WochenmarktMit dem Frühling kommt der Löwenzahn

Die Blätter, die sich frech durch Risse im Asphalt schieben, sollte man lieber stehen lassen. Frisch vom Händler schmeckt der Löwenzahn jedoch köstlich zu Ei und Speck.

Es gibt heute Restaurants, die sich auf mediterrane Armeleuteküche spezialisiert haben und auf deren Speisekarten jetzt im Frühjahr Löwenzahnsalat steht. Wer sich über diese Sozialromantik ärgert, sollte sich daran erinnern, dass Löwenzahn in den achtziger Jahren eine Fernsehsendung für Kinder war, in der das Unkraut für alles Wilde stand. Schließlich wächst diese freche kleine Pflanze dort, wo sie gar nicht wachsen darf. Im Vorspann der Sendung schieben die Blätter sich durch den grauen Asphalt der Stadt.

So sieht jede Gesellschaft etwas anderes im Löwenzahn. Es wäre ein schönes Thema für eine kulturwissenschaftliche Hausarbeit, die im 17. Jahrhundert mit John Evelyn beginnen könnte. Der Vegetarier der ersten Stunde erwähnte den Löwenzahn in seinem Gartenbuch, das, wörtlich übersetzt, den Titel »Salatdiskurs« trägt. Er schreibt auch, dass in der griechischen Mythologie die Göttin Hekate einen Löwenzahnsalat für Theseus zubereitet habe. Evelyn hat allerdings auch einen ausführlichen Reiseführer über Teneriffa verfasst, ohne jemals dort gewesen zu sein. Man kann sich auf seine Behauptungen also nicht unbedingt verlassen.

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Statt den Löwenzahn, der überall auf den Bürgersteigen in der Stadt wächst, zu pflücken, nimmt man lieber welchen aus dem eigenen Garten oder aus dem Gemüseregal im Biomarkt. Dort werden jetzt die jungen Blätter verkauft, die gerade bitter genug sind, dass sie eine aromatisch interessante Verbindung mit der Süße eines pochierten Eis und salzigem Speck eingehen. Dieser Salat ist ein Klassiker der Küche Frankreichs, wo der Löwenzahn den erstaunlich rüden Namen Pisse-en-lit trägt.

Alle Wochenmarkt-Rezepte

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Die Blätter werden gezupft, vielleicht auch mit der Hand geteilt, wenn sie zu groß sind. Dann wäscht man sie gründlich und trocknet sie in der Salatschleuder. Um ein Ei zu pochieren, bringt man in einem Topf Wasser mit einem Schuss Weißweinessig zum Kochen. Das Ei schlägt man am besten in eine Suppenkelle, mithilfe derer man es vorsichtig ins heiße, nicht mehr sprudelnde Wasser gleiten lässt. Das Ei färbt sich augenblicklich weiß. So kocht es – je nach Geschmack – 3 bis 5 Minuten. Mit der Kelle wird es wieder herausgeholt. Den Salat macht man mit Öl, Zitrone, Salz und Pfeffer an. Ganz am Ende wird der zuvor in der Pfanne ausgelassene Speck beigefügt und das pochierte Ei obendrauf gesetzt.

Löwenzahnsalat mit Speck und pochiertem Ei (für 2 Personen)

2 Handvoll Löwenzahnblätter
2 Eier
etwas Weißweinessig
Olivenöl, Zitrone, Salz, Pfeffer
80 g Speck

 
Leserkommentare
  1. ... – er lautet übrigens "pissenlit" – ist nicht rüde, sondern hebt schlicht und einfach auf die harntreibende wirkung des Löwenzahns ab; außerdem ist Löwenzahn auch in Frankreich "Löwenzahn", denn die weniger altjungfernschreckende Bezeichnung heißt ebenso: dent-de-lion, was wohl ebenso auf die reißzahnähnliche Form der Blätter zurückgehen mag.

  2. Passt aber gut zum Bärlauchrezept aus England !
    Aber eine Frage hätte ich schon noch : Bei welchem Händler bekommt man Löwenzahn ?

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    ....noch ein Rezept für Brennesselspinat. (Brennesseln nicht vom Straßenrand zupfen, sondern beim Händler kaufen. ;-) ).

    gibt es ihn. Einfach mal schauen, nachfragen oder eine nette, nicht gerade an einer Straße oder Hundeausführecke gelegene Wiese suchen. Das klappt hervorragend.

    ....noch ein Rezept für Brennesselspinat. (Brennesseln nicht vom Straßenrand zupfen, sondern beim Händler kaufen. ;-) ).

    gibt es ihn. Einfach mal schauen, nachfragen oder eine nette, nicht gerade an einer Straße oder Hundeausführecke gelegene Wiese suchen. Das klappt hervorragend.

  3. ....noch ein Rezept für Brennesselspinat. (Brennesseln nicht vom Straßenrand zupfen, sondern beim Händler kaufen. ;-) ).

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    Antwort auf "Armeleuteküche ?"
  4. gibt es ihn. Einfach mal schauen, nachfragen oder eine nette, nicht gerade an einer Straße oder Hundeausführecke gelegene Wiese suchen. Das klappt hervorragend.

    Antwort auf "Armeleuteküche ?"
  5. ein Hoch den Kräutern und Gräsern. Brennesseln aeren auch nach dem Krieg Spinatersatz. Es macht keinen Sinn die Leute über Mindstream auf Hasenfutter aufmerksam zu machen, nur damit man sich an Billigfutter gewöhnt.

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    um teuer zu kaufen?

    Der Rat hier war, dass man nicht selbst sammeln soll, sondern kaufen. Und billig sind die ganzen "alten" Obstsorten, Salate, Wurzeln, Gemüse und Kräuter, die man finden kann, nun wirklich nicht, wenn man sie kauft.

    Die meisten Menschen gehen ohnehin nicht raus, Essen sammeln, selbst wenn sie es könnten oder gar dort leben, wo es ein paar Schritte dahin wären.

    • ofos
    • 30.04.2012 um 0:12 Uhr

    Niemand will Lollo rosso (oder was gerade der in-Salat ist) durch Löwenzahn oder Melde (wobei Melde geschmacklich ein Fortschritt wäre) oder Spinat durch Brennesseln ersetzen. Es ist einfach nur eine Bereicherung. Billigfutter ist es nicht, nur weil es nichts kostet (sofern man es sammeln kann). Jedenfalls hab ich mehr Vertrauen in selbstgesammelte Wildkräuter als in "hochwertige" Salate oder Kräuter aus dem industriellen Anbau.

    • snoek
    • 30.04.2012 um 12:38 Uhr

    Köstlich, wenn ein Rezept für einen Salat wieder als Menetekel für den bevorstehenden Untergang der Zivilisation gewertet wird.

    um teuer zu kaufen?

    Der Rat hier war, dass man nicht selbst sammeln soll, sondern kaufen. Und billig sind die ganzen "alten" Obstsorten, Salate, Wurzeln, Gemüse und Kräuter, die man finden kann, nun wirklich nicht, wenn man sie kauft.

    Die meisten Menschen gehen ohnehin nicht raus, Essen sammeln, selbst wenn sie es könnten oder gar dort leben, wo es ein paar Schritte dahin wären.

    • ofos
    • 30.04.2012 um 0:12 Uhr

    Niemand will Lollo rosso (oder was gerade der in-Salat ist) durch Löwenzahn oder Melde (wobei Melde geschmacklich ein Fortschritt wäre) oder Spinat durch Brennesseln ersetzen. Es ist einfach nur eine Bereicherung. Billigfutter ist es nicht, nur weil es nichts kostet (sofern man es sammeln kann). Jedenfalls hab ich mehr Vertrauen in selbstgesammelte Wildkräuter als in "hochwertige" Salate oder Kräuter aus dem industriellen Anbau.

    • snoek
    • 30.04.2012 um 12:38 Uhr

    Köstlich, wenn ein Rezept für einen Salat wieder als Menetekel für den bevorstehenden Untergang der Zivilisation gewertet wird.

  6. um teuer zu kaufen?

    Der Rat hier war, dass man nicht selbst sammeln soll, sondern kaufen. Und billig sind die ganzen "alten" Obstsorten, Salate, Wurzeln, Gemüse und Kräuter, die man finden kann, nun wirklich nicht, wenn man sie kauft.

    Die meisten Menschen gehen ohnehin nicht raus, Essen sammeln, selbst wenn sie es könnten oder gar dort leben, wo es ein paar Schritte dahin wären.

    Antwort auf "Brennesseln"
    • ofos
    • 30.04.2012 um 0:12 Uhr
    7. Ersatz

    Niemand will Lollo rosso (oder was gerade der in-Salat ist) durch Löwenzahn oder Melde (wobei Melde geschmacklich ein Fortschritt wäre) oder Spinat durch Brennesseln ersetzen. Es ist einfach nur eine Bereicherung. Billigfutter ist es nicht, nur weil es nichts kostet (sofern man es sammeln kann). Jedenfalls hab ich mehr Vertrauen in selbstgesammelte Wildkräuter als in "hochwertige" Salate oder Kräuter aus dem industriellen Anbau.

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    Antwort auf "Brennesseln"
    • snoek
    • 30.04.2012 um 12:38 Uhr
    8. .....

    Köstlich, wenn ein Rezept für einen Salat wieder als Menetekel für den bevorstehenden Untergang der Zivilisation gewertet wird.

    Antwort auf "Brennesseln"

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