Euro-KriseDer Deal

Deutschland muss Europa zur Disziplin drängen – und sich selbst. von 

Seit wann liegen die Niederlande am Mittelmeer ? Die Euro-Krise ist zurück, und das nicht bloß im Süden, sondern auch im Norden, wo doch eigentlich die Guten und Stabilen versammelt sind. Die, die so sind wie wir.

Selbstverständlich sind die Niederlande nicht Griechenland . Doch der Staat verschuldet sich zu schnell, und die Privatschulden sind immens. Also wollte die Regierung mehr sparen – und ist an den Populisten gescheitert .

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Jeder Fall ist anders, von Madrid über Rom bis jetzt nach Den Haag . Die Struktur aber ist immer ähnlich: Die Wirtschaft stagniert, Menschen werden arbeitslos, und dann soll gespart werden, was zunächst weiteren Wohlstand kostet. Die Bürger werden sauer, die Börse zittert, und Politiker geben ein wenig nach oder – wie jetzt in den Niederlanden – verlieren auch mal ihr Amt.

Darauf reagieren die USA genauso wie die Oppositionsparteien in Europa mit dem Vorwurf, die Deutschen machten mit ihrem Spardiktat alles kaputt . Lieber solle Berlin für die Schulden der Partner geradestehen und neues Geld für Wachstum freimachen. Dann sei endlich Ruhe im europäischen Karton.

Ehrlich gesagt, das könnte den Amerikanern so passen, weil sie dann als größter Schuldner der Welt nicht so allein dastünden. Doch Europa ist anders als Amerika : Rettung gegen Disziplin muss hier der Deal heißen, sonst gerät ein Land nach dem anderen in den Strudel von Niedrig-Ratings und Hochzinsen.

Alle schauen auf Deutschland. Aber was macht Berlin, statt im heimischen Wirtschaftsboom weitsichtig zu sparen? Plant neue Sozialleistungen wie das Betreuungsgeld und erfindet mit der Rentenerhöhung für Eltern gleich noch welche dazu. Egal, wie man zu den einzelnen Maßnahmen steht – die Summe macht Deutschland, dessen Schulden rund 80 Prozent seiner derzeitigen Wirtschaftsleistung entsprechen, unglaubwürdig als Vorbild im europäischen Sparpakt.

Europa braucht Deutschland aber als Sparmeister. Die Krise wird sich ohnehin noch des Öfteren zurückmelden. Regierende werden hier und da mehr Schulden machen, als der gemeinsame Pakt erlaubt. All das gehört zum Spiel. Doch wenn nicht Berlin aufs Sparen und Reformieren drängt, tut es kein anderer. Am Ende würde es dann nur noch schwerer, den Euro zu retten – und Europa zusammenwachsen zu lassen.

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Leserkommentare
  1. ... sondern sich auseinander entwickeln, insbesondere, seit und so lange es die Währungsunion gibt. Das ist die zwangsläufige Konsequenz, wenn man Stark und Schwach zusammen sperrt und miteinander konkurrieren lässt.

    Und wer wider die Kräfte des Marktes mit gewaltigem Aufwand das Sichausdifferenzieren verhindern und gar ein Konvergieren bewirken will, erhält ein künstliches Gebilde, das schwächer sein wird als die Summe seiner autonomen Teile zuvor.

    • joG
    • 26. April 2012 16:24 Uhr

    ....und es bleibt die Frage: Haben Sie jetzt mehr Kontrolle über Ihre Vertreter als damals?

    Antwort auf "Super!"
  2. Die erste Frage die gestellt werden muss ist doch: was ist an Staats-Schulden langfristig verkraftbar. Da liegen fast alle Laender meilenweit darueber. Solange man einen Sozialstaat moechte in dem nicht weite Teile der Bevoelkerung auf der Strasse erfrieren und verhungern, wo eine Krankheit nicht den finanziellen Ruin nach sich zieht, kurz ein zivilisiertes Land, wird Sparen allein nicht zu einem verantwortbaren Staatsdefizit fuehren. Dies ist eine Krise des Kapitalismus und der menschlichen Vernunft. Wir brauchen neue Wege um eine oekologisch vertraegliche, faire Marktwirtschaft zu entwickeln. Immer wieder ins gleiche Horn zu stossen (z.B. mehr Wirtschaftswachstum, Schuldenbremse) loest das Problem in keinster Weise. Mehr Grips bitte.

  3. "immer derselbe"

    "Derselbe" sind in diesem Fall wir alle. Bzw. diejenigen die nicht von den Zinsen leben. Letztere könnte man mehr besteuern, aber du weißt ja wie die Machtverhältnisse sind, man lässt lieber die Schulen herunterkommen...

    Wenn es zu einem sogennanten "selbsttragenden Aufschwung" kommt (=privat fängt an sich zunehmend zu verschulden, weil sie optimistisch sind und kreditfähig), dann kann der Staat uU zurückstecken. Wann das ausreichend der Fall ist, ist aber schwer zu beurteilen, abh. vom Wachstum, oder besser der Arbeitslosenquote, oder doch lieber der Inflation?

    "Erhöhung der Geldmenge (an Banknoten und Münzen) durch die Zentralbank."

    Nein, auch die Münzen etc. sind Schuldgeld, die Geschäftsbanken müssen das Bargeld nämlich verzinst von der ZB leihen:
    http://www.axelgrimm.de/b...

    Willkommen in diesem intransparenten Banken-Geldsystem, ich versuche seit Jahren den internen Mechanismen auf die Spuren zu kommen. Die Definitionen sind scheinbar bewusst verwirrend und doppeldeutig, Insider-Infos selten, die Medien ahnungslos.

    "Schulden ins Unendliche wachsen, damit die Wirtschaft weiter wächst."

    Wie ist das mit der Tatsache Geld=Schuld vereinbar?

    "nicht 1:1 gekoppelt sind"

    Hat auch niemand behauptet. Egal wie das Verhältnis ist, solange es nicht umgekehrt proportional wird, muss beides wachsen.

    "wier uns das Ihre künstlerische"

    *lol* ich editiere nicht bei Wikipedia

    "Nichtdoktoren"

    Ich bin auch keiner, das ist nur ein Alias.

    Antwort auf "[...]"
    • JWGRU
    • 26. April 2012 16:33 Uhr
    54. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/au.

    Antwort auf "Welch ein Hochmut"
  4. denn sich durch Sparen zu konsolidieren, das kann immer nur einer. Wenn aber alle sparen wollen, dann führt das dazu, dass alle ärmer werden. Genau das geschieht im Moment. Wie ich höre, wird in der deutschen Automobilbranche schon Kurzarbeit angemeldet, weil in Europa (auf Druck der deutschen Regierung hin) ganz doll gespart wird. Ein Staat ist eben nicht mit der berühmten 'schwäbischen Hausfrau' zu vergleichen. Ein Staat kann sich nicht durch Sparen konsolidieren (das wurde im Übrigen schon einmal versucht, daraufhin lag Europa in Schutt und Asche).

    • joG
    • 26. April 2012 16:36 Uhr

    ....auch solche, deren Pflicht es gewesen wäre, nach so viel Zeit sich die Mühe nicht gemacht haben zu verstehen, wie diese Dinge zusammenhängen. Es ist tatsächlich immer noch in vielen Köpfen nicht drinnen, was eine gemeinsame Währung für die Bevölkerungen, das Rechtssystem und für Transfers bedeutet. Es ist noch weniger Menschen bewusst, was es bedeutet, wenn man am Limit ist Steuern zu erheben und trotzdem eine hohe Verschuldung brauchte, um seine Träume von Solidarität und Soziales mit laufenden Defiziten zu bezahlen. Wenn dann noch die Zusagen früherer Zeit beginnen fällig gestellt zu werden, fällt der Löffel in die Suppe.

    Aber die Politik macht die Zahlen nicht unübersehbar publik und das Volk ist zu unorganisiert um die Fragen zu stellen. Und die Medien? Ich weiß hier oft nicht, was die dort Verantwortlichen sich denken.

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  • Schlagworte Betreuungsgeld | Börse | Eltern | Euro | Euro-Krise | Geld
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