Eigentlich hat es ziemlich lange gedauert, bis der Eklat im Spiegel-Verlag öffentlich wurde. Erst verging der März und dann noch fast der April. Doch irgendwann fuhr ein Mitarbeiter den Fahrstuhl hinunter und trug sein Wissen aus der Ericusspitze in die Hamburger Medienlandschaft hinaus. Nun wissen alle: Im Verlag kämpfen zwei Fraktionen um die Zukunft des Journalismus, und sie kämpfen nicht gemeinsam, sondern Stirn an Stirn.

Nun ist der Spiegel nicht irgendein Magazin – und Spiegel Online nicht irgendeine Internetbude. Beide stehen für Spitzenleistungen ihrer Gattung im deutschen Journalismus, und vielleicht bilden sie genau deshalb die Konflikte zwischen Großredaktionen für Print- und iPad-Ausgabe auf der einen und Internetredaktionen auf der anderen Seite so klar ab. Printmedium reibt sich an Onlinemedium. Bezahltes Magazin an werbefinanziertem Gratisangebot. Und umgekehrt.

Dieser Konflikt gärt in allen Verlagen, und der Druck ist übers vergangene Jahr gewachsen, weil Magazine, Wochen- und Tageszeitungen am Kiosk merklich weniger Ausgaben verkaufen, während die Leserschaft von Onlinemedien weiter wächst.

Beim Spiegel gingen im vergangenen Jahr im Schnitt etwa zehn Prozent weniger Exemplare am Kiosk weg als noch im Jahr davor.

Spiegel Online meldet derweil, dass die Zahl der Leser im Jahresvergleich um zehn Prozent gestiegen sei.

Um darauf zu reagieren, hatten sich vor Wochen acht führende Köpfe aus Redaktion und Verlagsmanagement getroffen. Sie wollten das künftige Verhältnis zwischen Internetangebot und Magazin klären. Was Ersteres für Letzteres tun könne. Wie man das Magazin im Digitalen besser präsentiert. Wie man der verbreiteten Annahme begegnen könnte, Spiegel und Spiegel Online seien identisch. Es ging um Details: Keine Artikel mehr aus dem aktuellen Blatt im Netz statt wie zuvor etwa fünf pro Woche, alle archivierten Geschichten sollten nicht mehr nach zwei Wochen online zugänglich sein, sondern erst nach vier Wochen.

Fünf zu drei gegen Mascolo

Gängige Praxis ist das längst. Man wollte aber noch einmal darüber reden. So erinnern sich Zeugen, und sie sagen auch, dieses Treffen hätte der Endpunkt unter einer monatelangen hausinternen Debatte sein sollen.

Doch dann brachte der Chefredakteur des Magazins, Georg Mascolo, für viele Beteiligte überraschend vor: Wenn man über das Verhältnis von Spiegel und Spiegel Online rede, müsse man auch grundsätzlich darüber diskutieren, ab wann Online für einzelne Artikel Geld verlangen werde.

Da wurde es leidenschaftlich, und am Ende stand es ziemlich deutlich fünf zu drei. Gegen Mascolos Vorschlag.

Der Konflikt ist ein neuer Höhepunkt im Wandel der Presselandschaft, was auch daran liegt, dass an der Spitze von Magazin und Nachrichtenportal zwei Männer stehen, die sich noch vor einem Jahr den Job geteilt haben: Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron waren Doppel-Chefredakteure des Spiegels. Jetzt macht Mascolo das Blatt alleine, und Müller von Blumencron ging, allerdings nicht weit, er übernahm alles Digitale und damit Spiegel Online, das er maßgeblich mit aufgebaut hat.