Biergärten : Die Maß ist toll
Glückwunsch! Der Biergarten wird 200 Jahre alt. Wer hier einkehrt, der hat was zu erzählen. Sechs Geschichten zum Geburtstag
Schaumschläger
Man kann und sollte im Biergarten über alles reden. Das Redebedürfnis steigt direkt proportional zum Zeitverlauf, sprich: Getränkekonsum. Und die Themenvielfalt ist fast so groß wie die bayerische Biervielfalt; vom Wetter bis zu den Frauen, die trotz noch frischer Temperaturen kaum etwas anhaben. Nur über eins wird kaum gesprochen: das Bier.
Umso perplexer ist man, als der einsam wirkende Tischnachbar (Typ: zu große Jeansjacke) eine kurze Bemerkung zum Hofbräu, das hier im Muffat-Biergarten an der Isar ausgeschenkt wird, zu einem abendfüllenden Vortrag über die Grundlagen des Brauens nutzt. »Das Hofbräu«, hebt er an, »ist nach Pilsner Art gebraut – deswegen auch die stärkere, bittere Hopfennote.« Ihm selber schmecke es ja nicht so (was seine Trinkgeschwindigkeit nicht vermuten lässt), er möge obergärige Biere. »Aber die gibt es ja heute kaum noch, nur im Rheinland.« Zuerst aus Interesse, dann aus Mitleid und schließlich leicht widerwillig hört man zu, wie er über ober- und untergärige Hefen doziert; und darüber, dass das Münchner Wasser für das richtige Pils zu hart und das traditionelle Bier hier deshalb ein Dunkles gewesen sei.
Der Abend vergeht, ohne dass man mit seinen Freunden über drängende Themen wie Frauen, Fußball oder Fincas hätte reden können. Gebiete ihm einer Einhalt! »Das ist ja schön und recht, Herr Sowieso, aber woher wissen S’ das alles?«
Seine Miene versteinert. Er habe Brauereiwesen in Weihenstephan studiert, sagt er verlegen, sei aber nach den ersten zwei Jahren gescheitert: »Die hohe Chemie, das war nicht meins.«
Tragisch, denkt man, als er sich nach drei Maß verabschiedet, dass einer, der so für das Bier brennt, nicht brauen darf. Die vierte Maß schmeckt bitter und halb vergoren. Man sollte das Bier eben nicht zerreden!
Von Hans Gasser
Ruhezone
Mit dem Wirtsgarten Zur Mühle, tief unten im Isartal bei Strasslach, verweben sich mir schönste und schaurigste Erinnerungen an das Biertrinken im Freien. Eigentlich ein Lieblingsplatz: eine biedermeierliche Walmdachwirtschaft unter Kastanien; Stunden lassen sich wochentags an der sonnengewärmten Hauswand verhocken, nichts als Vogelflöten und jene leicht dösige Seelenruhe, wie sie dem klassischen Biergarten ansteht. Aber dann: »Rätätä, rätätä, morgen hamma Schädelweh, rätätä, rätätä, Schädelweh is schee!« Es naht mit Chorgesang und Rhythmusmaschine ein Gaudi-Floß. Zur Saison kommen sie hier öfters vorbeigerumst – Isarflöße, die schwimmende Perversion des Prinzips Biergarten, sehr beliebt bei Preiß’n-stämmigen Firmen als vermeintlich urbajuwarischer Frohsinn.
Lange her, dass ich mal mitgeschippert bin bei so einem Remmidemmi, instrumentiert vom Lederhosen-Dixie der Piddy-Jones-Band mit A Bier, a Musi und a Gschpusi; begleitet vom Schunkeln, von Frauenarzt-Witzen und den »Schlucki, Schlucki!«- Zuprostereien meiner Mitpassagiere. Grad schee fanden die es hier, inmitten von Brotzeitresten aus aufgeweichten Brezen und Senftüten. Grad schee, wenn sich beim schwankenden Tanzen die Wasserstürze häuften. Grad schee auch der Zustand des mitgeführten Plastikplanen-Klohäusls. Beim Zwischenstopp in der Mühle habe ich mich damals fluchtartig abgesetzt. A Ruah is! Kreischend sauste meine Floßbesatzung in den Gischtwolken der 300 Meter langen Floßrutsche abwärts und davon.
In der Mühle aber hörte man die Amseln und das leise Windfächeln in den Baumkronen. Und der tiefe Schluck festländischen Bieres, am Tisch im Kies, war der erste dieses Tages, der wirklich großartig schmeckte.
Von Renate Just






... in Oberfranken zumal, vor allem, wenn sie zu einer dieser vielen kleinen Brauereien gehören, die häufig nur für den eigenen Gastbetrieb brauen, wobei stets höchst seligmachende Stoffe dabei herauskommen. "Maßen" gibt's eher weniger, das fränkische Biermaß ist das "Seidla", 1/2 Liter, für welches in unseren Lieblingsbiergärten 1,80 Eurp fällig sind ...
mit kurzem a!
... li, tirilo, tirila ...
Wohl a Maß zvui?
... li, tirilo, tirila ...
Wohl a Maß zvui?
... li, tirilo, tirila ...
Wohl a Maß zvui?
"Trinken mit Maß" war 2011 eine Werbekampagne der Südtiroler Landesregierung, die eigentlich als Anti-Alkoholkampagne gedacht war. Viele Südtiroler haben die Aufforderung aber wörtlich genommen und sind von kleineren Gefäßen auf Maßkrüge umgestiegen, was den Bierkonsum wesentlich gefördert hat. Gleichzeitig hat man begonnen, sich in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Wirtshausbrauereien im südlichen Tirol wieder auf das bayerische Reinheitsgebot zu besinnen und das aus Mais, Konservierungsstoffen usw. hergestellte bierähnliche Getränk einer einheimischen Großbrauerei zu verschmähen. Und natürlich genießt man das gute Bier im Biergarten, getrübt nur durch das Sterben der Biergartenbäume (Roßkastanien) infolge der Miniermotte Armellaria.
Bevor jemand den Fehler merkt, stelle ich selbst richtig: Die Miniermotte, die dabei ist, die weißblütigen Roßkastanien in Europa auszurotten, heißt nicht Armellaria (das ist ein Pilz) sondern Cameraria ohridella nach dem Ohrid-See in Mazedonien, an dem sie erstmals beschrieben wurde und an dem ich das ausgezeichnete Skopsko Pivo getrunken habe.
Erst in den Biergarten und dann ruff auffe Mutti -
hoffentlich ist bald Sommer
vielleicht findet sich ja auch die ein oder andere Mutti im Biergarten.
vielleicht findet sich ja auch die ein oder andere Mutti im Biergarten.
vielleicht findet sich ja auch die ein oder andere Mutti im Biergarten.
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