Tatsächlich steht außer Zweifel, dass die Solarthermie noch deutlich billiger werden kann. Sinkende Kosten versprechen vor allem Turmkraftwerke, die aussehen, als gehörten sie zur Kulisse eines Science-Fiction-Films. Drei solcher Anlagen stehen bereits in Andalusien . Hunderte Spiegel, Heliostaten genannt, richten dabei die Sonnenenergie auf die Spitze eines Turmes und lassen extrem hohe Temperaturen entstehen. Bei der üblichen Parabolrinnentechnologie lenken gekrümmte Spiegel die Sonnenkraft auf lange und teure Rohre aus Stahl und Glas, in denen Thermoöl zirkuliert.

Der Austausch dieses öligen Wärmeträgers durch Salz verspricht weitere Kostensenkungen, zumal Salz ohnehin bereits als Wärmespeicher für die Nachtstunden dient. Kostensenkungen von 40 Prozent und mehr seien durchaus drin, sagt Robert Pitz-Paal, Direktor des Instituts für Solarforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Rund 10 Cent pro Kilowattstunde, teurer dürfe solarthermischer Strom am Ende nicht sein, soll er konkurrenzfähig werden, so der Experte. Heute kostet er mehr als doppelt so viel.

Das Problem: Je häufiger die Solarthermie wegen der aktuell bestehenden Kostennachteile bei Investitionsentscheidungen das Nachsehen hat, desto weniger wahrscheinlicher wird die Erschließung der Potenziale zur Kostensenkung. Auch deshalb sagt der Geschäftsführer des Desertec-Industriekonsortiums, Paul van Son: »Wir sind von der Technologie her neutral.« Niemand solle sich einbilden, zu wissen, welche Technik langfristig überleben werde, sagt er. Das ist eine elegante Distanzierung von der solarthermischen Stromerzeugung, mit der Desertec vor knapp drei Jahren für so viel Furore sorgte. Die Energie der Wüsten – ob sie mit Windrädern, Solarmodulen oder solarthermischen Kraftwerken erschlossen wird, das ist plötzlich eine offene Frage.

Immerhin, das Desertec-Konsortium hat inzwischen mit der marokkanischen Agentur für Solarenergie ein erstes Referenzprojekt vereinbart: 500 Megawatt (MW) Wüsten-Power. Über ein bereits vorhandenes Stromkabel soll Elektrizität auch nach Spanien geleitet werden, probeweise. Allerdings werden nach Lage der Dinge vorerst nur 150 MW als solarthermisches Kraftwerk geplant. Die restlichen 350 MW? Abwarten. Derweil eruiert Dii-Mitglied RWE, in Nordafrika zu investieren – in ein oder mehrere Photovoltaik-Kraftwerke.

Zu allem Übel steht auch die Finanzierung des Referenzprojekts längst noch nicht. Die potenziellen Finanziers, darunter auch die Bundesregierung, seien »sehr vorsichtig, Geld auf den Tisch zu legen«, sagt Desertec-Mann Paul van Son. Ohne Darlehen, Zuschüsse oder Abnahmegarantien, so viel ist sicher, fließt aber keine Kilowattstunde Wüstenstrom.

Sollte der Stern der Solarthermie untergehen, wäre das nicht einmal eine Premiere. Schon 1916 sollte im damaligen Deutsch-Südwestafrika eine Demonstrationsanlage entstehen. Der Erste Weltkrieg kam dazwischen – und das aufkommende Erdölzeitalter.