SkeptikerbewegungDie Apokalypse in den Köpfen

Esoteriker und Gurus setzen mit ihren Theorien dort an, wo die Wissenschaft aufhört. Ein internationales Netzwerk von Kritikern wehrt sich mit den Mitteln der Vernunft. Die Wiener Skeptiker haben dabei sogar den Staat zum Gegner. von 

Seine Wunderwaffe gegen die Gläubigen hat Heinz Oberhummer immer dabei, noch dazu an einem Freitag, dem 13. Wie wild fuchtelt er auf dem Podium damit herum. Die 150 Zuhörer im Vortragssaal des Wiener Naturhistorischen Museums toben vor Lachen.

Klick-klack machen die braunen Kügelchen in seiner Plastikdose. Darin ist der Dung der Alpakas von Oberhummers Bauernhof. Doch es ist mehr als reine Scheiße. In den Exkrementen wohnt Deinococcus radiodurans – besser bekannt als " Conan" das Bakterium . Es übersteht sogar die 1.500-fache Dosis an radioaktiver Strahlung, die jedes andere Lebewesen ausradiert. Wie Arnold Schwarzenegger im Film Conan der Barbar ist es einfach nicht umzubringen.

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Wenn Oberhummer auf jemanden trifft, der an den Weltuntergang glaubt, an Wahrsager oder anderen Hokuspokus, kann er zeigen, dass auch er schwach ist. Der Kot mache ihn stark, sagt er dann. Den Placeboeffekt seines Glücksbringers will er tatsächlich nicht mehr missen. "Skeptiker gelten ja als Ungustl, als Besserwisser", erklärt er. "Mit diesem Trick hören die Gläubigen einem zu. Man muss auf sie eingehen. Mit den Bemmerln hast du schon gewonnen."

Seit der Gründung der Skeptikerbewegung 1976 in den USA vernetzen sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt, um Pseudowissenschaften zu entlarven. Sie geben Zeitschriften heraus und informieren die Öffentlichkeit. Die Zeiten sind unsicher geworden; Religionen haben an Attraktivität verloren; Esoterik boomt .

Seit dem ersten Treffen vor zehn Jahren ist der Wiener Ableger der Skeptiker , die Gesellschaft für kritisches Denken, stetig gewachsen. Interessierte können beim Monatstreffen vorbeischauen und sich in die Mailingliste eintragen, die derzeit 250 Personen umfasst. Wie bei einem Alarmdienst der Vernunft treffen die Meldungen ein. Es geht um Astrologie-Seminare am Wirtschaftsförderungsinstitut, um Quantenheilung, um Aurachirurgie, Homöopathie oder Angstmache bei der Zeckenimpfung.

Ein Lieblingsgegner ist Johann Grander

Ein Lieblingsgegner ist Johann Grander. Wasser besitze ein Immunsystem, behauptet der Kitzbüheler, das beim Transport durch lange Leitungen zerstört wird. Er habe herausgefunden, wie man es wieder aktivieren kann: indem man eines seiner Geräte einbaut, die gutes Wasser enthalten, das dem schlechten seine Eigenschaften zurückgibt. "Betrüger" nannte ihn der Skeptiker Erich Eder , wurde von Grander geklagt und verlor vor Gericht. Die Bezeichnung "parawissenschaftlicher Unfug" ist aber zulässig.

Den Anwendern ist es egal – sie glauben an die Wirkung. Sogar die Lipizzaner sind Zeuge. Bei der Renovierung der Hofreitschule ließ Oberstallmeister Johannes Hamminger zwei Geräte zum Stückpreis von 1.800 Euro einbauen – seitdem tränken die Pferde mehr und hätten weniger Koliken. Gleichzeitig wurde auch der Speiseplan der Tiere umgestellt. Andere Unternehmen bestätigen die Wirkung der Geräte ebenfalls. Obwohl jeder wissenschaftliche Nachweis fehlt, bekam Grander 2001 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst von der Republik Österreich verliehen.

Ein Dorn im Fleisch der Skeptiker, die sich vergeblich um die Aberkennung bemühten. "Das ist die Anerkennung des Schwindels", schimpft Ernst Bonek, emeritierter Professor für Elektrotechnik der TU Wien. Sein Spezialgebiet sind elektromagnetische Felder, etwa von Mobiltelefonen. "Man sagt lieber Handystrahlung dazu. Das klingt bedrohlicher. Die Ärztekammer versucht das noch zu schüren, indem sie auf Plakaten gelb-schwarze Logos verwendet, die nach Atomkraft aussehen. Bis heute ist aber kein dauerhafter schädlicher Einfluss bewiesen worden."

Den Einwand, dass es diesen aber sehr wohl geben könnte, kontert er mit dem Yeti. Die Aussage "es gibt einen Yeti" sei nicht wissenschaftlich, weil es in abertausend Expeditionen nicht gelingen könnte, einen zu finden. Zu sagen, dass es keinen gibt, aber sehr wohl, weil sich das nach Karl Popper falsifizieren ließe – indem man einen Yeti bringt. Elektrosensible Personen müssten aber ernst genommen werden. In Versuchen litten sie tatsächlich, als sie die Wirkung elektromagnetischer Felder bewerten mussten, denen sie gar nicht ausgesetzt waren. Nocebo-Effekt nennt das die Wissenschaft.

Leserkommentare
    • fegalo
    • 04. Mai 2012 16:43 Uhr

    Diese "Skeptiker" sind gar keine wirklichen Skeptiker, sondern sondern wissenschaftsgläubie Materialisten auf Missionsreise.

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    Wissenschaft hat etwas was keine Religion, und kein Glaube hat: Reproduzierbare, für alle sichtbare Beweise und Methoden die darauf ausgerichtet sind Wunschdenken und Wahrhaben wollen soweit wie möglich reduzieren. Hier sind Doppelblindtest, Reproduzierbarkeit in anderen Laboren und Peer-Review zu nennen. Und es geht auch nicht darum zu "missionieren", sondern haltlosen Unfug Unfug zu nennen. Nur so können wir lernen.

    Wer Wissenschaft mit Glauben verwechselt hat von Wissenschaft keine Ahnung.

  1. ""It is scientifically interesting, but to me it doesn't have any human biological relevance."

    Es bleibt Unfug.

  2. Wissenschaft hat etwas was keine Religion, und kein Glaube hat: Reproduzierbare, für alle sichtbare Beweise und Methoden die darauf ausgerichtet sind Wunschdenken und Wahrhaben wollen soweit wie möglich reduzieren. Hier sind Doppelblindtest, Reproduzierbarkeit in anderen Laboren und Peer-Review zu nennen. Und es geht auch nicht darum zu "missionieren", sondern haltlosen Unfug Unfug zu nennen. Nur so können wir lernen.

    Wer Wissenschaft mit Glauben verwechselt hat von Wissenschaft keine Ahnung.

    Antwort auf "Skeptiker?"
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    • fegalo
    • 04. Mai 2012 21:05 Uhr

    Wissenschaft hat etwas was keine Religion, und kein Glaube hat: Reproduzierbare, für alle sichtbare Beweise und Methoden (…) Und es geht auch nicht darum zu "missionieren", sondern haltlosen Unfug Unfug zu nennen. Nur so können wir lernen.

    Schön und gut, aber das hat in dem Fall nichts mit Skepsis zu tun, sondern mit dem emotional engagierten Vertreten einer wohldefinierten, in dem Fall materialistischen Weltanschauung. Warum nennen es deren Vertreter nicht beim Namen? Auf die eigene Position wird die Skepsis jedenfalls nicht angewendet.

    Skepsis ist jedenfalls schon eine spätantike Position, die sich auf jede Möglichkeit der Erkenntnis bezog.

    Die Art und Weise, wie Sie hier lospoltern:

    Wer Wissenschaft mit Glauben verwechselt hat von Wissenschaft keine Ahnung.

    bestätigt genau das. Sie merken es nicht einmal.

  3. "Du kannst Menschen zur Wahrheit hinführen, du kannst sie aber nicht zwingen, sie zu begreifen."
    (Calvin & Hobbes)

  4. dieser art(skeptiker)!
    asura und pünktchen sind ein gutes anschauungs"material"
    nur weil man etwas sich nicht erklären kann, muss es doch nicht etwas spirituelles o.ä. sein!

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    und dann kommen Leute, die sich mit Aura-Fotografie beschäftigt haben und erzählen Ihnen, sie hätten ein Indigo-Kind und das wäre besonders in jeder Beziehung und könne auch mit der verstorbenen Oma Kontakt aufnehmen...

    Die Szene ist ein bunter Haufen Menschen, die sich überaus ernst nehmen. Ich mag einige davon ganz gern, nehme aber diesen Teil ihrer Gespräche nicht für voll und lasse sie unkommentiert.

  5. sind unterschiedlich Dinge. Kein vernünftiger Mensch mit wachem Verstand soll seine Skepsis über Bord werfen. Nur wenn Dinge bewusst ignoriert werden, wenn Tatsachen verdreht werden, egal von welcher Seite, kommen mir eben Zweifel an den selbsternannten Skeptikern UND euphorisierenden Esoterikern.
    Bezogen auf das Thema Elektrosmog sollte keiner so tun, als sitzen wir im Elfenbeinturm. Da hat sich in der Vergangenheit auch vieles zum Positiven gewendet, das muss man anerkennen. Nur wenn ich mir das Schönreden der Industrievertreter von vor 20-Jahren anschaue, gleichen sich die Argumente von damals denen von heute. Man kennt die alte Leier noch: "Eine Gefahr für die Bevölkerung hat nie und zu keiner Zeit bestanden". So ist es kein Wunder, wenn auch heute noch ähnlichen Argumenten nicht getraut wird. Ich glaube heute ist das zum Glück eher das Problem des verlorenen Vertrauens als der physikalisch messbaren Begründung. Die emittierten Felder wurden in den messbaren Feldstärken zwischenzeitlich nun einmal drastisch reduziert und das ist gut so. Allerdings stieg damit der Grad der Nutzungen (Handynutzung) vor allem bei kleineren Kindern in der Wachstumsphase und das sollte man schon mit gesunder Sorge betrachten. Wie sich das auswirken wird, weiss man heute eben noch nicht...

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    wie bei Erwachsenen. Daher wird die elektromagnetische Strahlung eines Handys hier den selben Schaden anrichten wie bei Erwachsenen:

    Gar keinen.

    Also: Keine Panikmache, lieber mal in ein Physikbuch kucken. Dann wird man nämlich feststellen was wir heute schon wissen.

  6. und dann kommen Leute, die sich mit Aura-Fotografie beschäftigt haben und erzählen Ihnen, sie hätten ein Indigo-Kind und das wäre besonders in jeder Beziehung und könne auch mit der verstorbenen Oma Kontakt aufnehmen...

    Die Szene ist ein bunter Haufen Menschen, die sich überaus ernst nehmen. Ich mag einige davon ganz gern, nehme aber diesen Teil ihrer Gespräche nicht für voll und lasse sie unkommentiert.

    Antwort auf "wünsche mir menschen"
  7. wie bei Erwachsenen. Daher wird die elektromagnetische Strahlung eines Handys hier den selben Schaden anrichten wie bei Erwachsenen:

    Gar keinen.

    Also: Keine Panikmache, lieber mal in ein Physikbuch kucken. Dann wird man nämlich feststellen was wir heute schon wissen.

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