Wandern ist gut für die Gesundheit, auch in Großstädten.

DIE ZEIT: Herr Hottenrott, Sie haben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wanderverband die erste wissenschaftliche Studie über den körperlichen Effekt des Wanderns vorgelegt. Mit Ihren Probanden waren Sie aber nicht in den Bergen, sondern in Kassel unterwegs. Gibt es nicht geeignetere Gegenden zum Wandern?

Kuno Hottenrott: Täuschen Sie sich nicht. Kassel bietet hervorragende Bedingungen, etwa den Park Schönfeld, die Kasseler Aue oder die Wilhelmshöhe. Dort sind die Teilnehmer der Studie unter Anleitung einer ausgebildeten Gesundheitswanderführerin gelaufen.

ZEIT: Was wollten Sie mit Ihrer Studie zeigen? Dass Bewegung gut für die Gesundheit ist, ist doch nicht neu.

Hottenrott: Das stimmt. Aber es gab eben noch keine Untersuchung darüber, wie sich das Wandern konkret auf den Körper auswirkt.

ZEIT: Wie lief die Studie ab?

Hottenrott: Es haben 48 Teilnehmer mitgemacht. Männer und Frauen, alle berufstätig, im Durchschnitt 53 Jahre alt, alle weitgehend gesund, aber eher unsportlich, manche mit etwas Übergewicht oder zu hohem Blutdruck. Mit der Hälfte bin ich wandern gegangen – zehnmal in sieben Wochen. Die andere Hälfte war die Kontrollgruppe. Die verzichtete weiterhin auf sportliche Aktivität.

ZEIT: Was passierte? 

Hottenrott: Es zeigte sich deutlich, dass Wandern für die Gesundheit förderlich ist. Die Teilnehmer in der Wandergruppe haben im Schnitt 1,4 Kilo abgenommen, ihr Blutdruck sank von 151 zu 92 auf 141 zu 84, auch die Herzfrequenz beim Wandern ist deutlich gesunken. Außerdem hat sich die Koordination der Wanderer verbessert. Die Studienteilnehmer konnten zum Beispiel nachher besser die Balance auf einem Bein halten als vorher.

ZEIT: Haben Sie die Ergebnisse überrascht?

Hottenrott: Ehrlich gesagt: Ja. Selbst ich als Sportwissenschaftler hätte nicht mit einem solchen Effekt gerechnet. Die Herzfrequenz nach zwei Kilometern Wandern hat sich im Durchschnitt auf ganz erstaunliche Weise verbessert, nämlich von 131 auf 122 Schläge pro Minute. Das ist enorm, vor allem nach einer so kurzen Zeit.

ZEIT: Haben Sie hart trainiert mit der Gruppe?

Hottenrott: Überhaupt nicht. Die Strecken waren zwischen 3,8 und 5,6 Kilometern lang, also absolut moderat. Das zeigt, dass sich schon kürzere Distanzen positiv auf die Gesundheit auswirken. Die lassen sich nach der Arbeit in einer oder anderthalb Stunden locker bewältigen. Und solche Strecken kann man in Städten hervorragend abwandern, dazu muss niemand in die Berge fahren.