Berlin Biennale: Die Kunst als Werkzeug
Der Videokünstler Artur Żmijewski leitet in diesem Jahr die Berlin Biennale. Mit aller Macht will er die Ausstellung in den Dienst der politischen Sache stellen.
Seit ein paar Wochen schon wird die Berliner Kunstszene von messianischen Predigten aufgestört. Fürchtet euch nicht, vergesst eure Angst, heißt es aus der Auguststraße in Mitte, wo von einem Seitenflügel der Kunst-Werke aus Artur Żmijewski die diesjährige Berlin Biennale leitet. Unter dem Titel Forget Fear will der 45-Jährige sein kuratorisches Programm in den Dienst einer politischen Selbstbefreiung stellen. Die Künstler sollen von ihrer »lähmenden Furcht vor realen Folgen« geheilt werden und ihre Angst vor der Verantwortung überwinden. Überall würden zu viele Fragen gestellt und zu wenige Antworten gegeben. Nur wenn sich Kunst in reale, handfeste Politik verwandle, verändere sie am Ende die Welt.
Bislang hat dieses Plädoyer für Angstfreiheit in der Öffentlichkeit eher neue Befürchtungen geweckt. Gut drei Monate vor der Eröffnung hatte die Biennale im Januar ihren ersten Skandal, als Żmijewski dem tschechischen Künstler Martin Zet Raum für ein symbolisches Buchrecycling einräumte. Im Land der Bücherverbrennung forderte Zet die Käufer des Sarrazin-Buchs Deutschland schafft sich ab dazu auf, ihre Exemplare der Biennale zunächst zur Ausstellung und dann zur Abfallverwertung zu überlassen. So sollte ein xenophobieverdächtiger Bestseller als »aktives Werkzeug« zur politischen Stellungnahme benutzt werden.
ist einer der bekanntesten Künstler Polens. Auf der Venedig-Biennale wie auf der Documenta in Kassel konnte der 45-Jährige seine oft umstrittenen Werke bereits zeigen
Dass statt der erhofften 60.000 weniger als zehn Sarrazin-Leser dem Aufruf zum Recycling gefolgt sein sollen, ficht Żmijewski nicht an. Ihm geht es nicht darum, reale Druckerzeugnisse einzustampfen, sondern dem Kunstbetrieb trotzig und therapeutisch seinen Werkzeugbegriff entgegenzuhalten. Womöglich versteht man diese Biennale, ihre Vision und ihre Irrtümer überhaupt nur dann, wenn man ihren Leiter nicht als gewitzten Kommunikator, sondern als wütenden Künstler begreift, der ziemlich getreu ein vor fünf Jahren publiziertes Manifest umsetzt, in dem er die Selbstinstrumentalisierung der Künste fordert.
Żmijewski ist die entgeisterten Nachfragen, das vorsichtige Abrücken und ungläubige Stirnrunzeln gewohnt. Wenn man ihn besucht, sitzt er da wie ein Boxer in der Pressekonferenz, schweigt, steckt Nachfragen ein, als lösten sie Schmerzen aus, und füllt mit kräftigem Druck einen A2-großen Zeichenkarton mit roten und blauen Edding-Strichen, die sich zu labyrinthisch aufgefüllten, kräftig umrandeten Rechteckrahmen fügen, zwischen denen schließlich hier und da Räder und ein gestauchter Kreis mit Wurmfortsatz eingestreut werden. Eine dahingetröpfelte Spur feiner Punkte durchdringt den Kreis und dient nun als Illustration für den »versteckten Ausweg« aus der hermetischen Welt des Kunstsystems, den es für die Biennale zu suchen gelte. Die Bannmeile, die der Kunst von der Gesellschaft zugestanden wird, die zwischen Theorie und Praxis ausgefochtene »Immunität« des Künstlers, muss zur Not aufgelöst werden, damit aus dem beschädigten Spielzeug zur Belustigung der Kenner ein verständliches Werkzeug unter anderen Werkzeugen werde – ein Werkzeug, wie Żmijewski im Vorwort zu einem eigenartig auf den Kurator selbst zugeschnittenen Biennale-Materialband schreibt, das aktiv in die Welt eingreift.
- Berlin Biennale
Die Biennale läuft vom 27. April bis zum 1. Juni an verschiedenen Ausstellungsorten in Berlin. Nähere Informationen unter www.berlinbiennale.de
Die Frustration oder gar Verzweiflung, aus der sich ein solches Programm speist, darf man wohl nicht unterschätzen. Früher habe er gern Galerien besucht, um die Realität durch den Filter künstlerischer Denkweise zu betrachten, schreibt Żmijewski, der 2007 als Künstler an der Documenta teilnahm und mit Videoarbeiten bekannt geworden ist, in denen er etwa ehemalige KZ-Häftlinge dazu überredete, sich ihre Häftlingsnummern nachtätowieren zu lassen. Auch zeigte er in einer Gaskammer tanzende Nackte, um eine befreite »Alternative« zur historischen Realität zu imaginieren. Heute bringe ihn der Blick in den Kunstbetrieb an den Rand der Depression, weil weder die Künstler noch ihr Publikum die künstlerischen Erkenntnisse »in politische Praxis oder andere konkrete soziale Wertschöpfung umsetzen« wollten.






was hat denn der für ein problem?
auf ein bisschen avantgarde und wird von ein paar möchtegern-künstlern mit politischen grundsatzdebatten gefüttert.
Da sitzt man nun da in der Provinz, bei dem sonnigen Wetter und weiß nichts als Grillen und Fahhradfahren am Tag der Arbeit zu tun und schaut voller Neid, was alles los ist in Berlin.
Da das Gallery Weekend - was hab ich schon wieder verpasst, ob mich in meinen knackigen Aldi-Radler-Hosen jemand von einem Kunstwerk unterscheiden könnte?- die biennale gibts auch, die kapiert der, der von der Besatzung besetzt ist und dann noch diese römisch dekadente re:publica.
Bei mir hier gibt es lediglich die Wahl zwischen Senf und Ketchup, es sei denn, ich tu was für mein Weltbürgertum und geh zu MCDonald, wo's dann mehr Auswahl gibt, saucenmäßig zum Gebratenen.
Und dann, nach getaner Verlustierung meiner Arbeiterseele, endlich die Ruhe vor dem Bildschirm, die Nachrichten, die die Welt bedeuten.
Da höre ich am 1.Mai, dass die Maidemonstration von den Veranstaltern wegen nicht gewollter Ausschreitungen beendet wurde (21.13Uhr). Morgens noch im Bette dem Alltag frohgemut entgegen hoffend vernehme ich, dass die Polzei am Axel Springer Haus die Demo aufgelöst habe. Sicher ein Geburtstagsgeschenk. Am Abend dann wieder tagesschau, die Polizei hat die Demo vor dem Jüdischen Museum aufgelöst.
Mein Provinzhirn folgert messerscharf: Ohne Polizei wäre 1. der bekennende Judenfreund Axel Springer wieder mal dem Bösen ausgeliefert worden und außerdem hat sie, die Polizei eine jüdische Einrichtung, vor dem Bösen beschützt. Und das mit Hilfe unserer Jungs aus der Provinz!
Heut gibts mal rot-weiß extra!
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