BerlinSchaut auf diese Stadt

Zum Gallery Weekend locken dieses Jahr noch mehr Galerien, Sammler und Kunstbegeisterte nach Berlin. von Andrea Heinz

Auch Klaus Wowereit gehörte im vergangenen Jahr zu den Besuchern.

Auch Klaus Wowereit gehörte im vergangenen Jahr zu den Besuchern.   |  © Britta Pedersen dpa/lbn

Am kommenden Wochenende drängt es wieder die unterschiedlichsten Milieus nach Berlin . Die einen verbringen hier ein verlängertes Wochenende wegen des traditionellen Krawalls am 1. Mai. Die anderen kommen, um Kunst zu sehen und zu kaufen. Das Gallery Weekend ist seit der Gründung des Formats 2004 zu einer Art Wochenende der offenen Tür für Kunstsammler, Kuratoren und Kunstbegeisterte aus aller Welt geworden. Die Berliner Krawalle verlieren von Jahr zu Jahr an Ernsthaftigkeit, aber das Gallery Weekend expandiert stetig. Waren es 2004 erst zwölf teilnehmende Galerien , die an jenem Wochenende Ausstellungen ihrer wichtigsten Künstler eröffneten, sind es nun schon 51. Die Galerie Aurel Scheibler etwa zeigt Bilder aus dem Nachlass von Leon Golub, Contemporary Fine Arts Werke von Julian Schnabel und Capitain Petzel Arbeiten von Robert Longo.

Eine der Neuzugänge ist die Galerie Circus, 2008 gegründet von Silvie Jo Buschmann. Sie wird zum Gallery Weekend Werke der Künstlerinnen Varda Caivano und Yael Davids zeigen: Drei der abstrakten, mit Farben und Formen spielenden Ölgemälde der 1971 in Buenos Aires geborenen Varda Caivano (12.000 bis 20.000 Euro) und daneben die reduzierten Installationen der 1968 in Israel geborenen Yael Davids, die – immer verbunden mit der konfliktreichen Geschichte ihres Herkunftslandes – existenzielle Themen wie Verlust und Entfremdung verhandeln (Preise auf Anfrage).

Anzeige

Das Konzept des Wochenendes hat Silvie Jo Buschmann schon immer überzeugt. Wichtig findet sie besonders, dass hier, im Gegensatz zu den zahlreichen Kunstmessen, der Schwerpunkt auf die Galerieausstellung gelegt werde, die ja eigentlich das Herzstück ihrer Arbeit bilde: "Die Galerieausstellung ermöglicht eine Konzentration, die für die Künstler wie auch für die Galeristen extrem wichtig ist." Circus gehört zu jenen Galerien, auf die eine neue Regel zielt: Seit diesem Jahr zahlen die "jungen Galerien" (also jene, die noch keine fünf Jahre bestehen) für ihre Teilnahme einen reduzierten Preis. Für Buschmann ein kluger Schritt, von dem auch das Gallery Weekend selbst profitiere: "Es ist wichtig, dass auch die jüngere Szene abgedeckt wird."

"Wir holen neue Leute rein", sagt Silke Neumann, Sprecherin des Gallery Weekend. "Früher gab es oft den Vorwurf, wir wären ein eingeschworener Clan." Darauf habe man reagiert und wolle sich öffnen. Es hätten sich aber sowieso auch früher schon Dutzende von anderen Galerien an den Termin drangehängt. Eine gute Sache, findet Neumann, denn: "Alle legen sich bei ihren Ausstellungen ganz besonders ins Zeug."

Diesmal ist das Gallery Weekend zeitlich eingekreist von allerlei potenzieller Konkurrenz, prominent etwa in Form der Art Cologne oder der am 4. Mai zum ersten Mal in New York startenden Frieze. Bisher, so die Galeristen, habe man jedoch nicht den Eindruck, dass weniger Besucher nach Berlin kommen würden, so hätten sich etwa zahlreiche Sammler, Museumsförderer und Kuratoren aus den USA angekündigt.

Das mag daran liegen, dass das Gallery Weekend gerade durch seine Offenheit Freiräume und Platz zum Entdecken lässt. Euridice Arratia etwa zeigt in der Galerie Arratia, Beer Arbeiten der tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá: Wie bereits in früheren Projekten arbeitet Šedá in No Go (2012) mit den Einwohnern eines ehemaligen Ostblock-Dorfes, das mit den Veränderungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu kämpfen hat. Die Gemeinschaft des tschechischen Dörfchen Nošovice etwa wurde – wie auch die dortige Landschaft – durch den Bau einer großen Autofabrik brachial auseinandergerissen. Für No Go entwarf Šedá zusammen mit den Bewohnern eine Art neuer Dorftracht. Deren Hauptmotiv: ein Loch inmitten einer Landschaft. In der Galerie werden Zeichnungen und Textilien zum Projekt zu sehen sein, etwa die Kopfbedeckung No Light (3.100 Euro).

Erstmals kann man Ausstellungen des Gallery Weekend wie die von Šedá auch virtuell auf www.gallery-weekend.de besuchen. Diejenigen, die sich vor den Krawallen in Berlin fürchten, müssen also nicht mal mehr anreisen, um No go bewundern zu können.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service