JobrückkehrIch bin wieder da

Drei Aussteiger auf Zeit berichten, wie es ihnen beim Wiedereinstieg in den Alltag ergangen ist. von Lisa Srikiow

Rückkehr nach der Elternzeit

Claudia Dick, 35, Stadtplanerin in Nordrhein-Westfalen, Mutter von Lili (3 Jahre) und Mia (8 Monate):

Meine Chefs haben positiv reagiert, als ich ihnen von meiner Schwangerschaft erzählte. Wir haben ein persönliches Verhältnis, weil ich schon als Studentin in dem Büro gearbeitet hatte. Allerdings haben sie mir nicht wirklich geglaubt, dass ich wiederkommen würde. Mir hingegen war das von Anfang an klar. Ich mag meine Arbeit, sie tut mir gut.

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Den Zeitpunkt meiner Rückkehr habe ich selber gewählt, da hatte ich viel Freiraum. Nach einem Jahr stand ich wieder im Büro und sagte: »Ich habe einen Kita-Platz für meine Tochter Lili und möchte mit 30 Stunden einsteigen.«

Das hört sich einfacher an, als es war. Inhaltlich bin ich schnell wieder reingekommen. Meine Rolle im Büro, in dem ich die einzige Teilzeitkraft war, musste ich hingegen erst wieder finden. Der Druck war anders, aber genauso groß: Ich musste jeden Tag pünktlich gehen, um Lili aus der Kita abzuholen. Wenn zu Hause einer von uns – mein Mann, meine Tochter oder ich selbst – krank war, geriet unser Betreuungssystem schnell ins Wanken. Außerdem war ich zwar froh, wenn man mir die lokalen Projekte ohne Auswärtstermine gab. Gereizt hätten mich allerdings auch andere Aufgaben, zum Beispiel im Ausland.

Mittlerweile habe ich mein zweites Kind bekommen: Mia ist acht Monate alt, und ich werde im September wieder anfangen zu arbeiten. Eine gute Kita, die einem den Rücken für den Beruf frei hält, ist dabei unglaublich wichtig. Man muss natürlich flexibel sein: Welche Angebote gibt es, was passt zu uns? Lili hat sich in ihrer Kita sehr wohl gefühlt. Ich hoffe, dass es bei Mia auch so gut läuft.

Rückkehr aus dem Sabbatjahr

Elsbeth Lehmann-Deiß, 61, Lehrerin an einer Grundschule in Baden-Württemberg

Ich war erstaunt, wie leicht mir der Wiedereinstieg nach meinem Sabbatjahr gefallen ist. Genau ein Jahr lang habe ich ausgesetzt, bin drei Monate lang durch Südamerika gereist und habe die freie Zeit ohne feste Termine sehr genossen. Auf die Rückkehr habe ich mich nicht besonders vorbereitet, ich habe das eher auf mich zukommen lassen.

Als ich dann die Schule wieder betrat, war es, als sei ich nie weg gewesen. Viele Freunde und Kollegen hatten mich vor dem Wiedereinstieg gewarnt. Wie schwer würde er mir fallen? Würde ich schnell wieder in den Unterricht reinkommen? Ich musste eine vierte Klasse übernehmen, weil es vor den Ferien dort einen Lehrerwechsel gegeben hatte – eine besondere Herausforderung. Es gelang mir aber schnell, eine gute Beziehung zu den Kindern und Eltern aufzubauen. Im Rückblick habe ich eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Es ist gut, dass ich meinen Beruf mag und mich gerne dafür engagiere. Das war sicher der Grund, weshalb mir der Wiedereinstieg so leicht gefallen ist.

Als meine jüngste Tochter beschloss, nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, schien mir das der geeignete Zeitpunkt für ein Sabbatjahr zu sein. Die ersten Gedanken darüber habe ich mir schon vor zehn Jahren gemacht – ich bin seit fast vierzig Jahren im Schuldienst, ohne Unterbrechung. Diese Auszeit wollte ich mir nehmen, um dem Terminkalender für eine Zeit lang zu entkommen. Neben meiner normalen Lehrtätigkeit arbeite ich noch als Beratungslehrerin an anderen Schulen, außerdem bin ich an eine Schulpsychologische Beratungsstelle abgeordnet. Oft ging ich mit drei gepackten Taschen aus dem Haus, um die verschiedenen Aufgaben nicht durcheinanderzubringen.

Während meiner Auszeit habe ich daher vor allem die einfachen Dinge genossen: bis tief in die Nacht lesen, ausschlafen, in Ruhe frühstücken, mehr Zeit für alles haben. Die Reise mit meinem Mann nach Südamerika – wir haben das Sabbatjahr gemeinsam erlebt, auch er ist Lehrer – war eine unglaubliche Erfahrung. Wir haben die Region kennengelernt und Freunde besucht. Noch heute schaue ich oft in mein Reisetagebuch und zehre von den Erlebnissen. Wir haben übrigens angefangen, für unser zweites Sabbatjahr zu sparen.

Leserkommentare
  1. Ein Mitbewohner in unserer Kommune ist nach Langzeitarbeitslosigkeit erfolgreich 1,5 Jahre als Zeitarbeiter verpflichtet worden. Nun ist er leider zurück in der Arbeitslosigkeit und hat sich bis heute nicht richtig eingelebt.

    • ludna
    • 28. April 2012 15:07 Uhr

    Ich kenne einen verbeamteten Berufsschullehrer, der ist mehr krank als in der Schule.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zhara
    • 30. April 2012 0:26 Uhr

    Was genau wollen Sie uns mit diesem Kommentar sagen? Wenn Sie das Beamtentum kritisieren wollen, können Sie dies gern tun, sinnvoller wäre dies sicherlich als Kommentar zu einem Artikel, in dem es explizit um Beamte geht. Außerdem sollte Ihre Argumentation dann aus etwas mehr bestehen, als die Äußerung, dass Sie einen Beamten kennen, der "mehr krank als in der Schule" ist. (Ich bin übrigens nicht verbeamtet :) )
    Ein Sabbatjahr stelle ich mir traumhaft vor, leider fehlen mir dafür, wie sehr wahrscheinlich vielen anderen auch, die notwendigen finanziellen Reserven.

    • Zhara
    • 30. April 2012 0:26 Uhr

    Was genau wollen Sie uns mit diesem Kommentar sagen? Wenn Sie das Beamtentum kritisieren wollen, können Sie dies gern tun, sinnvoller wäre dies sicherlich als Kommentar zu einem Artikel, in dem es explizit um Beamte geht. Außerdem sollte Ihre Argumentation dann aus etwas mehr bestehen, als die Äußerung, dass Sie einen Beamten kennen, der "mehr krank als in der Schule" ist. (Ich bin übrigens nicht verbeamtet :) )
    Ein Sabbatjahr stelle ich mir traumhaft vor, leider fehlen mir dafür, wie sehr wahrscheinlich vielen anderen auch, die notwendigen finanziellen Reserven.

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