LiebeskolumneGeht alles zu schnell oder zu langsam?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Geht alles zu schnell oder zu langsam? von Wolfgang Schmidbauer

Die Frage: Rolf und Beate sind beide schon etwas älter und geschieden. Sie haben länger in verschiedenen Projekten bei demselben Arbeitgeber zusammengearbeitet und sind sich allmählich nähergekommen. Anfangs war Rolf der Projektleiter und hat sich zurückgehalten, obwohl ihm Beate schon immer gut gefallen hat. Auch Beate ist von ihm angetan. So sehr, dass sie Rolf einlädt, in ein von ihr geleitetes Projekt einzusteigen. Am ersten Tag duzen sie sich, am dritten können sie nach einem langen gemeinsamen Abend nicht mehr voneinander lassen und landen im Bett. Rolf will mit Beate schlafen. »Nicht so schnell!«, wehrt sie ab. »Mir kommt unser Tempo eher zu langsam vor«, drängelt Rolf.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Wolfgang Schmidbauer antwortet : Beate und Rolf unterschätzen nicht nur die Hemmungen, die bisher dem erotischen Kontakt im Weg standen. Sie tun sich auch schwer damit, sich über ihre Ängste auszutauschen. Ich vermute, dass Beate noch eine Weile braucht, ehe sie mit Rolf über ihre erotischen Wünsche sprechen kann. Sie bemüht sich aber, auf seine Vorstellungen einzugehen. Er versteht das als Zustimmung für sein Vorgehen, bis sie ihn mit dem ebenso unantastbaren wie vagen Tempohinweis stoppt. Wichtig scheint mir, dass Rolf Beates Abwehr nicht als Zurückweisung deuten sollte und umgekehrt Beate Rolfs Eindringlichkeit nicht als Zumutung.

Anzeige
Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau ist bei Orell Füssli erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • KarlK
    • 22. Juni 2012 13:34 Uhr

    dass sich ein Paar in der Anfangsphase einer Beziehung aufeinander "einschwingen" muss, sich austauschen, den anderen verstehen?

    "Wichtig scheint mir, dass Rolf Beates Abwehr nicht als Zurückweisung deuten sollte und umgekehrt Beate Rolfs Eindringlichkeit nicht als Zumutung." Diesen Schlußsatz würde ich so nicht unterschreiben. Wichtig scheint mir, dass in einer Beziehung möglichst selten das Verhalten oder auch Aussagen des Anderen "gedeutet" werden (müssen), sondern das ich den anderen einfach fragen kann, wie er etwas meint oder sich fühlt und dass ich dem anderen mitteilen kann, worum es mir geht und wie es mir geht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Liebeskolumne
  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Arbeitgeber | Oder
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service