ihre Kollegen aber freuen, wenn sie ihren Job mitmachen müssen"
    "Ich kann ihnen aber nicht garantieren, dass sie auf ihre alte Position zurückkehren können!"
    "Gut, dass sie mich darauf ansprechen. Ich habe schon länger bemerkt, dass ihre Leistungen nachlassen...."
    Viel Spass !!

    • DrNI
    • 29. April 2012 12:08 Uhr

    "Wer eine Auszeit nimmt, der sollte keine richtige Auszeit nehmen", so lese ich es aus dem Anfang des Artikels raus. Denn was ist das für eine Auszeit, in der ich dauernd an Arbeit denke? Anderer herum: Warum sind anstrengende Action-Urlaub entspannend? Antwort: Weil man dabei komplett was anderes macht als bei der Arbeit. Es geht nicht ums Nichtstun (bei frisch gebackenen Eltern sowieso nicht), sondern darum, etwas komplett anderes zu tun. Wenn man sich da immer wieder auf die Arbeit besinnt, dann droht der zweite Teil des Artikels: Burnout. Und das trotz Auszeit.

  3. Da kann ich DrNi nur zustimmen.

    Endweder ich nehme eine Auszeit, oder eben nicht!
    Irgendetwas dazwischen bringt doch nichts.

  4. in der Windbranche.
    Ein Kollege von mir hat einen zweiwöchigen Urlaubsantrag zu einem Vorgesetzten geschickt, per Mail.
    Die Antwort darauf lautete wie folgt:
    "Pffffffffffff"

    Wenn ich jetzt noch auf das neudeutsche/ denglische Wort "Sabbatical" (lese/ höre ich hier zum ersten mal) eingehen sollte, würde mein Beitrag zensiert werden.

  5. Deutsche Arbeitgeber akzeptieren nur ganz wenige Gründe für eine Auszeit: Kinderbetreuung (nur bei Frauen!), Pflege älterer Verwandter (eher bei Frauen!), Krankheit (keine psychische, und nur dann, wenn man danach ganz genesen ist!), ein Studium (wenn es nur ganz kurz gedauert und einen guten Abschluss gebracht hat!)
    .
    Den anderen Arbeitssuchenden, die länger ohne Arbeit waren, würde ich empfehlen, sich im Ausland nach einer Stelle umzusehen.

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  • Schlagworte Arbeitsrecht | Sabbatical | Beruf | Burn-out
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