BASF-Vorstand Marcinowski: Wir müssen Leuchttürme bauen
BASF-Vorstand Stefan Marcinowski über Forscher in der Industrie, die Zukunft der Gentechnik und die Suche nach jungen Talenten
DIE ZEIT: Herr Marcinowski, Sie waren im Vorstand der BASF lange für die Forschung zuständig und insgesamt 33 Jahre lang für den Chemiekonzern tätig. Was hat sich in dieser Zeit für Wissenschaftler in der Wirtschaft geändert?
Stefan Marcinowski: Forschung ist noch wichtiger geworden – und kundenorientierter. Die Menschen haben inzwischen fast alles. Nur wer ihre Bedürfnisse besser zu erfüllen weiß, hat die Chance, Geld zu verdienen. So haben wir sogar Kollegen von Henkel auf dem Werksgelände, mit denen wir Spülmaschinentabs entwickeln, die Geschirr auch mit lauwarmem Wasser sauber kriegen.
ZEIT: Das klingt, als wäre der Erkenntnisdrang heute ziemlich zweckgebunden?
59, studierte in Stuttgart und Freiburg. 1979 trat er ins Hauptlabor der BASF ein, wo er im Bereich Biotechnologie forschte. Seit 1997 gehört er dem Vorstand des Konzerns an und war dort lange für Forschung zuständig. Die Nachwuchsarbeit war ihm dabei immer sehr wichtig. Er richtete in Ludwigshafen Schülerlabors ein und unterstützte die Schüler dort sogar selbst bei Experimenten. Mit der Hauptversammlung am 27. April 2012 wird er in den Ruhestand treten und sich verstärkt seinen Aufgaben bei der Max-Planck-Gesellschaft widmen, deren Vizepräsident er seit 2008 ist.
Marcinowski: Innovation ist nur begrenzt planbar. Deshalb muss sich jede Volkswirtschaft Grundlagenforschung leisten, um Erkenntnisse zu gewinnen und Nachwuchs auszubilden. Die Industrie arbeitet notgedrungen zweckgebundener, wenn sie das Wissen zu Produkten verarbeitet. Das war immer so. Allerdings sind die beiden Sphären näher zusammengerückt. Und die Welt ist auch insgesamt kleiner geworden: In Ludwigshafen etwa arbeiten wir heute nicht nur mit der Uni Heidelberg zusammen sondern genauso gut mit Universitäten in Shanghai und Boston.
ZEIT: Globalisierung bis ins Werkslabor?
Marcinowski: Zwangsläufig – das gilt übrigens auch für die staatlichen Forschungsstätten selbst. Deutschland bildet junge Leute praktisch zum Nulltarif aus, die in der Welt sehr begehrt sind. Um die Abwanderung heller Köpfe auszugleichen, müssen wir umgekehrt auch attraktiv für ausländische Forscher sein. Da geht es um die Exzellenz unserer Universitäten, aber auch ganz schlicht darum, ob wir als Gesellschaft die nötige Weltoffenheit aufbringen, um im Wettbewerb um Talente mithalten zu können. Fühlt sich ein dunkelhäutiger indischer Forscher an der Universität in Jena wohl, oder muss er dort Angst um seine Familie haben? Die Frage ist auch, ob wir nicht inzwischen als so fortschrittsfeindlich wahrgenommen werden, dass der Mann aus Indien lieber gleich nach Amerika aufbricht. Nach den Debatten über Kernkraft, Nano- und Gentechnik habe ich da meine Bedenken.
ZEIT: Ein Volk der Zweifler und Zauderer?
Marcinowski: Wir Deutschen sind echte Technikfreaks, wenn es um schnelle Autos oder schlaue Handys geht. Aber sobald neue Technologien ins Spiel kommen, deren Nutzen dem Verbraucher nicht so unmittelbar einleuchtet – wie etwa bei der grünen Gentechnik –, haben wir eine völlig andere Gefühlswelt. Da gibt es massiven Widerstand.
ZEIT: Zu Beginn des Jahres hat die BASF angekündigt, ihre Pflanzenbiotechnologie nach Amerika zu verlegen. Haben Sie mit diesem Geschäft eigentlich jemals Geld verdient?
Marcinowski: Bisher nicht. Wir haben ja noch gar keinen Umsatz gemacht, außer mit der Stärkekartoffel Amflora.
ZEIT: Und wie viel hat die BASF investiert?
Marcinowski: Seit 1997 sind rund 1,3 Milliarden Euro in die grüne Gentechnik geflossen.
ZEIT: Da muss man sich wundern, dass Sie überhaupt noch weiter darauf setzen.
Marcinowski: Im Gegenteil. Wir stehen alle hinter diesem Forschungsgebiet – wissend, dass sich unsere finanziellen Erwartungen wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erfüllen. Dann kommt das trockentolerante Saatgut auf den Markt, das wir mit dem amerikanischen Monsanto-Konzern zusammen entwickeln. Die Bauern in den USA und Lateinamerika warten sehnlich darauf. Und bei Mais, Soja und Baumwolle, die Schadinsekten widerstehen, erreichen die Züchter dort schon heute eine Marktdurchdringung von fast 100 Prozent.







hat einen Pharmastandort kaputt gemacht, wegen einer Entwicklung die nicht aufzuhalten war und heute das Selbverständlichste der Welt ist. Wer will Insulin aus Schweineschlachtabfällen? Lächerlich.
Joschka Fischer hat sehr viel Schaden angerichtet und wenig Konstruktives geleistet. Ausser sich selbst und Grünen mit seinem Populismus und seinem Blendertalent an die Futtertröge zu bringen.
Sie haben völlig Recht.
Schade, dass anscheinend nicht daraus gelernt wurde und sich mit der Grünen Gentechnik nun die nächste Zukunftstechnologie aus Deutschland verabschiedet.
Fortschrittsfeindlich und zaudernd werden wir die Probleme unserer Zeit nicht lösen können.
Das Öl geht zu Ende, wir wollen eine Energiewende schaffen.
Dafür brauchen wir Forschung, Innovationen und eine Gesellschaft, die dies auch in Praxis lässt.
Sie haben völlig Recht.
Schade, dass anscheinend nicht daraus gelernt wurde und sich mit der Grünen Gentechnik nun die nächste Zukunftstechnologie aus Deutschland verabschiedet.
Fortschrittsfeindlich und zaudernd werden wir die Probleme unserer Zeit nicht lösen können.
Das Öl geht zu Ende, wir wollen eine Energiewende schaffen.
Dafür brauchen wir Forschung, Innovationen und eine Gesellschaft, die dies auch in Praxis lässt.
Sie haben völlig Recht.
Schade, dass anscheinend nicht daraus gelernt wurde und sich mit der Grünen Gentechnik nun die nächste Zukunftstechnologie aus Deutschland verabschiedet.
Fortschrittsfeindlich und zaudernd werden wir die Probleme unserer Zeit nicht lösen können.
Das Öl geht zu Ende, wir wollen eine Energiewende schaffen.
Dafür brauchen wir Forschung, Innovationen und eine Gesellschaft, die dies auch in Praxis lässt.
"Schade, dass anscheinend nicht daraus gelernt wurde und sich mit der Grünen Gentechnik nun die nächste Zukunftstechnologie aus Deutschland verabschiedet."
Nutzen und Risiken der grünen Gentechnik würde ich deutlich pessimistischer einschätzen, als die der weissen Gentechnik.
Ich möchte mich gerne auch weiterhin "genfrei" ;-) ernähren und mich einer genfreien Landschaft bewegen.
Danke Herr M. von BASF,
ihre Meinung zum Thema Grüne Gentechnik und Technologiefeindlichkeit der Deutschen war sehr erquicklich.
Ich kann mich nur wundern, wie man sich auf solch unreflektierte Weise zu diesen Themen äußern kann.
Ja, wir haben in der EU ein "Vorsorgeprinzip". Zum Glück. Dieses Vorgehen dient einzig dem Schutz der Bevölkerung und unserer Umwelt.
Kommissar Ciolos (DG AGRI) und Potocnik (DG ENV) halten seit Wochen Plädoyers für eine "Partnerschaft" zwischen Landwirtschaft und Umwelt, Bedeutung von Artenvielfalt für uns Menschen und unser Überleben wird hervorgehoben, das massive Bienensterben steht auf der politischen Agenda und man beginnt, Artenvielfalt und landwirtschaftliche Anbauweisen nicht nur in unbestimmten Termen der "Produktivität" und "Effizienz" zu messen, sondern, deren Bedeutung für Kultur und ländliche Regionen/Gemeinschaften, mit in die Rechnung einzubeziehen.
Die EU hat in Brüssel ein "Transparenzregister" für alle Lobbyorganisationen, warum hat die "Zeit" nicht ein Merkmal/Warnzeichen für Artikel, die unter starkem Einfluss von Lobbyinteressen stehen??? Was wiegt wohl schwerer, ein Parlamentarier der jeden Tag verschiedene Positionen zu hören bekommt und dementsprechendes Fachwissen hat, oder ein Leser, der einen Artikel liest und den Standpunkt nicht kritisch hinterfragen will oder kann?
Alles in allem wichtige Argumente, aber der Artikel lässt eine Fülle an Gegenargumenten aus und auf diese muss verwiesen werden.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf unlautere Provokation. Die Redaktion/ds
Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde entfernt. Vielen Dank. Die Redaktion/ds
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wieder in bürokratischen & moralinsauer Diskussionen blockieren - währenddessen schaffen andere Konzerne auf der restlichen Welt Tatsachen
und in ? Jahren sorgen Vorzüge und/oder Kostenvorteile dafür, dass es alltäglich wird, jedoch niemand in Europa groß daran verdient...
die einzige Frage, die bei solchen Themen immer im Raum steht & Angst machen muss: keiner weiß, wie bedeutend solche Technologien einmal sein werden... die Autmobilindustrie hat auch einmal revolutionär "angefangen" - heute ist sie eine große Stütze des dt. Wohlstands - nur niemand weiß, wohin Produktions-&Automatisierungs-Fortschritte führen bzw. mögliche neue Mobilitätskonzepte in 20-30 Jahren
da macht es schon Bauchschmerzen, wenn unbewusst oder sogar bewusst alle möglichen großen Chancen verhindert werden.
comment #4 sagt ja auch an sich in keiner Weise etwas Falsches & die Darlegung solcher Befürchtungen ist ja auch richtig und wichtig, aber genauso wenig neu -
jedoch das solche Frontalblockaden soviel Erfolg haben, dass Unternehmenszweige komplett abwandern, ist bedenklich.
Herr Marcinowski spricht über die klugen Köpfe und den Nachwuchs, der, wie häufig vom VCI kritisiert, für billiges Geld in Deutschland ausgebildet wird, aber nicht in D bleibt. Dieser sogenannte Fachkräftemangel ist sicherlich vorhanden aber ein hausgemachtes Problem. Hier hat aber die Industrie auch versäumt zum rechten Zeitpunkt in die Diskussion einzusteigen. Es wurde auf BSc/MSc umgestellt, aber im Endeffekt werden keine Stellenanzeigen für einen BSc/MSc Chemie ausgschrieben. Ergo kann es keinen Markt dafür geben. Stattdessen sind promovierte Chemiker und Chemieingenieure gesucht. Hier muss sich die chemische Industrie den Vorwurf gefallen lassen, geschlafen zu haben. Man kann nicht immer nur auf eine innovationsfeindliche Politik aufmerksam machen und mangelnden Wissenstransfer monieren. Man muss auch zusehen, dass man den Nachwuchs bekommt, den man wirklich braucht. Und letzlich muss auch die Industrie dafür zuständig sein, die von ihnen entwickelte Innovation den Bürgern näher zu bringen und eventuelle Resentiments zu widerlegen. Dies wurde insbesondere bei der grünen Gentechnik verpennt. Da kann man sich nicht einfach mit Politik herausreden. Diese ganze Story ist ein Kommunikationsdesaster, das von beiden Seiten, der Politik und der Industrie, verübt wurde. Man hat die Bühne ohne Kampf den etwas idiotischen Argumenten von Foodwatch etc. überlassen. Also: vor der eigenen Tür kehren, bitte!
Ja bitte, auch in Europa.
Aber nicht mit patentierten Saatgut, dessen Entwicklung auch noch staatlich gefördert wird, deren gesellschaftlicher Nutzen allerdings dem finanziellen Interesse der Großkonzerne geopfert wird.
Nein, Grüne Gentechnik, ja bitte, aber öffentlich finanziert/entwickelt und nicht von firmen.
Dementsprechend auch frei zugänglich für alle.
@gerkroo, wenn sie "genfrei" organische verbindungen konsumieren möchten, ist das allerdings problematisch, denn ohne gene keine proteine oder andere pflanzen/tierbestandteile.
Allenfalls wäre es noch richtig zu sagen, Gentechnikfrei.
Im übrigen, die gezielte normale Zucht verändert ebenso den "Genpool" der gezüchteten Pflanzen oder Tierart. Wenn auch nur ein Teil der Bevölkerung biologisch einigermaßen was drauf hätte, würde nicht dauernd so ein Hokus-Pokus aus dem Genbegriff gemacht.
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