Globalisierung: Die ängstlichen Globalisierer
Direktinvestitionen aus Schwellenländern gewinnen Bedeutung. Aber ist das gut oder schlecht?
© Getty Images

Fischer im Hafen von Yangon in Birma
Manche Arten der Globalisierung erscheinen nicht mal eingefleischten Globalisierungsgegnern als wirklich finster, zum Beispiel die sogenannten Direktinvestitionen. Das sind Käufe von Grundstücken, Produktionsanlagen oder ganzen Firmen in einem fremden Land, wobei der Käufer das notwendige Kapital aus der Heimat mitbringt und es nicht beispielsweise am Kapitalmarkt des Ziellandes leiht. In aller Regel geht es dabei nicht um flüchtige Spekulationen, sondern um ein langfristiges unternehmerisches Engagement.
Aber ist das wirklich eine gute Sache? Suchen Direktinvestoren bei ihrem Vormarsch in die ganze Welt nicht das Gleiche wie alle anderen auch – billige Arbeitskräfte, besonderes Know-how, günstige Rohstoffe oder neue Märkte?
Schon. Aber ein Direktinvestor glaubt, dass er diese Standortvorteile besser nutzen kann als die Unternehmen, die schon bisher vor Ort sind. Sonst könnte er es ja auch einfacher haben, ein paar Anteile an diesen ausländischen Unternehmen kaufen, um an künftigen Gewinnen teilzuhaben, oder, je nach Bedarf, einen langfristigen Vermarktungs-, Liefer- oder Partnerschaftsvertrag schließen.
Direktinvestoren signalisieren also, dass sie es besser können: Sie wollen Kontrolle übernehmen, weil sie nach eigener Einschätzung ein besseres Management oder eine überlegene Technik mitbringen. Sofern sie damit recht haben, gelten sie als ein wichtiger Motor für die Verbreitung von Wohlstand und Produktivität rund um die Welt. Bis 1990 leuchtete das sogar ohne Weiteres ein: Direktinvestitionen kamen damals fast ausschließlich aus fortgeschrittenen Industrieländern wie Deutschland oder den USA.
Das aber ändert sich gerade. Über die Jahre betrachtet, kommen mehr und mehr Direktinvestitionen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, besonders aus Südostasien und aus Lateinamerika. 1990 kamen nach UN-Angaben nur 5 Prozent aller Direktinvestitionen weltweit aus solchen Ländern, 2010 waren es aber schon 30 Prozent. Wohin floss das Geld? Insgesamt gesehen, landet heute etwa die Hälfte aller Direktinvestitionen in Industrieländern, die andere Hälfte geht in Entwicklungs- und Schwellenländer. Besonders beliebte Investitionsziele mit starken Zuwächsen waren 2011 die Länder Lateinamerikas und der Karibik (plus 35 Prozent) sowie Osteuropas.
Ob dieses neue Muster der Direktinvestitionen nun gut oder schlecht ist, für die Empfängerländer selbst und den Wohlstand der Welt insgesamt – daraus ist eine spannende Forschungsfrage für Ökonomen geworden. Bei einigen geht die Hoffnung um, dass Newcomer aus den Schwellenländern sogar besonders segensreich sein könnten, um den Wohlstand gleichmäßiger zu verteilen.
Direktinvestoren aus ärmeren Ländern ließen sich nicht von Widrigkeiten abschrecken, die sie von zu Hause schon gewohnt sind: ökonomische Instabilität etwa, politische Unsicherheit oder Korruption. Dank der Newcomer aus den Schwellenländern würde künftig also sogar dort investiert, wo sich früher keiner hintraute.
Interessanterweise sind aber drei Ökonomen – Christiane Krieger-Boden, Peter Nunnenkamp und Maximiliano Sosa Andrés – gerade zu einem ganz anderen Schluss gekommen. In einem gemeinsamen Forschungspapier haben sie sich die UN-Handelsstatistiken genauer angesehen, und sie sind zu dem Schluss gekommen: Die hoffnungsfrohe These lässt sich gar nicht belegen. »Es gibt starke empirische Evidenz dafür, dass Investoren aus Schwellenländern sogar noch zögerlicher sind«, schreiben sie.
Stattdessen kursiert seit einiger Zeit eine neue Lesart der verstärkten Investitionstätigkeit aus armen Ländern, die manchen hierzulande Sorgen macht. Investoren aus Schwellenländern, heißt es, engagierten sich zunehmend in der reichen Welt – als eine Art Abkürzung, um sich dort neue Technik zu beschaffen und diese in die Heimat mitzunehmen. Endgültig und amtlich belegen lässt sich das noch nicht.
Aber die drei Forscher schreiben: »Einige spektakuläre Übernahmen europäischer und US-amerikanischer Unternehmen durch Investoren aus Schwellenländern scheinen eine Bewegung in diese Richtung anzudeuten.«







"Investoren aus Schwellenländern, heißt es, engagierten sich zunehmend in der reichen Welt – als eine Art Abkürzung, um sich dort neue Technik zu beschaffen und diese in die Heimat mitzunehmen."
Sollte dies so sein - der Artikel schreibt, es sei nicht sicher - so wäre dies eine weitere Art der weltweiten Technologieverbreitung. Anhänger der Gerechtigkeit, nämlich der Gerechtigkeit zwischen alten Industrieländern und den aufstrebenden neuen, sollten begeistert sein. Andere Anhänger der Gerechtigkeit, nämlich die, die es ungerecht finden, wenn Technologien und damit Arbeitsplätze aus den Industrieländern abwandern, werden empört sein. Die dritten Anhänger der Gerechtigkeit, nämlich die, die hier Wissensdiebstahl wittern, sind wahrscheinlich auch empört, außer sie sind Piratenwähler. Die dürften begeistert sein, weil Wissensdiebstahl ja allen nützt.
würde ich ebenso wie mein Vorredner durchaus unter einem positiven Vorzeichen sehen. Im Übrigen belegen das auch einfache endogene Wachstumsmodelle wie Romers R&D-Model und die neueren Auslegungen dessen.
Das ist dann eben Ressourcenfluch mal andersrum, die Investoren kommen, holen sich was sie brauchen und das Kapital fließt wieder ab, am besten noch schön anonym über die altbekannte Steueroasen.
Und noch eins: Im ersten Absatz meinen Sie wohl Globalisierungskritiker und nicht G.-Gegner. Die Unterscheidung ist durchaus wichtig, sonst macht der Satz keinen Sinn.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren