Bürgerkrieg: Erreicht der Diktator Assad sein Ziel?
9.000 Tote, 200.000 Obdachlose, 40.000 Flüchtlinge – mit seiner Strategie der Zerstörung und Unterdrückung gewinnt Diktator Assad Boden. Von J. Bittner
© Louai Beshara/AFP/GettyImages

Ein Poster von Baschar al-Assad in Damaskus
Vor drei Wochen unterzeichnete Syriens Herrscher Baschar al-Assad einen Friedensplan der Vereinten Nationen. Laut der Übereinkunft sollten die Bombardements von Wohnvierteln aufhören, politische Gefangene freigelassen, medizinische Hilfe ermöglicht und Journalisten ins Land gelassen werden. Nichts von alldem ist geschehen. Zwar sind mittlerweile 30 UN-Militärbeobachter in Syrien angekommen, 300 sollen es in den kommenden Wochen insgesamt werden. Es ist abzusehen, dass es diesem Trupp genauso ergehen wird wie seinem Vorgänger von der Arabischen Liga. Deren Beobachter zogen nach wenigen Wochen ab, weil Assad sie nur das sehen ließ, was er sie sehen lassen wollte.
13 Monate Häuserkampf, mindestens 9.000 Tote, 200.000 Obdachlose, 40.000 Flüchtlinge, immer mehr Inhaftierte – schafft es Baschar al-Assad am Ende, mit seiner Strategie der Zerstörung und Unterdrückung durchzukommen? Wird Syrien das Land, in dem sich das Volk ergibt statt des Diktators? Ja, so könnte es kommen. Denn Syrien ist nicht Tunesien, Libyen oder Ägypten. Das Wurzelwerk des Regimes ist zu breit und zu gesund, als dass Assad so leicht ins Wanken geraten könnte.
Zwar besteht auch in Syrien die herrschende Schicht aus einer Minderheit. Sie, die Alawiten, machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Doch dieses Netzwerk dirigiert den gesamten Staat, und das heißt vor allem: das Militär.
Schätzungsweise 70 Prozent der Offiziere sind Alawiten. Viele der Führungsposten, wie die Befehlshaber der verschiedenen Waffengattungen, kommen direkt aus Assads Familie. Mit diesem »tiefen Staat« verfügt Assad über eine stabilere Basis als etwa Hosni Mubarak in Ägypten. Der konnte sich zwar lange auf das Militär verlassen; es war aber breit gefächert und selbstbewusst genug, um auf dem Höhepunkt des Umbruchs die Seiten zu wechseln. Eine solche Komplett-Desertion ist in Syrien so gut wie ausgeschlossen. Assads Generäle und Folterschergen hätten nichts zu gewinnen unter einer Herrschaft der Sunni-Mehrheit. Sie hätten vielmehr alles zu verlieren, womöglich auch ihr Leben.
Das galt in ähnlicher Weise auch für Libyen. Gaddafi hatte seine Günstlinge ebenfalls strategisch im System platziert. Doch seine Basis war schmaler und wegen der Macht verschiedener Stämme brüchiger. Deshalb erreichten die Revolutionäre und Abtrünnigen relativ schnell die »kritische Masse«, die notwendig war, um das Regime auszuhebeln. Einen solchen archimedischen Punkt könnte sich die syrische Opposition am ehesten in Hochburgen wie Homs verschaffen. Ebendeshalb lässt Assad sie in Schutt und Asche legen – was diesmal keine Nato verhindert.





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