Seither tobt ein eher sportlicher als kriegerischer Streit, der vornehmlich über das Guinness Buch der Rekorde ausgetragen wird. Libanesen kochten 2008 eine ganze Tonne Hummus auf einmal – Weltrekord. Daraufhin liehen sich israelische Konkurrenten vor den Toren Jerusalems von einer Fernsehzentrale eine Satellitenschüssel aus und füllten sie mit zwei Tonnen Hummus – neuer Weltrekord. Im Jahre 2010 rührten dann 300 libanesische Köche in der weltgrößten irdenen Schüssel zehn Tonnen Kichererbsenbrei an.

"Ich denke immer, was denken bloß die anderen Araber hier?"

Auch weit entfernt vom Krisenherd schwelt der Konflikt. Wie ist das in Berlin? "Politik ist ein heikles Thema", sagt der Israeli Bonwitt, "wenn man überhaupt ins Gespräch kommt." Der 24-Jährige erzählt von dem Tag, an dem ein junger Ägypter am Nebentisch ihn mit aggressivem Unterton fragte, "was wir Israelis hier eigentlich wollen". Aber dann seien sie ins Gespräch gekommen, am Ende hätten sie E-Mail-Adressen ausgetauscht und sich sogar die Hand gegeben: Adam, Fadi.

"Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einem Israeli die Hand gegeben habe", erinnert sich Fadi. Jetzt sitzt er gelegentlich mit seinen neuen Bekannten an einem Tisch, wenn auch mit gemischten Gefühlen: "Ich denke immer, was denken bloß die anderen Araber hier."

Azzam zuckt mit den Schultern: "Uns ist es egal, ob Araber oder Israelis hier essen. Das ist doch anders als im Libanon, Deutschland ist ein freies Land." Er erzählt, wie in seinem Restaurant schon über ein Benefizkonzert für die Ärzte ohne Grenzen in Gaza gesprochen worden sei – geplant von Arabern und Israelis. "Eigentlich wollen doch alle nur ihren Frieden", sagt Azzam.

Kann eine gemeinsame Esskultur tatsächlich die Verständigung zwischen den Völkern fördern? Adam Bonwitt wollte es wissen: Er schrieb seine Bachelorarbeit zum Thema Hummus und nationale Identität in Israel. Seine Untersuchung geht zurück bis zu den Wurzeln der arabischen Kochkunst, der mesopotamischen Hochkultur. Im Gebiet zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, in dem heute der Irak sowie Teile Syriens und der Türkei liegen, kreuzten sich einst viele Handelswege. Gewürze und Rezepte gingen über Jahrtausende hin und her. Arabische Gerichte bereicherten erst das antike Griechenland, später auch Rom und seine Provinzen.

Klare kulinarische Grenzen brachte auch die Neuzeit nicht. Nach 1948 kamen zionistische Siedler aus Syrien, dem Libanon oder Jordanien nach Israel. Ihnen schmeckte das Hummus der Palästinenser, und sie begannen, sich die fremde Esskultur anzueignen.

Bonwitt kommt in seiner Arbeit zu dem Schluss, dass die arabische Küche zum kulinarischen Bindemittel wurde zwischen Juden, die sonst nur der Glauben verband: die Kichererbse als Baustein nationaler Identität.

Nun sitzt Bachelor Bonwitt beim Palästinenser Azzam in Berlin-Neukölln und freut sich darüber, "dass dieser Laden, der Libanesen ein Zuhause gibt, dieselbe Funktion für Israelis erfüllt". Er tunkt sein Pitabrot in die samtige Paste und macht nebenbei ein politisches Zugeständnis: "Jeder Israeli weiß, dass Hummus eigentlich arabisch ist. Es gibt sogar ein stilles Einvernehmen darüber, dass die Araber das bessere Hummus machen."