Deutscher Filmpreis: "Das Grauen... das Grauen!"
Nichts wie weg mit dem deutschen Qualitätskino! Ein Plädoyer für Trivialitäten, Schocks und brüllendes Gelächter.
So ist das immer im deutschen Film: Auf einen Höhepunkt folgt blitzartig der nächste Tiefschlag. Die Freude über Christian Petzolds Barbara, den preisgekrönten deutschen Wettbewerbsbeitrag der Berlinale, wurde kurz darauf konterkariert durch eine – zwar positive – Kritik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die jedoch den Film in einen fatalen Kontext mit anderen DDR-Bewältigungsfilmen stellte und ihm dabei wie in einem inoffiziell ausgeschriebenen Wettbewerb die bisherige Bestnote verlieh: »Man muss weit zurückgehen, um einen Film zu finden, der für die DDR ein ähnlich präzises Gespür hat wie Barbara.« Phänomenal, wie solche Art Filmkritik das deutsche Kino zu inhaltlichem Auftrag verdonnern will. Und zwar dergestalt, dass dem Leser suggeriert wird, Barbara habe nicht primär als Film pur zu überzeugen – mit seiner leise drohenden Story, mit seinem zart erotischen Abenteuer aus einem fernen Land der Vergangenheit –, sondern müsse zunächst mal staatstragende Kriterien erfüllen. Ein »präzises« Geschichtsbild bitte! Das klingt nach: »Danke, Herr P., Eignung zum Lehramt mit Lob bestanden.« Sollen deutsche Regisseure eigentlich vor allem brav das Stöckchen der Korrektheit apportieren?
- Deutscher Filmpreis
Am 27. April wird im Berliner Friedrichstadtpalast der Deutsche Filmpreis verliehen. Mit rund drei Millionen Euro Preisgeldern in insgesamt achtzehn Kategorien ist er der höchstdotierte deutsche Kulturpreis
- Dominik Graf
Dominik Graf, geboren 1952, dreht Fernseh- und Kinofilme, unter anderem die zehnteilige Serie »Im Angesicht des Verbrechens«. Er lebt in München
Dem Film Barbara, der im Blick aller gelungen ist, kann solch vergiftetes Lob nichts mehr anhaben. Er war auch einer der Filme in der alljährlichen »Kiste«, die die Deutsche Filmakademie an ihre Mitglieder verschickt. Diese Kiste enthält die DVDs sämtlicher Werke, die für den Deutschen Filmpreis infrage kommen. Zu besichtigen war diesmal das Dilemma der Subventionskulturindustrie: die Aushöhlung durch thematische Überstrapazierung. Das Bildungsbürgerliche, das thematisch Beflissene am Output des deutschen Films wird langsam penetrant. Der legendäre Regie-Guerillero Klaus Lemke, der das deutsche Kino längst nur als »Millionengrab« und »subventionierte Filmfolklore« sieht, bekommt von Jahr zu Jahr mehr recht. Und zu Beginn der Berlinale äußerte sich Doris Dörrie über die Spaltung der Branche in einerseits einen »Museums- oder Festivalfilm, der nur in diesem geschützten Rahmen existieren kann«, und andererseits »den Publikumsfilm, der außerhalb davon die Menschen im Kino erreicht«: »Ich will die Leute unterhalten. (...) Ich will eine Lanze dafür brechen, dass wir die Verabredung mit dem ganz normalen Publikum nicht komplett aufgeben.«
Ja, man fühlte sich ein wenig an typisches Großproduzenten-Geraunze der versunkenen Altbranche erinnert, damals in den Achtzigern, als noch kräftig Pulver gegen den »publikumsfeindlichen« Autorenfilm verschossen wurde. Und man muss ja auch Dörries Reduzierung des Blickfeldes auf zwei Pole nicht folgen – aber trotzdem führen ihre Anmerkungen ins Auge des Orkans, der durch die Jetztzeit unseres Neu-Berliner Film-Geweses bläst. Hinein in die Schützengräben, aus denen – zumeist nur noch mit Schalldämpfern – geschossen wird. In die Sankt-Andreas-Spalte der Branche.
Die Simulation einer Industrie
Würde man die Planfolie einer halbwegs kommerziell funktionierenden Industrie über unsere Landschaft legen, so fiele auf, dass das ökonomische Zentrum der Filmherstellung – nennen wir’s Mainstream – nur noch einen Bruchteil der Förderfilme ausmacht. Also genau der Bereich, der am stärksten dazu geeignet sein sollte, das Publikum an sich zu ziehen, fällt von Saison zu Saison magerer aus. Es gab im zurückliegenden Kinojahr noch zwei aufs Massenpublikum hin geplante Großproduktionen (Hotel Lux, Zettl), etliche erfolgreiche Lustspiele (What a man, Rubbeldiekatz, Eine ganz heiße Nummer, Sommer in Orange) und zwei real existierende Genrefilme (Hell, Die vierte Macht). Auffallend ist in diesem Segment der relativ hohe Anteil von Regie-Autodidakten. Und Kasse machten dabei vor allem die Komödien, jene glückliche Domäne von Bully Herbig und Til Schweiger, die sich wie ein Torpedo-Beiboot abgesetzt hat vom deutschen Branchen-Tanker.
Dem gegenüber steht eine Unmenge von preiswerten Produktionen, die thematisch und formal in die sogenannte Arthaus-Schublade fallen – fast alle inszeniert von Ex-Filmhochschülern. Einige wenige dieser Filme machen jedes Jahr gute Zuschauerzahlen: Andreas Dresen zum Beispiel, jetzt auch Christian Petzold. Das gehört ja zum Status der »Independent«-Filme auf der ganzen Welt: hohe kulturelle Akzeptanz, manchmal auch überraschende Kommerzialität. Schön und gut. In der Akademiekiste finden sich: Familienprobleme, Seelenkrankheiten, Alzheimer, Krebs, Cybermobbing – und dann die gängigen Staatsthemen: Integrationskonflikte, Neofaschismus, Finanzbranchen-Kritik, RAF-Nachwehen, DDR-Aufarbeitungen et cetera. Kommen diese Filme alle auch zustande, weil sie mit ihrer thematischen Relevanz eine größere Förderungschance haben? Weil das Fernsehen, das in den Bewilligungsgremien stark vertreten ist, von Haus aus gerne die Themenkeule schwingt?






Netter und richtiger Kommentar! Ja, wir brauchen Kino, dass nicht nur von Gutmenschen und Moralisten geprägt ist, die ein Klischethema nach dem anderen immer neu dramaturgisch korrekt verwursteln. Wir brauchen eine neue Leichtigkeit, eine Abkehr von Konventionen und Denkmustern, wir brauchen Querdenker! Wenn selbst Til Schweigers Tatortvorspann solche Empörung in einer Republik von Anpassern und Fähnleinschwenkern auslösen kann, haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns. Es geht dabei nicht um Flachheit und Amerikanisierung - es geht um die Wiederannäherung an das tatsächliche Leben. Aufhören mit dem Andorra-Scheiß!
ist wegen seinem permanenten Antikommunismus und kleinbürgerlichen Kitsch sicherlich schlecht. Aber die völlige Amerikanisierung sprich die Perferktionierung der bürgerlichen Filmkunst würde dem Film in der BRD den Gnadenstoß geben. Obwohl drauf geschissen....
... in dem Fall kann es auch ruhig eine moralische Botschaft geben. Alles läuft letztlich darauf eine Story mit Tiefgang und Spannungsbogen in handwerklich gute Bilder (und Töne) im weitesten Sinne umzusetzen, um die Zuschauer zu packen von der "abendrettenden Notbremse" abzuhalten...
"Barbara" ist dafür einfach lehrbuchmäßig perfekt geraten: saftige Liebesgeschichte aus dem wirklichen Leben (40% der Paare treffen sich im/über den Job) Tiefgang und Moral, feine Dialoge, gute recherchierte Szenen + Ausstattung usw. usw., so dass man mehrere Male braucht um alle verborgenen Schichten und enthaltenen Botschaften z.B. der dramtischen Struktur, des gegenseitig gespiegelten Verhaltens in den Szenen, der kommentierenden Farbausstattung zu erfassen und dabei nie gelangweilt wird...
Letztlich kommt irgendwie auch der auf seine Kosten, der beim eingesetzten Wartburg auf die Modell-getreuen Gurte, Radkappen achtete. Die eigentliche politisch-moralische Botschaft kommt auf diese Weise fast schon eher beiläufig rüber.
... sollte der Herr Graf doch einfach seine eigenen Kriterien in die Tat umsetzen! Mit "Im Angesicht des Verbrechens" hat er uns zuletzt ein absolut gelungenes zeitgeschmacksgmäßes TV-Märchen beschieden - dann kann er es doch jetzt auch im Kino ordentlich krachen lassen, statt irgendwelche Independentfilmer zu verunglimpfen und von zarten Introvertierten zu verlangen, sie sollen sich mal besser wie die Hells Angels des neuen deutschen Kinos benehmen. Ich kann Dresens Betroffenheitssozialkitschkino auch nicht mehr ertragen, aber dann gucke ich eben was anderes... Und das statt dem ganzen "Sonnenallee"-DDR-Kabarettquark oder dem "Leben der Anderen"-Hollywoodschmonz jetzt endlich ein stiller und seinem Thema sehr angemessener DDR-Film von Petzold kommt, ist doch gut so!
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Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und äußern sachliche Kritik. Danke, die Redaktion/se
sagt mir einen deutschen film aus den letzten 20 Jahren bei denen die Schauspieler nicht hölzern gespielt haben und ich geh direkt hin und guck ihn mir an. in deutschen kinofilmen klingen die Schauspieler einfach wie radiosprecher, die viel zu eindeutig zum Publikum sprechen, als das sie den Zuschauer vergessen lassen könnten, dass die Geschichte nicht echt ist. kino ist einfach kein theater, aber das scheint irgendwie keiner zu schnallen.
... was Herr oder Frau "se" von der Zeit-online-Redaktion inzwischen schon als unsachliche Beldeidigung einstuft... Was ich sagen wollte: Der Herr Graf hat solche großen Töne doch gar nicht nötig, er kann doch einfach die Filme machen, die er hier mit großer Geste einfordert!
Ich habe 8 Jahre lang im Ausland gelebt, bin während dieser Zeit alle 1-2 Monate mal in ein schönes Programmkino gegangen und dort jede Menge bemerkenswerter Filme aus aller Welt genossen.
Bei den (relativ wenigen) deutschen Beiträgen, die es überhaupt international zu einiger Beachtung gebracht haben, bin ich in über 2/3 der Fälle regelmäßig in den Boden versunken vor Scham!
Aus aller Herren Länder, Dänemark, Italien, Mexiko, Iran, Frankreich, selbst den USA, kam ein reiches Spektrum an Filmen mit unterschiedlichsten Thematiken, Geschichten aus dem Leben gegriffen oder phantasievoll, mit raffinierten Erzähltechniken geschickt aufgebaut.
Die Deutschen dagegen müssen ständig und zwanghaft die Welt mit ihrem – Verzeihung – politischen Scheiß behelligen, entweder DDR oder Nazizeit, und obsessiver Beschäftigung mit politischer Geschichte, Selbstbezichtigungen und nahezu autistischer Nabelschau. Garniert mit ein paar Ekelszenen, und Pflichtprogramm schien es zu sein, daß in mindestens einer Szene pro Film ein männlicher Schauspieler seine nackte Banane in die Kamara halten mußte. Am Schlimmsten war es jedoch, wenn Ausländer im deutschen Film vorkamen: Die peinlichsten, plattesten Klischeedarstellungen statt individueller Charaktäre.
Diese Art von Niveaulimbo (bei gleichzeitiger unerträglicher Bedeutungsbehauptung!) muß bitte eine Ende haben!
ich hab lang nichts mehr gutes gesehen aus Deutschland. alles irgendwie langweilig, mindestens 500 langweilige Tatorts, das war´s dann aber auch gewesen. da kriegen die Israelis mit Ihren 8 Millionene Einwohnern schönere Filme hin
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