Sandro Gaycken"Keiner redet über diesen Krieg"

Der Berliner Computersicherheitsexperte Sandro Gaycken über die jüngsten Attacken auf den Iran – und die Gefahr für Deutschland.

Die iranische Ölindustrie war vor kurzem Ziel eines Angriffs mit Computerprogrammen.

Die iranische Ölindustrie war vor kurzem Ziel eines Angriffs mit Computerprogrammen.

DIE ZEIT: Am Montag hat der Iran von einer »Cyberattacke« auf sein wichtigstes Ölterminal berichtet. Und 2010 legte schon mal ein Computerschädling namens Stuxnet iranische Nuklearanlagen lahm. Ist das jetzt das neue Zeitalter der sogenannten Cyberkriege?

Sandro Gaycken: Was da im Iran gerade im Detail geschehen ist, weiß man noch nicht. Insofern möchte ich jetzt noch keine weitreichenden Schlüsse ziehen. Anscheinend handelte es sich aber um einen Computerwurm, der relativ schnell entdeckt wurde und der angeblich auf Datenklau und Datenlöschungen aus war.

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ZEIT: Wenn man vor ein paar Jahren erzählt hätte, dass der Iran durch eine Cyberattacke angegriffen worden sei, hätte man wohl als Antwort gehört: Geht weiter James-Bond-Filme gucken!

Gaycken: Ja, aber solche Vorkommnisse haben die Fantasiewelt längst verlassen. Schon 2009 und 2010 gab es Fälle, die mit dem vergleichbar sind, was jetzt im Iran passiert sein soll: Damals wurde eine Reihe von Erdölunternehmen angegriffen, und zwar mit sehr hoch entwickelter Spionagesoftware. Damals wurden allerdings Geodaten über neu entdeckte Ölfelder geklaut. Man kam schnell überein, dass hinter diesem hoch entwickelten Angriff Staaten stecken mussten, zumal nur Staaten mit solchen Daten etwas anfangen können.

ZEIT: Genau weiß man es aber nicht?

Sandro Gaycken
Sandro Gaycken

forscht an der Freien Universität Berlin und ist Experte für Cyberwar und Hochsicherheits-Infrastrukturen. Er berät die Bundeswehr, das Bundesverteidigungsministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Thema Cyberkrieg und Cybersicherheit. Im April ist sein Buch Cyberwar – Das Wettrüsten hat längst begonnen im Goldmann Verlag erschienen.

Gaycken: Man weiß es nie so genau, das ist ja auch das Problem der jetzigen Attacke im Iran. Vielleicht steckte ein anderer Staat dahinter, einer der Feinde des Irans, der Wirtschaftssabotage betreiben oder einfach seine Macht demonstrieren wollte. Vielleicht haben aber auch Cyberkriminelle versucht, Daten zu entwenden, um beispielsweise an der Börse damit zu spekulieren. Unter Umständen ist ein Computerschädling anderswo ausgebrochen und dann zufällig auf diesen Anlagen gelandet. All das wäre plausibel. Am Ende könnte sich die Sache sogar noch als Propagandatrick herausstellen.

ZEIT: Wie groß ist im Allgemeinen der Schaden, der bei solchen Angriffen angerichtet wird?

Gaycken: Das ist sehr unterschiedlich, und eine Einschätzung ist schwer möglich, weil in der Vergangenheit oft maßlos übertrieben wurde. Umgekehrt weiß ich aber tatsächlich von einer großen Zahl sehr schwerwiegender Attacken, habe jedoch ein Problem: die massive Geheimhaltung. Man weiß, dass sehr viele Angreifer auf einem sehr hohen Niveau auch in staatlichen und industriellen Computersystemen in Deutschland unterwegs sind. Wenn man guckt, findet man auch welche.

ZEIT: Wo muss man da gucken?

Gaycken: Vielfach sind Unternehmen betroffen, Banken und Börsen, und die wollen das natürlich nicht öffentlich machen. Sie wollen das Vertrauen ihrer Kunden nicht verlieren. An der Börse etwa gibt es sehr regelmäßig High-Level-Incidents, wo manipuliert wird, aber die Details werden quasi nie preisgegeben. Im staatlichen Bereich gibt es ebenfalls sehr viele sehr ernst zu nehmende Fälle von Sabotage, Manipulation und Spionage, aber die unterliegen der staatlichen Geheimhaltung. Keiner redet über diesen Krieg.

ZEIT: So klingt das klassische Raunen aus der Schlapphutszene: »Da gibt es schlimme Dinge, aber ich darf nicht darüber reden.« Warum sollte man Ihnen glauben?

Gaycken: Genau, das ist das Problem. Ich trete schon länger sehr für eine größere Transparenz ein. Unternehmen und die classified community bei den Militärs und in Regierungsorganisationen sollten ihre Erkenntnisse zumindest gegenüber Forschern stärker offenlegen. Das wäre überhaupt erst die Grundlage, um eine vernünftige Abwehr zu organisieren und sich dabei auf die richtigen Dinge zu konzentrieren.

Leserkommentare
    • joG
    • 27.04.2012 um 10:25 Uhr

    ....Spionage und Sabotage per Internet mehr Transparenz braucht. Das braucht es an so vielen Stellen, dass mich es auch hier nicht wundern würde.

    Andererseits liest man seit 10 (?) Jahren relativ viel über die Aktivitäten auf diesem Bereich. So wundert mich eigentlich gar nicht, dass im unterschwelligen Krieg mit Iran auch solche Waffen verwendet werden.

  1. Das Pentagon hat gerade große Fortschritte bei der Entwicklung von Cyberwaffen gemeldet: http://www.reuters.com/ar...

    Die USA verfügen über ca. 10.000 Mann starke Cyberstreitkräfte, die im US Air Force Cyber Command und der 10. US-Flotte zusammengefast sind. Die drehen sicher keine Däumchen.

  2. die Aussage. also man solte Geheimattacken veröffentlichen, aus Gründen der Transparenz?

    Glauben Sie nicht auch, das das ein wenig fahrlässig wäre ? ... tut mir leid, kann die Argumentation hier in keinem Fall nachvollziehen.

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    Der Widersinn dieses Artikels ist mir auch aufgefallen.
    Auch die Behauptung der virtuelle Krieg wäre kein Thema läßt vermuten Hr. Gayken hat die letzten Jahre hinterm Mond gelebt,
    Google: "Cyberwar" ca. 3,5Mio. Einträge.

    • GDH
    • 27.04.2012 um 12:34 Uhr

    "verstehe ich nicht ganz genau die Aussage. also man solte Geheimattacken veröffentlichen, aus Gründen der Transparenz?"

    Ich hab' den Artikel so verstanden, dass die Opfer von Angriffen (als Beispiele werden Banken und Börsen genannt) etwas offener mit dem Problem umgehen sollten (damit zumindest die gleiche Masche nicht ewig funktioniert). Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Offenheit derzeit nicht gewürdigt wird, in dem Sinne, dass es für den Ruf von Unternehmen derzeit besser ist, sie halten die Klappe und einige wenige Vorfälle kommen heraus, als wenn gleich offensiv kommuniziert wird, dass man angegriffen wurde.

    Dass Angreifer im Allgemeinen gern anonym bleiben, hat andere Hintergründe...

    Der Widersinn dieses Artikels ist mir auch aufgefallen.
    Auch die Behauptung der virtuelle Krieg wäre kein Thema läßt vermuten Hr. Gayken hat die letzten Jahre hinterm Mond gelebt,
    Google: "Cyberwar" ca. 3,5Mio. Einträge.

    • GDH
    • 27.04.2012 um 12:34 Uhr

    "verstehe ich nicht ganz genau die Aussage. also man solte Geheimattacken veröffentlichen, aus Gründen der Transparenz?"

    Ich hab' den Artikel so verstanden, dass die Opfer von Angriffen (als Beispiele werden Banken und Börsen genannt) etwas offener mit dem Problem umgehen sollten (damit zumindest die gleiche Masche nicht ewig funktioniert). Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Offenheit derzeit nicht gewürdigt wird, in dem Sinne, dass es für den Ruf von Unternehmen derzeit besser ist, sie halten die Klappe und einige wenige Vorfälle kommen heraus, als wenn gleich offensiv kommuniziert wird, dass man angegriffen wurde.

    Dass Angreifer im Allgemeinen gern anonym bleiben, hat andere Hintergründe...

  3. natürlich, sorry, vertippt...

  4. Der Widersinn dieses Artikels ist mir auch aufgefallen.
    Auch die Behauptung der virtuelle Krieg wäre kein Thema läßt vermuten Hr. Gayken hat die letzten Jahre hinterm Mond gelebt,
    Google: "Cyberwar" ca. 3,5Mio. Einträge.

    Eine Leserempfehlung
  5. ein Forscher gibt die Geheimnisse weiter. das geht doch nicht... man kann doch nicht Geheimnisse an Forscher weitergeben... nicht in so sensiblen Bereichen. komischer Artikel

    • GDH
    • 27.04.2012 um 12:34 Uhr

    "verstehe ich nicht ganz genau die Aussage. also man solte Geheimattacken veröffentlichen, aus Gründen der Transparenz?"

    Ich hab' den Artikel so verstanden, dass die Opfer von Angriffen (als Beispiele werden Banken und Börsen genannt) etwas offener mit dem Problem umgehen sollten (damit zumindest die gleiche Masche nicht ewig funktioniert). Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Offenheit derzeit nicht gewürdigt wird, in dem Sinne, dass es für den Ruf von Unternehmen derzeit besser ist, sie halten die Klappe und einige wenige Vorfälle kommen heraus, als wenn gleich offensiv kommuniziert wird, dass man angegriffen wurde.

    Dass Angreifer im Allgemeinen gern anonym bleiben, hat andere Hintergründe...

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    ein wenig merkwürdig ist ist die Verknüpfung mit dem Iran Konflikt. Die Überschrift suggeriert ja so ein bißchen, oh Gott Cyberangriffe auf den "armen Iran", da müßten die Geheimnisse doch vorher aber an Forscher weitergegeben werden. Das ist doch ein wenig lax finde ich, diese Suggestion.

    ein wenig merkwürdig ist ist die Verknüpfung mit dem Iran Konflikt. Die Überschrift suggeriert ja so ein bißchen, oh Gott Cyberangriffe auf den "armen Iran", da müßten die Geheimnisse doch vorher aber an Forscher weitergegeben werden. Das ist doch ein wenig lax finde ich, diese Suggestion.

  6. ein wenig merkwürdig ist ist die Verknüpfung mit dem Iran Konflikt. Die Überschrift suggeriert ja so ein bißchen, oh Gott Cyberangriffe auf den "armen Iran", da müßten die Geheimnisse doch vorher aber an Forscher weitergegeben werden. Das ist doch ein wenig lax finde ich, diese Suggestion.

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