BundesbankDie neue Hauptstadt

Wie Deutschland in der Krise agiert, wird zunehmend in Frankfurt entschieden. Was wollen die Währungshüter der Bundesbank?

Der 4. November des vergangenen Jahres dürfte der Kanzlerin noch lange in Erinnerung bleiben. An diesem Tag, es ist ein Freitag, sitzt Angela Merkel mit ihren Kollegen aus den Ländern der G20 in Cannes beisammen. Es geht um die Krise, und die Franzosen haben einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht: Die nationalen Zentralbanken in Europa sollen einen Teil ihrer Devisenreserven an den Internationalen Währungsfonds abtreten, der damit die Märkte beruhigen soll.

Schnell ist man sich einig, es fehlt nur die Zustimmung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der in Deutschland geblieben ist. Er wird benachrichtigt – und sagt Nein. Die Runde tobt. »Wer ist dieser Mann, wer hat seine Nummer?«, schnaubt Barack Obama. Immer wieder klingelt bei Weidmann das Telefon, doch der bleibt hart. Für ihn kommt der G-20-Plan einer unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenbank gleich. Die Staatslenker reisen ergebnislos ab.

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Ein deutscher Notenbanker, der die internationale Politik aufmischt? Das hat es zwar lange nicht mehr gegeben, aber jetzt wird man sich wohl daran gewöhnen müssen. In den vergangenen Monaten ist in Deutschland ein neues Machtzentrum entstanden: die Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main. Ein Jahr nach Weidmanns Amtsantritt beeinflusst sie zunehmend das wirtschaftspolitische Geschehen.

Wenn jetzt in Europa um den richtigen Weg aus der Krise gerungen wird, dann spielt die Bundesbank eine entscheidende Rolle. Für die Währungshüter ist es ein Balanceakt: Sie müssen für ihre Prinzipien kämpfen und zugleich erkennen, wann diese zum Dogma zu erstarren drohen.

Mit Einführung des Euro war die Macht der Bundesbank eigentlich gebrochen. Seit damals ist schließlich die Europäische Zentralbank (EZB) für die Währung zuständig. Danach galt die Bundesbank vorzugsweise als ausführendes Organ, das nicht viel zu melden hat. Die Notenbank musste Personal abbauen, und die verbliebenen Mitarbeiter schwärmten von der alten Zeit, als ein Wort aus der Bundesbank noch die Weltbörsen erzittern ließ und Jacques Delors, der Präsident der EU-Kommission, sagte, nicht alle Deutschen glaubten an Gott, aber alle glaubten an die Bundesbank.

Der Tiefpunkt war vielleicht an einem Herbstabend vor fünf Jahren erreicht. Die Notenbanker haben ins Frankfurt Zoopalais geladen, die Bundesbank feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank ist gekommen, die Kanzlerin hält die Festrede. Sie spricht über vergangene Erfolge und bemüht wieder einmal die Hyperinflation der Weimarer Republik, den Gründungsmythos der Bundesbank, deren Auftrag es ist, für stabile Preise zu sorgen. Es ist ein Ausflug ins Gestern. Die Berichte in den Zeitungen lesen sich wie Nachrufe.

Auch heute noch residieren die Notenbanker in einem Gebäudekomplex aus den siebziger Jahren, der am Stadtrand von Frankfurt in die Höhe ragt. Im Inneren dominieren dicke Teppiche und holzvertäfelte Wände, an denen die Arbeiten aus der hauseigenen Kunstsammlung etwas deplatziert wirken.

Doch schon Weidmanns Vorgänger Axel Weber holte junge und kluge Volkswirte in die Bank. Mithilfe seiner Mannschaft behielt er in der Finanzkrise den Überblick. Als Weidmann im vergangenen Jahr vom Kanzleramt an die Spitze der Bundesbank wechselte, trieb er die Erneuerung weiter voran.

Leserkommentare
  1. ...in Frankfurt entschieden... was für eine ehrliche aussage. wo sonst, als bei den banken wird über menschen entschieden. die politik ist doch schon lange am ende.

    14 Leserempfehlungen
  2. "Ein Streit im Rat der Notenbank hätte dem Euro leicht den Todesstoß versetzen können."

    Bitte streitet euch! Ein reinigendes Gewitter ist überfällig. Selbst wenn hier und da der Blitz einschlägt.

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    konnte man auch am Vorabend des erste Weltkriegs lesen.

    konnte man auch am Vorabend des erste Weltkriegs lesen.

  3. Haben uns diese Amok laufenden "Märkte" beschert.

    Jetzt geht das ganze den Bach runter.

    "Der Eurozone droht eine explosive Mischung aus Kreditklemme, Rezession und Massenarbeitslosigkeit, die durch den Fiskalpakt und die geplanten neoliberalen Strukturreformen noch verschärft werden dürfte."
    http://lostineurope.poste...

    So sehen die Wirtschaftsmeldungen dieser Tage aus:

    - Rezession: Autoverkäufe in Spanien auf 20-Jahres-Tief

    - Maschinenbau: Deutlich weniger Bestellungen aus dem Euro-Raum

    - Griechenland: Haushalt trotz Schuldenschnitt außer Kontrolle

    - Italien: Arbeitslosigkeit klettert auf Rekordwert

    - EZB-Geld verbraucht: Südeuropäische Banken können sich keine Bonds mehr leisten

    - Hedgefonds wetten auf weitere Verschärfung der Eurokrise
    http://deutsche-wirtschaf...

    7 Leserempfehlungen
  4. bei einer Bank, die einige ihrer Hauptaufgaben vor zehn Jahren verloren hat...

    O-Ton Thilo Sarrazin über seine Zeit als Bundesbanker:

    „Als Bundesbanker war die Arbeit der Woche nach eineinhalb Tagen dienstagmittags getan“

    http://www.welt.de/wirtsc...

    Ungeachtet der Kompetenz eines Jens Weidmann stellt sich die Frage, ob die Bundesbank mit dieser außerparlamentarischen Machtfülle ausgestattet sein soll, oder ob eine parlamentarisch legitimierte Alternative nicht zeitgemäßer wäre.

    k.

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    "Ungeachtet der Kompetenz eines Jens Weidmann stellt sich die Frage, ob die Bundesbank mit dieser außerparlamentarischen Machtfülle ausgestattet sein soll, oder ob eine parlamentarisch legitimierte Alternative nicht zeitgemäßer wäre."

    Völlig falsche Formulierung. Sie hätten statt "zeitgemäßer" vielleicht "angemessener", "sinnvoller" oder "wünschenswerter" oder Ähnliches schreiben sollen, um Ihren, von mir aus dem Kontext so abgeleiteten, Standpunkt besser zu verdeutlichen. Denn, was könnte bitte "zeitgemäßer" (im Sinne von "dem Zeitgeist mehr entsprechend") sein als eine nicht demokratisch legitimierte Institution?!

    ... dass Sarrazin nach eineinhalb Tagen fertig war. Da er nicht die entsprechende Kompetenz besaß wurde ihm vom Vortsand der Bundesbank kein nennenswertes Aufgabengebiet zugebilligt. Man hat ja sogar öffentlich erklärt, dass er inkompetent ist und deswegen im Vorstand unerwünscht ist. Wowereit hat ihn trotzdem in die Bundesbank entsorgt. Leider wird die Bundesbank immer mal wieder als Schrottplatz für ausgediente Politiker mißbraucht.

    Davon abgesehen hat sich die politische Unabhängigkeit, von besagten Personalentscheidungen mal abgesehen, bewährt. Darüber braucht man gar nicht weiter diskutieren.

    "Ungeachtet der Kompetenz eines Jens Weidmann stellt sich die Frage, ob die Bundesbank mit dieser außerparlamentarischen Machtfülle ausgestattet sein soll, oder ob eine parlamentarisch legitimierte Alternative nicht zeitgemäßer wäre."

    Völlig falsche Formulierung. Sie hätten statt "zeitgemäßer" vielleicht "angemessener", "sinnvoller" oder "wünschenswerter" oder Ähnliches schreiben sollen, um Ihren, von mir aus dem Kontext so abgeleiteten, Standpunkt besser zu verdeutlichen. Denn, was könnte bitte "zeitgemäßer" (im Sinne von "dem Zeitgeist mehr entsprechend") sein als eine nicht demokratisch legitimierte Institution?!

    ... dass Sarrazin nach eineinhalb Tagen fertig war. Da er nicht die entsprechende Kompetenz besaß wurde ihm vom Vortsand der Bundesbank kein nennenswertes Aufgabengebiet zugebilligt. Man hat ja sogar öffentlich erklärt, dass er inkompetent ist und deswegen im Vorstand unerwünscht ist. Wowereit hat ihn trotzdem in die Bundesbank entsorgt. Leider wird die Bundesbank immer mal wieder als Schrottplatz für ausgediente Politiker mißbraucht.

    Davon abgesehen hat sich die politische Unabhängigkeit, von besagten Personalentscheidungen mal abgesehen, bewährt. Darüber braucht man gar nicht weiter diskutieren.

  5. Also wenn sein Kommentar zu vergabe von einer Billionen an Banken den Euro zu Fall hätte bringen können, dann sollte man mal darüber nachdenken den Euro wirklich aufzugeben. Dieser Euro wird durch die Eliten Verteidigt komme was da wolle, über alternativen wird gar nicht diskutiert lieber schafft man die Demokratie in Europa ab und sorgt dafür dass die Macht weiter konzentriert wird und wem nützt es ? Qui Bono?

    Ich denke nicht dem Durchschnittsbürger, sowohl eine schwache als auch eine starke Währung haben ihre Vor und Nachteile nur weil die Amerikaner ihren Dollar haben der Weltweit verbreitet ist, haben sie doch noch lange keine bessere Gesellschaft als wir und auch ihre Wirtschaft ist nicht effizienter.

    Gäbe es die D-Mark wieder, hätte zumindest der Deutsche Wähler und das Grundgesetz mehr Entscheidungskompetenzen. Oder wie wäre es mal mit einer Europäischen Währung in der aber nur die Länder vereinigt werden die einen ähnlichen Wirtschaftsstand haben!

    3 Leserempfehlungen
    • mahkay
    • 03.05.2012 um 21:57 Uhr

    Ihren Interessenvertretern, eeh ich meinte Politikern.

    Und von was für eine Finanzkrise sprechen die?
    Die Renditen sind doch üppig, dank der Sparmaßnahmen und Schaffung massenhafter präkerer Arbeitsverhältnisse.

    Fragt sich was die da eigentlich inoffiziell bereden wollen?

    Ohne Zweifel wird das, was man bespricht, nicht zum Wohle des Volkes sein.

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    • keox
    • 03.05.2012 um 23:32 Uhr

    "Ohne Zweifel wird das, was man bespricht, nicht zum Wohle des Volkes sein."

    da können Sie getrost von ausgehen.

    Denn:

    "Weidmann kann damit umgehen. Lange vor seinem Eintritt in die Bank arbeitete er als Generalsekretär des Sachverständigenrats die Blaupause für die Agenda 2010 aus."

    Und weiter, auf €uropa bezogen:

    "Eine konsequente Haushaltssanierung und entschlossene Strukturreformen sind die beste Wachstumspolitik, weil dadurch Vertrauen geschaffen und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt wird."

    Das heißt, ganz €uropa wird dem deutschen Diktat von Lohn- und Sozialabbau unterworfen.

    Schröder prahlte noch mit €uropas größtem Niedriglohnsektor, Merkel ist da schon weiter, sie träumt von einem gigantischen europäischen Niedrigstlohnsektor.

    €uropa ist freigegeben zur Plünderung.

    • keox
    • 03.05.2012 um 23:32 Uhr

    "Ohne Zweifel wird das, was man bespricht, nicht zum Wohle des Volkes sein."

    da können Sie getrost von ausgehen.

    Denn:

    "Weidmann kann damit umgehen. Lange vor seinem Eintritt in die Bank arbeitete er als Generalsekretär des Sachverständigenrats die Blaupause für die Agenda 2010 aus."

    Und weiter, auf €uropa bezogen:

    "Eine konsequente Haushaltssanierung und entschlossene Strukturreformen sind die beste Wachstumspolitik, weil dadurch Vertrauen geschaffen und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt wird."

    Das heißt, ganz €uropa wird dem deutschen Diktat von Lohn- und Sozialabbau unterworfen.

    Schröder prahlte noch mit €uropas größtem Niedriglohnsektor, Merkel ist da schon weiter, sie träumt von einem gigantischen europäischen Niedrigstlohnsektor.

    €uropa ist freigegeben zur Plünderung.

  6. konnte man auch am Vorabend des erste Weltkriegs lesen.

    2 Leserempfehlungen
    • keox
    • 03.05.2012 um 23:32 Uhr

    "Ohne Zweifel wird das, was man bespricht, nicht zum Wohle des Volkes sein."

    da können Sie getrost von ausgehen.

    Denn:

    "Weidmann kann damit umgehen. Lange vor seinem Eintritt in die Bank arbeitete er als Generalsekretär des Sachverständigenrats die Blaupause für die Agenda 2010 aus."

    Und weiter, auf €uropa bezogen:

    "Eine konsequente Haushaltssanierung und entschlossene Strukturreformen sind die beste Wachstumspolitik, weil dadurch Vertrauen geschaffen und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt wird."

    Das heißt, ganz €uropa wird dem deutschen Diktat von Lohn- und Sozialabbau unterworfen.

    Schröder prahlte noch mit €uropas größtem Niedriglohnsektor, Merkel ist da schon weiter, sie träumt von einem gigantischen europäischen Niedrigstlohnsektor.

    €uropa ist freigegeben zur Plünderung.

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