UBS-BankSo macht man Kohle
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986.000 Tonnen Kohle

Die Konzernleitung in Zürich hat das zur Kenntnis genommen. Seit zwei Jahren erscheint die Wendung »Mountaintop Removal« im Geschäftsbericht, die UBS verspricht jeweils »verbesserte Sorgfaltsprüfungs- und Bewilligungsprozesse«. Dies, nachdem sie sich am 9. November 2010 in einem öffentlichen Statement zu mehr Wachsamkeit verpflichtet hatte. Die Bank, hieß es da, überprüfe fortan, »in welchem Ausmaß sich ein Unternehmen auf MTR-Bergbau stützt, und UBS muss überzeugt sein, dass der Kunde sich darauf festlegt, sein Engagement in dieser Art des Bergbaus mit der Zeit zu reduzieren.« Es klang wie ein Versprechen. Ungünstig schien lediglich, dass die UBS nur einen Tag zuvor, am 8. November, noch ein 200-Millionen-Dollar-Kreditpaket für Massey Coal in Virginia geschnürt hatte – also für den führenden Gipfelabbau-Konzern der Appalachen. Das Wort Mountaintop Removal findet sich im 151-seitigen Kreditvertrag nicht.

Bald darauf, im Januar 2011, flogen UBS-Investmentbanker aus Stamford und New York nach Virginia, um als Berater bei der Fusion von Massey und Alpha Natural Resources zu helfen. Es entstand ein Kohleriese, dem rund ein Viertel der Mountaintop-Minen in Amerika gehört. Nochmals sieben Wochen später, Anfang März, half die UBS – zusammen mit der Deutschen Bank – dem Bergbaukonzern James River Coal bei einer Übernahme, unter anderem mit einem gemeinsamen 375-Millionen-Dollar-Kredit. James River steigerte die Produktion an Mountaintop-Kohle im vergangenen Jahr auf 986.000 Tonnen – 350.000 Tonnen mehr als 2010, ein Plus von fünfzig Prozent. Dies hat die Umweltorganisation Rainforest Action Network recherchiert; James River will es nicht kommentieren.

Wer also aus dem UBS-Statement herauslas, dass die Bank nur noch mit Bergbaufirmen arbeitet, die den Ausstieg suchen oder diese Technik ohnehin kaum einsetzen, der hatte etwas gründlich missverstanden. In den einschlägigen SEC- und Bloomberg-Datenbanken erschien die UBS im vergangenen Jahr als Partnerin von vier der neun größten Mountaintop-Konzerne, ob durch eigene Darlehen, als Teil eines Kreditsyndikats, als Berater. Vor wenigen Wochen, so das jüngste Beispiel, erneuerte sie eine Kreditlimite für ein anderes Schwergewicht im Mountaintop Mining, die Firma Patriot Coal in Saint Louis.

»UBS zerstört unsere Berge!«, schließen die Gegner daraus, »UBS raus!«, rufen sie vor den Filialen. Nebenbei zeigt sich auch hier das bekannte Dilemma der Großbank: Die Mitarbeiter im Privatkundengeschäft werden angefeindet für Deals der Investmentbank. Sie bekommen es zu tun mit einem bunten Haufen aus regionalen Verbänden und örtlichen Interessengruppen, darunter grüne Christen, die für Gottes Natur beten, oder ein Prediger, der in New York eine Kirche gegen den Konsum aufgezogen hat. Sie alle streuen auf Facebook und ihren Websites, dass UBS der drittgrößte Financier des Umweltfrevels in den Appalachen sei, und gern wird die Schweizer Bank kurzerhand zur number one gemacht.

So war es einmal. Amanda Starbuck, die für das Rainforest Action Network die Energie- und Finanzbranche überwacht, urteilt jetzt allerdings, dass die UBS inzwischen tatsächlich mehr Zurückhaltung an den Tag lege. »Sie ist noch involviert«, sagt Starbuck, »aber sie ragt nicht mehr heraus, sie stellt andere Banken nicht länger in den Schatten.« Bank of America, Citi, Morgan Stanley, PNC, das seien heute die wichtigsten Kapitalgeber hinter den Bergsprengungen.

Nur: Wie die UBS, so versprachen auch diese Institute in jüngster Zeit mehr Vorsicht in den Appalachen – die Kommuniqués und Positionspapiere ähneln sich bis in den Wortlaut hinein. Die Bank of America meldete, sie lasse die Zusammenarbeit mit MTR-Firmen auslaufen. Citi, PNC und Morgan Stanley schrieben von einer robusten oder verschärften Sorgfaltsprüfung, PNC und Morgan Stanley verkündeten obendrein, man finanziere keine Minenunternehmen mehr, die schwergewichtig Gipfelabbau betrieben. Am Ende beginnt man vor allem zu ahnen, wie elastisch die »Citizenship«- und »Responsibility«-Reports der Banken in Wirklichkeit sind.

Und das mit Grund. Denn wo beginnt bei einer globalen Investmentbank diese Verantwortung? Beim Mischkonzern, der in einer Unterfirma Streubomben produziert? Beim Rohstoffkonzern, dessen Kupferminen gelbe Säuren in einen kongolesischen Fluss leiten?

Leserkommentare
    • Hermez
    • 01.05.2012 um 13:10 Uhr

    ...seine abhängigen Kunden dazu ermahnen,den Konsum einzuschränken?

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    • joG
    • 01.05.2012 um 13:25 Uhr

    ....auf einen anderen Planeten versetzt."

    Das hat doch was Überirdisches. Aber im Ernst. Wenn in den USA die nächsten Hundert Jahre weiter die Landschaft verschandelt wird, dann gibt es nur noch so viel unberührte Natur wie hier.

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    Antwort auf
  2. Protete gegen Privatunternehmen, die zum Teil sogar nur mittelbar involviert sind, bleiben hilflos und führen lediglich zu unverbindlichen Versprechungen, wenn die gewählten Volksvertreter den Spielraum für derartige Umweltzerstörungen nicht durch wirksame Gesetze einschränken.

    Ob Deutsche Bank und Streumunition,
    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Vattenfall und Lacoma
    http://www.lacoma.de/laco...

    Nestlé und die Wasserprivatisierung in Kalifornien und Brasilien
    http://www.3sat.de/page/?...
    http://www.staytuned.at/s...

    und, und, und...

    Wenn Politik und Wirtschaftsmacht sich verbünden, sind Bürgerproteste wirkungslos.

    k.

    4 Leserempfehlungen
  3. ... Patriotismus der US-Bürger.

    "Die Koreaner und Chinesen nehmen uns unsere Arbeitsplätz"
    "Die Mexikaner und Holländer verderben unsere Kinder mit
    Freizügigkeit und Drogen"
    und jetzt:
    "Die Europäer finanzieren die Landschaftzerstörung"

    Weder USB/Finanzindustrie noch die Bergbauindustrie finden meine Wertschätzung, beides sind zügellose Konzern-Konglomerte mit raffgierigen Kapitalinteressen, die jede Form von nachhaltigem Handeln wiedersprechen.

    Solange der Normal-Ammi an seinem dekadenten einlullenden
    Lebensstil festhält wird sich dort kaum etwas zum Guten wenden.
    Wann bemerken diese Ignoranten, das die selbst gewählte (aber kann man das wirklich sagen bei der geringen Wahlbeteiligung?) Administration das Hauptproblem der Misere in "Gottes eigenem Land" ist?
    Aber wenns denn etwas bringen sollte!
    Es sind ja schon große Ideen entstanden aus winzigen Anfängen.

    2 Leserempfehlungen
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    Erst als letztes kommt die UBS.

    Man kann der UBS vieles vorwerfen. Das Sie hilft Steuerkriminellen ihre verbrechen zu tun.

    Aber das hier. Das ist lächerlich. Wie kommen die Amis überhaupt die UBS hier zu kritisieren und nicht Ihre Regierung. Oder den Bergbaukonzern?

    Erst als letztes kommt die UBS.

    Man kann der UBS vieles vorwerfen. Das Sie hilft Steuerkriminellen ihre verbrechen zu tun.

    Aber das hier. Das ist lächerlich. Wie kommen die Amis überhaupt die UBS hier zu kritisieren und nicht Ihre Regierung. Oder den Bergbaukonzern?

  4. Ich find die UBS als Ziel der Proteste auch etwas merkwürdig. Ich weiß es ist unglaublich beliebt die bösen Banken mit ihren bösen Geschäftsmodellen zu verteufeln. Da ist natürlich auch was dran. Wie im Artikel genannt sind die Berg (oder Raub)-bau Firmen ja von den Krediten abhängig. Der Grund warum die UBS soetwas in der Schweiz nicht finanzieren würde ist allerdings eben nicht, dass sie besonders stolz auf ihre Berge sind, sondern, weil es die Schweizer gesetzte wahrscheinlich einfach nicht erlauben, dort auf diese Art Bergbau zu betreiben.

    Es ist nicht die Aufgabe einer Bank, moralische Urteile zu treffen. Das ist auch gut so. Schließlich sind sich beim Berge sprengen vielleicht noch alle einig. Irgendwo muss man dann allerdings auch eine Grenze ziehn. Für Moralische Urteile sollten daher besser dafür qualifizierte Institutionen, wie Gerichte, Parlamente und Regierungen sorgen. Natürlich klappt das nicht immer Perfekt, aber das ist nicht die Schuld der Banken.

  5. ...die Politik und damit auch die Umweltpolitik wird von Politikern in der Region und in Washington gemacht.
    Wenn sowas legal ist muss man sich an die Politiker wenden nicht an UBS.
    Solange das, was UBS macht nicht, illegal ist - was es offenbar nicht ist - gehen die Beschwerden an die falsche Adresse.

    4 Leserempfehlungen
  6. Die Aussagen:
    1. Jeden tag die Sprengkraft der Bombe von Hiroshima (=13 kT TNT) -> 4745000 T/a
    2. Geförderte Kohle 986000 T
    Es wird also um 1T Kohle zu fördern 5T TNT eingesetzt?
    Irgendwo ist da auf jeden Fall ein Fehler.
    Ich kann auf jeden Fall nachvollziehen warum die USA neue AKWs bauen wollen: Alles ist besser als Kohle.
    Ansonsten: Einfach mal anfangen Energie zu sparen.

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