Am 6. Mai werden in Serbien ein neuer Präsident, ein neues Parlament und neue Kommunalvertretungen gewählt. Solche politischen Großereignisse versetzen das benachbarte Kosovo regelmäßig in Aufruhr. Deshalb entsendet die Bundesregierung mehrere Hundert Soldaten als Zusatzverstärkung der Nato-Mission KFor.

Ausgangspunkt einer möglichen Eskalation ist der nördliche Zipfel des jüngsten europäischen Staates. Dessen rund 40.000 serbische Bewohner steigen auf die Barrikaden, sobald die kosovarische Regierung Anstalten macht, ihre Autorität spielen zu lassen – zuletzt geschehen im letzten Jahr, als Prishtinë mit Polizeigewalt Zollbeamte an Grenzposten im Norden stationieren wollte. Monatelange Scharmützel folgten, KFor-Soldaten wurden verletzt.

Am 6. Mai nun wollen die Bewohner des Nord-Kosovo im Nachbarland mitwählen – auch auf kommunaler Ebene, ganz so, als wären sie Bürger einer serbischen Provinz. Für Prishtinë gilt das als nicht hinnehmbare Provokation. Serbische Hooligans, Mitglieder krimineller Banden und albanische Nationalisten tun das Ihre, um die Spannung hoch zu halten. Deshalb die Truppenaufstockung, an der sich auch das österreichische KFor-Kontingent beteiligt. Je sichtbarer die internationale Militärpräsenz, so die Hoffnung, desto kühler die Gemüter.

Das könnte gelingen – mit viel Glück, diplomatischem Einsatz und Deeskalation durch lokale Politiker. Es ändert aber nichts am Grundproblem, das diesen Konflikt immer wieder anfacht. Serbiens Politiker wollen sich immer noch nicht eingestehen, dass sie das Kosovo verloren haben.

Europäische Union will kein zweites Zypern

Der serbische Präsident Boris Tadić will am 6. Mai zwar mit einem Wahlsieg den pro-europäischen Kurs seines Landes festigen. Und auch Tadićs schärfster Konkurrent Tomislav Nikolić, ein zum Moderaten mutierter ehemaliger Nationalist, sieht die Zukunft seines Landes in der EU. Die beiden unterscheidet die Vehemenz, mit der sie am Nordzipfel des Kosovo festhalten. Dort finanziert Belgrad immer noch parallele Verwaltungsstrukturen, forciert also eine Politik der Teilung. Nikolić will daran nichts ändern, Tadić macht erste Abstriche.

Denn die EU hat Serbien im März zwar den Status eines Beitrittskandidaten verliehen. Aber sie hat – auch auf deutschen Druck – klargemacht, kein »zweites Zypern«, also kein weiteres Land mit einem ungelösten Grenzkonflikt aufnehmen zu wollen. Belgrad ist nun bereit, politische Symbole wie einheitliche Autokennzeichen und Vorwahlnummern zuzugestehen, und sagte die Kommunalwahlen im Nord-Kosovo ab.

Bloß hat es keine politische Kontrolle über dessen Einwohner mehr. Die fühlen sich von Albanern und der KFor bedroht und von Belgrad verraten. Die Kommunalwahlen wollen sie nun auf eigene Faust organisieren und drohen jedem, der sie daran hindern will, mit Gewalt. Deshalb der Einsatz der Bundeswehr als Feuerwehr.