Comedian Oliver Polak"Ich will ich selbst sein, aus Papenburg, jüdisch"

Comedian Oliver Polak provoziert gerne. Eine Haltung, die man als Jude in Deutschland zwangsläufig einnimmt, sagt er.

ZEITmagazin: Herr Polak, Sie gehen heute Abend in ein Udo-Jürgens-Konzert. Welche Bedeutung hat Udo Jürgens für Sie?

Polak: Die allergrößte. Ich meine das überhaupt nicht ironisch. Seine Musik, seine Texte haben mich immer begleitet. Ich bin in Papenburg im Emsland aufgewachsen in einer jüdischen Familie, dadurch war vieles sehr anders. Udo Jürgens war da tatsächlich ein Trost.

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ZEITmagazin: Wie lernten Sie seine Musik kennen?

Polak: Als ich zehn Jahre alt war, hat mich meine Mutter auf ein Konzert mitgenommen. Obwohl sie vom Typ her eher hart ist, aber Udo Jürgens fand sie gut.

Oliver Polak

35, geboren in Papenburg, machte sein Abitur am Carmel College, einem jüdischen Internat in England – das »so viel kostete, dass sie keinen durchfallen ließen«. Danach moderierte er auf Viva und RTL, bei der Sat.1-Sketch-Serie »Zack« wirkte er nur mit, um seine Krebstherapien bezahlen zu können. Seit 2006 macht Polak Stand-up-Comedy. Gerade erschien seine DVD »Ich darf das, ich bin Jude! Live!«

ZEITmagazin: Was meinen Sie mit »hart«?

Oliver Polak: Sie ist in Leningrad aufgewachsen. 1974 kam sie nach Deutschland. Sie wollte weg aus Russland, und das Gute war, dass die dich, wenn du jüdisch warst, in Russland eh nicht haben wollten. Sie ließen dich gehen, allerdings unter der Bedingung, nie wieder zurückzukehren. Ziemlich krass, aber meine Mutter hat es gemacht, und so landete sie in Bremen, wo sie in der jüdischen Gemeinde meinen Vater kennenlernte. Papenburg aber war für sie immer wie ein Sarg.

ZEITmagazin: Und da half Udo Jürgens?

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Polak: Ja, das Konzert war total beeindruckend. Ich saß am Bühnenrand, und er hat mir sogar die Hand geschüttelt. Zu Hause habe ich aus Lego das Bühnenset nachgebaut und dazu immer wieder die Platte Deinetwegen gehört. Seither hat er mich begleitet. Vor acht Jahren hatte ich eine sehr harte Zeit. Ich hatte viel in schlechten deutschen Comedy-Sitcoms mitgespielt, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Dann erkrankte ich an Hodenkrebs, mir musste ein Hoden weggenommen werden. Die Frau, die ich geliebt hatte, verließ mich. Ich bin jeden Tag allein zur Bestrahlung gegangen, und einmal hing auf dem Weg ein Plakat: »Udo Jürgens live«. Ich wusste: Da muss ich hin. Wegen der Medikamente war ich ziemlich labil, und als er auf die Bühne trat, bekam ich fast einen Nervenzusammenbruch. Er sang: Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient. Das hat mir meine Stärke wiedergegeben. Für mich sind die Dinge im Leben wichtig, die Bestand haben. Udo Jürgens war Kontinuität. Auf den konnte ich mich verlassen. Dass da immer etwas ist, das mich berührt. Gerade in Deutschland ist heute in der Unterhaltung nicht mehr viel Wärme da.

Leserkommentare
  1. Oliver Polak ist einfach nicht lustig. Sein ganzes Konzept basiert darauf das er (unglaublich Flache) Witze sagt, welche Deutsche nicht sagen dürfen.

    Neben Ihm ist Mario Barth Hochkultur.

    Das er seiner Komik jüdische Komik attestiert ist unglaublich arrogant, wenn man sich Lewis Black, Sarah Silvermen, Jon Stewart, Die South-Park Macher und Bill Maher anschaut.

    Irgendwie kann man es auch mit der Ethnocomedy auch übertreiben, wenn die Comedy so flach ist.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann das selbstvergebene Etikett "jüdischer Humor" im Falle von Oliver Polak auch nicht ganz nachvollziehen.

    Jon Stewart oder beispielweise Fran Drescher ("The Nanny") sind besonders dann lustig, wenn sie sich gerade einmal komödiantisch mit ihrer jüdischen Herkunft befassen. Sie tun das mit einer angenehmen - sehr undeutschen - Gelassenheit.

    Und: Sie tun das eben nur manchmal! Wenn aber alles nur immer um das Thema jüdischer Glaube/Herkunft kreist, wird es doch schnell dröge und langweilig...

    Hut ab vor Oliver Polak, und lustig fand ich ihn in einer Comedysendung, die ich mal sah, außerdem.

    Jeder Geschmackswächter zieht Mario Barth als Vergleich heran, was soll das? Polak, Barth, Helge Schneider, Harald Schmidt, die finde ich alle sehr lustig.

    Kann es sein, dass ansprechende Komik in ihren besten Momenten das tragische Element des Lebens derartig ins Absurde überführt, dass man darüber lachen kann?

    Ich kann das selbstvergebene Etikett "jüdischer Humor" im Falle von Oliver Polak auch nicht ganz nachvollziehen.

    Jon Stewart oder beispielweise Fran Drescher ("The Nanny") sind besonders dann lustig, wenn sie sich gerade einmal komödiantisch mit ihrer jüdischen Herkunft befassen. Sie tun das mit einer angenehmen - sehr undeutschen - Gelassenheit.

    Und: Sie tun das eben nur manchmal! Wenn aber alles nur immer um das Thema jüdischer Glaube/Herkunft kreist, wird es doch schnell dröge und langweilig...

    Hut ab vor Oliver Polak, und lustig fand ich ihn in einer Comedysendung, die ich mal sah, außerdem.

    Jeder Geschmackswächter zieht Mario Barth als Vergleich heran, was soll das? Polak, Barth, Helge Schneider, Harald Schmidt, die finde ich alle sehr lustig.

    Kann es sein, dass ansprechende Komik in ihren besten Momenten das tragische Element des Lebens derartig ins Absurde überführt, dass man darüber lachen kann?

  2. wenn Udo Jürgens ein Trost ist...?

    Eine Leserempfehlung
  3. 3. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  4. Ich kann das selbstvergebene Etikett "jüdischer Humor" im Falle von Oliver Polak auch nicht ganz nachvollziehen.

    Jon Stewart oder beispielweise Fran Drescher ("The Nanny") sind besonders dann lustig, wenn sie sich gerade einmal komödiantisch mit ihrer jüdischen Herkunft befassen. Sie tun das mit einer angenehmen - sehr undeutschen - Gelassenheit.

    Und: Sie tun das eben nur manchmal! Wenn aber alles nur immer um das Thema jüdischer Glaube/Herkunft kreist, wird es doch schnell dröge und langweilig...

    2 Leserempfehlungen
  5. 5. [...]

    Entfernt. Tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikel bei. Die Redaktion/mak

  6. Ich habe ihn mal live gesehen. Die Show war nicht lustig, nicht originell, und noch dazu unfair.

    Obgleich kein Witz zündete, war es durch das ständige Betonen des eigenen Judentums ein bisschen so, als würde ein Ausbleiben von Beifall auch gleich eine Ablehnung des Judentums bedeuten.
    Ich empfand das als unfaires Mittel, sein Publikum politisch-moralisch unter Applauszwang zu stellen und nicht durch Originalität und Witz zu überzeugen.

    Mein Endruck ist, dass Polak seine Glaubenszugehörigkeit instrumentalisiert, um eine Aufmerksamkeit zu erhalten, die sich durch seine Fähigkeiten als Comedian nicht einstellen würde.

    3 Leserempfehlungen
  7. oder war der Interviewer so unterirdisch, dass man aus dem Artikel null Aussage entnehmen kann?

    • Mari o
    • 02.05.2012 um 7:51 Uhr

    gefällt mir
    in Deutschland ist heute in der Unterhaltung nicht mehr viel Wärme da.
    gefällt mir
    mehr Aussage geht nicht

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