Film "Tomboy" : Der kurze Sommer der Anarchie

"Tomboy" von Céline Sciamma ist ein wunderbarer Film über den Transit der Geschlechter.

Das erste Bild zeigt einen Nacken, zentral und nah gefilmt. Man sieht die Wirbel am Haaransatz, die feinen Knochenlinien, die Kurvung vom Hals zu den Schultern. Man sieht die Empfindlichkeit und die Schönheit dieser Partie des menschlichen Körpers. Nur eines sieht man nicht: dessen Geschlecht. Es ist der Nacken eines vorpubertären Kindes mit blondem Kurzhaarschnitt, das die Ausformung in die erwachsene Gestalt noch vor sich hat.

Die Einstiegssequenz von Tomboy verrät viel über Céline Sciammas souveränen Umgang mit der Optik physischer Sinnlichkeit. Und sie verrät, was mindestens so wichtig ist, viel über die Intelligenz der französischen Nachwuchsregisseurin, Jahrgang 1978, im Umgang mit optischer Semantik. Der Blick auf den Kindernacken erzeugt ja, geradezu reflexhaft, eine Erwartung. Die Erwartung, dass sich im nächsten Moment eine Hand um den Hals legt, zärtlich oder gewaltsam, beides archaische Gesten.

Und tatsächlich: Das zweite Bild von Tomboy zeigt eine Hand in Großaufnahme – nur eben gegen die konventionelle Erwartung. Denn es ist nicht die Hand eines anderen, die nach dem Kind greift wie nach einem Objekt. Es ist die Hand des Kindes selbst, das in die Welt greift, und zwar dorthin, wo sie ohne Grenzen ist, in die Luft. Die zehnjährige Laure sitzt auf dem Beifahrersitz neben ihrem Vater, streckt den Arm aus dem geöffneten Autodach, lässt den Fahrtwind durch die Finger sausen, fühlt das Freiheitsglück des Unterwegsseins. Dieses Kind, das von hinten betrachtet ein Mädchen und genauso gut ein Junge sein könnte, ist auf alle Fälle ein Subjekt. Es bestimmt über seine Bewegungen und, wie sich im Lauf des Films zeigen wird, auch über den Ausdruck seiner Gestalt.


So leicht, so natürlich lässt sich das erzählen. So wenig, nicht mehr als zwei minimalistisch-elegante Bilder und ein paar dialogfreie Leinwandminuten benötigt Céline Sciamma, um ihre Geschichte über das Freiheitsgefühl geschlechtlichen Unterwegsseins zu entwerfen. Einen Sommer lang wird die schlaksige Laure so tun, sich so bewegen, so kleiden, so herumprügeln, als sei sie ein schmaler Knabe namens Michael. Laure ist jung genug, um äußerlich als dieser Michael durchzugehen, und alt genug, um sich mit voller Absicht in das Gender-Abenteuer zu stürzen; inklusive einiger praktischer Details wie der Auspolsterung der am entscheidenden Punkt verräterisch flachen Badehose mithilfe eines zur Wurst gerollten Stücks Knetmasse. Laure schaut sich im Spiegel von der Seite an – und hat Spaß an der Michael-Silhouette samt Schniedel.

Sie ist, darin liegen Zauber und Pointe dieses Films, kein gestörtes Problemkind, dessen Fall zwingend auf therapeutische Obhut zuliefe. Sie ist sogar, möchte man sagen, das Gegenteil eines Problemfalls. Voller Lust aufs Leben, auf Fußballspielen mit freiem Oberkörper, auf hemmungsloses Rennen, auf Spuckesammeln und Rausrotzen. Voller Neugier auf sich selbst und die Alternativen dieses Selbst. Laure will einfach wissen, wie es zugeht jenseits der Mädchengrenze, was passiert, wenn man sich eines Tages Michael nennt und als solcher mit einer Jungsclique in Wald und Wasser unterwegs ist. Laure quält sich nicht mit einer verkappten Identität. Sie gibt sich die Erlaubnis zum Experiment mit einer anderen Identität. Der Unterschied aber ist entscheidend, denn es ist der Unterschied zwischen Leiden und Ausleben. Genau deshalb liegt in der Freiheitsgeste des aus dem Autodach gestreckten Armes das Sinnbild von Tomboy und nebenbei eine Reminiszenz an Wim Wenders Alice in den Städten aus dem Jahr 1974. In diesem Film fährt die neunjährige Alice mit dem Journalisten Philip Winter, ihrem befristeten Ersatzvater, durch Deutschland, streckt vom Beifahrersitz aus den Arm aus dem Fenster und lässt den Fahrtwind durch die Finger sausen. Man muss schon, zumindest im deutschen Kino, ein paar Jahrzehnte zurückgehen, um einen Film zu finden, in dem das Coming-of-Age-Thema nicht als Magnet für katastrophale Familienverhältnisse, soziale Pressur und traurige Episoden wirkt. Unter den beschwingten Fliehkräften des Roadmovies bleibt das bedeutungsschwere Seelendrama auf der Strecke. Auch deshalb beginnt Tomboy mit einer rundum vergnügten Autofahrt. Laures Vater lässt die Tochter so einiges probieren, was andere Väter eher mit ihren Söhnen anstellen. Laure darf bei der Autofahrt das Lenkrad halten und in einer späteren Filmszene ein Schlückchen Bier aus seiner Flasche trinken. »Es wird Zeit, dass du pokern lernst«, sagt er dazu. Einen Bildschnitt weiter trägt er die Zehnjährige wie ein Baby auf dem Arm herum. Es verwischen sich in Laures Alter, das die Psychologie Latenzphase nennt, ja nicht nur die Geschlechtergrenzen, es vermengen sich auf wunderbare Weise auch die Etappen des Heranreifens. Pokernlernen und Daumenlutschen liegen nah beieinander.

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Kommentare

49 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Auffallend

bei diesem Transit bleibt, dass er in der Regel in der Richtung weiblich-männlich erfolgt (der umgekehrte Fall auf der Bühne oder im Film ist gesellschaftlich codiert als Lachnummer) und meist damit einhergeht, dass eine weibliche "Eroberin" sich etwas "aneignet", was angeblich nur Männern vorbehalten ist.

Jahrhunderte und Jahrtausende alte Standardbeispiele ("Stereotypen") aus der Kulturgeschichte: Die Frau, die sich das Soldatenhemd anzieht, erkannt, vielleicht kurz geschmäht, am Ende aber als Heldin gefeiert wird (Jeanne d'Arc). Umgekehrt ist ein Achill, der sich als Frau verkleidet, um nicht aufs Schlachtfeld zu müssen, bestenfalls eine Verlachnummer, schlimmstenfalls ein verabscheuungswürdiger Feigling.

Wie wäre es mal mit einem Mann, der sich als Frau ausgibt, um z.B. eine der nur für Frauen vorgesehenen Quoten-Professuren zu erlangen? (Frau Schavan hat dafür ein sehr teures Programm aufgelegt.) Wäre DAS nicht eine subversiv zeitgemäße Handlung, die TATSÄCHLICH einmal uralte Stereotype umkehrt?

Top!!

Ich kann Ihrem Kommentar nur zustimmen. Das Thema des "tomboyish girl" ist ja nun auch gar nichts Neues, sondern auch in der modernen Popkultur en vouge (z.B. Arya Stark in Game of Thrones). Deshlab kann man sich ja schon zu recht fragen, ob das Mädchen, das in dei Jungswelt vordringt, nicht bereits eine akzeptierte Version der weiblichen Geschlechtsrolle ist.

Ich habe auch mal versucht, Beispiele zu finden, wo der von Ihnen geforderte Umkehrschritt auf ernsthafte Artund Weise gewagt wurde. Mir fallen da aber stets nur Filme wie Big Mamas House oder Mrs. Doubtfire ein, die das Thema komödiantisch aufarbeiten.

Ja ja die armen Männer

Mir fällt spontan Billy Elliot ein, aber auch Orlando handelt nicht nur von der "aneignenden" Frau, sondern genauso vom Geschlechterwechsel. Vielleicht helfen Sie mir auf die Sprünge - einen bekannten gar international gezeigten Film über ein Mädchen, dass wirklich die Geschlechtergrenze hin und zurück überschreitet...?

Schwule Paare stehen eindeutig viel häufiger als lesbische Frauen im Mittelpunkt von Filmen oder tauchen am rande moderner Soaps auf... Männliches Transgender ist sicher im Film unterrepräsentiert und klischeehaft verzerrt - aber das nun gleich wieder gegen Frauen/weibliche Ausgangspunkte ausspielen zu wollen..??? Wer macht diese Filme? Nur Frauen? Vor allem Frauen?

Warum muss jedes aber auch jedes Thema, in dem Frauen im Mittelpunkt stehen gleich wieder herhalten, um die vernachlässigung von Männern zu behaupten?

Und was die angeblich für Frauen reservierte Professur - wo, was? warum? - betrifft:

Warum haben Sie eigentlich nicht geschrieen, als alles Professuren für Männer reserviert waren?

Und welchen Aufstand von Männern würde es geben, wenn wir heute fünfundachztig % Professorinnen hätten? In zwei Jahren wäre das geändert, meine Prognose - oder die Männer ständen mit der Knarre in der Universität...

# Herr Neumüller, ... hab´s mal höchst absichtsvoll probiert,

anlässlich einer Bewerbung um einen Job. Ist schon ein paar Jahre her. Es waren die Damen, die da überhaupt keinen Spaß kannten. Auch mein Angebot, bei der Arbeit nach schottenart einen Rock zu tragen, brachten mein Anliegen nicht wirklich weiter. Es stimmt schon, Frauen in Männerrollen gelten als mutig und kühn. Umgekehrt entsteht ein räudiger Hund oder nicht mal das, ´ne Transe halt, der man wenigstens auch schon mal ungestraft an´s Bein pinkeln darf, wenn´s beliebt ...
Als Chef de Maison führe ich diese Erkundung schon seit Jahren fort.
Ausgesprochen erhellend, interessant und lehrreich ist das.

Es gibt einen aktuellen Fall in Berlin

ein 11jähriges Kind mit männlichen Geschlechtsmerkmalen, das sich von Anfang an als Mädchen empfindet, kleidet, lebt. Die Mutter akzeptiert das, der von der Familie getrennt lebende Vater schaltete das Jugendamt ein, mit der Konsequenz, daß das Mädchen auf der Ebene einer (1) Einschätzung einer Mitarbeiterin des Jugendamts, ohne seriöses Gutachten, in die geschlossene Psychiatrie soll, ihr eine pubertätsaufschiebende Hormonbehandlung zum Zeitgewinn der Findung ihrer Identität und eine von ihr selbst erbetene begleitende Psychotherapie verweigert wird.

Das lässt sehr tief darauf blicken, wie sehr Transidentität immer noch als Krankheit betrachtet wird - m.M.n. ein Bruch mehrerer Menschenrechte. Mich empört auch, daß Klaus Wowereit, von dem man wegen seiner Homosexualität ein Minimum an Sensibilität zu sexueller Identität erwarten könnte, zu diesem Skandal laut schweigt.

Falls es Sie interessiert, die taz schrieb dazu lesenswerte Artikel http://bit.ly/xdzv6E und http://bit.ly/GWl2EH
Hier http://www.change.org/pet... eine Petition an Wowereit 'Diesem jungen Mädchen wird beigebracht, dass seine Gefühle falsch sind, es wird somit immer mehr in jene Selbstverneinung gedrängt, welche schon das Leben so vieler Transsexueller gefordert hat.'

Erfolgreiche Transfrauen http://bit.ly/xoveM dort ein link zu erfolgreichen Transmännern und ein Artikel von ZO zu den Härten im Beruf http://bit.ly/IHxGfp

Sie fühlen sich

aber schön angegriffen!

Interessanter Weise bestätigen Sie damit meine Aussage: Das gesellschaftliche Stereoptyp erlaubt die Vorstellung einfach nicht, Männer würden sich in für Frauen vorgesehene Exklusivbereiche einschleichen, während das umgekehrte Stereotyp seit Menschengedenken mit der stereotypen Konnotation versehen ist, hier würde sich jemand heroisch durchsetzen.

Stellen sie sich doch mal vor: Männer in der Kemenate (Privaträume gab es in den mittelalterlichen Burgen eher für Frauen als für Männer), Männer auf einer gender-Professur, Männer im Frauenhaus, Männer als Gleichstellungsbeauftragte. Welche Emotionen löst das in Ihnen aus?

Und jetzt stellen Sie sich vor: Die Frau als Kriegerin, die Frau als Professorin, die Frau auf dem Fussballfeld, die Frau im Raumschiff. Welche Emotionen löst DAS in ihnen aus?

Warum?

DESHALB werden Männer nie mit Gewalt in eine völlig verweibliche Universität eindringen, sondern außerhalb derselben bleiben (es gibt schon Studiengänge nur für Frauen. Wo gibt es welche nur für Männer? Wer regt sich darüber ERNSTHAFT auf?).

Irgendwann werden sie wieder etwas neues aufbauen, in das dann Frauen wieder eindringen werden, um es irgendwann zu übernehmen and so on and so on. Das nennt sich "Fortschritt". Die Männer sind dabei die Getriebenen - irgendwo müssen sie ja hin. Der Menschheit hats bisher genützt.

(Auch ja, und zu Frau Schavans Programm: http://www.bmbf.de/press/... )

Wer bitte macht denn das 'gesellschaftliche Stereotyp'?

Sie haben recht, daß Frauen in den letzten 100 Jahren in Männerdomänen eingedrungen sind - gegen immensen Widerstand von Männern. Daß Männer vermehrt in Frauendomänen eindringen, läßt zu meinem Bedauern sehr auf sich warten. Ich würde Männer im Kindergarten, der Grundschule und vermehrt in der Pflege sehr begrüßen, die in der Erziehung benachteiligten Jungen mit der erschreckend hohen Selbstmordrate wohl auch.

Bedauerlicherweise wird aber die klassische, ehedem unentgeltlich verrichtete Frauenarbeit in Erziehung und Pflege skandalös unterbezahlt, weswegen sie für Männer (Stereotyp der männlichen Versorgerrolle) wenig attraktiv ist.

Im Artikel geht es aber einmal nicht um Fragen der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern um Transidentität.

NATÜRLICH

"Im Artikel geht es aber einmal nicht um Fragen der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern um Transidentität."

Damit haben Sie sehr rcht, Ich wies ja nur daraufhin, wie die Richtung solcher Bewegungen gesellschaftlich konnotiert ist.

Ach ja, und der angebliche männliche Widerstand: sie können natürlich immer ein paar abfällige Bemerkungen von Ewiggestrigen finden, aber vergleichen Sie doch mal die sehr raschen Erfolge der Frauenbewegug mit denen von Demokratiebewegungen: Wieviele Frauen kamen ins Gefängnis? Wieviele starben auf Barrikaden? Wieviele wurden hingerichtet? Es gab in Deutschland NIE eine demokratische Verfassung ohne gleiches Wahlrecht für Frauen etc. etc.

Dem gesellschaftlich verbreiteten Stereotyp heroischer Leistung entspricht nicht unbedingt tatsächlicher Heroismus (was nicht heißt, dass ich Umstände bevorzugen würde, in denen solcher Heroismus nötig ist - aber man soll doch die Dinge einfach nüchtern beim Namen nennen, anstatt Mythen aufzubauen. Was ist so schlimm daran?).

In der Tat ein sehr guter Kommentar

Es ist einfach ein riesiges gesellschaftliches Problem, dass der Wechsel der Geschlechterrollen nur in eine Richtung als Gewinn erscheint. Die Nachricht ist klar: Mann sein ist wertvoll, Frau sein eher nicht.

Dennoch hat mich der Film neugierig gemacht. Und ich glaube, er würde auch mit "vertauschtem Geschlechtertausch" gut funktionieren. Das Geniale ist doch, dass die "Lachnummer" sich eben bei Kindern generell nicht ergibt. Kinder sind noch frei, sie haben keine eindeutige Zuordnun zu einem Geschlecht. Und während sich später physisch natürlich Unterschiede ergeben, können diese freilich heutzutage überhaupt nicht mehr die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rollen erklären.

Eindeutige Geschlechterzuordnungen erscheinen vor dem Hintergrund dieses Films archaisch. Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen einfach Menschen sein können.

Das ist unrichtig

Bitte denken Sie mal an Olympes de Gouges http://www.hannelore-schr... oder an die Sufragetten, die ziemlich häufig im Gefängnis saßen, weil sie sich für's Frauenwahlrecht einsetzten, beispielhaft Lucy Burns http://de.wikipedia.org/w... Alice Paul http://de.wikipedia.org/w... Emmeline Pankhurst http://de.wikipedia.org/w...

Es ist Unsinn, daß die Frauenbewegung 'sehr rasche Erfolge' zu verzeichnen gehabt hätte - sondern: sie ist Teil der mühsamen Demokratiebewegung ab Aufklärung und dauert auch so lang an. Von sapere aude ist nämlich ganz insgesamt nicht allzu viel zu merken.

Ein erster Schritt, um zum Thema zurück zu kehren, wäre, NICHT über Frauen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zu lachen, sie zu verachten oder zu diskriminieren. Dahinter stehen nämlich in der Regel sehr schmerzhafte persönliche Prozesse und schlimme Schicksale.

Auch da stellt sich die Frage, wer eigentlich das 'gesellschaftliche Stereotyp' bildet, wer also über transidente Frauen lacht und sie diskriminiert. Mein Eindruck von Feministinnen aller Couleur - die sind es nicht, das Gleiche gilt für Homosexuelle m/w.

Durch Frauen- und Homosexuellen-Bewegung kam erst überhaupt Bewegung in die öffentliche Wahrnehmung (und Rechtslage) von Menschen mit nicht-heteronormativer Identität.

Das fatale

an solchen Diskussionen ist, dass man als Mann immer gleich in eine Richtung gedrängt wird, die SO nicht gemeint war.

Um es etwas allgemeiner zu formulieren: Mit dem, was Sie in Sachen Sensibilisierung schreiben, DARIN gebe ich Ihnen Recht. AUF DIESER BASIS betrachte ich meine Reaktion als ein "Ja, aber", die um Sensibilität auch für die böse, böse Männerseite ...- wenn ich jetzt schreibe "wirbt", ist es schon wieder für die einen lächerlich unmännlich, für die anderen frauenfeindlich antifeministisches männliches Selbstmitleid.

Sehen Sie das Problem?

Die gesamte Gechlechtergeschichtsschreibung ist feministisch monopolisiert, d.h. zwangsläufig einseitig. Olympe de Gouches z.B. wurde NICHT hingerichtet als Frauenrechtlerin, sondern als Anhängerin der Monarchie - wie viele andere auch, darunter auch eine Minderheit von Frauen.

Auch Rosa Luxemburg z.B. saß im Gefängnis - nicht als Frauenrechtlerin, sondern als Sozialistin. Den Kampf um die Demokratie auf den Barrikaden haben merkwürdiger Weise praktisch nur Männer mit dem Leben bezahlt. Es wäre schön, wenn in der Geschlechtergeschichtsschreibung auch darauf eingegangen würde.

Und deuten Sie mein "Ja, aber" bitte nicht wieder der Einfachheit halber in ein grundsätzliches "Nein" um!

...;-)...

Ich kann Ihnen versichern, daß nicht nur Sie als Mann 'immer gleich in eine Richtung gedrängt' werden. Sie machen sich keine Vorstellung, was mir bei ZO schon alles an den Kopf flog, weil ich mich für Menschenrechte (darunter fallen die von Homosexuellen, Transidenten, Frauen, Männern) einsetze.

Sehr bezweifeln möchte ich, daß Olympe de Gouges oder Rosa Luxemburg ihren Einsatz für Frauenrechte vom Versuch der Vermeidung von Blutbädern in Form ihrer Absage an die Abschaffung der Monarchie per Schafott oder von der Freiheit der Andersdenkenden säuberlich unterschieden - das war für sie wohl kaum trennbar. Der Sinn von Blutbädern auf Barrikaden muß hoffentlich nicht diskutiert werden - ich persönlich halte das weder für heroisch noch für ein erstrebenswertes Konzept.

Ausführungen wie z.B. 'Irgendwann werden sie (Männer) wieder etwas neues aufbauen, in das dann Frauen wieder eindringen werden, um es irgendwann zu übernehmen and so on and so on. Das nennt sich "Fortschritt". Die Männer sind dabei die Getriebenen - irgendwo müssen sie ja hin.' lassen für mich entweder auf einen starken Hang zu Ironie schließen oder aber ich würde Ihnen gern ein Taschentuch zum Troste überreichen.

Es geht hier aber immer noch nicht um 'Die Männer sind dabei die Getriebenen' oder um die sie angeblich treibenden Frauen, sondern um Transidentität.

Ironie

Muss man immer eindimensional diskutieren? Darf es immer nur ein Entweder-Oder geben? Ihrer eigenen Vorstellung entsprechend müsste die Antwort doch lauten: Nein!

Aber alles männliche wird dann in eben dieser Art behandelt.

Dasa "Taschentuch" ist übrigens ein gutes Beispiel. Kennen Sie den Spruch: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"? Ich habe den in meiner Kindheit oft gehört - immer nur von Frauen. Am liebsten dann, wenn mir Tante Erzieherin oder Lehrerin gerade mal wieder eine Ohrfeige gegeben hat und ich zu zeigen wagte, dass es weh tat, zornig machte und/oder sonst eine unerwünschte Reaktion auslöste... ich bin damit aufgewachsen!

Deshalb: "Transidentität" ist glaubhaft nur, wenn sie Transzendierung erlaubt JEDER Erwartungshaltung mit der JEDER beliebige Mensch - auch Männer - konfrontiert ist. Ansonsten ist sie nicht glaubwürdig, sondern parteiliche Ideologie.

Transidentität

ist nicht nur dann glaubhaft, wenn alle daran glauben, sondern liegt im Empfinden der transidenten Person - das ist gerade im Übergang von einer Geschlechterrolle zur anderen extrem schwierig - in der Überschrift formuliert als 'Transit der Geschlechter'.

Den Indianer gefälligst ohne Schmerz kenne ich auch sehr gut, nicht nur von Frauen vermittelt übrigens, auch ich bin damit aufgewachsen. Ganz einig wären wir uns darüber, daß es auch reichlich Frauen gibt, die Heteronormativität und androzentrisch verstandene Geschlechterrollen stützen und ihren Kindern 'parteiliche Ideologie' vermitteln.

Von mir wird nicht 'alles männliche' ... 'in eben dieser Art behandelt' - sollte ich Ironie fälschlicherweise als Selbstviktimisierung verstanden haben, bitte ich um Verzeihung.

Trotzdem ist das Thema hier nicht Ihre oder meine Prägung zu männlicher/weiblicher Geschlechterrolle, sondern Transidentität.

Ich habe vor vielen Jahren eine transidente Frau auf dem Weg von männlicher zu weiblicher Rolle (inklusive operativer Angleichung) begleitet - eine Erfahrung, die für mich erhellend und schockierend zugleich war: Sie machen sich keinen Begriff, was Menschen auch von Psychiatern und Ärzten angetan wird.

Horrorszenarium

"Stellen sie sich doch mal vor: Männer in der Kemenate (Privaträume gab es in den mittelalterlichen Burgen eher für Frauen als für Männer), Männer auf einer gender-Professur, Männer im Frauenhaus, Männer als Gleichstellungsbeauftragte. Welche Emotionen löst das in Ihnen aus?"

Frage geht an Sie zurück - was finden Sie daran so gruselig? Können Sie die Vorstellung männlicher "Verweiblichung" - Ihr Ausdruck - nicht aushalten?

Ich wüsste wirklich gerne, wo man sie finden würde, wenn Frauen 85 % praktisch aller echten gesellschaftlichen Macht(!)positionen innehätten (...und ein kleiner, aber feiner und konstanter Prozentsatz von Frauen gerne mal den Ehemann krankenhausreif prügelte...).

Wären Sie da Männer-Aktivist - oder lieber am Herd oder unter dem Bett?

Wieso ich mich im Übrigen als Mann mit traditionell meist als typisch weiblich geltenden Zügen, Bedürfnissen und Eigenschaften von dem, was für Sie offenbar DAS Horrorszenarium ist, emotional getroffen fühlen sollte (oder woraus Sie das ablesen) ist mir schleierhaft. Aber vielleicht übersteigt so ein uneindeutiges Wesen auch schon wieder Vorstellungshorizonte....

@Pyr, Hallo

Auch mich (als Mann) hat dieser Trailer einerseits neugierig gemacht - anderseits kam mir einiges bekannt vor.
In der Tat, und da lobe ich Ihren Satz: "..Kinder sind noch frei..", auch ich hatte während meiner Kindheit eine solche Phase im umgekehrtem Sinne selbst (in eher unauffälliger Form) durchgemacht.

Doch die Psychologie ist dieselbe. Dies gehört m.E. zu unser biologischen Entwicklung - und dies hat Gründe. Was zählt ist aber der Einfluss von Außen, die Toleranz oder das Verstehen der Erwachsenen. Leider nicht überall positiv. Ich könnte jetzt sagen, wer in Biologie aufgepasst hat, der müsste Verständniss zeigen - und keine gesellschaftspolitischen Alarmstimmungen überleiten. Daher gehe ich nicht so weit den Inhalt dieses Filmes gleich als Basis für Auseinandersetzungen der Geschlechter in unserer Gesellschaft zu verstehen. Dafür gäbe es andere Beiträge in Schrift und auf Leinwand. Aber das Thema dieses Films finde ich toll und niedlich...

Anderseits sollte man fragen: Wird in unserer Leistungsgesellschaft den Kindern die Zeit der Selbstfindung auch durch frühen Leistungsdruck genommen?

Durchdringende Verwunderung

"Daß Männer vermehrt in Frauendomänen eindringen, läßt zu meinem Bedauern sehr auf sich warten."

Wir haben in Deutschland 1,8 Millionen Alleinerziehende.

95% davon sind Frauen!

Wir haben aus Strassburg die Bestätigung, dass in Deutschland die Väter DISKRIMINIERT werden, siehe Fall Zaunegger.

Stellen Sie diese DISKRIMINIERUNG endlich ab, dann werden Sie feststellen, dass viele Männer solche Aufgaben übernehmen werden.

Vielleicht ist es Ihnen entgangen, dass sehr viele Väter die Elterngeldmonate in Anspruch nahmen. Es würden viel mehr diese Monate in Anspruch nehmen und sich auch mehr für die Familie kümmern wollen, wenn die Randbedingungen stimmen würden!

In den 50er/60er Jahre hiess es "Samstags gehört Papi mir!".

Seitdem die Gewerkschaften voll von Feminist.I.nnen sind, werden nur noch die Themen "Frauen", "Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen", "Diskriminierung der Frauen am Arbeitsplatz durch 23% weniger Lohn bei gleicher Arbeit und Qualifikation", "Keine Frau in der Vorstandsetage", usw., usf. beackert.

Männer ? Ach so, dass sind nur die, die Beiträge bezahlen, für die müssen wir ja nichts tun. Die Väter sollen gefälligst länger arbeiten als die anderen, für sie gilt ja die "erhöhte Erwerbsobliegenheit" und man sollte sie dadurch von ihren Kindern möglichst lange fernhalten: Arbeit macht den Vater frei von seinen Kindern!

Nochmals, wer diese DISKRIMINIERUNG nicht sieht, der sollte sich bitte nicht so scheinheilig "wundern"!

Das wollen Sie?

Männer in Frauenberufen?

Dann machen Sie mal eine Meinungsumfrage bei Kindergartenmüttern, wie groß dann plötzlich die Akzeptanz für männliche Erzieher ist, wenn die mit ihrem kleinen Mädchen auf die Toilette gehen, da geht dann wieder sofort das Gespenst der Missbrauchsangst um.
"Tagesväter" oder männliche au pairs sind auch nur bei Familien mit ausschließlich Söhnen beliebt.
Männliche Hebammen würden bestimmt auch keinen großen Anklang finden.

Was für ein Gewese!

Eine schöne Besprechung eines anscheinend schönen Filmes. Aber was für ein Gewese über Geschlechterrollen!

Bei Enid Blyton, die sich nun genderpolitisch oder sonstwie sozialrevolutionär nicht weiter hervorgetan hat, kommt häufig ein Tomboy vor ("an ihr war ein Junge verlorengegangen", wie der Übersetzer regelmäßig formulierte), und Georgia lässt sich George nennen. So what?

Aber vielleicht ist es ja wirklich ein netter Film auch für Leute ohne Gender-Problematik.

Genderpolitisch - Erläuterung

"Was, bitte schön, ist Gender-Problematik, was ist genderpolitisch?"

Sie haben es erfasst. Wenn die Frage nicht rhetorisch gemeint ist, hier meine Erläuterung: Im angelsächsischen Bereich hat man sich entschieden, sexuelles und soziales Geschlecht sprachlich zu trennen. Statt also von "sex" oder deutsch "Geschlecht" zu sprechen, spricht man von "gender" wenn das soziale Geschlecht gemeint ist, also die sozialen Rollen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Prüderie? Vermutlich auch. Man (frau) will ja nicht immer "sex" sagen müssen.

Und da die Deutschen den Angelsachsen alles nachmachen, heißt es jetzt auch hier "Gender-Problematik" usw. Keine Ahnung wie man das ausspricht: Dschänder? Ghender? Gar nicht? "Genderproblematik" ist also das Problem, dass die Gesellschaft den Menschen aufgrund ihres biologischen Geschlechts soziale Geschlechterrollen zuweist, was tendenziell ja schon einmal fies ist. Um damit fertigzuwerden, muss man Genderpolitik machen.

"Bitte wenden Sie das neugelernte in einem ganzen Satz an!" - "Wir machen jetzt aufgrund der Gender-Problematik Mainstreaming ("Mehnstrieming") in den Schulen." "Sehr gut!"

Ist doch ganz einfach!

Klarer als bei Wiki, danke

Erstmal vielen Dank für den Erklärungsversuch und ich fühle mich jetzt doch etwas wissender.

Klar, klar, nur habe ich jetzt das Problem, innerhalb meiner (ohne im Deutschen bleiben zu müssen),Community, herauszufinden, wen ich genderesiern muss um ihn, sie, es, siehner oder ihne in eine noch zu bestimmende Sozialverhaltensschublade stecken zu können. Oder ist das etwa die Gender-Problematik?

Gibt´s eigentlich schon Erbsenzählmaschinen?

P.S. ich dachte immer, Mainstreaming kommt vom Main-Strom und der Mainströmung, also von dem Fluss, an dem Mainhatten liegt. Hätte so einfach sein können ;-)