Am kleinen Flughafen Münster-Osnabrück, wo nur wenige Ferienflieger starten und ein leeres Parkhaus wartet, hat Bernd Hugenroth sich mit zwei Start-up-Unternehmen eingemietet: Klimakönner und Energielenker. Alles leuchtet kawasakigrün: Firmenlogo, Wände und Sessel, die noch Fabrikduft verströmen. Hugenroths grüne Welt.

Bernd Hugenroth, 54, macht zu Wärme, was Restaurants, Supermärkte und Privatleute auf den Müll werfen. Wer bei ihm Gas bestellt, heizt seine Wohnung auf Wunsch komplett klimaneutral. Von den rund 20 Millionen Tonnen Lebensmitteln, die in Deutschland jedes Jahr auf dem Müll landen, kommt so ein Teil wieder zu Hause an.

Aus Biogas wird meistens Strom produziert, seit einigen Jahren fließt es aber auch aufbereitet als Erdgasersatz ins Gasnetz. Hugenroth baute 2007 eine der ersten dieser Einspeiseanlagen. Darin werden Pflanzen wie Mais, teilweise auch Gülle und Klärschlamm oder neuerdings eben Abfälle aus der Biotonne vermischt. In einem Fermenter, der mit Faultürmen in Kläranlagen vergleichbar ist, werden sie vergärt. Es entsteht Biomethan. Das kann wie Erdgas dorthin transportiert werden, wo es gebraucht wird. Hugenroth setzt mittlerweile ausschließlich auf Müll. Ackerflächen etwa mit Energiemais zu blockieren und Pflanzen zu verheizen, damit es warm wird, hält er für unsinnig. »Das ist einfach nicht effizient. Ökonomisch wie ökologisch.«

Inzwischen gibt es nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (Dena) mehr als 100 Einspeiseanlagen, die Deutschland künftig unabhängiger von Gasimporten machen sollen. Zwei davon produzieren auch für Hugenroth. Bis 2030 könnten laut Dena-Prognosen mehr als zehn Prozent des deutschen Gases aus Biomasse stammen. So wünscht es sich auch die Bundesregierung. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Im vergangenen Jahr kauften bloß 150.000 Kunden Biogas-Mischprodukte, 11,5 Millionen heizten mit gewöhnlichem Erdgas weiter.

Dabei sind in ganz Deutschland die Speicher voll mit Biomethan, das die Händler nicht loswerden. Es ist einfach zu teuer, um mit den Pipeline-Produkten aus Russland oder Norwegen zu konkurrieren. Erdgas lässt sich günstig fördern, entsprechende Anlagen und Pipelines gibt es schon lange, die Transportkosten sind gering. Das importierte Erdgas kostet momentan am Spotmarkt zwischen zwei und drei Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dagegen lagen allein die Herstellungskosten für aufbereitetes Biogas nach Zahlen der Bundesnetzagentur im Jahr 2010 bei durchschnittlich 6,2 Cent pro kWh.

»Solange Erdgas so billig ist, wird sich der Markt nur sehr langsam entwickeln«, sagt Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg-Harburg. Dennoch gebe es ein großes Potenzial, zumal Biomethan hocheffizient im Energiesystem genutzt werden könne – mit entsprechenden Klimaschutzvorteilen: Im Gegensatz zu Strom ist es einfach zu speichern und liefert auch dann Energie, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint.