UBS-BankSo macht man Kohle

Was die Großbank UBS dafür kann, dass in Nordamerika ganze Berge verschwinden. von Ralph Pöhner

UBS-Bank in Zürich

UBS-Bank in Zürich  |  © Arnd Wiegmann / Reuters

Es begann mit einem Berg von Briefchen und roten Papierherzen: Unbekannte hatten sie der UBS-Filiale in Knoxville, Tennessee, vor die Tür gelegt. Es war ein Valentinstagsgeschenk für die Bankangestellten. »Wir lieben unsere Berge«, stand in den Briefen und auf den Klebern, aber auch: »Wir kommen wegen eurer Gier«. Drei Wochen später, am 8. März 2012, folgte die nächste Aktion, vor dem UBS-Gebäude in Johnson City, Tennessee. Auch dies eine kleine Sache, rund vierzig Leute zählte der Reporter der Johnson City Press. Die Demonstranten klopften an die Glastür mit dem UBS-Logo und an eilig heruntergelassene Storen, sie hielten Transparente in die Luft, auf denen »Finanziert lieber unsere Zukunft« oder »UBS zahlt für Zerstörung« oder »Keine Kohle!« stand. Der herbeigeeilte Polizist konnte sich damit begnügen, ein paar junge Menschen von einem privaten Parkplatz wegzuschicken.

Und so soll es weitergehen. In Chattanooga und Oak Ridge, in Asheville oder Lexington sind für die nächsten Tage weitere Proteste gegen die Schweizer UBS angesagt, sie werden wohl ebenfalls klein bleiben. Ein regionaler Konflikt ist das, offenbar, es geht um Umweltschutz, Berge und Kohle, irgendwie. Blickt man von dieser Seite des Atlantiks darauf, zum Beispiel vom Finanzzentrum am Zürcher Paradeplatz, so wirkt daran nur eines verblüffend: nämlich dass es in Ortschaften wie Chattanooga, Johnson City, Asheville oder Oak Ridge Filialen der UBS gibt. Wer hätte das gedacht?

Anzeige

Eine Universalbank, ein Global Player. Und dieser Konzern, so verkünden die Briefe und Transparente, soll ein Hauptfinancier im amerikanischen Kohlebergbau sein. Womit die Schweizer Bankiers Teil der Politik in Kentucky, West Virginia oder Tennessee geworden sind, irgendwie. Denn in den Appalachen, diesem sanften Mittelgebirge, setzen die Bergbaukonzerne eine brachiale Abbautechnik ein. Um an die Kohle zu kommen, die in den runden Bergen schlummert, sprengen sie kurzerhand den Gipfel weg – so ist es am billigsten. Riesige Komatsu-Muldenkipper sammeln die Geröllmassen ein und schütten die umliegenden Täler zu. Der Rest des Berges wird mitsamt der Kohle abgetragen.

»In den Alpen würde die UBS so etwas niemals finanzieren«, sagt William Isom, der für die NGO Moutain Justice in Kentucky arbeitet.

Nein, niemals. Undenkbar, dass so etwas in Europa überhaupt bewilligt würde. Aber Amerika ist ein großes Land, viele Gegenden in den Appalachen liegen fernab der Zentren, sie sind wirtschaftlich ausgepumpt, arm an Arbeitsplätzen. Und gerade hier finden sich die wichtigsten Kohlelager der USA. Seit den frühen achtziger Jahren trugen Minenkonzerne rund 5.500 Quadratkilometer Hügelland in den Appalachen ab, also fast die Fläche des Kantons Bern, 1.000 Kilometer Flüsse verschwanden; dies hat die Bundesregierung in Washington errechnet. Vor Ort legen die Umweltschutzgruppen eigene Daten zum Gipfelabbau vor: Jeden Tag werde hier die Sprengkraft der Bombe von Hiroshima gezündet. Dutzende Tier- und Pflanzengattungen seien vom Aussterben bedroht. Das Grundwasser rund um die Minen weise regelmäßig zu hohe Werte an Arsen, Blei, Barium oder Mangan auf. Die Menschen in der Nachbarschaft müssen auf einem Land weiterleben, das unten bebt, oben von Ascheregen bedeckt wird und bald einer Mondlandschaft gleicht. Die meisten ziehen es vor, ihr Heim zu räumen.

Es ist ein kapitalintensives Geschäft, und hier liegt ein Schwachpunkt der Bergbaukonzerne: Sie sind auf Banken mit großen Kreditlimiten angewiesen, auf Häuser wie die Citigroup, Morgan Stanley, die Bank of America oder eben UBS. Und so protestieren die jungen Leute in Tennessee, Kentucky oder West Virginia jetzt lieber vor Bankfilialen als an den Eisentoren der Minengesellschaften. »Mit Druck auf die Kreditgeber bremsen wir die Bergbaufirmen«, sagt Ricki Draper, die sich für Mountain Justice in Knoxville engagiert. Und tatsächlich haben einige Banken inzwischen einen Schlussstrich gezogen. Credit Suisse verkündete im September 2010, man finanziere und berate ab sofort keine Unternehmen mehr, die im Mountaintop Mining tätig seien.

Die UBS gerät nun ins Fadenkreuz, weil sie zu den wenigen verbliebenen Banken gehört, die auch einen Sitz in Übersee haben. »Ausländische Banken haben keinen Bezug zu den Gemeinden hier«, sagt Ricki Draper in Tennessee. »Wir aber müssen zusehen, wie ganze Dörfer in eine Einöde verwandelt werden.« Es klingt wie das Echo der Managerweisheit, dass jedes Business lokal sei – Globalisierung hin oder her.

Leserkommentare
    • Hermez
    • 01. Mai 2012 13:10 Uhr

    ...seine abhängigen Kunden dazu ermahnen,den Konsum einzuschränken?

    • joG
    • 01. Mai 2012 13:25 Uhr

    ....auf einen anderen Planeten versetzt."

    Das hat doch was Überirdisches. Aber im Ernst. Wenn in den USA die nächsten Hundert Jahre weiter die Landschaft verschandelt wird, dann gibt es nur noch so viel unberührte Natur wie hier.

    Antwort auf
  1. Protete gegen Privatunternehmen, die zum Teil sogar nur mittelbar involviert sind, bleiben hilflos und führen lediglich zu unverbindlichen Versprechungen, wenn die gewählten Volksvertreter den Spielraum für derartige Umweltzerstörungen nicht durch wirksame Gesetze einschränken.

    Ob Deutsche Bank und Streumunition,
    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Vattenfall und Lacoma
    http://www.lacoma.de/laco...

    Nestlé und die Wasserprivatisierung in Kalifornien und Brasilien
    http://www.3sat.de/page/?...
    http://www.staytuned.at/s...

    und, und, und...

    Wenn Politik und Wirtschaftsmacht sich verbünden, sind Bürgerproteste wirkungslos.

    k.

  2. ... Patriotismus der US-Bürger.

    "Die Koreaner und Chinesen nehmen uns unsere Arbeitsplätz"
    "Die Mexikaner und Holländer verderben unsere Kinder mit
    Freizügigkeit und Drogen"
    und jetzt:
    "Die Europäer finanzieren die Landschaftzerstörung"

    Weder USB/Finanzindustrie noch die Bergbauindustrie finden meine Wertschätzung, beides sind zügellose Konzern-Konglomerte mit raffgierigen Kapitalinteressen, die jede Form von nachhaltigem Handeln wiedersprechen.

    Solange der Normal-Ammi an seinem dekadenten einlullenden
    Lebensstil festhält wird sich dort kaum etwas zum Guten wenden.
    Wann bemerken diese Ignoranten, das die selbst gewählte (aber kann man das wirklich sagen bei der geringen Wahlbeteiligung?) Administration das Hauptproblem der Misere in "Gottes eigenem Land" ist?
    Aber wenns denn etwas bringen sollte!
    Es sind ja schon große Ideen entstanden aus winzigen Anfängen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Erst als letztes kommt die UBS.

    Man kann der UBS vieles vorwerfen. Das Sie hilft Steuerkriminellen ihre verbrechen zu tun.

    Aber das hier. Das ist lächerlich. Wie kommen die Amis überhaupt die UBS hier zu kritisieren und nicht Ihre Regierung. Oder den Bergbaukonzern?

  3. Ich find die UBS als Ziel der Proteste auch etwas merkwürdig. Ich weiß es ist unglaublich beliebt die bösen Banken mit ihren bösen Geschäftsmodellen zu verteufeln. Da ist natürlich auch was dran. Wie im Artikel genannt sind die Berg (oder Raub)-bau Firmen ja von den Krediten abhängig. Der Grund warum die UBS soetwas in der Schweiz nicht finanzieren würde ist allerdings eben nicht, dass sie besonders stolz auf ihre Berge sind, sondern, weil es die Schweizer gesetzte wahrscheinlich einfach nicht erlauben, dort auf diese Art Bergbau zu betreiben.

    Es ist nicht die Aufgabe einer Bank, moralische Urteile zu treffen. Das ist auch gut so. Schließlich sind sich beim Berge sprengen vielleicht noch alle einig. Irgendwo muss man dann allerdings auch eine Grenze ziehn. Für Moralische Urteile sollten daher besser dafür qualifizierte Institutionen, wie Gerichte, Parlamente und Regierungen sorgen. Natürlich klappt das nicht immer Perfekt, aber das ist nicht die Schuld der Banken.

  4. ...die Politik und damit auch die Umweltpolitik wird von Politikern in der Region und in Washington gemacht.
    Wenn sowas legal ist muss man sich an die Politiker wenden nicht an UBS.
    Solange das, was UBS macht nicht, illegal ist - was es offenbar nicht ist - gehen die Beschwerden an die falsche Adresse.

  5. Die Aussagen:
    1. Jeden tag die Sprengkraft der Bombe von Hiroshima (=13 kT TNT) -> 4745000 T/a
    2. Geförderte Kohle 986000 T
    Es wird also um 1T Kohle zu fördern 5T TNT eingesetzt?
    Irgendwo ist da auf jeden Fall ein Fehler.
    Ich kann auf jeden Fall nachvollziehen warum die USA neue AKWs bauen wollen: Alles ist besser als Kohle.
    Ansonsten: Einfach mal anfangen Energie zu sparen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte UBS | Schweiz | Kohle | Kohleindustrie
Service