Parfum von Christian Dior, 88 Euro © Peter Langer

Welches Bild der Mann sich von sich selbst macht, erkennt man auch daran, wie er riechen möchte. Die moderne Duft-Geschichte des Mannes beginnt mit Cool Water von Davidoff, einem Parfüm aus einer Zeit, da man Zigarettenherstellern noch zutraute, Düfte zu kreieren. Heute fast undenkbar. Cool Water wurde mit einem eindrucksvollen Spot beworben: Ein braun gebrannter Mann stürzt sich von einer Klippe in blaue Fluten, die ihm endlich die Abkühlung verschaffen, von der er schon den ganzen Tag lang träumt. Und entsprechend roch Cool Water auch. So als habe sich da jemand frisch gewaschen, ja, als habe da jemand wirklich eine Vorliebe für Wasser. Mehr war es vielleicht auch nicht, was sich eine Frau in diesen Jahren von einem Mann wünschen konnte: dass er nicht mehr riechen sollte wie ein Moschusochse.

Dann allerdings stiegen die Ansprüche an den Mann, und die Düfte wurden komplizierter. Parfums trugen plötzlich orientalische Noten, der Mann wollte mystisch verklärt werden – er sollte ein Geheimnis bekommen. Männer wollten entdeckt werden – und ein bisschen mehr so sein wie eine Frau.

Passend dazu näherten sich die Duftnoten von Mann und Frau an. Die Damenparfums wurden etwas mehr wie die Herrendüfte , die Herrendüfte mehr wie die Damenparfums, bis es schließlich mit Produkten wie CK one einen Duft für Frauen und Männer gab.

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Mittlerweile ist schwer zu unterscheiden, was ein Damen- und was ein Herrenduft ist. So ist Untitled von Martin Margiela zwar für die Frau, beinhaltet aber herbe Noten wie Bergamotte. Der neue Damenduft von Bottega Veneta versucht sogar, den Geruch von Leder und alten Büchern in Flakons zu füllen.

Bei so viel Annäherung war es nur eine Frage der Zeit, bis es zum Comeback des klassischen Herrenduftes kommen würde: Christian Dior bringt im Mai den Sechziger-Jahre-Klassiker Eau Sauvage mit seinen starken holzigen Noten wieder auf den Markt. Myrrhe und Vetiver machen ihn noch kräftiger als damals. Man muss sofort an rauchige Salons und Gläser voll Bourbon denken, wenn man ihn in der Nase hat. Und an Männer, die nicht über ihre Rolle nachgrübeln. Wahrscheinlich noch nicht einmal darüber, ob sie sich überhaupt gewaschen haben.