Desertec-Projekt : Wüstenstrom, eine Fata-Morgana?

Weil die Photovoltaik deutlich billiger geworden ist, gerät das vielversprechende Desertec-Projekt in die Bredouille.
Solaranlage in der Wüste Negev in Israel © Bright Source

Keine andere Errungenschaft grün inspirierter Technik erfüllt die Deutschen mit so viel Stolz wie der auf ihren Dächern erzeugte Sonnenstrom . Die meisten lieben den Strom aus den bläulich schimmernden Photovoltaik-Modulen – die einen, weil sie als Solarstromerzeuger in den Genuss staatlich organisierter Förderung kommen , die anderen, weil sie das gute Gefühl haben, sauberen Strom zu verbrauchen.

Trotzdem ist eine Frage nicht aus der Welt zu schaffen: ob sich das Land diesen Luxus überhaupt leisten kann. Solarenergie in Deutschland zu nutzen sei so sinnvoll »wie Ananas züchten in Alaska «, sagte der scheidende RWE-Chef Jürgen Großmann .

Ananas? Alaska? Luxus?

Womöglich erweist sich ein anderer Plan als größerer Luxus. Einer, dem nicht nur RWE etwas abgewinnen kann, sondern der die Fantasie vieler Energiewendeanhänger beflügelt: das Vorhaben, Strom aus den menschenleeren, aber sonnenreichen Wüsten Nordafrikas, erzeugt mithilfe spektakulärer Spiegelparks, in die Steckdosen deutscher Haushalte und Betriebe fließen zu lassen. Inzwischen erweist sich diese Technik der Solarenergienutzung – Concentrated Solar Power (CSP) genannt – als reichlich teuer. Auch weil die Photovoltaik auf den Hausdächern im Vergleich dazu so billig geworden ist.

Tatsächlich sinken, anders als es die öffentliche Debatte vermuten lässt, die Kosten für den PV-Strom, so das Kürzel für die Elektrizität vom Dach, rapide. Der Preis für die Module ist allein seit Anfang vergangenen Jahres um rund 40 Prozent gefallen. Das macht nicht nur die vom Bundestag beschlossenen Kürzungen bei der Solarförderung erträglicher. Obendrein bringt der Preisverfall die solare Konkurrenzenergie aus den Wüsten Nordafrikas regelrecht in die Bredouille.

Dabei war vor nicht einmal drei Jahren die Vision namens Desertec den Anhängern der Energiewende fast so wichtig wie die Mondlandung. Wie Donnerhall war das Medienecho, als sich im Sommer 2009 zwölf Unternehmen unter Führung der Münchener Rück zusammenschlossen, darunter RWE, E.on und Siemens , um den Solarstrom aus der Sahara marktfähig zu machen und nach Deutschland zu schaffen. »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit«, das dachten damals viele. Der inzwischen verstorbene »Solarpapst« aus den Reihen der SPD , Hermann Scheer, konnte der Idee zwar nichts abgewinnen – auch weil ihm schwante, das gigantische Vorhaben würde die Macht der großen Energiekonzerne zementieren. Aber Industriemanager, die Hochfinanz und selbst Greenpeace waren sich ausnahmsweise einmal einig: Desertec habe Zukunft.

Heute sagt Markus Lohr, Chefanalyst des Marktforschungsinstituts EuPD-Research in Bonn, er könne das Geschäftsmodell für die solarthermischen Wüstenkraftwerke, das technologische Rückgrat von Desertec, nicht mehr erkennen. Sven Teske, Projektmanager bei Greenpeace und Co-Autor eines Masterplans zur Rettung des Weltklimas, sagt, der Preisverfall bei der Photovoltaik habe die solarthermische Stromerzeugung »extrem unter Druck gebracht«. Das Fachblatt Erneuerbare Energien verabschiedete die CSP-Technologie bereits mit einem Artikel unter der Überschrift Abgesang auf Raten. Und Josef Auer, Energieforscher in Diensten der Deutsche Bank Research erklärt, das Rennen zwischen dem Wüstenstrom und anderem erneuerbaren Strom sei »offen und für Investoren insofern riskant«.

Die Skepsis kommt überraschend, denn die solarthermische Stromerzeugung hat sich bereits in der Praxis bewährt. CSP beruht auf der Konzentration von Sonnenstrahlen mithilfe von Spiegeln. So entsteht enorme Hitze, mit der Wasserdampf erzeugt werden kann. Damit lässt sich eine Turbine antreiben, wie in gewöhnlichen Dampfkraftwerken – nur dient eben die Urkraft der Sonne als Energiequelle. Trotzdem ist das Interesse an der Errichtung der großen solarthermischen Kraftwerke mit ihren riesigen Spiegeln, tonnenschweren Stahlgerüsten, langen Hitzeabsorbern und ausgewachsenen Turbinenhäusern gering geblieben. Deshalb kam es bei der Solarthermie nicht zu den Kostensenkungen, die junge Technologien in wachsenden Märkten üblicherweise erfahren – während Förderprogramme den Weltmarkt für die kleinteiligen Photovoltaik-Anlagen rasch wachsen ließen. Dieses Wachstum hat die Technik so billig werden lassen, dass Solarstrom vom Dach selbst im eher schattigen Deutschland mittlerweile erstaunlich günstig erzeugt werden kann: für weniger als 20 Cent pro Kilowattstunde. Das ist weniger, als Haushalte für Strom aus der Steckdose zahlen müssen, und nicht einmal die Hälfte des Betrages, mit dem die Photovoltaik noch vor drei Jahren zu Buche schlug.

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Kommentare

151 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Ich bin zwar kein besonderer Anhänger von Subventionen....

...noch finde ich es sehr sinnvoll Kosten von Anderen Tragen zu lassen (hier der Stromkunde), als vom Verursacher (Regierung bzw Steuerzahler), weil das neben allen rechtsstaatlichen und Gerechtigkeiten Fragen, sehr teuere Allokationsverschlechterungen also unnötige Wohlfahrtsverschlechterungen mit sich bringt und nur daher gemacht wird, weil es für die Politik einfacher ist die wirklichen Kosten vor dem Wähler zu verbergen.

Alles das außen vor. Der Preis für Strom aus dieser Technologie ist weit schneller als jedenfalls ich erwartet hätte. In sonnenreichen Gegenden ist die Energie daraus offenbar konkurrenzfähig, wenn auch es in Deutschland dies mit 20 Cent also zum doppelten Preis konventioneller Energie nicht ist. Aber im Sonnengürtel scheint die Sonne mehr.

Für mich ist hier die Lehre für Die Grünen: Bravo! Ihr beweist mit den deutschen Subventionen, dass GW Bush recht hatte. Sein Standpunkt war, dass nur eine verbesserte Technologie die CO2 Problematik lösen kann. So scheint es zu laufen.

Strom wird gehandelt

z.B. an der EEX.

Die Börsenpreise sprechen übrigens eine eindeutige Sprache: deutscher Strom ist desto billiger, je höher die EE-Einspeisung ist. Ganz einfach nachzulesen unter eex.com.

Am heutigen Tage sieht man dort:

Hohe PV-Einspeisung dank Sonne im Land. Der europäische Strompreisindex ELIX liegt bei 47.15 Euro für Grundlaststrom.

Der deutsche Börsenpreis: darunter. Die Preise in Frankreich: darüber. In der Schweiz: deutlich darüber (und das ist praktisch dauernd so.)

(Und die deutsche Einspeisevergütung wird selbstverständlich nicht aus Steuergeldern bezahlt.)

Mit den Geschäften zufrieden?

Sind die Bedingungen, die den Verbrauchern von den Energieriesen und den Mineralölkonzernen gestellt werden, wirklich so, dass die Verbraucher mit diesen Geschäften zufrieden sein können?
Und werden die Produzenten von PV-Strom aus Steuern subventioniert?
Ist nicht eher die Erforschung der Kernenergie (Stichworte: Kernforschungszentren, Schneller Brüter, Endlagerung) mit Steuermitteln ermöglicht worden?

Anschubfinanzierung

Das EEG in der ursprünglichen Fassung sollte für eine "Anschubfinanzierung" der regenerativen Energien sorgen, das ist wirklich gelungen.
Zum Glück haben alle "Fachleute" darüber damals nur gelächelt und die Auswirkungen weitgehend ignoriert. Allein dadurch war der Erfolg möglich. Jetzt bekommen die "Fachleute" mit, was da passiert ist und jetzt werden die Notanker ausgeworfen, damit die vorhandene Macht- und Versorgungsstruktur ja bestehen bleibt. Es ist nur blöd, wenn der kleine Häuslebauer sich mit seiner Solar-, bzw. PV-Anlage von den Energielieferungen der Konzerne unabhängig machen kann. Wo bleibt denn da das Erpressungspotential?

Und nach der Mittagspause ist dann Schluss

Zur Mittagsszeit soviel wie 15 Atomkraftwerke, soso lassen wir das mal stehen. Leider ist dann nach Der Mittagspause wegen einem Wolkenband schluss.

Und an welchem Tag ist das ?auch am 24.12.XXXX und auch um 24:00 :-)

Diese Propaganda Mätzchen haben wir 20 Jahre von einem Herrn Scheer und seinem Freundeskreis gehört. Irgendawnn ist der Gag mal durch.

MFG

Wer hat hier nicht nachgedacht?

"Ihre Anmerkung, Handel sei immer Übervorteilung, ist natürlich Quatsch, und zeigt, dass Sie nie darüber nachgedacht haben, sondern Parolen ventillieren.

Handel ist immer Vermögenstausch auf Freiwilligkeit."

Wenn ich Ihre Defintion von Handel konsequent anwende, wird auch niemand durch die Photovoltaik ausgebeutet.
Wenn Sie keine elektrische Energie beziehen, erhält jemand, der eine PV-Anlage betreibt auch keinen Cent von Ihnen.
Wenn Sie dagegen elektrische Energie beziehen, erfolgt dies immer über ein EVU-Unternehmen und dessen Profit können Sie im Unternehmensbericht nachlesen.
Der Hinweis auf die Einnahmen der PV-Betreiber ist in meinen Augen eine subtile Form der Neiddebatte.
Wenn mein Nachbar eine PV-Anlage betreibt, dann kann ich es sehen.
Wenn er Aktien eines EVU-Unternehmens mit dem gleichen Nennwert in seinem Tresor hat, sehe ich es nicht.
Bleibt die Frage: Wer erzielt die größere Rendite?

Zufällig

ist PV genau das, was am Tage gebraucht wird - kostengünstiger Spitzenlaststrom. Ein Blick auf die Daten bei eex.com hilft, insbesondere auch zusammen mit einem Blick auf die Börsenpreise. Stundenkontrakte lügen nicht.

Und der verstorbene Herr Scheer scheint Recht zu behalten, was Großprojekte der zentralisierten Energieversorgung betrifft, die irgendwie alle mit ähnlichen Problemen kämpfen.

deshalb

zieht diese technologie ja auch den blanken hass derer die aus diesem geschäft ihren hauptprofit ziehen auf sich.
nur mal die differenz errechnen zwischen der eeu und dem was mitags strom so kostet.
und das tun sich die netzbetreiber rein
zusätzlich zu dem geld das sie sich vom kunden als eeu auszahlen lassen
das erzeugung und netz getrennt sind bedeuted damit für die alt-erzeuger einen gewinn einbruch der zum nachberechnen des realen profites ihrer anlagen zwingt(weil sie die mittäglichen spitzeneinnahmen nichtmehr kassieren können sondern, da die bereits bezahlten ee mit einem kurs von 0 an der börse verbucht werden, für das was sie "NOCH" liefern dürfen auch noch gedrückte kurse hinnnehmen müssen)
ich währe auch "not amused" wenn ich neue anlagen in auftrag gegeben hätte die jetzt warscheinlich noch ein jahrzehnt mehr für den roi brauchen - wenn sie den überhaupt noch hinnkriegen und nicht vorher schon marktinkompatibel werden
vertragsstrafen kann man allerdings nicht so gut von der steuer absetzen wie investitionen, weshalb dann trotzdem gebaut wird
der staat braucht das geld schlieslich nicht-oder ;)?

Zufällig ist zufällig

Sie sagen das ganz richtig "Zufällig ist PV", scheinen sich aber nicht der Konsequenz des Begriffs Zufall im klaren zu sein.

PV-Strom ist kein Spitzenlaststrom ,das ist etwas was halt zufällig da ist, und sie können bestenfalls ungefähr abschätzen was morgen kommt.

Solange der PV-Strom auf dem Rücken eines konventionellen Energiesystems schmarotzen kann is alles OK.
Die Öko-Jubelperser haben Erfolgsmeldungen und wir fühlen uns so schön grün.
Ist ihr EE-Strom das Rückgrat des Systems müssen sie die Zufälligkeit weg bringen=Speicher.
Kleine Meldung aus meiner Lokalpresse: auf der Schwäbischen Alb werden jetzt vier Pumpspeicherkraftwerke geplant je(?) 1 Million kWh. Ein Witz gemessen and den Energiemengen,die wir umsetzen.

Zum Nulltarif kriegen Sie das auch nicht. Womit wir beim Preis wären. Ihre Stundenkotrakte lügen,denn:

-der Preis von PV-Strom liegt noch immer bei 20ct/kWh ein konventionelles Kraftwerk macht das für 3-5ct, selbst bei den prognostizierten 9ct 2015 im Artikel liegen sie noch drüber.

- Über CO2-Zertifikate, EEG, Vorrang Grünstrom etc. verzerren sie den Markt.

- Endkundenpreise sind seit der Liberalisierung des Strommarktes deutlich gestiegen- Dank EEG UND Mwst. Meldung heute :"immerm mehr sozial schwache Mitbürger können ihre Stromrechnung nicht mehr zahlen".

- Es ist ermüdend, aber keiner sagt was die Energiewende am Ende kosten. Wenn sie Ihren PV-Strom für O,0 ct bekommen das GESAMTSYSTEM müssen sie trotzdem bezahlen.

MFG

Brüder zur Sonne, zur Freiheit....

Bzgl. Herrn Scheer, was ich von ihm gelesen habe zeigt mir einen Sozialromatiker, der das Solarthema als Vehikel und Perpetuum Mobile benutz um seine Vorstellungen einer Gesellschaftsordnung zu plazieren.

Zurück zur "solaren" Scholle, zur kleinen Einheit, zum autarken solaren Dorf, die Sonne schenkt uns alles was wir brauchen, weg mit allem was mit Kapitalismus zu tun hat. Kommunistische Revolution mit solaren Mitteln.

Nun die Energiewende ist ein Grossprojekt der zentralisierten Energieversorgung anders geht es nicht, deshalb hat ein Herr Scheer schon heute Unrecht.

MFG

Zum Kommentar 137 von Ulrich Nehls

Dort heißt es "Zufällig ist PV genau das, was am Tage gebraucht wird - kostengünstiger Spitzenlaststrom. Ein Blick auf die Daten bei eex.com hilft, insbesondere auch zusammen mit einem Blick auf die Börsenpreise."
.
Dort sehen Sie ganz deutlich, wie der deutsche Strompreis v.a. am Wochenende in der Mittagszeit in die Knie geht, weil PV in Deutschland eben schon mehr als die Spitzenlast abdeckt. Jede weitere kWh ist damit nicht mehr so wertvoll wie z.B. in den USA, wo für die Mittagsspitze noch konventionelle, teuere Spitzenlastkraftwerke benötigt werden, oder in Indien, wo bei hoher Tageslast schon mal der Strom ausfällt.

Man höre und staune

Eine kwh aus Photovoltaik kostet 20 cent.

und nun sage mir noch einer wir brauchen neue Trassen, für diesen Strom! Wir können Trassen abbauen!

So, dann stellt sich mir die Frage, für wen brauchen wir diese riesigen Trassen?

Na? Für die Industrie. Vielleicht sollten sich hier die Marktwirtschaft und die Produktionsfaktoren durchsetzen.

Wer eine Aluhütte betreibt kann sich ein Gaskraftwerk bauen, oder einfach zu den Windparks ziehen. Wird von den Hartz IV´lern auch erwartet! Mobilität! Das Zauberwort unserer modernen Wirtschaft!

Entschuldigung ich vergaß, das Motto der deutschen Wirtschaft ist ja Ausgaben und Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren!

Der Herr Scheer hatte schon recht, wenn er RWE kritisch gegenüber stand!
Wer Clement neuerlich in Diskussionen um den Atomausstieg sieht, begreift was Zeitarbeiter nach Clements Zeitarbeitergesetz auszuhalten haben.

Hat mal jemand überlegt,

dass die Sonneneinstrahlung in den fraglichen Wüstenregionen viel gleichmäßiger ist, und dass die dortigen Länder die gewonnene Energie vielleicht für den Aufbau einer eigenen Industrie nutzen können? Die haben nämlich längst nicht alle große Erdöl/Erdgas-Lagerstätten! Außerdem würde jeder Ersatz fossiler Energieträger die Gesamt-CO2-Bilanz verbessern.

Aber eine ernsthaft Diskussion kann erst dann beginnen, wenn die ökologische Bilanz der Herstellung und Entsorgung der Photozellen und der notwendigen Akkus usw. in die Betrachtung miteinbezogen wird.

Was die Erzeugung und spätere Entsorgung von genügend Photozellen und Akkus für 7 Milliarden Menschen für die Umwelt bedeuten wird, mag man sich noch gar nicht vorstellen.

aluhütten?

meinen sie sowas wie den hamburger betrieb der dicht machen musste
als der (staatlicherseits geschlossene)vertrag über den bezug von strom unter herstellungskosten aus den örtlichen akws auslief(abgeschlossen um die neubauten damals zu legitimieren)
und der neue versorger vattenfall keinen grund sah warum er deren geschäft finanzieren sollte?
ach so
die meinten sie wirklich
na dann

Alu in Hamburg

Bitte mal nachlesen, aus der Erinnerung: HEW Vertrag mit Aluhütte. war so 2-4 pfg / kwh ( pfg = DM/100)
Prozess,von Hew, da Abnahmemenge der Aluhütte nicht Vertragsgemäss ( hätten die bei Verlustgeschäft sicher nicht gemacht )
Dann Prozess der Aluhütte gegen Stadt, weil Ausbaustufe nicht genehmigt wurde ( daher keine Vertragserfüllung möglich )
Witz dabei: Der Stadt gehörte die HEW
aber die Anwälte haben bei den Schadenssummen gut verdient.

Energierücklaufzeit

"Aber eine ernsthaft Diskussion kann erst dann beginnen, wenn die ökologische Bilanz der Herstellung und Entsorgung der Photozellen und der notwendigen Akkus usw. in die Betrachtung miteinbezogen wird."

Bei PV dauert es pi mal Daumen 2 Jahre bis die investierte Energie wieder raus ist. Bei mehr als 20 Jahren (können auch 30 oder 40 Jahre sein) Laufzeit ein guter Tausch.
Die Entsorgung ist nicht so energieaufwändig, da der Löwenanteil der Energie das Schmelzen des Siliziums ist und das fällte ja nur für die Produktion an.
Außerdem wird die Bilanz immer besser werden, da mit steigendem Wirkungsgrad und Einsparungen in der Produktion immer mehr Energie erzeugt werden kann dafür dass immer weniger Energie verbraucht wird.

Zu Akkus kann ich wenig sagen, auch weil es da auch zu unterschiedliche Technologien gibt.

Sie kennen sich aber aus!

Z.B. liegen die einzigen wichtigen Rohstofflager (Phosphat) Marokkos in Wüstenähnlichen Gegenden - und ich nehme an, bei der Weiterverarbeitung wird einige Energie gebraucht. Ebenso besitzt Mauretanien große Eisenerzvorkommen in Zouerat - schauen Sie mal auf die Karte, wo das liegt. Vielleicht können die Strom in der Wüste gebrauchen?

Wikipedia:
"Marokko ist reich an Phosphat, etwa 75 % des weltweit geförderten Phosphats stammen aus Marokko. Daneben gibt es Vorkommen von Erdöl, Erdgas, Kohle, Salz, Eisenerz, Blei, Kupfer, Zink, Silber, Gold, Mangan, Nickel, Cobalt. Seinen Bedarf an Energie kann Marokko jedoch nur zu rund 13 % aus eigenen Mitteln decken. ... Im November 2011 erhielt Marokko die Zusage zur Förderung der Solarenergie von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel. Sie soll 80 Millionen Euro betragen und in den Bau einer Solaranlage und einer Wasserentsalzungsanlage investiert werden und gehört zur Desertec-Initiative. Marokko kündigte daraufhin an, seine Stromproduktion bis 2016 um 86 Prozent zu erhöhen."

Dazu kommt noch die Möglichkeit, an der Küste Meerwasserentsalzung zur Trinkwassergewinnung zu betreiben ...

Man sollte es einfach mal ausprobieren, bevor man kategorische Urteile fällt.

na und?

Erstens sind die Strompreise in China und anderen Ländern niedriger weil sie aus politischen Gründen staatlich subventioniert werden. Das wäre auch bei Wind und PV so.

Zweitens ist der Preisunterschied zu chinesischen Modulen nicht auf das Silizium zurückzuführen sondern auf die Weiterverarbeitung von Wafern zu fertigen Module. Einer der Weltmarkt(preis)führer für PV-Silizium ist Wacker Chemie mit Standorten in:
Burghausen (Deutschland)
Freiberg (Deutschland)
Portland, OR (USA)
Singapur
Hikari (Japan)

Drittens würde bei einer Energierücklaufzeit von 2 Jahren und einer Ausbeute in Deutschland von 1000 kWh/kWp und einem hohem Preisunterschied von 5 ct/kWh zwischen billigem, dreckigem und teurem, sauberen Strom das kWp nur 100 Euro teurer werden (+~15%).

Energiebedarf in Nordafrika

"bei der Weiterverarbeitung wird einige Energie gebraucht. Ebenso besitzt Mauretanien große Eisenerzvorkommen in Zouerat... Vielleicht können die Strom in der Wüste gebrauchen?"

Nur findet die Weiterverarbeitung der Erzvorkommen leider nicht dort statt und ich vermute auch nicht, dass in Mauretanien in absehberer Zeit große Stahlwerke entstehen (die brauchen neben der Energie übrigens auch große Mengen Brauchwasser).

Wenn man den tatsächlichen Nutzen der Solarthermie in Afrika/den arabischen Staaten seriös analysieren will, bräuchte man zuerst verlässliche und detaillierte Daten über den Energiebedarf. Sprich, wer verbraucht für was und zu welchen Tageszeiten Energie und wie wird sich dieses Schema entwickeln?
Leider ist meines Wissens Ghana das einzige afrikanische Land, in dem von der dortigen Energy Commission ein solch detailliertes Szenario erstellt wurde. Und dort stellte man fest, dass der Zuwachs an Energieverbrauch hauptsächlich tagsüber stattfindet und sehr dezentral abgerufen wird (Nahrungszubereitung, Handwerk, Büros, Klimaanlagen). Also genau zu den Zeiten, zu denen PV Strom erzeugen kann. Bei vielen anderen Staaten in Afrika/Arabien dürfte das ähnlich sein.
Wenn der Nachteil der nächtlichen Nichtverfügbarkeit aber nicht sehr ins Gewicht fällt, ein deutlicher Kostenvorteil der PV gegenüber Solarthermie existiert und zudem bei der PV ein viel einfacherer Markteintritt lokaler Handwerksbetriebe möglich ist, dann dürfte die Präferenz schnell klar sein.

Ihr Kommentar zeugt von Unkenntnis

und Ideologie. Was hat es denn mit "Verluste zu sozialisieren" zu tun? Mit Verlaub: Das ist doch ziemlicher Käse.

Die einzigen, die Gewinne einstecken und die Kosten sozialisieren, sind die Solarzellen- und Windmühlenbetreiber. Diese profitieren davon, dass man ihnen ihre dusslige Energie abkaufen muss. Der Aluhüttenbetreiber hat mit einem Stromlieferanten einen Vertrag und dieser ist so lukrativ für den Lieferanten, dass er dem Kunden einen kräftigen Mengenrabatt einräumt. Dadurch ist das Kraftwerk ausgelastet und der Lieferant kann seine Ware besser disponieren und davon hat die gesamte Volkswirtschaften einen großen Gewinn.

Wenn Sie fordern, dann der Aluhüttenbetreiber sein eigenes Gaskraftwerk betreiben sollen, dann legen Sie auch noch die Axt an der Quelle unseres Wohlstandes: Arbeitsteilung. Wenn es wirtschaftlich wäre, hätte der Aluhüttenbetreiber schon lange sein eigenes Kraftwerk. Das hat er aber nicht, genausowenig wie viele Firmen keinen eigenen Fuhrpark betreiben, sondern Autos mieten.

jajaja

klar
unheimlich rentabel wenn der alupruduzent sich nichtmal leisten kann die steuern und abgaben zu zahlen klingt das nach nem richtig bombigen geschäft von dem wir unbedingt mehr brauchen - am besten mit aufstockerpersonal
nebenbei gehen sie auf das relevante argument:mobilität, gar nicht ein
das sich daraus auf dauer ein nordoststandortvorteil entwickeln wird, wg geringer verluste -> hoher gewinne pro produzierter kwh,ist ihnen aber schon klar
??
natürlich kann man 2 strategien fahren
die ees vom markt blocken
oder einfach sagen
wer zu spät kommt den...

Damit wurde sogar geworben

"traurig das nach 3 Jahren anscheinend immer noch nichts Konkretes passiert ist. Der Strom und die Arbeitsplätze könnten doch auch vor Ort gut gebraucht werden."

Als Desertec herausposaunt wurde, warb das Konsortium explizit damit, dass der dort erzeugte Strom vorrangig den afrikanischen Staaten zukommen soll, um beispielsweise Meerentsalzungsanlagen zur Trinkwasserversorgung betreiben zu können und eine bessere industriewirtschaftliche Entwicklung in Afrika voranzubringen.
Die erzeugten Stromüberschüsse sollen nach Europa fließen und dort einen errechneten Anteil von 15 Prozent der erzeugten Energie ausmachen, 2050.
Wie sich zeigt sind Gier und Geiz eben doch geiler, wenn man kurzsichtig ist und sich weigert eine Brille zu tragen.
In dem Zusammenhang bin ich mal gespannt, wenn in 15-20 Jahren die erste PV Modul-Entsorgungswelle über Deutschland schwappt. Wohin mit dem Zeug?

MfG
AoM

Antwort auf: 24. Damit wurde sogar geworben

In dem Zusammenhang bin ich mal gespannt, wenn in 15-20 Jahren die erste PV Modul-Entsorgungswelle über Deutschland schwappt. Wohin mit dem Zeug?

Wenn sie für das Recycling nicht zu kostbar sind, kann man sie einfach wegwerfen. Letztendlich bestehen sie ja nur aus geeignet gereinigtem Sand mit ein wenig aufgebrachtem Metall. Keine Flüssigkeiten, keine Gase und schon gar keine Radioaktivität.

Allerdings denke ich, dass ein Recycling attraktiv sein wird.

Und wie ist es mit der Umweltverträglichkeit

bei der Herstellung?

In anderem Zusammenhang habe ich mal vor vielen Jahren etwas über die Kehrseite der Chip-Produktion in USA gelesen. Da wurde fast alles eingesetzt, was die Chemie an Gruseligem zu bieten hat ...

Sowas sollte auch in die Öko-Bilanz (die seltenen Erden aus China z.B., und wie Silizium und andere halbleiter-Grundstoffe geätzt werden usw.)

Die Sache ist eigentlich ganz einfach

Solange Strom dezentral produziert und verteilt wird (eben auch mit Hilfe von Desertec), haben Stromkonzerne ein gesteigertes Interesse an dieser und anderer Formen der Energieproduktion. Ich als Verbraucher bin aber sehr für eine dezentrale Stromversorgung. Warum? Weil sie Strom langfristig billiger macht. Hätte ich die Chance, mir Photovoltaik-Module aufs Dach zu packen, würde ich es tun. Egal ob vom Staat gefördert oder nicht. Denn das Ziel wäre, mein eigener Stromproduzent und Verbraucher zu sein. Ich würde mit Strom sicher auch anders umgehen. Und wenn ich am Ende den überschüssigen Strom ins Netz einspeisen kann und dafür eine angemessen Entlohnung bekomme, fände ich das nur fair.

Dezentralisierungsgeblubber.

Was bitte ist denn an Sonnenenergie dezentral? Die Sonnen nennt man nicht umsonst "Zentralgestirn". Mehr Zentralismus geht doch kaum.

Die normale Kraftwerksstruktur ist schließlich nicht zentral, sondern dezentral. Oder haben wir in Deutschland einen fetten Kraftwerksblock? Nein, haben wir nicht. Die Kraftwerke sind über das ganze Land verteilt. Die Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke erzeugen den Strom da, wo er benötigt wird und wann er benötigt wird. Das ist eine dezentrale, die Versorgungssicherheit schafft.

Dezentrale Strukturen kosten aber auch mehr was die Wartung angeht. Deswegen kann man Kraftwerke auch nicht unendlich klein machen.

Solaranlagen verknüpfen die hohen Kosten von dezentralen Strukturen mit den Nachteilen der zentralen Strukturen. Die alte Kraftwerksstruktur aber, bestehend aus Gas-, Kohle- und Kernkraftwerken, ist aber natürlich gewachsen, und so ausgerichtet, dass man am Markt einen hohen Gewinn erzielen kann. Dadurch ist diese Kraftwerkslandschaft viel stärker und verknüpft die positiven Seiten von Großkraftwerken ("Zentralismus") mit Dezentralisierung. Denn der Gewinn, kommt ja nicht von ungefähr. In Norddeutschland Windparks zu errichten, um Energie zu "ernten", ist in etwa so, wie einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen zu wollen. Der Gewinn zeigt doch an, ob es sinnvoll ist oder nicht.

Anders als die Linken sehe ich in der Gewinnabsicht eines Konzerns auch nichts verwerfliches.

Bonkerzonker, ich gebe Ihnen mal ein Beispiel

"In Norddeutschland Windparks zu errichten, um Energie zu "ernten", ist in etwa so, wie einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen zu wollen."

Diese Aussage verstehe ich nicht. Ich wohne in Norddeutschland (zwischen den Meern), und ich kann Ihnen versichern, daß die Bauern hier sich ganz freiwillig Windkraftanlagen auf die Äcker stellen. Ob Sie es glauben oder nicht: Hier weht ne Menge Wind, und man kan mit Windkraftanlagen ne Menge Geld verdienen.

Desweiteren behaupten Sie, die Linken wollten nicht, daß Unternehmen Geld verdienten. Quatsch! Ich kenne so einige selbstständige Unternehmer, die Mitglied der Linken sind und sogar auf kommunaler Ebene antreten.
Der Verwurf ist nicht die Gewinnabsicht - die hat jeder Arbeitnehmer. Der Vorwurf ist die Sozialisierung von Verlusten ohne Not. Wendelin Wideking hat Subventionen abgelehnt mit den Worten "Luxus und Stütze passen nicht zusammen". Jetzt wissen Sie auch, weshalb Herr Ernst einen Porsche fährt! ;-) Naja, mittlerweile bekommt auch Porsche Subventionen - es sind dort halt nicht mehr die alten Leute mit Format am Ruder.